Die möglichen Storylines von Superbowl XLVI

Wie letztes Jahr bietet auch heuer jede der vier noch möglichen Superbowl-Kombinationen einen roten Faden im PreGame-Hype.

Harbaugh Bowl

Oder „Harbowl“: Sollten sich die San Francisco 49ers und die Baltimore Ravens für das Endspiel qualifizieren, erleben wir das Bruderduell der HeadCoaches: Jim gegen John. Die beiden sind die ersten Brüder auf dem Cheftrainersessel (werden die Ryans die nächsten?) und ein Superbowl-Duell gleich im ersten Jahr? Bei John war ich übrigens richtig überrascht, als ich eben sah, dass der Mann bereits 49 Lenze hat – der Mann wirkt auf mich wie ein großer Junge, aber John Harbaugh coacht bereits seit 27 Jahren, erst an diversen Colleges, dann lange bei den Eagles und seit 2008 jedes Jahr als Playoff-Teilnehmer bei den Ravens. Jim war lange Zeit Quarterback in der NFL – erst als eher gescheiterter 1st rounder bei den Bears, dann als berühmter Captain Comeback bei den Colts und danach noch bei verschiedenen Teams zum Karriereausklar – 1998/99, erraten, auch bei den Ravens.

Punt Bowl

Packt es der John, der Jim jedoch scheitert, kriegen wir die Re-Match jenes Endspiels, die noch heute jedem Feinschmecker das Gansrupfn hervorruft: Ravens gegen Giants, Neuauflage der Superbowl XXXV aus Tampa – im vielleicht langweiligsten Superbowl aller Zeiten mit seinen 21 Punts und der sterilen Giants-Offense um den QB Kerry Collins (39 Passversuche, 15 Completions für 114yds, 4 INTs), gegen den der nicht minder unterirdische Ravens-QB Dilfer wie ein blitzblanker Superstar aussah. Damals Superbowl-MVP: Ray Lewis, ein Jahr nach nur zweifelhaft widerlegten Mordanschuldigungen gegen seine Person.

Brady gegen die 49ers

Dazu muss man noch weiter zurückgehen: Patriots-QB Tom Brady ist in San Mateo/CA aufgewachsen, einen Steinwurf von der Golden Gate Bridge entfernt. Brady war ein grundsolider Quarterback am College, und „seine“ NFL-Mannschaft, die San Francisco 49ers, suchten nach dem Karriereende des Steve Young im April 2000 einen neuen Quarterback im Draft – in jenem Draft, in dem auch Brady, der Quarterback der Michigan Wolverines, auf seine Berufung hoffte.

San Francisco mit seinem HeadCoach Steve Mariucci und dem Berater Bill Walsh, beide anerkannte Quarterback-„Gurus“, zückten in Runde #2 Giovanni Carmazzi von Hofstra und versetzten Brady damit den Tiefschlag.

Brady fiel quer durch die Draft-Boards und wurde erst an #199, als siebter Quarterback, von den New England Patriots gezogen. Der Rest ist Geschichte: Brady schrieb kurz nach Kurt Warner das zweite große Aschenputtel-Märchen der NFL und mutierte zum faszinierendsten Quarterback der letzten zehn Jahre: Ein Mann aus der sechsten Runde des Drafts, der sich mit großteils namenlosen Offenses einen Namen als Sammler von Superbowls und Rekorden aller Art machte.

Carmazzi hat es so schlecht auch nicht erwischt: Fernab jeglichen Trubels lebt der Mann ohne Fernseher zwei Stunden von San Francisco entfernt und beschreibt sich selbst (O-Ton „The Brady 6“) als a yoga exercising farmer. He has five goats.

Tyree

So großartig Brady war: Alles gelang auch ihm nicht – vielmehr kassierte der scheinbar Unbesiegbare im Februar 2008 die Mutter aller Niederlagen, als seine bis dahin ungeschlagenen Patriots gegen den klaren Außenseiter New York Giants eine sensationelle Superbowl XLII knapp verloren. Trotz der beeindruckenden Vorstellung der Defensive Line der Giants um den fantastischen Osi Umenyiora und trotz der coolen Handzeichen von DefCoord Steve Spagnuolo: Einprägsamste Szene war ein Catch vom vierten oder fünften Giants-WR David Tyree, der eine Minute vor Schluss den unglaublichsten Catch machte, einen Verzweiflungspass Eli Mannings beim dritten Down mit Hilfe seines Helms in enger Deckung herunterpflückte und damit das Feld für den spielentscheidenden Touchdown bereitete. Die zentralen Figuren auf beiden Seiten wären – bis auf Spagnuolo, Randy Moss und Tyree – immer noch aktiv, wenn sich Patriots und Giants in Indianapolis wiedersehen sollten.

Ebenso mit gemeinsamen Wurzeln: Bill Belichick, der einst in den 80ern der Architekt hinter den legendären Giants-Defenses um Lawrence Taylor war und dessen Sternstunde in Superbowl XXV kam, als die klaren Außenseiter Giants gegen Buffalo dank einer anerkannt genialen Defensivstrategie die große Überraschung schafften.