Superbowl-Countdown 2012, T-minus 6: Spielzug > Spiel oder meine beste Superbowl-Erinnerung

Vor einem Jahr hatte ich im Rahmen des „Never miss a Super Bowl Clubs“ die Ausgabe XLII in meiner persönlichen Superbowl-Hitliste an #1 gerankt. Super Bowl XLII war mit Sicherheit nicht das spielerisch beste NFL-Endspiel, seit ich Football verfolge. Aber vom Erlebnis: Ja, sicherlich.

Um kurz auszuholen: Ein Jahr zuvor waren die Patriots nicht wirklich eine große Mannschaft gewesen, hatten sich zum Teil mit mehr Glück als Verstand durch die Playoffs gewürgt, nur um dann in einem phänomenalen – ich meine: PHÄNOMENALEN – AFC-Endspiel in Indianapolis mit wehenden Fahnen – und buttrigen Fingern – unterzugehen. Als Reaktion auf jene Partie hatte Belichick seine Spielphilosophie etwas abgewandelt, sich in der Offseason teure Wide Receivers wie Randy Moss, Stallworth oder Welker eingekauft und galten spätestens nach der Verpflichtung des OLBs Adalius Thomas bereits im April als Titelfavorit.

Während der Saison waren Belichicks unlautere Tricks im Zuge von Spygate aufgeflogen, und in der Retrospektive gewann eine Verschwörungstheorie an Drive: Dass Belichick Spygate selbst und absichtlich hatte auffliegen lassen, um das Team hinter sich zu einen. Die Patriots waren Killer. Sie fuhren in der ersten Saisonhälfte über alles drüber – auch Kaliber wie Dallas (damals 13-3) – ehe es mit dem Einbruch der kalten Jahreszeit immer zäher wurde. Im Halbfinale hatte nur noch ein mutloser gegnerischer Chefcoach Norv Turner den Endspieleinzug gegen eine waidwunde Patriots-Elf verhindert.

Dann das Endspiel. Wir hatten in unserem Bezirk an jenem Tag das Skirennen der Musikkapellen, und es war ein stundenlanger innerer Kampf, dem Fest aus dem Weg zu gehen, um zu nächtlicher Stunde fit genug für den Grabenkampf zu sein. Der Gegner der Patriots: Die Giants. Ein Team ohne große Identifikationspunkte. Unbekannt und zur Saisonmitte bereits abgeschrieben. In den Playoffs mit ein paar hart erkämpften Auswärtssiegen über das Establishment. Und mit dem „kleinen“ Manning als Quarterback.

Der GamePlan der Giants war gleichwohl simpel wie faszinierend: Die Pocket mit vier Mann zerbröseln, den durch Fußverletzung immobilen Brady zum Abschuss freigeben. Und obwohl die Patriots lange 7-3 führten, wuchs in mir gegen Ende des dritten Viertels die Gewissheit, dass die Giants das Spiel verlieren würden. Im Schlussviertel ein letztes Aufzucken der Patriots, mit einem abgewichsten Drive zum 14-10 kurz vor Schluss – ich dachte, Mönsch, jetzt haben sie sich doch noch durchgewürgt, aber irgendwie war datt enttäuschend, da bleibt ein Makel hängen.

Dann kam Manning, riss sich umzingelt von Seymour und Konsorten los, feuerte diesen Verzweiflungspass downfield, für Tyree, der diesen Verzweiflungspass per Helm aus der Luft klaubte. Manchmal ist ein einziger Spielzug größer als ein ganzes Spiel. Superbowl XLII – das waren stundenlange Grabenkämpfe, die Kraft kosteten, die die Teams zermürbten. Die Patriots hatten nicht mehr die Power, Manning zu Boden zu reißen. Das Spiel gewann dadurch nicht nur an Thrill und Dramatik – das Spiel definiert sich mit diesem einen Wunder-Catch noch heute. Dass Burress ein paar Sekunden später den siegbringenden Touchdown machte, war nur noch „logisch“ und „notwendig“, um Tyree zum Glitzer auch noch die notwendige Bedeutung zumessen zu können.

Ich schaltete hernach den Fernseher aus. Ich konnte mir denken So was wie Perfektion gibt es einfach nicht. Rückwirkend stimmt das nicht, da die Patriots zu diesem Zeitpunkt längst „nur“ noch eine der besseren NFL-Teams waren, nur noch ein Abglanz der ersten Saisonwochen. Ein Jahr nach jenem AFC-Finale sollte sich eigentlich der Kreis schließen – und ich hatte innig darauf gehofft, dass sich der Kreis schließen würde. Ich hatte noch jene Bilder vor Augen, als diese schwer angeknockten Patriots im RCA Dome von Indianapolis besagten absolut faszinierenden Schlagabtausch mit den „on mission“ Colts geliefert hatten. Nun schlich Brady erneut mit hängendem Kopf vom Feld. Belichick blieb sich treu und grämte sich, die letzte Spielsekunde abzuwarten und den Anstand zu zeigen, den niemand vom Griesgram erwartet hatte. Und ich legte mich ins Bett und fragte mich, ob die Giants so stark oder die Patriots so unkonzentriert gewesen waren. Und ich kam zum Schluss, dass der einzige Unterschied ein reiner Glücksspielzug war, der so nie wieder passieren wird und der die möglicherweise beste NFL-Saisonbilanz ever ruinierte.

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