NFL-Draftvorschauer 2012 nach dem Stichtag: Skill Player und Offensive Line

Nach den Quarterbacks heute die restlichen Offensiv-Positionen für den NFL-Draft 2012 auf einen ersten Blick.

Running Backs

Als zweifellos bestes Paket gilt Alabamas RB Trent Richardson, dessen Ruf bereits als Ingrams Backup exzellent war und der sich in der knochenharten SEC als Allzweckwaffe einen Namen gemacht hat: Recht schnell, kraftvoll, gut im Aufnehmen von Blitzes und ein Mann für 30-40 Receptions pro Saison. Produktiv ist der Mann auch in den eigenen vier Wänden: Richardson ist mit seinen 21 Jahren schon zweifacher Familienvater (älteste Tochter ist fünfeinhalb Jahre alt!).

Durchaus auch als salonfähig gilt Miamis RB Lamar Miller, der am College mit seine Dynamik Aufsehen erregte, aber durchaus nicht der beständigste Back mit Päuschen mitten im Spiel ist. Miller gilt als Mann, der dem richtigen Coach mit der richtigen Offensive Line in die Hände fallen muss, um effizient zu sein – und man darf in nicht in Passsituationen aufstellen (miserables Blockspiel).

Wer auf den brachialen Back steht, wird bei Boise States Doug Martin zugreifen. Keiner, der zwei Abwehrspieler aussteigen lassen wird, aber einer, der den Kopf runternimmt und sie dank seiner gedrungenen Statur und seines niedrigen Schwerpunkts 2-3yds mitschleifen wird. Dazu einer, der sich nicht zu schade für Drecksarbeit (Blitz-Blocken) ist.

Gefühlt ein bissl quicker und beweglicher dürfte Washingtons RB Chris Polk sein, wie Martin aber kein explosiver Typ. Der erfolgreichste Running Back der abgelaufenen Saison im College Football war David Wilson von Virginia Tech – ein Mann, der erst im Sommer 21 wird, klein, kräftig und trotzdem sehr beweglich ausschauend. Wilson könnte der zweite oder dritte Back sein, der vom Tablett geht.

Ein Mann ist auch San Diego States RB Ronnie Hillman, der es gewohnt ist, einen Angriff auf eigene Faust zu tragen. Weitere bekannte Namen vom College aus den non-BCS Conferences: Bernard Pierce (Temple), Robert Turbin (Utah State), Alvester Alexander (Wyoming). Drei Backs für die späten Picks aus den BCS-Conferences: Ed Baker (Michigan State), Cyrus Gray (Texas A&M) und Darrell Scott (South Florida). Scott war vor Jahren der gehypte Running Back aus den Highschools, um den sich haufenweise Universitäten rissen, wurde von Colorado rekrutiert, floppte schwerst, schien sich aber in letzter Zeit bei USF wieder zu machen – allerdings sagt man Scott nach, einen Angriff nicht im Alleingang tragen zu können.

Bleibt der spektakulärste Back von allen: Der grazile LaMichael James von der University of Oregon, trotz seiner unkoscheren Lebensweise abseits des Spielfeldes einer meiner absoluten Lieblingsspieler: Leichtfüßig, wendig, guter Ballfänger und trotz seiner zwergenhaft anmutenden Maße nicht ängstlich, als Blocker mitzuhelfen. James’ Statur ist auch sein größter Nachteil: Keine 1,75m und über das Gewicht schweigt man sich noch aus – solche Backs werden keine „Franchise Backs“ in der NFL, trotz des „Arbeitstier“-Statuses von James am College. Auf der anderen Seite suchen viele Coaches nach situativ einsetzbaren Spielern, und da passt das big play threat James in der NFL wie die Faust aufs Auge.

Wide Receivers

Der Topmann wird Justin Blackmon von der Oklahoma State University sein – athletisch, physisch und erwiesenermaßen auch für die schweren Catches in Doppeldeckungen zu haben. Blackmon dominierte in den letzten beiden Jahren die etwas suspekten Defenses der Big 12 Conference nach Strich und Faden, obwohl man ihm Laxheit in einigen Phasen nachsagte:

Jahr  Rec   Yards  AVG   TD
2010  111   1782   16.1  20
2011  121   1522   12.6  18

Nuff said. Fragen wird sich der Mann zu manchen seiner Verhaltensweisen in der Vergangenheit gefallen lassen müssen (Alkoholfahrten!). Was ich im Zuge der Combine erwarte: Blackmons Körpermaße dürften abgeändert werden – 6’1’’ bedeutet 1,85m, aber optisch wirkt er sehr viel größer, mindestens 1,90m. Als Einstimmung auf das Phänomen Blackmon eine Huldigung von Brian Phillips vom letzten November.

Hinter Blackmon wird sich noch ein Rennen um den zweitbesten Wideout eröffnen. Die Aktien von Kendall Wright von der Baylor University dürften dank der starken Senior-Saison gestiegen sein, aber Wright ist mit seinen 1,78m doch etwas arg kleingewachsen. Eine große, kräftige Präsenz mit seinen 1,93m ist Michael Floyd von Notre Dame – und Floyd ist von seiner Spielanlage her so ein Typ WR, die in den Top-10 vom Tablett zu gehen pflegen. Allerdings gilt Floyd charakterlich als eine tickende Zeitbombe, war schon mehrfach im Knast und gilt als dem Alkohol nicht abgeneigt.

Alshon Jeffery von South Carolina gehörte 2010/11 zur ganz heißen Ware, doch Jeffery wird nachgesagt, eine schlechte Saison 2011/12 gespielt zu haben, als mit Garcia sein Quarterback flöten ging und die Gamecocks-Offense einbrach. Man sagt ihm fehlenden Willen nach, Desinteresse am Blocken, und was frappierend auffällt: Jeffery hat einen eigenartig unachtsamen Stil, den Ball zu tragen. Fumbles sind da in der NFL vorprogrammiert.

Eine X-Komponente ist Mohammed Sanu von Rutgers: Rutgers spielte praktisch ohne Quarterback, wofür Sanus Zahlen recht ordentlich sind. Der Mann fiel nie besonders auf, aber scheint in den ersten Rankings in der ersten oder zweiten Runde vom Tableau gehen zu können.

Weitere Namen, die man sich vormerken kann: Tommy Streeter (Miami/FL, 1,97m!), Steve Hill (Georgia Tech), Nick Toon (Wisconsin), Jeff Fuller (Texas A&M), Dwight Jones (UNC), Joe Adams (Arkansas) und Jermaine Kearse (Washington) – alle mit teilweise sehr guten Statistiken und auffälligen Performances am College, und bei der Masse an Wide Receivers, die generell gedraftet werden, werden wir etliche von ihnen wiedersehen.

Zwei interessante, klein gebaute, aber unglaublich vielseitige Männer aus den Niederungen der non-BCS Conferences: Eric Page (Toledo) und wohl auch T.Y. Hilton von Florida International. Beide sind wuselig, haben großartige Stats und können fangen, laufen und returnen.

Tight Ends

Eine Position, die in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewann. Gesucht werden groß gewachsene, kräftige Männer mit guten Fanghänden, die auch für Laufspiel blocken können – Leute in den Fußstapfen eines Graham oder Gronkowski. Es gibt bekannte Leute vom College auch in diesem Jahr, aber in den letzten Jahren zeigte sich, dass auch und insbesondere Basketballspieler ohne große Footballerfahrung in der NFL als Tight Ends brillieren konnten (Graham/Gates).

Bekanntester Tight End dürfte Clemsons Dwayne Allen sein. Der Mann ist 1,93m groß und mit 101kg ein Leichtgewicht, und man sagte ihm nach, vielseitig einsetzbar zu sein. Orson Charles von Georgia und Coby Fleener von Stanford dürften die weiteren Topleute sein. Fleener ist dabei mit seinen 1,99m der Freak, der allerdings noch keine wirklich gute Defense in der Pac-12 zu Gesicht bekommen hat.

Offensive Line

Wie immer wird hier ein bissl geschummelt: Ich maße mir nicht an, Offensive Liner zur Genüge bewerten zu können, also eine blanke Liste von Leuten, die laut Auguren die besten Chancen auf hohe Picks haben – und Leute, deren Namen mir vom College in Erinnerung geblieben sind:

Offensive Tackle

  • Matt Kalil von USC
  • Riley Reiff von Iowa
  • Andrew Datko von FSU
  • Zebrie Sanders von FSU
  • Nate Potter von Boise State
  • Mike Adams von Ohio State
  • Jonathan Martin von Stanford
  • Jeff Allen von Illinois
  • Brandon Moseley von Auburn

Wobei sich Reiff und Kalil um die Top-Position streiten sollten. Der 2,02m-Mann Mike Adams erlangte im Zuge der Tattoo-Affäre um Pryor Berkanntheit, während Martin nun der Mann war, der jahrelang Luck bewachte.

Offensive Guards

  • Dave DeCastro von Stanford
  • Brandon Washington von Miami/FL
  • Kelechi Osemele von Iowa State
  • Cordy Glenn von Georgia

Offensive Center

  • Peter Konz von Wisconsin
  • Mike Brewster von Ohio State

Konz ist mit seinen 1,95m und 143kg nur ein weiterer Hüne aus dem Reich der immer etwas größeren, physischeren Blockern bei den Wisconsin Badgers.