Superbowl-Countdown 2012, T-minus 8: Statt Pro Bowl

Morgen ist mal wieder Pro Bowl und weil die Spieler hauptsächlich nach Name, Fan Base und/oder früheren Leistungen ausgewählt werden, strafen wir ihn hier mit Nichtachtung. (Aller)Spätestens als Brandon Meriweather, der mit fürchterlichen Aussetzern jeden Patriots-Fan zur Weisglut getrieben hat, Starter im Pro Bowl wurde, hatte diese Veranstaltung jegliche Glaubwürdigkeit verloren. Daneben hat auch das Spiel selbst überhaupt keinen Wert, da sich wohl kein Spiel weniger für eine All-Star-Veranstaltung eignet als American Football.

Wie dem auch sei: nachdem wir hier Anfang des Jahres schon die Sidelinereporter-Awards verteilt haben, stelle ich heute mein All-NFL-Team vor.

Offense

Quarterback: Drew Brees (Saints)
Brees ist über die gesamte Saison gesehen der beste QB gewesen. Neben den Rekorden hat er den anderen Anwärten Konsistenz voraus (gegenüber Manning und Brady) und die Fähigkeit, Comebacks anzuführen und Playoff-Spiele zu gewinnen (Rodgers). Darüber hinaus ist er der beste Quarterback bei den wichtigen 3rd Downs.

Running Back: Ray Rice (Ravens)
Fast am Ende der Saison, im AFC Championship Game, hat Joe Flacco erst gezeigt, daß er die Mannschaft tragen kann, wenn der Gegner Rumbling Ray Rice aus dem Spiel nimmt. Bis dahin lastete alles auf Rices Schultern – und die waren meistens breit genug: 4,7 Yards/Carry und 9,3 Yards/Catch für insgesamt mehr als 2000 Yards from Scrimmage (1364 Rushing, 704 Receiving) garniert mit 15 Touchdowns und nur zwei Fumbles.

Fullback: Vontae Leach (Ravens)
Die Fullbacks verlieren immer mehr an Bedeutung. Vontae Leach zeigt schon seit Jahren, wie wertvoll ein starker Fullback für jeden Ballträger und Quarterback (Blitz pick-up) sein kann.

Tight End: Rob Gronkowski (Patriots)
Der große böse Gronk hat die Tight-End-Position nicht revolutioniert, er ist mehr sowas wie ein Jason Witten Plus. Er blockt fast so gut wie ein Offensive Lineman und hat hat mehr als 90 Bälle gefangen. Sein größtes Plus ist aber, daß er die beste Redzone-Waffe der gesamten Liga ist; mit 15 TDs hat er dort auch einen neuen Rekord aufgestellt.

Wide Receiver: Larry Fitzgerald (Cardinals), Calvin Johnson (Lions) und Victor Cruz (Giants)
Spätestens seit seinem unglaublichen Playoffs 2008 halte ich Fitzgerald für den besten WR der Welt. In dieser Saison hat er von den Herren Skelton, Kolb und Bartel 80 Bälle für 1411 Yards gefangen. Man kann sich kaum ausmalen, was er mit einem guten QB reißen könnte. Wahrscheinlich etwas in der Region von Megatrons 96 Catches für 1681 Yards. In den Slot stellen wir Senkrechtstarter Cruuuuuz. Wenn man als Slot-WR pro Catch fast 19 Yards macht, stellt man jede Defense vor Riesenprobleme.

OT: Jason Peters (Eagles) und wo sind nur die ganzen starken Tackles hin (NFL)?
Peters hatte schon immer das Potential, hat sich aber regelmäßig wie eine WR-Diva aufgeführt und einige Spiele schmollend rumgestanden. Dieses Jahr war er mit Abstand der beste Offensive Tackle der Liga, weil er auch endlich mal konstant herausragend war. Der zweite Platz bleibt frei. Mir fällt niemand ein, der das ganze Jahr über konstant starke Leistungen gebracht hätte. Am ehesten könnte man dort wohl noch Joe Thomas (Browns) und Jake Long (Dolphins) hinstellen, die beide mit vielen kleineren und größeren Verletzungen zu kämpfen hatten. Interessant wird in der nächsten Spielzeit Jared Gaither (Chargers), der 2008 und 09 überragend spielte, dann in Baltimore unerwünscht war, in Kansas City landete, wo er aber auch unerwünscht war und nach einem False Start von Hitzkopf Haley gefeuert wurde. In den fünf Spielen für San Diego am Ende der Saison war er sofort wieder auf Top-Level. Insgesamt hab ich aber das Gefühl, daß es immer weniger dominierende Tackles gibt. Oder es gibt einfach zu viele gute Pass Rushers. Interessant ist diese Entwicklung, wenn man sieht, wie viele Tackles in den letzten fünf Jahren in den ersten beiden Runden gedraftet wurden und wie viele davon ihren Hype lange nicht erfüllen konnten.

Offensive Guards: Carl Nicks (Saints) und Josh Sitton (Packers)
Guards sind zum Bewerten mit die schwierigste Position. Gute Guards erkennt man in der Regel daran, daß sie nie auf ihren dicken Hintern liegen; daß sie 1-gegen-1 ohne Hilfe ihren QB vor den besten gegnerischen Tackles schützen; und daß sie im Laufspiel immer wieder ins second level kommen und sich dort einen LB vorknöpfen, um Platz für ihren RB zu schaffen. Dreimal Check bei Nicks und Sitton.

Center: Chris Myers (Texans)
Noch schwieriger zu evaluieren sind die Center. Die Wahl fällt hier auf Myers, weil er der Anker des besten Laufspiels der Liga ist und seine QBs sich in der Mitte der Pocket hinter ihm immer sehr sicher fühlen können.

Defense

Defensive Line: Terrell Suggs (Ravens), Jason Pierre-Paul (Giants), Justin Smith (49ers) und Sione Pouha (Jets)
Vielleicht sehen die Offensive Tackles auch nur so schlecht aus, weil es so viele gute D-Liner und Edge Rusher gibt. Neben den vier genannten spielen auch Richard Seymour (Raiders), Justin Tuck (Giants), Cameron Wake (Dolphins) Broderick Bunkley (Broncos), Jason Babin, Cullen Jenkins & Trent Cole (Eagles), DeMarcus Ware (Cowboys), Tamba Hali (Chiefs), Jared Allen (Vikings), Julius Peppers (Bears), Clay Matthews (Packers), Mike DeVito (Jets) und Andre Carter & Vince Wilfork (Patriots) in der ersten Liga. Und ich habe bestimmt noch welche vergessen.

Suggs und Smith sind die zwei besten Verteidiger der Liga. Haitian Freak JPP könnte schon im nächsten Jahr zu den beiden aufschließen und Pouha ist wohl der am meisten unterschätzte Verteidiger der NFL. Falls jemand nicht weiß, wie man Nose Tackle spielen muß – einfach ein Jets-Spiel ansehen.

Linebacker: Patrick Willis (49ers), Karlos Dansby (Dolphins) und Von Miller (Broncos)
NaVorro Bowman (49ers) hätte es auch verdient gehabt; James Harrison und LaMarr Woodley (Steelers) sind immer noch die besten Outside Linebackers, haben aber in dieser Saison zu viele Spiele verletzt oder gesperrt gefehlt. Willis ist der beste ILB der Liga: Instinkte, Speed, Disziplin, Antizipation – wie Ray Lewis in seinen besten Tagen. Dansbys Leistungen sind ein wenig untergegangen, nachdem die Dolphins das Jahr so schlecht begonnen haben, aber er wird immer (noch) besser und macht kaum Fehler. Miller ist mein Rookie of the Year. Stark als „echter“ OLB in Base-D und uoch stärker als reiner Pass Rusher in Nickel-Formationen. Mit ihm werden die Broncos noch viel Spaß haben.

Safety: Troy Polamalu (Steelers) und Ed Reed (Ravens)
Polamalu hat nach einer für seine Verhältnisse schlechten Saison 2010 wieder deutlich bessere – vor allem, weil diszipliniertere – Leistungen gebracht. Auch der andere Dauerbrenner in der Top-2 Safety-Rotation, Mr. Reed, hat wieder gezeigt, warum er immer wieder als Vorbild für alle anderen Safeties genannt wird. Er hat zwar nicht die ganz großen Interceptions gemacht wie im letzten Jahr. Aber das hat auch damit zu tun, daß er als Safety unter dem Shutdown-Corner-Syndrom leidet: niemand wirft mehr auch nur annähernd in seine Richtung.

Cornerback: Darrelle Revis (Jets) und Jonathan Joseph (Texans)
Revis ist immer noch die Benchmark für jeden Cornerback in der Liga. Joseph hat es schon in Cincinnati zu einiger Bekanntheit gebracht und war in der abgelaufenen Saison die große Stütze beim Turnaround der Texans-Secondary, die sich von unterirdisch zum Prädikat ziemlich gut katapultiert hat.

Special Teams: San Francisco 49ers.
Die Niners haben mit Andy Lee einen der besten Punter, der ihnen immer wieder gute Field Position verschafft. David Akers macht die Punkte, wenn die Offense in der Redzone stottert – also fast immer. Und ihre Return Teams um Ted Ginn, Jr. gehören ebenfalls zur Elite der NFL. Wenn er nur auch im NFC Championship Game hätte mitspielen können…

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9 Kommentare zu “Superbowl-Countdown 2012, T-minus 8: Statt Pro Bowl

  1. Es gab ja mal Zeiten, als der Pro Bowl nach dem Super Bowl gespielt wurde. Ich habe es eh nicht verstanden, dass man’s dann gewechselt hat. Kein Spieler will sich ja beim Pro Bowl verletzen und dann allenfalls beim Super Bowl aussetzen müssen. Es kann aber auch sein, dass ich die Idee hinter dem Pro Bowl nicht verstehe 🙂

    Gruss, Vasilij „Tarner“

  2. @Vasilij:
    Super-Bowl-Teilnehmer sind vom Pro Bowl freigestellt. Für diese rücken dann Spieler nach, was den Kader noch schlechter macht.

    Die Idee hinter dem Pro Bowl ist ganz einfach: Fernsehzeit und Geld. Darum wurde der Pro Bowl auch zwischen Championship Games und Super Bowl geschoben, weil sich die Leute in dieser Zeit noch auf Football konzentrieren. Als der Pro Bowl noch nach dem SB gespielt wurde, haben sich noch weniger Menschen dafür interessiert,

  3. Man kann Drew Brees sicherlich wählen, aber die Begründung ist schon arg an den Haaren herbeigezogen. Rodgers kann keine Playoff-Spielen gewinnen? Nimmt man das Wildcardgame raus, was die Saints ja nur spielen durften, weil 2 Team besser waren in der RS – ist die Bilanz von Drew Brees genauso wie die von Rodgers. Ein Loss. Wobei – zugegeben- die Leistung von Brees gegen die 49ers besser war als die von #12 gegen die Giants. Aber zusagen: „Brees ist besser als Rodgers, weil er Playoffspiele gewinnt“ ist mir zu pauschal.

    Ansonsten fehlt mir bei den Wide Receivern einfach Greg Jennings. Aber gut, so ist das nun mal, wenn man der meist unterschätzte WR in der NFL ist 🙂

  4. @VM:
    Stimmt natürlich. Die Formulierung ist ziemlich plump und daß Rodgers auch Playoffspiele gewinnen kann, hat er ja letztes Jahr eindrucksvoll bewiesen. Es ist knapp zwischen allen Anwärtern und die bessere Leistung von Brees in den diesjährigen Playoffs hat den knappen Ausschlag gegen Rodgers gegeben,

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