Super Bowl XLVI – Beobachtungen

Es war nicht sein allerbestes Spiel, aber Eli Manning hat – jaja, diese Platte hat einen Sprung – die wichtigen Plays gemacht. Als die Giants mit 3:46 Minuten auf der Uhr an New Englands 12-Yard-Linie mit zwei Punkten Rückstand ihren letzten Drive begannen, hab ich gedacht, die Situation ist zu perfekt. Das kann gar nicht passieren, daß Eli das wieder macht. Manchmal hab ich immer noch den “alten” Eli vor Augen, wenn ich ihn so sehe mit seinen schmalen Schultern, dem fast ängstlichen Blick im zerknautschten Gesicht und dieser irgendwie unmotiviert wirkenden Attitüde.

Und dann wirft er einen der besten Pässe der Super-Bowl-Geschichte. Besser kann man einen Ball nicht werfen und besser kann man einen Comeback-Drive auf der größten Bühne des Jahres nicht beginnen. Besser fangen als Mario Manningham natürlich auch nicht. Im letzten Drive bringt Manning 5 von 6 Pässen für 74 Yards an den Mann.

Der Touchdown von Ahmad Bradshaw sah ziemlich lustig aus, nur leider hat dabei wohl sein Bauch gegen den Kopf gewonnen. Hinfallen wäre die richtige Entscheidung gewesen. Völlig unverständlich der Entscheidungsfindungsprozeß New Englands: warum wird nicht schon der vorherige Lauf Bradshaws durchgelassen? So hätte man 66 Sekunden und zwei Timeouts für den letzten Drive gehabt, statt 57 Sekunden bzw. eine Auszeit.

Brady hatte wieder eines seiner komischen Brady-Spiele. Phasen, in denen er wie ein Chirurg blitzsauber operiert und mit 16 Completions in Folge einen Super-Bowl-Rekord aufstellt wechseln sich mit Phasen ab, in denen er völlig neben sich steht. Die Interception sticht natürlich besonders heraus: nicht nur, daß er den Ball herschenkt. Gronkowski hatte den LB hinter sich gelassen, Brady muß ihn nur irgendwie Richtung Endzone werfen und das ist ein sicherer Touchdown. Genauso verstörend war seine Entscheidung über die Line of Scrimmage zu laufen, sich dann wieder umzudrehen und sich im Zustand eines aufgescheuchten Huhnes fast den Kopf abreißen zu lassen (die Situation, in der er seine Schulter verletzt hat). Auch der Paß, den Welker dummerweise nicht festhält, ist ein schlechter Paß: wenn Brady den richtig wirft, so wie Brady den früher auch immer geworfen hätte, ist das ein TD.

Die Offensive Line hat überraschend gut ausgesehen gegen den Giants-Pass-Rush. Vor allem in der ersten Hälfte. In der zweiten Hälfte wurde es dann immer schlechter. LG Logan Mankings hatte das schlechteste vierte Viertel seiner Karriere. Zweimal läßt er ohne Gegenwehr Chris Canty zu Brady durch und einmal riskiert er Law Firms Gesundheit, als er dem Verteidiger keine Gegenwehr leistet.

Was der versteckte Gamewinner für New York war, ist eines der Lieblingsthemen von korsakoff: Feldposition. New Englands Offense hatte immer sehr viel Grün vor sich, die Drives begannen an folgenden Yard-Linien: 6, 29, 20, 4, 21, 17, 20, 8, 20. Durchschnittlich also an der 16. Die Giants begannen ihre Drives im Schnitt an der eigenen 25. Fast 10 Yards Unterschied. Ein Grund dafür war die gute Leistung von Punte Steven Weatherford, der drei Punts innerhalb NEs 10-Yd-Line plazieren konnte.

Ein anderer Grund war New Englands Defense. Die war ganz solide, aber nicht so stark, wie sie jetzt mancherorts geschrieben wird. Das Problem war, daß sie die Giants nicht vom Feld bekommen haben. Big Blue hatte nur acht Drives; aber in jedem machten sie mindestens zwei 1stDowns; sechs produzierten mindestens drei 1st Downs. Das hat zu den 37 Minuten Ballbesitz geführt. Und die Patriots-D hat zwar nur 19 Punkte kassiert, aber in eben nur acht Drives. Das sind 2,375 Punkte/Drive, während es in der Regular Season nur 1,9 waren.

Nichtsdestotrotz war das eine Leistung, die eigentlich für einen Sieg hätte reichen müssen. Besonders gefallen haben Brandon Spikes, der mit einem Feuer spielt wie Ray Lewis, Gerard Warren, der in der zweiten Hälfte NYs Guards zerstört hat und CB Sterling Moore, der zwar nicht der beste Mann in Coverage ist, aber immer wieder Plays gegen den Ball macht. Leider war die Defensive Line in der ersten Hälfte lange nicht so gut wie gegen Baltimore, mehrere missed tackles von Vince Wilfork und Brandon Deaderick haben zu 70 Laufyards in Hälfte eins geführt.

Am Ende haben die G-Men das durchaus verdient gewonnen, nicht durch übermäßiges Glück. Die dämlichen Drops von Welker/Branch und die von New York gesicherten Fumbles wurden ausgeglichen durch die dämlichen Strafen der O-Line bei dritten Versuchen, zwei nicht gegebene Pass Interferences, die oftmals gepfiffen werden und die Verletzungen der wichtigen Tight Ends Ballard und Beckum. Gronkowski sah bei den meisten Plays übrigens ganz gut aus, wenn auch nicht bei allen. Man darf nicht vergessen, daß Gronk auch topfit nicht der allerschnellste ist.