Minnesota Vikings in der Sezierstunde

Seuchensaison für die Vikings – und trotzdem blieb es nach den turbulenten Jahren um egomanische und autistische Charaktere erstaunlich ruhig in den Twin Cities – selbst die sich hinziehenden und immer zäher werdenden Stadionverhandlungen erregten nur wenige Gemüter. Der HeadCoach-Debütant Les Frazier stand dann auch trotz einer Bilanz von 3-13 nie ernsthaft zur Diskussion.

Die statistische Analyse gibt uns einen Ansatz, warum. Weiterlesen

Obama > NFL

Planung kann nicht früh genug sein, insbesondere nicht, wenn es sich um den NFL-Opener der Regular Season 2012/13 handelt. Der wird lt. NFL.com am 5. September 2012 um 02h30 MESZ stattfinden – an einem Mittwoch! Heimspiel wird wie gewohnt der Titelträger haben, diesmal die Giants. Der Gegner wird für gewöhnlich irgendwann im April bekannt gegeben. Grund für den ungewöhnlichen Termin soll eine Wahlkampfrede Barack Obamas auf der Demokratenversammlung sein (im November finden bekanntlich die US-Präsidentschaftswahlen statt).

Cincinnati Bengals in der Sezierstunde

Die Cincinnati Bengals waren 2011/12 eine mittelmäßige Mannschaft. Das ist ein Kompliment, da ich dieser Mannschaft nach einer chaotischen Offseason mit unklaren Machtverhältnissen zwischen Besitzer und sportlicher Leitung nichts zugetraut hatte. So liest sich die 9-7 Bilanz mit der klaren Playoffniederlage in Houston am Ende wie ein Erfolg.

Die Geheimnisse liegen weniger in den Zahlen der Offense (Overall Y/A #23, Lauf #26, Pass #26), dafür mehr in der Defense (Overall Y/A #9, Lauf #6, Pass #7), aber vor allem auch bei den Special Teams. Die Bengals waren die 49ers für Arme.

Starting Field Position Offense:  30.1    #5
Starting Field Position Defense:  25.9    #6

Dazu verschenkte die Offense bei aller sonstiger Mittelmäßigkeit nur einmal pro zehn Drives den Ball – fertig ist eine unspektakuläre, aber effiziente Saison. Und es gibt einfaches Steigerungspotenzial: Die Defense zum Beispiel fing schwache zehn Interceptions ab – eine Quote von 1.9 Interceptions pro 100 Passversuchen. Die Bengals tendieren unter Marvin Lewis überhaupt dazu, nur wenige Bälle abzufangen, aber als es zum letzten Mal vergleichbar so wenige INTs waren, kassierte man ein 4-11-1 im Jahr 2008/09 und startete eine Saison später prompt durch. Die INT-Quote in der Defense ist eine Statistik, die sich historisch bewiesen „zufällig“ verhält und somit in der nächsten Saison ein paar „Gratis-Turnovers“ für die Bengals bringen sollte.

Stellschrauben

Die Bengals haben einen jungen Quarterback Andy Dalton, der gut und interessant genug ist, dass OffCoord Jay Gruden trotz attraktiver Anfragen erstmal mit dem Rotschopf weiterarbeiten möchte. Dalton versteht sich exzellent mit dem ebenso jungen WR A.J. Green, einem spektakulären deep threat, und kann zudem auf den jungen TE Jermaine Gresham (56 Catches ,596yds, 6 TD) und eine – erraten – junge Offensive Line mit Potenzial für mehr bauen. Vor allem die beiden Tackles, LT Whitworth und RT Smith, werden mittlerweile zu den besten ihres Fachs gezählt. Wo Blutauffrischung helfen könnte: Guard.

Dort sind beide Starter vertraglos. Livings ist der jüngere, gilt aber als Enttäuschung, während Bobbie Williams schon bei bei meinen Superbowlsiegen mit Madden 2004 ein Routinier war und entsprechend mit Mitte 30 keine fünf Jahre mehr im Tank haben dürfte. Glücklicherweise ein guter Jahrgang für Guards im Draft.

Free Agents sind die beiden Wide Receiver mit Bigplay-Anlagen: Jerome Simpson und Andre Caldwell – wenn das Playoffspiel eines gezeigt hat, dann, dass die Bengals sich von ihrer Abhängigkeit von Green lösen werden müssen. Simpson wäre noch vor eineinhalb Jahren mit seiner beachtlichen polizeilichen Akte ein 100%iger für die Bengals gewesen, aber nach dem Brown’schen Sinneswandel würde ich auf einen Verbleib nimmer allzu viel wetten.

Einen Sophomore-Slump Daltons abgesehen, kann man bei den Bengals im Angriff also neben „Guard“ auch die Notwendigkeit nach einem weiteren verlässlichen Wide Receiver und einem agileren Running Back, der auch mal einen 50yds-Lauf auf die Reihe bekommt, verorten.

Da liest es sich fast wie ein „Glücksfall“, dass der fleißige, aber unexplosive RB Cedric Benson auslaufenden Vertrag hat. Gefährlichere, billigere und vor allem jüngere Backs sollte der Markt zuhauf hergeben (Benson 3,9yds/Carry).

Die Defense ist um eine exzellente Defensive Line gebaut, deren Tackles „Stubbelhaar“ Peko und Geno Atkins sowie DE Carlos Dunlap unbekannte, aber – erraten – junge Kaliber sind und der vielversprechende DT Nick Hayden dürfte als RFA einfach zu halten sein. Manny Lawson, ein unspektakulärer, aber athletischer und vielseitiger OLB, hat auslaufenden Vertrag und sollte gehalten werden.

Wo es hapert, ist die Pass-Defense: Ein zweiter starker Cornerback neben dem großartigen Leon Hall täte Not, vor allem, wenn Pac-Man Jones wider Erwarten gehen sollte.

Die wichtigste Person bleibt der Defense aber auf alle Fälle erhalten: DefCoord Mike Zimmer, einer der Sympathieträger schlechthin, und der Architekt hinter dieser wenig aufregenden, aber nicht zu unterschätzenden Defense.

Ausblick

Das Gerüst der Bengals steht. Und dank Palmer und Hue Jackson (der nun ausgerechnet in Cincy als verkappter Assistenz-OffCoord offiziell den Defensive Backs-Stift gibt) gibt es im Draft gleich zwei Draftpicks in der ersten Runde (#17 und #21), die sich zu den Picks #53 und #84 gesellen. Befürchtungsweise werden die Bengals unter dem abgrundtief vertrauensunwürdigen Owner/GM Mike Brown eine Dummheit veranstalten und einen der Top-Picks für einen großen Namen wie RB Richardson verkaufen. Sollte man jedoch in Punkto Guard, Defensive Back und Wide Receiver punkten, wird die Mannschaft einen Schub erleben.

Es sieht insgesamt also nach Work in Progress aus, aber ein ein erneuter schwerer Rückfall der Bengals wäre eine Überraschung – diese Mannschaft ist definitiv eine, die ich trotz ermutigender Anzeichen zu wenig auf dem Zettel gehabt hatte. Wird diesmal nicht mehr passieren.

Buzzing RG3

Die Figur des NFL-Drafts 2012 wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht der Top-Pick Andrew Luck werden, sondern Baylors Quarterback Robert Griffin III, ein schwarzer Athlet vor dem Herrn, der sich aktuell mit einer Charismaoffensive anschickt, Offizielle und Journalisten einzuwickeln.

Griffin rannte in der Combine eine 4.41 über die 40yds, und während ein anderer schwarzer Athlet wie Cam Newton sehr geschmeidig daherkommt, ist Griffins Stil näher an den elektrisierenden, hasenartigen Bewegungen eines Michael Vick, obwohl Griffin im Vergleich zu Vick die allerletzte Konsequenz an Explosivität abgeht.

Wo sich Griffin aber wirklich abzuheben scheint, ist sein Charakter. Nichts an diesem Mann scheint nach der schwarzen Subkultur zu schreien, die in den letzten Jahren hinreichend Teams im amerikanischen Profisport dazu verleitet hat, ihre Teams „weißer“ zu gestalten. Nichts an Griffin schreit nach Egomanentum. Wie das Murmeltier taucht in der Beschreibung Griffings immer und immer wieder die Vokabel „humble“ (dt. demütig) auf.

Ferndiagnosen, insbesondere transatlantischer Natur, sind diesbezüglich natürlich sinnlos, aber es schaut tatsächlich langsam danach aus, als bahne sich der eine oder andere Mega-Trade an, ein Szenario, in dem Griffin an #2 gedraftet werden könnte, ohne mediale Prügeleien von Seiten der medialen Meute. Bill Barnwell hat schonmal die Glaskugel ausgepackt und ein ein knappes Dutzend an Szenarien herauskristallisiert.

Forza Mike Smith

Ich war und bin nicht immer der größte Fan von dem, was die Atlanta Falcons in ihrer Personalpolitik veranstalten, aber der Head Coach Mike Smith, der ehemalige Defensive Coordinator der Jacksonville Jaguars, gehört zu meinen Favoriten, auch und vor allem wegen solcher Schilderungen:

Mike Smith fielded a bunch of softball questions before some jerk (me) asked him if his fourth-down strategies were going to change. Smith said that he will remain aggressive. He said that going for it on fourth-and-short is a good strategy „statistically.“ Yay. I asked if he planned on putting in some special packages for fourth-and-short, and he said that he does critical analysis during every offseason, and „fourth down and one is at the top of my list.“ Go, coach, go!

(Quelle: Mike Tanier/2012 Combine Report: Day Three)

Das Ärgernis mit den Schützengräben

Vor drei Jahren wagten es die Detroit Lions mit einer mehr als suspekten Offensive Line nach ihrer sieglosen Saison ihren Neuaufbau mit einem Quarterback zu beginnen und drafteten den erstmal horrend teuren Matthew Stafford an erster Stelle. Obwohl ich bis hinter beide Ohren verknallt war und bin in diese wunderschönen Flugobjekte, die Stafford abfeuert, fühlte sich Staffords Einberufung für lange Zeit eher mulmig an. Jahrelang war ich der Meinung, man schafft immer die Rahmenbedingungen, dann kommt die Kür. Die „Rahmenbedingungen“ hierbei sollte die Offensive Line sein. Die Kür: Der Quarterback.

Obwohl Stafford wie befürchtet hinter der Lions-Line abgeschossen wurde, bin ich mir a) nicht mehr so sicher, ob eine dominante Offensive Line so wichtig für eine Mannschaft ist und b) auch nicht sicher, ob Staffords Schulterverletzungen wirklich auf die Line zu schieben waren – man schaue sich mal die Situationen an, in denen es zu den Verletzungen kam: Allerweltsdinger, die auch hinter starken Lines vorkommen.

Intuitiv würde man behaupten, in Zeiten, in denen jede Mannschaft ihren Super-Passrusher sucht, um Super-Quarterbacks einzubremsen, wird eine Offensive Line immer wichtiger. Green Bays Rodgers war dagegen schon vor Jahren der Meinung, die beste Protection sei eine Spread Offense.

In seiner Trendanalyse stellte Fifth Downs Andy Benoit die sich erstmal steil anhörende These auf, teure Offensive Lines seien nicht bloß schädlich fürs Geschäft, sondern sogar für die sportliche Aussicht einer Franchise.

[…] Offensive lines: nothing compared to a quarterback

We knew this heading into the season but it’s been drastically reaffirmed: you don’t need a potent offensive line if you have a marquee quarterback. The Saints have survived another year with subpar pass-blocking tackles. The Packers have been riddled by injuries up front and are managing to score 34 points per game. Even the Lions with Matthew Stafford – a good, strong-armed quarterback but not yet elite– rank fourth in scoring despite their lower-tier front five. They’ve done so by operating almost exclusively out of the shotgun. The Chargers’ fifth-ranked scoring offense has caught fire down the stretch, not long after losing two Pro Bowlers on the left side of their line (tackle Marcus McNeill and guard Kris Dielman). Philip Rivers’s pocket poise is the reason for that.

The Blindside craze from a few years ago made us all believe that left tackles are vital. In reality, the significance of the left tackle – and the other four linemen – is almost inversely proportional to the quality of your quarterback.

Umgekehrte Proportionalität  mag – überlesen wir Benoits sinnfreie Begründung mal – eine übertriebene Behauptung sein, wie man bei Advanced NFL Stats nachlesen kann.

Diese Woche hat sich eine weitere sehr geschätzte Footballseite in die Diskussion eingeklinkt. Pro Football Focus diskutiert die Frage nach dem Wert einer starken Offensive Line, die nach den Erfolgen der Steelers, 49ers oder Giants in den letzten Jahren durchaus auch ihre Berechtigung haben mag, auch wenn die Schlussfolgerung von PFF dann doch etwas unoriginell daherkommt. [Als Zusatz: Der Eintrag über das Laufspiel der Broncos ist hier.]

Als eine der Hauptbelastungen empfinde ich in der Debatte um den Wert der Offense Lines die fehlenden Stats. Wie viele Pfannkuchen („Pan Cake“) ein Left Guard backen kann, mag interessant für die Videodatenbank sein, taugt aber nicht wirklich als Diskussionsgrundlage. Burkes Modell WPA für Individualstatistiken krankt an (zu?) starker Abhängigkeit der einzelnen Spieler untereinander. Auf der anderen Seite lässt sich möglicherweise subjektives Scouting wie bei PFF kaum vom menschlichen Faktor „Feeling“ lösen. Und dann kann ein Brees immer noch einen schlechten Block mit seiner quicken tiefen Bombe negieren.

Scouting halte ich auch für nicht ganz frei von Gefuzzel, weil eine Offensive Line wie kaum ein anderer Mannschaftsteil im Football als Team auftritt. Die Aufgaben eines jeden einzelnen sind komplex und dürften vor allem bei starker Blitz-Einschlaggefahr stark auf gegenseitiges Vertrauen aufbauen (siehe hierzu überdurchschnittlich hohen IQ von Offensive Tackles).

Weil schon eine Bewertung schwerfällt, lässt sich eine Diskussion um den Belang von Offensive Lines in etwa so schwer steuern wie eine Diskussion mit einer Astrologin über Sinn und Unsinn von Horoskopen. Man kann mit Argumenten Meinungshaufen als wären sie von Rainer Holzschuh jede Auseinandersetzung unwiderlegbar für sich entscheiden.

In den nächsten Wochen werden die Pundits wieder Tackles wie Kalil oder Martin hypen und bis auf die Zehennagelgröße auseinandernehmen; möglicherweise werden zwei oder drei Tackles in den Top-10 gedraftet werden. Die Pundits werden Teams wie Minnesota dafür loben, wie schlau es denn sei, den Neuaufbau um den Bau der Offensive Line zu beginnen. Und sie haben möglicherweise Recht.

Möglicherweise auch nicht. Möglicherweise wäre Ponder glücklicher, könnte er ohne Schutz jedes Mal auf Blackmon und Green werfen und so weniger Prügel kassieren. Möglicherweise rüttelte eine bessere Offense Line nicht an Detroits Antipathie fürs Laufspiel.

Das Ärgernis wird allerdings weiterhin bleiben, dass wir für die möglicherweise wichtigste oder zweitwichtigste (oder drittwichtigste, oder unwichtigste) Position im American Football keine adäquate Grundlage haben, auf Basis derer sich eine fundierte Auseinandersetzung über die Wertigkeit der einzelnen Positionen in der Offense führen ließe.

Wenn ein Benoit die trenches auch übertrieben abkanzelt, so zeigt die Diskussion doch zumindest, dass die Grundvorstellung, eine Line sei die Basis schlechthin, in der heutigen NFL nicht mehr widerspruchslos hingenommen werden sollte. Vielmehr riecht es danach, dass unterschiedliche Typen von Offensiv-Systemen – man könnte fast soweit gehen und behaupten: Quarterbacks – unterschiedliche Anforderungen verlangen. Brees ist nicht gleich Brady ist nicht gleich Roethlisberger. Und das spiegelt sich in der Draft- und Einkaufspolitik in Sachen „Ballfänger vs. Offensive Line“ stärker nieder, als man wahrhaben möchte. Die wenig originelle Schlussfolgerung von Pro Football Focus scheint in Abwesenheit objektiverer Methoden die brauchbarste zu sein.

Die zweite Reihe: Jim Leonhard

[In der Serie „Die zweite Reihe“ wollen wir Spieler, Assistant Coaches und auch Spielzüge vorstellen, die für den Erfolg einer Mannschaft essentiell sind, aber nicht im Rampenlicht stehen. Sondern in der zweiten Reihe. Den Anfang macht heute Jim Leonhard, Safety der New York Jets. 29 Jahre alt; 1,72m; 85kg. College: Wisconsin. Draft: 2005, nicht gedraftet; NFL-Erfahrung: 7 Saisons.]

Leonhard with the Ravens.
Der kleine Jimmy Leonhard – Image via Wikipedia

Man mag ja von Rex Ryan halten, was man will. Aber von Defenses in der NFL versteht er mehr als die meisten anderen. Umso aufmerksamer hätte man aufhorchen müssen, als Ryan und sein Defensive Coordinator Mike Pettine immer und immer wieder wiederholt haben, was für ein schwerwiegender Verlust die Verletzung von Jimmy Leonhard für die Jets-D bedeutet. Und Verletzungen haben leider die beiden vergangenen Spielzeiten für den mit einem extrem hohen “Football-IQ” ausgestatteten Safety jeweils im Dezember beendet.

Leonhard spielt auch nicht zufällig bei den New York Jets. Als Ryan seinen Posten als DC in Baltimore nach der Saison 2008 für die Stelle des Head Coaches der Jets aufgegeben hat, wollte er zwei Spieler unbedingt mitnehmen: Linebacker Bart Scott und eben Safety Jimmy Leonhard. Das spricht Bände für die Wertschätzung, die der große Lautsprecher für beide hat.

In der öffentlichen Wahrnehmung geht der kleine Safety oftmals unter, weil einerseits Ryan und andererseits Stars wie Darrelle Revis und “Typen” à la Antonio Cromartie die ganze Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Dabei ist Leonhard der Quarterback der Jets-D, eine Rolle die in den meisten anderen Teams ein Linebacker übernimmt. Er macht alle Calls, er darf auch “audiblen” (den Spielzug/Coverage ändern) und ist verantwortlich für die Kommunikation untereinander und dass jeder weiß, was er zu tun hat und wo seine Verantwortlichkeiten liegen.

Aber mangelnde Wertschätzung ist für Leonhard nichts neues, sie begleitet ihn seit Beginn seiner Karriere. Nach seinem Abgang von der High School hat er von keinem Division-I-Colleges ein Stipendium angeboten bekommen. Er schrieb sich in Wisconsin ein und schaffte dort sogleich als walk-on den Sprung ins Team. Schon in seiner zweiten Saison war er Stammspieler als Safety und einer der erfolgreichsten Punt Returner in der Geschichte der Big Ten. Seine Qualitäten als Safety wurden duch drei Nominierungen ins All-Big-Ten-Team unterstrichen.

Vor allem wegen seiner football-untypischen physischen Voraussetzungen – 1,72m, 85kg – wurde er auch nach seiner College-Karriere 2005 übergangen und nicht gedraftet. Die Buffalo Bills erbarmten sich schließlich und gaben ihm einen Roster Spot. Im Trainings Camp 2006 war seine Karriere fast schon wieder vorbei. Aber eine Woche nach seiner Entlassung verletzte sich Troy Vincent und die Bills erinnerten sich seiner und er bekam eine neue Chance und machte in den folgenden zwei Saison 28 Spiele, von denen er sieben startete.

Den großen Durchbruch schaffte Leonhard mit seinem Wechsel zu den Baltimore Ravens vor der Saison 2008. Hier war er von Anfang an Stammspieler und bildete zusammen mit Ed Reed eines der besten Safety-Duos der letzten Jahre. Seine Leistung steigerte er dann sogar noch in den Playoffs, als er mit Sacks, erzwungenen Fumbles und Interceptions großen Anteil daran hatte, daß die Ravens in ihren drei Playoff-Spielen gegen Miami, Tennessee und Pittsburgh nur 41 Punkte zuließen. Damit hatte Ryan genug gesehen und überredete ihn, den er erst ein Jahr lang kannte und trainierte, den Weg nach New York gemeinsam anzutreten und ein entscheidendes Puzzleteil seiner neuen Mannschaft zu werden.

Das wurde er dann auch und spielte heuer besser denn je. Bis er am 11. Dezember einen Paß von Kansas Citys Quarterback Tyler Palko abfing und sich beim Return die Patellarsehne verletzte. Da die Verletzung eine Operation erzwang, landete er erneut auf IR. Damit fehlte Gang Green das Hirn der Defense. Neben seiner Spielintelligenz zeichnen Leonhard seine Qualität als Tackler, seine Quickness und Beweglichkeit sowie seine sicheren Instinkte aus – da wo der Ball ist, ist auch Leonhard nicht weit.

Leonhard ist derzeit Free Agent. Seine Verbindung mit Rex Ryan im Hinterkopf, ist es kaum vorstellbar, daß die Jets ihn ziehen lassen werden. Falls doch, wird er sich unter vielen Interessenten seinen nächsten Arbeitgeber aussuchen können.

Atlanta Falcons in der Sezierstunde

Die Atlanta Falcons 2010 holten 13-3 Siege in der Regular Season, jene von 2011 holten 10-6 Siege. Beide Saisons endeten ähnlich: Mit einem Debakel in den Playoffs. Trotzdem gibt es aus Georgia einen Fortschritt zu vermelden. Schauen wir uns eine größere und damit aussagenkräftigere Datenmenge an: Die Spielzüge.

Offense                2010       2011
Yards per Play          5.0        5.6
Netto-Yards pro Pass    5.9        6.8
Yards pro Lauf          3.8        4.0
INT-Rate                1.6%       2.2%
Defense                2010       2011
Yards per Play          5.6        5.5
Netto-Yards pro Pass    6.1        6.4
Yards pro Lauf          4.6        4.2
INT-Rate                3.9%       3.4%

Die jeweils ersten drei Stats korrellieren historisch gesehen mit den jeweiligen Vorsaisonen. Die Turnover-Statistik jedoch hat historisch gesehen vor allem auf Seiten der Defense eine Korrelation von fast null, tendiert also dazu, sich „zufällig“ zu verhalten. Wir sehen: Bis auf die Pass-Defense haben sich die Falcons in allen Kategorien gegenüber 2010/11 verbessert. Zwei schnell aussm Ärmel geschüttelte Hauptgründe für die trotzdem schwächere Saisonbilanz:

  • Turnovers: Die erstaunliche INT-Rate von 1.6 pro 100 Pässen (Ligadurchschnitt ist 3.0%) konnte natürlich nicht aufrecht erhalten werden. Resultat: Statt 9 INTs waren es heuer 13. In der Defense war man heuer deutlich näher am Ligaschnitt dran. Resultat: Nur noch 19 anstelle von 22 INTs. Macht in Summe eine Differenz von sieben Turnovers – ein massiver Wert in einer Kategorie, die historisch stark zu schwanken tendiert.
  • Knappe Spiele: 2010 holte Atlanta teilweise bizarrste Siege (z.B. INT-Return der 49ers, die knapp abgewürgten Comebacks von Ravens und Buccs, das verschossene FG der Saints) und war 7-2 in Spielen mit einem Score Differenz. 2011 hatte man das Glück seltener auf seiner Seite, gewann nur mehr 5 von 8 knappen Spielen und sah sich beispielweise beim 4th down in der Overtime gegen New Orleans schwer im Pech.

Alles klar?

Das bedeutet freilich nicht, dass sich die Falcons nach dem erneuten Scheitern damit entschuldigen dürfen: Die eigenartig sterile Mannschaft löst nirgendwo Entzücken aus und braucht Impulse.

Eine Baustelle seit Jahren ist die Offensive Line, die keine Dominanz durchgedrückt bekommt. Die Tackles gelten als bestenfalls mittelmäßig, aber mit welchen Mitteln sollen sie ersetzt werden? Dahinter eröffnet sich ein weiterer Brennpunkt in RB Michael Turner, dessen unexplosive Spielweise immer weniger zur eingeschlagenen Richtung der Falcons-Offense passt. Ein quicker Back sollte dieser Mannschaft besser zu Gesicht stehen, um wenigstens verschiedenen Rhythmen einschalten zu können.

Abseits davon sind mit dem exzellenten jungen QB Matt Ryan und dem Ballfängertrio White/Jones/Gonzalez (sofern Gonzalez seinen Level halten kann) einige Bausteine da, wobei der Receiving-Corp nicht wie ein fertiges Paket aussieht. Deswegen schaut der immer noch schwer zu begreifende Jones-Deal im Draft 2011 immer noch eher schlecht aus, auch wenn sich Jones immer besser in den Angriff integriert zu haben scheint.

Um noch etwas Positives über den Angriff zu verzapfen: Der OffCoord Mike Mularkey verabschiedete sich nach Jacksonville. Mularkey hatte bei mir nach seiner Zeit in Pittsburgh einen exzellenten Ruf genossen; die immer steifer gewordenen Vorstellungen der Falcons in den letzten Monaten haben bei mir die Erkenntnis reifen lassen, dass Frischwind für die Falcon-Offense die übelste Sache der Welt nicht sein kann, selbst wenn der Neue – Dirk Koetter – eine Unbekannte darstellt.

Solide Grundlage, aber keinen Wow-Effekt gibt es aus der Defense zu vermelden. Mit DE John Abraham und dem situativ eingesetzten Kroy Biermann riskiert man, die beiden besten Pass Rusher zu verlieren. Abraham ist mit bald Mitte 30 nicht mehr der jüngste und war in der jüngeren Vergangenheit häufig entweder verletzt oder nicht mehr durchhaltevermögend genug. Dem DE Ray Edwards sagte man ein eher ernüchterndes erstes Jahr bei den Falcons nach und auch der ehemals hoch gedraftete DT Peria Jerry verliert so langsam seine Unterstützer.

Hinter der Defensive Line, die man insgesamt als nicht physisch genug betrachten könnte, sind mit den jungen Sean Witherspoon und Stephen Nicholas zwei aufstrebende Talente da. Sollte allerdings MLB Lofton abwandern, reißt sich eine Lücke auf, die nur noch vom drohenden Abgang des besten Cornerbacks Brent Grimes in den Schatten gestellt würde. Und selbst wenn Grimes bleibt, gibt es nur wenig aufregende Safetys und den zu unverlässigen CB Dunta Robinson.

Auch hier ein neuer Coordinator – und diesmal kein Unbekannter: Der stets elegant gekleidete Mike Nolan, ein verbrannter Name als Cheftrainer, aber mit sehr, sehr vorzeigbarer Vergangenheit als DefCoord. Nolan passt wie Arsch auf Eimer auf Atlantas Defensive: Wenig Spektakel, aber grundsolide exekutierte Basics, und alle Defenses Nolans tendierten zu rascher Vebesserung.

Trotzdem: Das Unangenehme an den Atlanta Falcons ist alles in allem der fehlende eine Anhaltspunkt, wo man denn nun auf die Schnelle ansetzen sollte, noch dazu ohne die vielen für Jones eingetauschten Draftpicks. Alle Mannschaftsteile sind gut besetzt, aber überall mangelt es an dem Mann, an dem man sich aufrichten kann.

Die Offensive Line, die den Anstürmen nur bedingt standhalten kann. Das träge Laufspiel. Das unvollständige Passspiel. Der solide Pass Rush. Die unspektakuläre Pass-Defense. Einerseits ist Atlanta so schlecht nicht aufgestellt, andererseits fehlen die Mittel (Draftpicks), um im Sprinttempo den Level von „gut“ auf „großartig“ zu heben. Und so muss man fürchten, dass im Herzen des bible belt das Fenster des Erfolgs ungenutzt verstreichen wird, weil man nicht alle notwendigen Bausteine zugleich an Ort und Stelle hat.

Carolina Panthers in der Sezierstunde

Die Saisonbilanz der Carolina Panthers liest sich mit „6-10“ schlechter als es die Mannschaft verdient hat. Nach Pythagoreischer Erwartung erbrachte man die Leistung eines Teams, das im Durchschnitt 7,4 Saisonsiege holt, und in den engen Spielen mit einem Score Differenz schaut die Bilanz nach argem Pech aus: 2-6. Vor allem die Offense lieferte erstaunliche Zahlen ab:

Kategorie    Stats       Rk
Y/PT          15.4       #13
Y/A            6.2       #4
Y/Pass         7.9       #6
Y/Lauf         5.4       #1

Das sind hervorragende Nachweise, insbesondere für einen Mannschaftsteil, der vor einem Jahr töter als tot war und mindestens fünf Meter unter der Erde begraben lag. Zeit, den Gang nach Canossa anzutreten und die Symbolfigur hinter dem Umschwung zu würdigen: QB Cameron Newton, der von OffCoord Rob Chudzinski ein wunderbares Quarterback-Scramble-dichund-wirf-den-tiefen-Ball zugeschneidert bekam, lieferte neben sensationellen 7.8yds/Passversuch und 4051yds noch 706yds durch Scrambles und insgesamt 35 Offensivtouchdowns, bei nur 17 INT und 5 Fumbles.

Unerwartete Zahlen für den angeblichen Egomanen Newton, nichtmal die 3.3% Interception-Quote ist hoch genug, um einen ernsthaften Ansatzpunkt für Kritik zu finden. Weil Newtons Pass-Präzision vor allem bei den Intermediates zu leiden scheint, bleibt jedoch abzuwarten, ob sich diese sehr vertikal angelegte Offense wird langfristig halten können, auch wenn ich gewillt bin, Newton fürs Erste Narrenfreiheit zu gewähren.

Weil es an der Offensive Line in der Form des Herbstes und an den Running Backs Williams/Stewart wenig auszusetzen gibt (wenigstens einer der Guards Hangartner/Schwartz wird gehalten werden), dürfte sich der strengste Blick in der Offense auf die Ballfängertruppe richten. Dort ist der „Ü30“ Steve Smith nicht bloß „integraler Bestandteil“, sondern „die Wide Receivers“. Sollten die Panthers mittel- und langfristig zu denken imstande sein, wird in dieser Offseason Frischblut kommen müssen.

War die Offense entgegen aller Erwartungen deutlich über dem NFL-Durchschnitt anzusiedeln, so darf man die Panther-Defense ohne Umschweife als große Enttäuschung klassifizieren. Diese Unit verhinderte den durchaus möglichen Playoffeinzug im abgelaufenen Herbst. Von den wendigen, quicken Defenses, die Ron Rivera bislang unter seinen Fittichen hatte, war nicht allzu viel zu sehen. Auch die Stats sind selbst mit den vielen Verletzten im Hinterkopf furchterregend:

Kategorie    Stats       Rk
Y/PT          14.1       #27
Y/A            6.2       #29
Y/Pass         8.4       #32
Y/Lauf         4.6       #24

Die große Schwachstelle der Panthers ist die Mitte der Defensive Line: Die Wahrscheinlichkeit dürfte groß sein, dass mit dem Draftpick #8 ein Defensive Tackle der Güteklasse Devon Still gezogen wird, denn die Panthers wurden über die Rookies McClain/Keo überlaufen, ohne zeitgleich Druck zustande zu bekommen (nur 31 Sacks). Auch DE Charlie Johnson dürfte nach seinem millionenschweren Vertrag ab sofort kritischer begutachtet werden.

Natürlich dürfte es bei 8.4yds/Pass auch im Backfield nicht allzu rosig aussehen. Carolina hatte mit allen möglichen verschiedenen Typen von Receivern so seine Probleme (vs Top-WR #27, vs RB #27, vs Slot #22, vs TE #32). Die Sache mit den Tight Ends dürfte sich rasch durch die bloße Rückkehr von Beason, Davis und Anderson verbessern. Aber die Secondary wird gezwungenermaßen einen Playmaker brauchen.

Trotzdem waren die Gesamteindrücke zu gut, um die Mannschaft auch nur annähernd in den Senkel zu stellen wie noch vor einem Jahr. Wenn Newton nicht in ein allzu tiefes Sophomore-Loch fällt und die problematischen Mitteldistanzwürfe sich nicht als bedrohlich erweisen, kann man Carolina durchaus mit den Detroit Lions der letzten Jahre vergleichen: Junges Team mit einigen vielversprechenden Bestandteilen und an guten Tagen in der Lage, Topteams in Bedrängnis zu bringen.

Der Reifeprozess wird kommen, das Pech wird sich irgendwann ausgleichen. Wir könnten hier über einen schlafenden Riesen sprechen.

Die NFL-Combine hat uns wieder – heuer auch auf Deutsch!

Ab heute bis zum nächsten Dienstag, 28.2. ist wieder NFL-Combine in Indianapolis. Auf NFL.com wird wie in den letzten Jahren live im NFL Network mitgestreamtfor free. „NFL Network“, das bedeutet auch, dass wir wieder tagelang Mike Mayocks Analysen zu hören bekommen. Mayock ist bekannt als kompletter Draftfreak, der innerhalb von 0,3sek auf die Frage die bevorzugte Unterhosenmarke des fünfundzwanzigbesten Defensive Backs benennen kann.

NFL-Combine – whoodat?

Die Kernelemente der NFL-Combine hatte ich bereits vor einem Jahr erklärt: Ausgewählte Athleten, die in den Draft gehen, werden in vier Tagen an Ort und Stelle im Beisein von zahlreichen Experten, Teamoffiziellen und Scouts auf Herz, Nieren und Hirn getestet. Das Schema F ist +/- folgendes:

  • Tag 1: Anreise, Vorbereitung zum Medizincheck, Kennenlernen
  • Tag 2: Abnahme der Körpermaße, Medizincheck, Medien-Session, Wonderlic-Test, Vorstellungsgespräche
  • Tag 3: Treffen mit der NFLPA, Wonderlic, Vorstellungsgespräche
  • Tag 4: Workouts, Abreise

Plus ein Drogentest, bei dem immer mal wieder ein Bauernopfer durchfällt. Die Workouts gliedern sich in haufenweise positionsspezifische und allgemeine Übungen auf. Die allgemeinen Tests sind der Sprinttest („40 Time“), der Agilitätstest („Cone Drill“), der Hochsprung aus dem Stand („Vertical Jump“), der Weitsprung aus dem Stand („Broad Jump“) und der Test für die Kraftlackel („Bench press reps“).

Die einzelnen Tests haben dabei je nach Ermessen der Scouts für die unterschiedlichen Positionen unterschiedliche Gewichtung – meistens viel zu viel Gewichtung, wofür vor Jahren der Terminus des „Workout Warriors“ kreiert wurde: Athleten, deren hoher Draftstatus in einem großartigen Combine begründet wurde, die dann aber in der NFL erstmal Probleme hatten (die beiden Vernons fallen da als erstes ein: Vernon Davis und Vernon Gholston).

Ich habe natürlich auch heuer wieder den bizarren Intelligenztest „Wonderlic“ simuliert – diesmal in einer weniger trivialen und etwas „offizieller“ wirkenden Version – und im Vergleich zu den 45 Punkten im letzten Jahr ein eher enttäuschendes Ergebnis eingefahren – glaubt man der Simulation (verhältnisgerecht runterskaliert auf 15 Fragen in 3:36 Minuten), reicht es aber grad noch, um trotz zu überhaspelter Arbeit (1:04 min zu schnell geantwortet) dem NFL-MVP Aaron Rodgers die ausgestreckte Zunge entgegenzustrecken:

NFL Combine, Wonderlic Test Results

Per Klick zum Sofort-Test in Kurzfassung!

Wer Lust hat, den Test als Kurzfassung ebenso zu simulieren, sei eingeladen, per Klick auf das Bild loszuledern und sein Ergebnis in den Kommentaren zu posten.


Ein Deutscher! Ein Deutscher!

DT Markus Kuhn

Markus Kuhn - Bild: Jack Reeves/Familie Kuhn

Es wäre vermutlich an mir vorbeigegangen, aber via eMail machte mich sein Vater darauf aufmerksam: Mit DT Markus Kuhn von NC State ist diese Woche erstmals auch ein deutscher Spieler bei der Combine mit von der Partie (Vollmer war einst dazu nicht eingeladen).

Kuhn hat einen interessanten Weg zum Football hinter sich: Wurde als 15jähriger in Florida im Urlaub auf die Sportart Football aufmerksam, ging dann zum Heimatverein Weinheim, erstellte über die Jahre Videoclips und tourte dann in Sachen „Recruiting“ mit DVD in der Hand die US-Ostküste entlang von Norden nach Süden, beginnend mit den kleineren Colleges und als sie alle Interesse zeigten schließlich hin zu den BCS-Teams aus der ACC, wobei er bei North Carolina State hängen blieb – ist das Wolfpack bei uns wirklich so selten zu sehen, dass ein deutscher Defensive Tackle über Jahre an mir vorbeigegangen war, noch dazu einer von Draft-Kaliber?

Vermutlich nein. Aber in dem Jahr, als ich College Football am intensivsten verfolgte, 2009/10, war Kuhn inactive. Der Mann ist heute mit 25 Lenzen relativ alt für einen NFL-Rookie, dürfte aber gleichzeitig leichte Vorteile in Sachen „Körperbau“ besitzen. Und hat mit der Feder im Haar auch ein erkennbares Markenzeichen.


Sonst so

Kuhn wird erst am Wochenende dran sein, dann, wenn die Defensive Front Seven anreist. Den groben Zeitplan als PDF-Datei gibt es hier, wobei auf der oben verlinkten, offiziellen Stream-Seite rechtzeitig die einzelnen Gruppen genau eingetaktet aufscheinen dürften.

Die Liste mit allen teilnehmenden Athleten ist auf der offiziellen Scout-Seite zu finden.

Einige der bekannteren Draft-Anwärter habe ich bereits im Jänner auf diesem Blog vorgestellt:

Eine Frage wird dann hoffentlich auch noch in dieser Woche aufgelöst: Wie groß ist WR Justin Blackmon nun tatsächlich? Die gelisteten 1,85m von der Uni werden es eher nicht sein.

Houston Texans in der Sezierstunde

Die Sezierstunden 2012 möchten den Schwall an Footballmannschaften nicht bis in die Pipette analysieren, sondern kurz und knackig Stand der Dinge und die Schlüsselprobleme aufdecken, mit denen sich die einzelnen Teams nach einer interessanten Saison 2011/12 beschäftigen müssen. Dass wir am Ende nicht mit Obduktionsbericht nach Hause gehen, dafür bürgt schon die erste betrachtete Mannschaft, die Houston Texans, Lieblinge von Microsoft Excel und allen Freunden der Frage, was wäre gewesen, wenn?

Nach Jahren mit starker Offense, schlechter Defense und Game-Management zum Fremdschämen rief HeadCoach Gary Kubiak heuer nur einmal gegen Oakland die Geister der Vergangenheit, als eine bizarre Partie per in die EndZone „geschaubeltem“ Pass noch verloren wurde. Abseits davon war die Klopapierrolle (zum Abwischen von Speichel) ständiger Begleiter von Texans-Spielen.

So fassungslos war der kometenhafte Aufstieg der Defense, die nach einem Komplettkollaps 2010/11 schon im ersten Jahr der heiklen Umstellung auf 3-4 unter dem neuen DefCoord Wade Phillips einen großartigen Aufschwung erlebte:

Kategorie          2010   2011
Y/P                8.2    6.2
Completion Rate    64%    51.9%

Diese Zahlen lassen sich auch mit eher lauwarmem Pass-Schedule nicht kleinreden, vor allem mit dem Hintergrund der Umstellungsprobleme auf diese Art von Defense andernorts. Die sehr straighte Philosophie beeindruckte vor allem, weil nichts überaus Kompliziertes aufgeboten, dafür humorlos mit der physischen Gewalt vieler ehemals hoher Draftpicks dominiert wurde. Der Blick auf das Alter der einzelnen Starter verrät sogar noch Entwicklungspotenzial.

DE   Watt         22
NT   Cody         28
DE   Smith        30
OLB  Williams     26
ILB  Cushing      24
ILB  Ryans        27
OLB  Barwin       25
CB   Jackson      23
CB   Joseph       27
S    Manning      29
S    Quin         25

Eine wichtige Stellschraube wird der auslaufende Vertrag von DE/OLB Mario Williams sein, der in den wenigen Wochen bis zu seiner schweren Verletzung brillante Ansätze in seiner neuen Rolle zeigte. Williams ist im besten Alter und würde bei Abgang als herber sportlicher Verlust empfunden werden, obwohl die Nachrücker sehr gelobt wurden.

Nachbesserung bedarf es abseits davon vermutlich nur auf der als kritisch empfundenen Position des Nose Tackles, wo der nicht massiv genug gebaute Shaun Cody als größte Schwachstelle ausgemacht wird, sowie im Defensive Backfield, wo man dem jungen Safety Glover Quin nicht voll zu vertrauen scheint. Trotz Quins Flauseln kann man der Secondary großes Potenzial nachsagen: Der im vergangenen Sommer eingekaufte CB Jonathan Joseph gilt als hochklassig, dazu gesellen sich um CB Kareem Jackson und Konsorten eine Reihe an jungen Deckungsspielern, die sich zuletzt prächtig entwickelten und den Routinier Allen entbehrlich machen könnten. Gepaart mit einer druckvollen Front Seven eine wohl gut aufgestellte Unit.

Dabei war das Prunkstück der Texans seit Jahren der andere Mannschaftsteil, wo rund um die Combo QB Matt Schaub/WR Andre Johnson die Eier bis zum Gebrechen durch die Lüfte flogen. Seit zwei Jahren ist die Spielweise etwas balancierter, was vornehmlich an der gewachsenen Offensive Line und den beiden famosen Running Backs Arian Foster und Ben Tate liegt.

Foster ist ein restricted free agent (RFA), wird also mit einem billigen Preisschildchen eher einfach für ein weiteres Jahr zu halten sein. Weil der Texans-Kader aber kein Aldi-Gefühl aufkommen lassen will, muss man sich schon fragen, wie lange man sich Foster darüber hinaus leisten wird können. Stark empfohlen sei den Texans auch, C Chris Myers, den Ankermann der Line, einen neuen Vertrag zu geben.

So sind die beiden größten Fragezeichen in dieser Offseason jene beiden Komponenten, die jahrelang den Kern der Texans bildeten: Quarterback und Wide Receiver. Schaub ist einer der meist-übersehenen Spielmacher, weil er a) für einen jahrelangen Verlierer spielte und b) ästhetisch nicht das feinste tiefe Spiel aufziehen kann, aber der Mann muss zu meinen Favoriten gehören, weil ungemein effizient und imstande, mit limitierter Ressource Großes zu veranstalten. Bleibt jedoch die Frage, wie gut die komplizierte Fußverletzung verheilen wird.

Die Backups sind indes nicht wirklich allererste Sahne: QB Leinart ist mit seinen langsamen Bogenlampen keine Alternative, QB Yates trotz furchtloser Spielweise und besseren Anlagen als Grünschnabel ein potenzielles Risiko.

Nehmen wir an, dass die Texans weiter an Schaub glauben, so sind mit hoher Wahrscheinlichkeit die Wide Receiver im Fokus dieser Offseason. Abseits des phänomenalen, aber alternden Johnson und Walter könnte Blutauffrischung zum Imperativ werden, gerade auch mit dem Blick auf die mittelfristige Zukunft.

Von Wichtigkeit könnte darüber hinaus nach Blick auf die Spezialisten auch sein, den selbst für Punter-Verhältnisse steinalten Turk (43 Jahre) zu ersetzen, wie auch K Rackers Free Agent ist.

Die Texans sind erschreckend gut aufgestellt. Jahrelang hat man diese Mannschaft Kubiak-bedingt nicht für voll nehmen können; in der abgelaufenen Saison waren sie trotz mehrerer Schlüsselverletzungen allerdings sehr nahe an der Superbowl dran. Sofern die Offseason nicht mit irgendwelchen Selbstbeweihräucherungen verdaddelt wird, dürfte diese Franchise für die nächsten ein bis zwei Jahre ein brandheißer Titelkandidat werden, bevor das Phänomen „Salary Cap“ mit Eiseskälte zuschlägt.

Als den VIPs der Weißwein abfror

Die New England Patriots haben auf ihrer Facebook-Seite Bilder vom Abriss des alten Foxboro Stadiums reingestellt, der heute vor zehn Jahren begonnen wurde. Das Foxboro Stadium war Anfang der 70er innerhalb kürzester Zeit fast ohne Budget erbaut worden und hatte damals den Verbleib der Patriots in Massachussetts gerettet, obwohl es eigenartigerweise näher an Providence, der Hauptstadt von Rhode Island, denn Boston selbst liegt. Foxboro Stadium wurde erst zur Saison 2002/03 durch das einen Steinwurf nebenan entfernte Gillette Stadium ersetzt. Bis dahin war es eines der meistverhassten Stadien in der NFL gewesen, wo Leute sich im Winter auf kalten Metallstangen den Arsch abfroren und selbst VIPs sich wie am nächstbesten Dorfplatz fühlten – und da ist die als chaotisch beschriebene Parkplatzsituation noch nicht mal ein Thema.

Ich habe Foxboro Stadium nicht mehr miterlebt. Ich kenne es von einer alten Aufzeichnung des großartigen WM-Spiels von 1994, Nigeria – Argentinien (meine Fresse, was war Oliseh damals für ein Spieler!), und aus zigfach wiederholter, berühmtester Footballszene im letzten NFL-Spiel im Foxboro Stadium: Tuck Rule.

Wir lesen (1) – Take Your Eyes Off The Ball (Pat Kirwan)

[Um die Offseason etwas kürzer zu machen, werden hier in den kommenden Wochen in loser Folge Bücher vorgestellt, die sich um das Ei drehen. Nr. 1: Pat Kirwan with David Seigerman: Take your eyes off the ball: how to watch football by knowing where to look. Triumph Books: Chicago 2010. Zum Beispiel hier.]

Pat Kirwan ist heute bekannt als Kolumnist für NFL.com und mit seiner Radioshow „Movin´ the Chains“ bei Sirius Radio. Er war Trainer im High-School- und College-Bereich (u.a. Offensive Coordinator bei Hofstra) und später als Coach, Scout und im Management bei verschiedenen NFL Teams (Cardinals, Jets, Buccaneers). Sympathischerweise hat dieses Buch ein ganz klares Ziel, ein ganz bestimmtes Anliegen. (Anstatt einfach ungeordnet alles Wissen und witzige Anektoden runterzuleiern, die „Ex-NFL-soundso“ in seiner langen und echt voll einzigartigen Karriere gemacht hat, wie das leider oft bei Büchern früherer Sportler und Trainer ist.)

Wie der Untertitel selbsterklärend besagt: „how to watch Football by knowing where to look“; Kirwan beschreibt das Ziel des Buches in der Einleitung ausführlicher:

For too long, watching Football has been sort of like visiting an unfamiliar city. When you first find yourself in the middle of Paris or Rome or even New York, you recognize a couple of familiar sights, but it´s easy to feel in over your head as your senes get overwhelmed by the swirl of activity and energy. It´s not until you start learning the language and recognizing certain neighbourhood landmarks that you feel acclimated and comfortable. And the the fun can really begin.

Und damit der Fun dann auch sogleich beginnen kann, macht Kirwan etwas recht trockenes. Das gesamte erste Kapitel dreht sich nur darum, welche verfügbaren Informationen alle beachtet werden sollten, die helfen können zu antizipieren, was als nächstes passieren wird. Dazu schlägt er vor, mittels eines Charts mitzuschreiben, wer überhaupt auf dem Feld ist (Personnel) und was diese Aufstellung dann macht (Paß/Lauf). Man baue sich also eine Tabelle und führe diese als Strichliste: in der linken Spalte „Personnel“, in der zweiten „Run“ und in der dritten „Pass“. Personnel kann man kurz mit zwei Ziffern angeben, die sich danach richten, wie viele Running Backs im Spiel sind (erste Ziffer) und wie viele Tight Ends im Spiel sind (zweite Ziffer). 11 Personnel sind also 1RB, 1TE, 3WR und 01 sind 1TE und 4WR usw.

Wenn man das mal macht, bekommt man tatsächlich ein viel besseres Gespür „for the flow of the game“. Einige offensichtliche Dinge kann man schnell verifizieren (zum Beispiel spielt die Colts-Offense unter Peyton Maninng fast ausschließlich mit zwei Aufstellungen, 70% „11“ und 30% „12“), einige je nach Erfahrung mehr oder weniger bekannte Dinge werden schnell deutlich (zum Beispiel, daß die Patriots viel öfter als man denkt aus „11“ laufen) und daß dieser Chart bei Teams wie New Orleans total sinnlos ist, weil sie im Laufe eines Spiels alle nur erdenklichen Formationen spielen und aus dene heraus ohne klare Tendenz sowohl laufen als auch passen. Daneben geht er auch auf alle anderen Informationen ein, die auch der Zuschauer hat und die es zu bedenken gilt: Zeit, Score, Down&Distance.

Anschließend daran beschreibt Kirwan, wie im Laufe einer Offseason das Playbook zusammengestellt wird und was dabei alles eine Rolle spielt (Rookies, neue Free Agents, neue Coaches, der Quarterback). Die ersten Ideen für das Playbook werden dann während der Offseason in OTAs installiert, ausprobiert und je nach Erfolg wieder verworfen und Neues dazu genommen. Schließlich wird das fertige Ding im Juni gedruckt und während des Training Camps jedem Spieler wieder und wieder eingehämmert.

Aus diesem Playbook wird dann in der Saison je nach Gegner ein passender Gameplan destilliert, der unter der Woche zwischen den Spielen installiert wird. Die typische NFL-Trainings-Woche wird vorgestellt und erläutert, was Coaches und Spieler an welchem Tag der Woche jeweils machen. Kein Tag gleicht dem anderen.

Jetzt weiß man, wie der Gameplan entsteht, auf was Coaches und Scouts alles achten, auf was man selbst alles achten kann und was die Spieler tatsächlich zwischen den Spielen trainieren. Darauf aufbauend dreht sich der längste Teil des Buches um die Spieler. Jede Position wird ausführlich erläutert im Sinne von: was sind die Aufgaben eines QB oder eines LT; wie sollte er prototypisch gebaut sein; welche Unterschiede gibt es je nach „Philosophie“ (z.B. Linemen in 3-4 vs. Linemen in 4-3-D) und wie sich die Rolle der Position im Laufe der Jahre entwickelt hat.

Das gerät manchmal etwas trocken. Zeitweise hat man das Gefühl, wie in der Schule ein Lehrbuch zu lesen, in dem erklärt wird, wie Photosynthese funktioniert oder warum es zum Ersten Weltkrieg kam. Ein besserer Ghostwriter hatte das sicher ansprechender formulieren können. Aufgelockert wird das Ganze immerhin durch Kästen, in denen Kirwan knapp Fragen beantwortet wie „What´s the biggest adjustment college receivers face when they get to the NFL?“. Auch die Fragen sind wie das ganze Buch teils wirklich simpel und für Anfänger; teils ziemlich „sophisticated“, wie die Fragen zur „Sprache“ der Quarterbacks und Playcalling.

Nachdem die Positionen alle durch sind, gibt es auch noch Kapitel zum Coaching, zur Organisation des Managements und zum Draft-Prozeß. Dabei merkt man deutlich, daß Kirwan sehr viel Erfahrung hat und weiß wovon er redet. Auch der selbsternannte „Experte“ unter den Lesern kann hier noch was lernen. Insgesamt bekommt man mit dem Buch sehr viele Informationen auf gerade mal 200 Seiten, wodurch es mehr als Nachschlagewerk geeignet ist.

Falls man nicht gerade selbst schon mal in einem NFL-Staff garbeitet hat, ist Kirwans Buch trotz seiner Schwächen eine lohnende Investition. Am besten geeignet ist es wohl für Fans, die erst seit einem oder zwei Jahren Football-Spiele schauen und mehr wissen wollen. Besser verstehen wollen, was sie sehen und auch verstehen wollen, was die Mannschaften da überhaupt gerade machen und warum sie das machen. Für schmale 12,50€ gehört die Mischung aus Nachschlagewerk und Lehrbuch aber auch in jeden „Experten-Haushalt“, um schnell nochmal nachzuschauen, woran man denn jetzt pre-snap erkennt, ob der Cornerback Zone- oder Man-Coverage spielt oder um in der Combine-Vorbereitung sich nochmal schnell zu vergewissern, daß man auch die Formel für die „Explosion Number“ bei Pass Rushers nicht durcheinander gebracht hat.

Kauft´s, lest´s, werdet´s schlauer.

NFL 2011/12 in der Sezierstunde

Die Sezierstunden haben uns wieder! In den nächsten Wochen wird es wieder Team für Team in der NFL-Rückblende geben, garniert mit mehr von dem, was ich als mein liebstes Hobby betrachte: Zahlen und Statistiken, aus denen wieder Versuche für Ableitungen gemacht werden.

Hier ganz oben sei ein Abkürzungsverzeichnis reingestellt, das die wichtigsten und häufigsten verwendeten Abkürzungen in den folgenden Sezierstunde-Einträgen kurz anschneidet. Weiter unten folgt die Serie an Prognosen, die ich im Zuge der Vorschauserie im Sommer gegeben hatte. Ernsthaft einen Record habe ich nur für Lions (Tipp war: 11-5 mit Stafford) und Buccaneers (Tipp war: 5-11) getippt, weil es Spox so wollte – beide Tipps waren nahe dran; hier auf dem Blog hatte ich mich dem eher entzogen, weil Bilanzen tippen bei 133 Spielen mit einem Score Differenz (51.9%) einer Lotterie gleicht.

Abkürzungen

Y/A      Yards pro Spielzug
Y/PT     Yards pro erzieltem Punkt
Y/Pass   Netto-Yards pro Passspielzug
Y/Lauf   Yards pro Laufspielzug
Y/Drive  Yards pro Drive

„Netto-Yards“, weil ich folgende Formel verwende: (Reine Passyards – Raumverlust durch Sacks) / (Passversuche + Nummer Sacks). Für mich ist das die aussagekräftigste Statistik, was das Passspiel angeht. Es gibt adjustierte Formeln, die Plus- oder Minuspunkte für Touchdowns und Interceptions geben, aber da diese Formeln auf willkürlichen Parametern basieren, lehne ich diese vorerst ab (z.B. Pro-Football-References ANY/A „Adjusted Net Yards per Attempt“).

Review vom Saisonpreview

Ich werde nicht explizit auf jeden einzelnen Text verlinken. Dafür an der Stelle der Verweis auf die Seite, auf der man alle 25 Vorschautexte finden kann. Hier sei nur jeweils das Fazit aus dem Sommer aufgelistet.

AFC East

Bills

Ich hoffe, wir sehen heuer wenigstens ein-zweimal diese sympathische Mannschaft spielen. Ich möchte den Wusler Fitzpatrick und vor allem das offenbar verkannte Genie Kyle Williams spielen sehen. Playoffs darf ich qua prinzipieller Skepsis nicht erwarten.

Jets

Wir haben einen weiteren potenziellen Superbowl-Kandidaten, aber einen mit fetten Fragezeichen – und man sollte die AFC-Konkurrenz nicht unterschätzen. Die Offseason lief nach dem entgangenen Asomugha-Deal nicht wie gewünscht und die Jets versuchten erst gar nicht, dies zu bestreiten. Ich sehe Playoffnähe, aber keine Playoff-„Garantie“. Sollten die Dolphins aus unerfindlichen Gründen akzeptables Quarterback-Spiel zu Tage zaubern, erleben wir eine ultraenge AFC East.

Dolphins

Wenn das Passspiel der Dolphins turnoverarm in die Gänge kommen sollte, sprechen wir von einem Playoff-Kandidaten, selbst in engen AFC East. Bei diesem Schedule […] und mit einer weiterhin so uninspirativen Offense ist ein weiteres, dunkelgraues 7-9 hingegen ebenso nicht weit weg. Ob man sich dann um einen der Top-QBs aus dem Draft 2012 bemühen würde?

Am Ende fiel die Wahl auf das Wildcard-Team aus der AFC East auf Miami und gegen die Jets – beides Tipps für die Grütze.

Patriots

Wie eingangs erwähnt: Das ist die Vorschau auf meinen persönlichen Superbowl-Favoriten. Die Hauptschwäche, das offene Scheunentor in der Secondary, scheint durch wiedergenesene Leute (Backfield) und Neueinkäufe in mehreren Bereichen (Front Seven, Backfield) zumindest in Ansätzen behandelt worden zu sein. Und ansonsten gilt selbiges wie jedes Jahr: Ich weigere mich, gegen die Combo Belichick/Brady zu setzen.

Man war einen Catch von der Erfüllung entfernt.

AFC North

Ravens

Man halte mich für unverbesserlich, aber die Ravens bleiben mein AFC-North-Favorit Nummer 1. Das Superbowl-Rennen in der AFC ist fassungslos eng, aber durchaus nicht ausgeschlossen, dass die Ravens – die schließlich schon des Öfteren ihre Auswärtsstärke bewiesen haben – auch mit einem niedrigen Seed in die Superbowl durchmarschieren.

Es fehlte ein einziger Kick (und die Overtime).

Browns

Wenigstens der Schedule meint es gut mit den Browns: Viele Heimspiele gegen mittelmäßige Konkurrenz zu Beginn und viermal die NFC West und die ebenso nicht berauschende und physis-allergische AFC South im Kader. Die Bilanz könnte am Saisonende die wahre Leistungsstärke (-schwäche?) verschleiern – aber mir gefällt bekanntlich immer, wenn eine Franchise mit einer klaren Idee auch mal ein paar happige Jahre des Aufbaus in Kauf nimmt.

Upps.

Steelers

Der Schedule sieht bis auf wenige Kracher recht einfach aus und hat vermutlich zu wenige Stolperfallen eingebaut, als dass Pittsburgh selbst mit einem zweiten Platz hinter Baltimore nicht wenigstens eine Wildcard ergattern kann. Der ernsthaften Prüfung wird man im Jänner gestellt sein, und ich kann mir nicht vorstellen, dass man noch einmal zwei Spiele in Serie gewinnt, in denen man jeweils eine Halbzeit lang nach Strich und Faden dominiert wurde und in der anderen Halbzeit von kollabierenden und nicht vorbereiteten Gegnern profitierte.

Die Bengals hatte ich wegen Überbeschäftigung nicht behandelt. Ich betone allerdings, dass ich Cincinnati als potenzielles AFC-Schlusslicht betrachtet hatte.

AFC South

Texans

Gespannt darf man vor allem darauf sein, wie Kubiak diesen permanenten Durchbruch-Kandidaten wieder um die Playoffs bringen möchte. Aber irgendwie erinnert mich das ganze ein bissl an die Saints, die auch stets eine gute Offense hatten und denen vor zwei Jahren eine halbwegs brauchbare Saison mit ihrer Defense glückte…

Colts

Für mich sind die Houston Texans trotz Gary Kubiak diesmal Divisionsfavorit, und mir dünkt, dass es mit diesem Schedule schwer wird, eine Wildcard zu stibitzen. Andererseits fällt es mir schwer, an Playoffs ohne Colts zu denken. Das hab ich schließlich noch nie erlebt.

Der Colts-Eintrag war am 19.8. geschrieben, als noch nicht absehbar war, dass Manning für die ganze Saison ausfallen würde. Aber auch mit Manning wären die Playoffs schwer geworden. Jacksonville blieb ohne Vorschautext, wie auch Tennessee. Den Titans hatte ich in etwa .500 zugetraut, den Jaguars etwas weniger.

AFC West

Chargers

Solange nur Rivers fit bleibt, wird die Offense punkten und dass die Defense nicht um eine oder zwei herausragende Figuren gebaut ist, sondern tatsächlich als Unit aufgeigen kann, kann nur ein gutes Zeichen sein. San Diego = heißer Superbowl-Favorit.

War zum zweiten Mal in Serie nichts, und wieder fehlte am Ende ein Sieg zum Divisionstitel. Und wieder hätte es 3-4 locker „gewinnbare“ Spielsituationen gegeben.

Broncos

Die AFC West ist eine interessante Division mit einem klaren Favoriten (San Diego) und einem IMHO völlig offenen Rennen um den zweiten Platz, eine mögliche Wildcard. Die Broncos müssen vermutlich aber sehr verletzungsfrei bleiben, um diese zu ergattern.

Ich hatte nicht mit einem ernsthaften Einsatz Tebows gerechnet, aber als Mannschaft die Broncos etwas besser eingeschätzt als sie letztendlich waren.

Chiefs

Ich sehe a) keine Playoffs für die Chiefs in diesem Jahr und habe sogar leise, ganz leise Befürchtungen, dass es b) sogar potenziell einen Absturz auf den letzten Divisionsplatz geben könnte.

Die Raiders hatte ich nicht mehr geschafft, weil mich nach Woche 1 oder zwei eine üble Grippe erwischt hatte, die mich tagelang lahm gelegt hatte.


NFC East

Eagles

Ich sehe bedenklich viele Komponenten, die gegen die Philadelphia Eagles als Superbowl-Champ sprechen. Um noch ein bissl weiter zu gehen: Ich habe sogar in der NFC East eine andere Mannschaft auf der Rechnung. Eine vermutlich blitzfreudige…

Cowboys

Es ist un-analytisch und es ist gegen den common sense, aber irgendetwas gibt mir das Gefühl, dass wir hier über den NFC East-Champion 2011/12 sprechen. Obwohl ich Sorgen um die Line habe, obwohl mir die geringe Tiefe völlig bewusst ist, obwohl mehrerenorts Fragezeichen dicker als 0,75pts sind: Dallas sollte die Division gewinnen.

Redskins

Im Prinzip ist ein Schedule mit der NFC West dankbar, um sich im eventuellen Wildcard-Rennen Vorteile zu verschaffen. Dass die Redskins in dieses Rennen aber überhaupt einschreiten können, dafür muss die Defense dringend an das Giants-Spiel anknüpfen und darauf aufbauen.

Den Text hatte ich nach dem ersten Spiel – einem souveränen Heimsieg gegen New York – verfasst.

Giants

Die NFC ist als Conference ausgeglichen genug, dass man sich mit sechs, sieben Niederlagen womöglich für die Playoffs qualifizieren kann. Die Giants müffeln danach, als ob sie in etwa in diesen Sphären verharren würden.

Hehe. (Nein, ich hätte niemals auf die Giants als Titelgewinner der NFL getippt. Selbst dann nicht, wenn man mir das erneute Formhoch zum besten Zeitpunkt garantiert hätte)

NFC North

Packers

Der Kader wurde gegenüber 2010 kaum verändert und nur mit wenigen Spielern und Rookies ergänzt. Eine „logische“ Strategie, aber es passiert selten, dass solche Mannschaften nicht einen leichten Abwärtstrend erleben, zumal als Titelverteidiger. Green Bay ist für mich nicht der Titelfavorit #1, dürfte aber trotz der starken NFC North wieder im Playoffrennen mitmischen können – und wenn Rodgers und seine Crew wieder einen solchen Lauf kriegen…

Das Problem war dann weniger im Kopf zu verorten, sondern in der absurd schwachen Defense.

Lions

Dieser Sommer ist etwas anders. Dieser Sommer gibt erstmals in meiner Vita als glühender und vor allem mit Liebe leidender Anhänger der Detroit Lions Grund, auf bald kommende Erfolge zu hoffen. Weil es sich aber immer noch um die Lions handelt, bin ich noch hin- und hergerissen zwischen gerechtfertigtem Optimismus und der prinzipiellen Skepsis gegenüber dieser Franchise.

Bears

Auch nicht viel besser. Wenn deine Offense in überdurchschnittlichem Maße von einer starken Offensive Line abhängig ist (und sie in realiter zu den 3, 4 schwächsten gehören dürfte), wenn deine Defense über so geringe Kadertiefe verfügt, wenn dein Quarterback so brutal in die Pfanne gehauen wurde, dass die 50 potenziellen Sacks und Hits dein kleinstes Problem darstellen, dann hast du ein Problem. Und dann sind die vielen glücklichen Zufälle des vergangenen Herbstes noch nicht erwähnt. Wird keine gute Saison und ich befürchte das Ende von Lovie Smiths Ära.

Die Vikes mussten ebenso dem hohen Fieber weichen. Den Vikes hatte ich eine gute Saison zugetraut, in etwa auf Augenhöhe mit den Bears.

NFC South

Saints

Eigentlich haben die Saints alles beisammen und die Offseason strotzte nur so vor „logischen“ Entscheidungen. Dieser Schedule ist auch nicht der allerschwierigste. […] Man kann also von den Playoffs durchaus ausgehen, selbst mit einer oder zwei Verletzungen. WENN, natürlich, WENN diese nicht Drew Brees betreffen. Das wäre in der Tat verheerend.

Die Saints waren mein NFC-Superbowltipp.

Panthers

Carolina ist eine Wundertüte. Ich mag die Franchise, ich hoffe, dass sie sich mit dem Würfelspiel „Cam Newton“ nicht eine potenziell starke Mannschaft abgeschossen haben – allein, ich bin skeptisch. Ich halte vom Newton-Pick nach wie vor wenig und bin der Überzeugung, dass mit einem soliden, blassen Verwalter in dieser Saison die Playoffs drin gewesen wären. So haben wir boom or bust. Und ich wäre versucht, auf die nächsten vier Jahre auf bust zu setzen.

Es schaut sechs Monate später eher nach „Boom“ aus.

Falcons

Atlanta besitzt im Prinzip alle Zutaten eines Superbowl-Champs, aber die schwere Division und die ausgeglichene NFC machen das Unterfangen nicht einfach. Andererseits hat die NFC in zehn Jahren zehn verschiedene Champs herausgebracht – nach dem Gesetz der Serie wäre diesmal also einer aus diesem Sextett dran: Detroit, Minnesota, San Francisco, Dallas, Washington und: Atlanta.

Buccaneers

Ich liebte die Buccs 2010/11 und ich liebte Freeman (rein platonisch natürlich), aber ich bin geneigt, den blitzartigen Aufstieg als Zufallsprodukt abzutun. Riecht nach einer losing season. Tampa kann aber zuversichtlich in die Zukunft schauen – es gab in den letzten Jahren andere Mannschaften, die man lange Zeit als „jung“ bezeichnete und die dann den Durchbruch schafften (Green Bay, anyone?).

NFC West

Cardinals

Die NFC West halte ich für durchaus sehr offen und womöglich reichen acht oder neun Siege für einen Playoffeinzug. Da ich Kolb für ein massives Upgrade gegenüber den Quarterbacks von 2010 halte, wenn auch nicht für den optimalen Mann für diese Art von Offense, sehe ich nicht, warum Arizona meilenweit von einer Playoff-Teilnahme entfernt sein sollte. Gegen Saisonende spielt man häufig zuhause und hat in einem möglichen Regular-Season-Finale ein Heimspiel gegen Seattle.

Rams

Die Rams gefallen konzeptionell, sollten in Offense und Defense stark gecoacht werden und stets recht aggressiv zu Werke gehen – at least, das erwarte ich, wenn McDaniels und Spagnuolo die Spielvorbereitung übernehmen. […]Ich halte die NFC West für offen genug, dass St Louis die Playoffs packt, WENN sie sich nicht von einem möglichen 1-6 Start (oder so) allzu früh entmutigen lassen. Die Richtung dürfte stimmen.

Geworden ist es dann eine ganz andere Mannschaft… San Francisco und Seattle wurden in den Previews ignoriert. Bei beiden hatte ich keine Ahnung, was wir erwarten konnten – die 49ers verblüfften mich mit der Einberufung von QB Kaepernick, Seattles Personalpolitik war (und ist) mir abgrundtief suspekt.


Alles Weitere folgt scheibchenweise in den nächsten Wochen. Diesmal mit allen 32 Teams – versprochen.

Würfel, Münzwurf oder Schwarzer Schwan?

[Disclaimer: Auch ich hab es nicht geschafft, auf korsakoffs Antwort einen knappen Kommentar zu verfassen. Darum auch meine Antwort auf den letzten Artikel und die Kommentare in langer Artikelform. Die ersten drei Artikel der Diskussion: 1) Der ausgewürfelte Superbowlsieger; 2) Auch die Footballgötter würfeln nicht und 3) Der Zufall hat Methode. Quellen für alle Statistiken: PFR]

Der Walsh-Schock verliert alles schockhafte, wenn man den Fehler gefunden hat. Er liegt in der Definition “knappes Spiel” oder “Clutch”-Performance: Spiel, das mit gleich/weniger 3 Punkten entschieden wurde. Definiert man es so, sind zwei der größten Clutch-Performances aller Zeiten gar keine: Super Bowl XXIII, mit Montanas legendärem Comeback-Drive und das 2006er AFC Championship Game, die wohl beste Leistung Peyton Mannings aller Zeiten.

Bei dieser Definition hat man außerdem Spiele dabei, die nur durch eine Aufholjagd am Ende knapp waren, bei denen also die Mannschaften vorher viel schlechter gespielt haben und 10 oder mehr Punkte zurücklag und dann nochmal auf 3 herangekommen sind. Und es fehlen alle Spiele, die knapp waren, schließlich aber durch einen TD entscheiden wurden, final margin demnach größer 3 war. Gerade Montana und Walsh hatten einigen Spiele, in denen sie im im vierten Viertel zurücklagen, dann aber nicht nur mit einem FG oder weniger Vorsprung gewannen, sondern mit einem, zwei oder gar drei TDs. (Legendär zum Beispiel ein Spiel gegen die Rams 1983, in dem die 49ers acht Minuten vor Schluß mit 11 zurücklagen, aber mit 10 gewannen.) Die allergrößten Clutch-Performances fallen ironischerweise raus, weil sie gewissermaßen zu clutch waren. Die meisten von Montanas 29 Comeback-Siegen und/oder Game-Winning-Drives im Dress der 49ers tauchen in der “knappe-Spiele”-Statistik gar nicht auf.

Passiv/Aktiv und Zufall

“Kein Ereignis ist vorherbestimmt.” So trivial, wie richtig. Bei der Formulierung “ein Ergebnis tritt mit einer bestimmte Wahrscheinlichkeit ein” kann ich aber nicht mitgehen, denn es ist fälschlicherweise im Passiv. Ein TD oder eine Blown Coverage treten nicht irgendwie ein, sondern werden von guten beziehungsweisen schlechten Spielern aktiv versursacht. Eine 12-men-in-the-huddle-Penalty passiert nichtzufällig und ist unglücklich, sondern ist schlechtes Coaching/Organisation.

Wo korsakoff dagegen völlig recht hat, ist, daß es immer einen gewissen Zufall innerhalb der Spielzüge gibt, am prominentesten bei eroberten Fumbles und Interceptions. Ein eroberter Fumble kann durchaus ein Spiel zweier etwa gleich guter Mannschaften (stark mit-)entscheiden (jedoch werden auch dann nicht alle anderen Plays egal). Nicht umsonst besagt eine der ältesten Footballweisheiten der Welt, daß Spiele gleich guter Mannschaften von drei Dingen entscheiden werden: 1)Turnovers; 2)Penalties; 3)Special Teams.

Nicht ganz verstanden habe ich das mit der Varianz. Je mehr Spielzüge ich habe – beim Football in der Regel mehr als 60 – desto mehr tendiert die Verteilung zum wahrscheinlichen Ergebnis oder zur statistisch erwartbaren Verteilung. Wenn also eine bessere Mannschaft 60 oder 70 Mal auf eine schlechtere trifft, desto wahrscheinlicher wird es doch, daß die besere gewinnt. Oder anders: je öfter Hakeem Nicks und Eli Manning auf diese Patriots-Secondary treffen, desto wahrscheinlicher wird es, daß sich das “Bessersein” auch in Punkten ausdrückt.(Wie beim Münzwurf, je öfter man wirft, desto näher kommt das Ergbenis an eine 50/50-Verteilung.) Aber es stimmt auch: die absolute Sicherheit dafür gibt es nicht.

Das war im Grunde auch im letzten Artikel mein Hauptanliegen: Zufall spielt eine geringere Rolle als man oftmals glaubt. Trotzdem spielt er manchmal eine Rolle. In den letzten Playoffs glücklicherweise kaum.

Recency Bias und Wahrscheinlichkeit

Man kann nicht einfach über den Recency Bias hinweggehen und dann behaupten, die Zeit (also wahrscheinlich der Zeitpunkt) spielt eine riesengroße Rolle. Genau dagegen richtet sich ja meine Argumentation. Der Drop von Welker ist nicht wichtiger oder entscheidender für den Spielausgang als der Nicht-TD von Brady/Gronkowski oder die disziplinierten Tackles der G-Men bei jedem Spielzug. Wirft Brady den TD oder/und vergeigt ein Safety einen Tackle gegen Hernandez, ist der Welker-Drop genauso egal (“geringer wertig“) für den Spielausgang wie der Mittelfinger von M.I.A. in der Halbzeitpause, auch wenn er kurz vor Schluß stattfand. (Nebenbei: Welker hat seit 2007 nur 11 Bälle gefangen, die mehr als 20 Yards in der Luft waren. Und in dieser Saison hatte er schon mal einen Drop, der fast identisch mit dem im SB war.)

Wahrscheinlichkeiten sind immer eine gute Methode, um sich einen Überblick oder eine grobe Orientierung zu verschaffen. Zum Beispiel: Team bekommt mit zwei Minuten auf der Uhr mit drei Punkten Rückstand an der eigenen 20-Yard-Linie den Ball. Nach Brian Burkes Win Probability Graph beträgt sie Siegchance 13%. Wenn ich das aber richtig verstanden habe, werden diese Wahrscheinlichkeiten bei Burkes Charts aus der Geschichte gespielter Spiele ermittelt. Das heißt, die Comeback-Versuch von Ryan Leaf, JaMarcus Russel, Tim Couch und allen anderen nicht-elitären/clutch-QBs, die jemals ein NFL-Spielfeld betreten haben, ziehen den Schnitt grandios nach unten. Wenn ein Manning oder ein Brees in so einer Situation das Spiel doch noch gewinnen, ist das kein Zufall oder ein Freak-Unfall, sondern einfach große Klasse. Es gibt leider keine Wahrscheinlichkeit genau für Manning oder Brees in dieser ganz bestimmten Situation.

[Seit 1970 gab es 25 QBs, die mehr als 150 Spiele als Starter begonnen haben, also schon alle eine gewisse Klasse haben. Aber die Zahlen bei Comebacks und Game Winning Drives (CB&GWDs) unterscheiden sich erheblich:

– Peyton Manning: 47 CB&GWDs in 208 Spielen
– John Elway: 50 in 234

– Drew Bledsoe 31 in 194
– McNair 24 in 161

– Mark Brunell 24 in 194
– Chris Chandler 16 in 180
– Kenny Anderson 15 in 192

Eli dagegen 25 in 121.]

Der schwarze Schwan

Zum Hail-Mary-Versuch auf Gronkowski. Natürlich kann es passieren, daß der Ball so komisch von Helmen und Hände abprallt, daß er bei Gronkowski landet. Dann, und nur dann, hätten wir in meinen Augen einen unverdienten Super-Bowl-Sieger durch eine große Portion Zufall gehabt. Einen unglaublichen Zufall mit riesigen Auswirkungen. Aber bloß, weil ein erfolgreicher Hail-Mary-Paß zum Super-Bowl-Gewinn noch nicht vorgekommen ist, heißt es ja nicht, daß es nicht möglich ist. Es ist sozusagen ein Taleb´scher Schwarzer Schwan.

Ganz grundsätzlich (und vielleicht ein wenig irrational) verweigere ich mich dem Gedanken, daß der Zufall so unglaublich viel beim Football bestimmt. Weil es dann ja sinnlos wäre, sich darüber Gedanken zu machen oder Spielzüge zu analysieren oder Spieler zu vergleichen oder Systeme und Gameplans auseinander zu nehmen. Wenn alles das kleiner als der Zufall ist, kann ich genauso gut Roulette oder Münzwürfen zugucken.