NFL-Draftvorschauer 2012 nach dem Stichtag: Defensive Front Seven

Nach Quarterbacks und den restlichen Offensivspielern heute mal ein erster schneller Blick auf die Draft-Anwärter in der Defensive Front Seven.

Defensive Line

Gemeinhin gilt der Jahrgangs als recht gut besetzt, aber es fehlt am herausragenden „Can’t miss“-Athleten. UNC schickt mit DE Quinton Coples den Spieler mit dem vermutlich bekanntesten Namen – Coples ist ein Hüne und sehr athletisch: Während der Bowl Season war die Rede von einer 40 Time von 4.76 – sollte das die Combine annähernd bestätigen, wird Coples schnell mit Peppers (auch ex-UNC) verglichen und hoch gedraftet werden – trotz einiger negativer Presse um seine Persönlichkeit.

Der zweite Mann, der immer wieder genannt wird: DT Devon Still von Penn State, wie Coples ein Senior, was bei Defensive Linern häufig von Bedeutung ist, da diese Position meistens einige Zeit an Adjustment für die NFL-Reife braucht, Stichwort Körperbau.

Ein dritter interessanter Mann ist DE Melvin Ingram von South Carolina – nicht der größte Mann, aber ausgestattet mit den notwendigen langen Armen. Pluspunkt: Der Positionstrainer an der Uni gilt als bestens vernetzt mit NFL-Scouts.

Einige meinen, auch DE Nick Perry von USC sei ein Topmann, aber man hätte ihm vermutlich geraten, noch ein Jahr an der Uni zu bleiben. Perry ist mit keinen 115kg ein Leichtgewicht und was immer wieder thematisiert wurde: Der Mann ist a) kein Faktor gegen Laufspiel und b) gerne zu hyperaktiv im Passrush. Also in etwa das, was man vor einem Jahr von Aldon Smith behauptet hatte – vielleicht stellt ihn der richtige DefCoord auch als OLB in einer 3-4 Defense auf.

Ganz interessanter Mann ist auch DT Michael Brockers von LSU, ein Tackle vom Schlage Suh: Die volle Power gehört dem Passrush, das Laufspiel wird links liegen gelassen. Hätte vor Jahren keinen Scout interessiert, wird heutzutage aber dem Fettsack vorgezogen.

Ein solcher ist der Mann von der unterirdischsten Footballuni der FBS, Memphis: Dontari Poe, dem man schlappe 160kg nachsagt und der mit seiner rohen Gewalt Bäume ausreißen können soll. Ein spannender Athlet, den ich leider nie habe spielen sehen, aber Poe soll kräftig genug sein, um zwei Blocker im Alleingang aus dem Weg zu räumen, aber in der Feinabstimmung noch erhebliche Probleme haben – man sagt ihm nach, nicht einmal die Basics eines Nose oder Defensive Tackles halbwegs sauber exekutieren zu können, weil er lieber 5h Schicht im Kraftraum anhängt als sich mit solchen Nebensächlichkeiten zu beschäftigen. Poe soll ein Workaholic mit Bereitschaft zum Lernen sein, aber die Gesamtstellenbeschreibung liest sich für mich im Moment eher wie boom or bust.

Clemson schickt zwei Defensive Liner in den Draft: Andre Branch und Brandon Thompson, wobei Ersterer über Monate immer wieder als möglicher End angesehen wird, und letzterem die nötige Explosivität fehlen soll, um mehr als der berüchtigte „Run Stuffer“ zu sein. Beide stehen aber in der Tradition von etlichen gehypten Abwehrspielern von Clemson.

Ebenso bevorzugt als Lauf-Würger sieht man DT Jerel Worthy von Michigan State. Vielseitigere Spieler für alle möglichen Arten von Defensive Lines sollen Billy Winn von Boise State, Jared Crick von Nebraska, Fletcher Cox von Mississippi State und Sackmaster Whitney Mercilus (16 Sacks 2011/12) von Illinois sein – alles Spieler, bei denen ich mich an Spiele mit highlight-kompatiblen Aktionen erinnern kann. Unspektakulär, aber der Name ist geblieben: Alameda Ta’amu von Washington. Und dann ist da noch Alabamas Josh Chapman.

Eher die one trick ponys sind DE Vinny Curry von Marshall, Jonathan Massaquoi von Troy und Donte Paige-Moss (UNC).

Linebacker

Um bei den Inside Linebackers zu beginnen: Der größte Name ist Dont’a Hightower von Alabama, der sich als enorm vielseitiger, schneller und sehr kraftvoller Athlet eingebrannt hat – erstaunlicherweise ist Hightower, obwohl auch als Passrusher in dritten Versuchen gebräuchlich, nicht bei allen unumstritten, was vielleicht an der suboptimalen Deckungsarbeit liegt.

Weil vor allem bei den ILBs zunehmend Spieler mit dem Herz am richtigen Fleck gesucht werden, gilt Luke Kuechly von Boston College als potenzieller Topmann. Kuechly schaut erstmal gebrechlich und leichtgewichtig aus, macht sich jedoch seit Jahren als Tackle-Maschine (über 150/Saison) einen Namen. Ohne es rational begründen zu können und vielleicht wegen der weißen Hautfarbe hat sich bei mir bei Kuechly im Hinterkopf ganz leise „Bruschi“ eingenistet.

Zwei weitere interessante Männer: Emmanuel Acho von Texas und der famose Tank Carder von TCU, beides Leute, die am zweiten oder dritten Tag noch auf dem Tablett sein dürften.

Zu den OLBs: Einen guten Ruf genießt bei mir Courtney Upshaw von Bama, der vornehmlich als Pass Rusher eingesetzt werden dürfte und dem ich mal partout die Rolle des 3-4 OLBs unterjuxen würde: Schnell, kräftig genug, um die riesigen Offensive Tackles in der SEC aus dem Weg zu räumen und mit diesem „hungrigen“ Gesichtsausdruck darauf aus, dem Gegner weh zu tun.

Namen zum Merken sollten auch Travis Lewis (Oklahoma) trotz zahlreicher Verletzungsprobleme, Ronnell Lewis (Oklahoma) trotz grottenschlechter akademischer Leistungen und Lavonte David (Nebraska) trotz „Kleinwuchs“ (1,84m) sein. Persönlich interessiert mich, wann und wohin Shea McClellin von Boise State und Keenan Robinson von Texas wandern werden.

Zu guter Letzt gibt es mit Arizona States Vontaze Burfict noch den vermutlich talentiertesten Linebacker des Drafts 2012, ein Mann, der sofort ins Auge sticht mit massiven Hits und gefährlichem Pass Rush. Burfict genießt allerdings einen Ruf wie die Pest, in Sachen Überaggressivität und schmutziges Spiel den Auguren zur Folge irgendwo zwischen Von Miller und Suh einzustufen und war im abgelaufenen Herbst ein Garant für 1-2 Personal Fouls und late hits pro Spiel. Burfict wird es schwer haben, die Scouts bis April von seiner Disziplin zu überzeugen, allerdings zeigt die Geschichte, dass durchaus der eine oder andere Coach bereit ist, für einen phänomenalen Athleten einen verschenkten Draftpick zu riskieren.