2011/12 Championship Games – 49ers, Giants, Patriots, Ravens

San Francisco lebte von den Special Teams – und sie starben mit den Special Teams. Auch wenn die Punt- und Field-Goal-Units gerne unterschätzt werden, letztlich machen sie doch nur ein Drittel einer Footballmannschaft aus. Mit so einer lächerlichen Offense, die nur einen von dreizehn Third Downs verwandeln kann und abgesehen von zwei Dummheiten der Giants-Safeties im Wert von 112 Yards und zwei Touchdowns gar nichts auf die Reihe bekommt, hat man es bei aller Liebe auch nicht verdient, im letzten Spiel des Jahres noch mit dabei zu sein.

Die Defense dagegen, vor allem die Smiths Justin und Aldon, DE Ray McDonald und LB Patrick Willis haben am Sonntag in einer anderen Liga gespielt und Eli Manning derart vermöbelt, daß die beiden Offensive Tackles David Diehl und Karrem McKenzie spätestens ab jetzt Mannings Krankenversicherungsbeiträge zahlen sollten. Nichtsdestotrotz hat Eli nicht nur sechs Sacks und mehr als 20 weitere Hits eingesteckt, sondern auch 316 Yards ausgeteilt. Glücklicherweise spielt er im Super Bowl gegen die Defense der Patriots, den härtesten Job hat er jetzt hinter sich. Die Pats-D hat sich zwar in den letzten Wochen gesteigert, aber die Herren Arrington, Moore, Molden, McCourty und Edelman werden mit dem WR-Trio Manningham/Nicks/Cruuuuuuuuuz schwer zu schaffen haben.

Dafür war die Front Seven wie schon gegen Denver in den Divisionals on fire. Vince Wilfork hat das Spiel seines Lebens gemacht und auch die anderen drei D-Liner Kyle Love, Brandon Deaderick und Gerrard Warren haben so gespielt, wie es eigentlich Albert Haynesworth und der ehemalige 2nd-rd Pick Ron Brace hätten tun sollen. Jerod Mayo und Brandon Spikes entwickeln sich langsam, aber sicher zu einem der besten ILB-Duos der Liga, das scheint auch der Grund für 3-4-Renaissance zu sein.

Joe Flacco hat gegen die Verteidigung, die sich auf Ray Rice konzentriert hat, ganz anständig gespielt. Man kann ja sagen, das waren nur die Patriots und er hat einige offene Leute überworfen, aber in einem Championship Game mit dem ganzen Druck, der auf ihm lastete, Tom Brady in den Schatten zu stellen, verdient Respekt. Und wenn Lee Evans den letzten Ball in der Endzone festhält, ist er der große Gamewinner und niemand würde ihm mehr Winner- und Leaderqualitäten absprechen. Übrigens hatten wie im letzten Jahr die in der Offseason als Verstärkung geholten WR die spielentscheidenen Bälle in der Hand – und ließen sie fallen.

Offensive Coordinator Cam Cameron hat mal wieder mit konservativem Playcalling geglänzt, was keine Überraschung war. Die Patriots dagegen haben mit ihrem Playcalling überrascht – negativ. Das erste Mal seit 364 Jahren haben sie einen 4th-and-1 in der gegnerischen Redzone nicht ausgespielt. Und haben Tom Brady am Ende der ersten Halbzeit keine Chance gegeben, mit einer Minuten auf der Uhr und zwei Auszeiten in der Tasche wenigstens noch in FG-Range zu kommen. Nicht mal mehr Bill Belichick und OC Bill O`Brien scheinen noch besonders viel Vertrauen in ihren Posterboy zu haben. Brady hat teilweise eine Cam-Newton´sche Accuracy an den Tag gelegt und hanebüchene Entscheidungen getroffen, für die sich sogar Brett Favre geschämt hätte. Tiefer Ball zu Matt Slater, der drei Defensive Backs bis zur Endzone mitgenommen hat, im vierten Viertel – ernsthaft? Hoffentlich kommt am Ende der Saison raus, daß Brady seit Oktober mit ausgekugelter Schulter spielt oder seine Wurfhand gegen eine Prothese ausgetauscht wurde. Falls nicht, muß man sich ernsthaft Sorgen um seine Zukunft machen.

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6 Kommentare zu “2011/12 Championship Games – 49ers, Giants, Patriots, Ravens

  1. Ich würde mir auch große Sorgen um Tom Brady machen, der über 5235 Yards in der regular season gepasst hat, das drittbeste Passer Rating aufweist, 39 TDs warf und 12 mal gepickt wurde.

    Die Unform hat sich dann ja schon in der post season gegen Denver angekündigt wo er sich eine peinliche Interception geleistet hat, neben den sechs glücklichen TDs. Dass er dann gegen diese schwache Baltimore Defense nur einen TD macht und da musste er eigentlich nur umfallen, das sagte ja alles.

  2. @Walter: Ich wurde und werde heuer auch nicht das Gefühl los, dass mit Brady trotz der phänomenalen Zahlen immer mal wieder was nicht stimmte. Immer, wenn die Defenses großen Druck ausüben, Brady 2-3x physisch angegangen wird folgt ein rekurrierendes Schema F: Brady lässt die PlayClock auf 1sek herablaufen und wirft unkonzentriert wirkendend einen Pass, als ob er sich mehr vom kommenden nächsten Hit fürchten würde. Passierte 2011/12 immer wieder und war auch gegen die Ravens einige Male sichtbar. Wohl auch dadurch entstand über die heurige Saison der Eindruck, Brady habe sich immer wieder Auszeiten genommen.

    Das gesagt, kommen für mich diese Abgesänge trotzdem eher unmotiviert. Um Brady allein ist dieser Angriff gebaut, und ohne Brady wären die Patriots gegen Baltimore – vermutlich aber schon lange vorher – auseinandergebrochen. Trotz einiger bizarrer Würfe und einiger, sagen wir, mutiger Spielzugansagen.

  3. Es ist natürlich Jammern auf höchstem Niveau. Ich will ja auch gar nicht bestreiten, daß Tom Terrific immer noch einer der besten QBs der Liga ist.

    Es ist mehr die jammernde Befürchtung eines Patriots-Fans, daß Mr. Bundchen den Höhepunkt seines Könnens überschritten hat und jetzt schlechter wird. Ein besorgter Ruf, seinen Augen zur Vertrauen und sich nicht von den Zahlen blenden zu lassen. Brady hat in dieser Saison vom unglaublichen Trio Wes Gronkandez profitiert, die als Gemeinschaft wohl jeden Yards-after-the-Catch- und Broken-Tackles-Rekord zerschmettert haben und von Verteidigungen, die völlig sorglos Einladungen ausgesprochen haben, doch bitte das zu tun, was er immer noch besser kann als jeder andere: ohne pressure laxe Zonenverteidigungen zu sezieren.

    Er sieht – neuerdings! – immer sehr-un-brady-like aus, wenn er, wie auch korsakoff schreibt, unter Druck ist und Hits einsteckt, und wenn Defenses wie Pittsburgh oder Dallas Mannverteidung spielen.

    Das ist auch der Grund, warum ich mittlerweile Drew Brees oder Eli Manning vorziehen würde, wenn es darum geht, einen wichtigen 3rd&long zu verwandeln. Als langfähriger Patriots-Fan wünsche ich mir aber nichts mehr, als daß er im Super Bowl Eli zurechtstutzt und mir das Maul stopft.

  4. Man muss aber auch Brady zugute halten, dass seine „Skill-Player“ rundherum ein bis zwei Klassen schwächer einzustufen sein dürften als jene in Green Bay oder New Orleans. Abseits von Welker gibt es beispielsweise nicht einen einzigen ernst zu nehmenden Wide Receiver. Das Laufspiel ist… unterdurchschnittlich im besten Fall. Und die Offensive Line kriegt gegen druckvolle Defenses auch schneller Probleme, als es die Patriots zugeben würden.

    Persönlich gefiel mir Brady in der vergangenen Saison 2010/11 besser, da wirkte die Offense gegen deutlich hochwertigere Gegner „runder“, mit weniger Leerlauf als heuer.

  5. Ich muss eigentlich anmerken: Die „Offense“ als Gesamtheit gefiel mir vergangenes Jahr besser, weil sie einfacher austarierter wirkte. Ich habe mir jedoch nicht narrisch mit irgendwelchen Komplexitäten im Patriots-Angriff auseinandergesetzt, um adäquat bewerten zu können, ob die Kombinationen der Receiver-Routen oder anderes dafür verantwortlich sind oder ob es wirklich nur Produkt der gefinkelten Defensivstrategen von Giants, Cowboys oder Steelers zu verdanken war, dass New England gegen große Namen heuer so unrhythmisch aussah (die Päuschen wurden auch inmitten anderer Partien genommen, die aufgrund der schieren Überlegenheit dem Gegner gegenüber trotzdem alle noch locker gewonnen wurden).

  6. Pingback: Die Flacco Line | Sideline Reporter

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