NFL 2011/12 in der Sezierstunde

Die Sezierstunden haben uns wieder! In den nächsten Wochen wird es wieder Team für Team in der NFL-Rückblende geben, garniert mit mehr von dem, was ich als mein liebstes Hobby betrachte: Zahlen und Statistiken, aus denen wieder Versuche für Ableitungen gemacht werden.

Hier ganz oben sei ein Abkürzungsverzeichnis reingestellt, das die wichtigsten und häufigsten verwendeten Abkürzungen in den folgenden Sezierstunde-Einträgen kurz anschneidet. Weiter unten folgt die Serie an Prognosen, die ich im Zuge der Vorschauserie im Sommer gegeben hatte. Ernsthaft einen Record habe ich nur für Lions (Tipp war: 11-5 mit Stafford) und Buccaneers (Tipp war: 5-11) getippt, weil es Spox so wollte – beide Tipps waren nahe dran; hier auf dem Blog hatte ich mich dem eher entzogen, weil Bilanzen tippen bei 133 Spielen mit einem Score Differenz (51.9%) einer Lotterie gleicht.

Abkürzungen

Y/A      Yards pro Spielzug
Y/PT     Yards pro erzieltem Punkt
Y/Pass   Netto-Yards pro Passspielzug
Y/Lauf   Yards pro Laufspielzug
Y/Drive  Yards pro Drive

„Netto-Yards“, weil ich folgende Formel verwende: (Reine Passyards – Raumverlust durch Sacks) / (Passversuche + Nummer Sacks). Für mich ist das die aussagekräftigste Statistik, was das Passspiel angeht. Es gibt adjustierte Formeln, die Plus- oder Minuspunkte für Touchdowns und Interceptions geben, aber da diese Formeln auf willkürlichen Parametern basieren, lehne ich diese vorerst ab (z.B. Pro-Football-References ANY/A „Adjusted Net Yards per Attempt“).

Review vom Saisonpreview

Ich werde nicht explizit auf jeden einzelnen Text verlinken. Dafür an der Stelle der Verweis auf die Seite, auf der man alle 25 Vorschautexte finden kann. Hier sei nur jeweils das Fazit aus dem Sommer aufgelistet.

AFC East

Bills

Ich hoffe, wir sehen heuer wenigstens ein-zweimal diese sympathische Mannschaft spielen. Ich möchte den Wusler Fitzpatrick und vor allem das offenbar verkannte Genie Kyle Williams spielen sehen. Playoffs darf ich qua prinzipieller Skepsis nicht erwarten.

Jets

Wir haben einen weiteren potenziellen Superbowl-Kandidaten, aber einen mit fetten Fragezeichen – und man sollte die AFC-Konkurrenz nicht unterschätzen. Die Offseason lief nach dem entgangenen Asomugha-Deal nicht wie gewünscht und die Jets versuchten erst gar nicht, dies zu bestreiten. Ich sehe Playoffnähe, aber keine Playoff-„Garantie“. Sollten die Dolphins aus unerfindlichen Gründen akzeptables Quarterback-Spiel zu Tage zaubern, erleben wir eine ultraenge AFC East.

Dolphins

Wenn das Passspiel der Dolphins turnoverarm in die Gänge kommen sollte, sprechen wir von einem Playoff-Kandidaten, selbst in engen AFC East. Bei diesem Schedule […] und mit einer weiterhin so uninspirativen Offense ist ein weiteres, dunkelgraues 7-9 hingegen ebenso nicht weit weg. Ob man sich dann um einen der Top-QBs aus dem Draft 2012 bemühen würde?

Am Ende fiel die Wahl auf das Wildcard-Team aus der AFC East auf Miami und gegen die Jets – beides Tipps für die Grütze.

Patriots

Wie eingangs erwähnt: Das ist die Vorschau auf meinen persönlichen Superbowl-Favoriten. Die Hauptschwäche, das offene Scheunentor in der Secondary, scheint durch wiedergenesene Leute (Backfield) und Neueinkäufe in mehreren Bereichen (Front Seven, Backfield) zumindest in Ansätzen behandelt worden zu sein. Und ansonsten gilt selbiges wie jedes Jahr: Ich weigere mich, gegen die Combo Belichick/Brady zu setzen.

Man war einen Catch von der Erfüllung entfernt.

AFC North

Ravens

Man halte mich für unverbesserlich, aber die Ravens bleiben mein AFC-North-Favorit Nummer 1. Das Superbowl-Rennen in der AFC ist fassungslos eng, aber durchaus nicht ausgeschlossen, dass die Ravens – die schließlich schon des Öfteren ihre Auswärtsstärke bewiesen haben – auch mit einem niedrigen Seed in die Superbowl durchmarschieren.

Es fehlte ein einziger Kick (und die Overtime).

Browns

Wenigstens der Schedule meint es gut mit den Browns: Viele Heimspiele gegen mittelmäßige Konkurrenz zu Beginn und viermal die NFC West und die ebenso nicht berauschende und physis-allergische AFC South im Kader. Die Bilanz könnte am Saisonende die wahre Leistungsstärke (-schwäche?) verschleiern – aber mir gefällt bekanntlich immer, wenn eine Franchise mit einer klaren Idee auch mal ein paar happige Jahre des Aufbaus in Kauf nimmt.

Upps.

Steelers

Der Schedule sieht bis auf wenige Kracher recht einfach aus und hat vermutlich zu wenige Stolperfallen eingebaut, als dass Pittsburgh selbst mit einem zweiten Platz hinter Baltimore nicht wenigstens eine Wildcard ergattern kann. Der ernsthaften Prüfung wird man im Jänner gestellt sein, und ich kann mir nicht vorstellen, dass man noch einmal zwei Spiele in Serie gewinnt, in denen man jeweils eine Halbzeit lang nach Strich und Faden dominiert wurde und in der anderen Halbzeit von kollabierenden und nicht vorbereiteten Gegnern profitierte.

Die Bengals hatte ich wegen Überbeschäftigung nicht behandelt. Ich betone allerdings, dass ich Cincinnati als potenzielles AFC-Schlusslicht betrachtet hatte.

AFC South

Texans

Gespannt darf man vor allem darauf sein, wie Kubiak diesen permanenten Durchbruch-Kandidaten wieder um die Playoffs bringen möchte. Aber irgendwie erinnert mich das ganze ein bissl an die Saints, die auch stets eine gute Offense hatten und denen vor zwei Jahren eine halbwegs brauchbare Saison mit ihrer Defense glückte…

Colts

Für mich sind die Houston Texans trotz Gary Kubiak diesmal Divisionsfavorit, und mir dünkt, dass es mit diesem Schedule schwer wird, eine Wildcard zu stibitzen. Andererseits fällt es mir schwer, an Playoffs ohne Colts zu denken. Das hab ich schließlich noch nie erlebt.

Der Colts-Eintrag war am 19.8. geschrieben, als noch nicht absehbar war, dass Manning für die ganze Saison ausfallen würde. Aber auch mit Manning wären die Playoffs schwer geworden. Jacksonville blieb ohne Vorschautext, wie auch Tennessee. Den Titans hatte ich in etwa .500 zugetraut, den Jaguars etwas weniger.

AFC West

Chargers

Solange nur Rivers fit bleibt, wird die Offense punkten und dass die Defense nicht um eine oder zwei herausragende Figuren gebaut ist, sondern tatsächlich als Unit aufgeigen kann, kann nur ein gutes Zeichen sein. San Diego = heißer Superbowl-Favorit.

War zum zweiten Mal in Serie nichts, und wieder fehlte am Ende ein Sieg zum Divisionstitel. Und wieder hätte es 3-4 locker „gewinnbare“ Spielsituationen gegeben.

Broncos

Die AFC West ist eine interessante Division mit einem klaren Favoriten (San Diego) und einem IMHO völlig offenen Rennen um den zweiten Platz, eine mögliche Wildcard. Die Broncos müssen vermutlich aber sehr verletzungsfrei bleiben, um diese zu ergattern.

Ich hatte nicht mit einem ernsthaften Einsatz Tebows gerechnet, aber als Mannschaft die Broncos etwas besser eingeschätzt als sie letztendlich waren.

Chiefs

Ich sehe a) keine Playoffs für die Chiefs in diesem Jahr und habe sogar leise, ganz leise Befürchtungen, dass es b) sogar potenziell einen Absturz auf den letzten Divisionsplatz geben könnte.

Die Raiders hatte ich nicht mehr geschafft, weil mich nach Woche 1 oder zwei eine üble Grippe erwischt hatte, die mich tagelang lahm gelegt hatte.


NFC East

Eagles

Ich sehe bedenklich viele Komponenten, die gegen die Philadelphia Eagles als Superbowl-Champ sprechen. Um noch ein bissl weiter zu gehen: Ich habe sogar in der NFC East eine andere Mannschaft auf der Rechnung. Eine vermutlich blitzfreudige…

Cowboys

Es ist un-analytisch und es ist gegen den common sense, aber irgendetwas gibt mir das Gefühl, dass wir hier über den NFC East-Champion 2011/12 sprechen. Obwohl ich Sorgen um die Line habe, obwohl mir die geringe Tiefe völlig bewusst ist, obwohl mehrerenorts Fragezeichen dicker als 0,75pts sind: Dallas sollte die Division gewinnen.

Redskins

Im Prinzip ist ein Schedule mit der NFC West dankbar, um sich im eventuellen Wildcard-Rennen Vorteile zu verschaffen. Dass die Redskins in dieses Rennen aber überhaupt einschreiten können, dafür muss die Defense dringend an das Giants-Spiel anknüpfen und darauf aufbauen.

Den Text hatte ich nach dem ersten Spiel – einem souveränen Heimsieg gegen New York – verfasst.

Giants

Die NFC ist als Conference ausgeglichen genug, dass man sich mit sechs, sieben Niederlagen womöglich für die Playoffs qualifizieren kann. Die Giants müffeln danach, als ob sie in etwa in diesen Sphären verharren würden.

Hehe. (Nein, ich hätte niemals auf die Giants als Titelgewinner der NFL getippt. Selbst dann nicht, wenn man mir das erneute Formhoch zum besten Zeitpunkt garantiert hätte)

NFC North

Packers

Der Kader wurde gegenüber 2010 kaum verändert und nur mit wenigen Spielern und Rookies ergänzt. Eine „logische“ Strategie, aber es passiert selten, dass solche Mannschaften nicht einen leichten Abwärtstrend erleben, zumal als Titelverteidiger. Green Bay ist für mich nicht der Titelfavorit #1, dürfte aber trotz der starken NFC North wieder im Playoffrennen mitmischen können – und wenn Rodgers und seine Crew wieder einen solchen Lauf kriegen…

Das Problem war dann weniger im Kopf zu verorten, sondern in der absurd schwachen Defense.

Lions

Dieser Sommer ist etwas anders. Dieser Sommer gibt erstmals in meiner Vita als glühender und vor allem mit Liebe leidender Anhänger der Detroit Lions Grund, auf bald kommende Erfolge zu hoffen. Weil es sich aber immer noch um die Lions handelt, bin ich noch hin- und hergerissen zwischen gerechtfertigtem Optimismus und der prinzipiellen Skepsis gegenüber dieser Franchise.

Bears

Auch nicht viel besser. Wenn deine Offense in überdurchschnittlichem Maße von einer starken Offensive Line abhängig ist (und sie in realiter zu den 3, 4 schwächsten gehören dürfte), wenn deine Defense über so geringe Kadertiefe verfügt, wenn dein Quarterback so brutal in die Pfanne gehauen wurde, dass die 50 potenziellen Sacks und Hits dein kleinstes Problem darstellen, dann hast du ein Problem. Und dann sind die vielen glücklichen Zufälle des vergangenen Herbstes noch nicht erwähnt. Wird keine gute Saison und ich befürchte das Ende von Lovie Smiths Ära.

Die Vikes mussten ebenso dem hohen Fieber weichen. Den Vikes hatte ich eine gute Saison zugetraut, in etwa auf Augenhöhe mit den Bears.

NFC South

Saints

Eigentlich haben die Saints alles beisammen und die Offseason strotzte nur so vor „logischen“ Entscheidungen. Dieser Schedule ist auch nicht der allerschwierigste. […] Man kann also von den Playoffs durchaus ausgehen, selbst mit einer oder zwei Verletzungen. WENN, natürlich, WENN diese nicht Drew Brees betreffen. Das wäre in der Tat verheerend.

Die Saints waren mein NFC-Superbowltipp.

Panthers

Carolina ist eine Wundertüte. Ich mag die Franchise, ich hoffe, dass sie sich mit dem Würfelspiel „Cam Newton“ nicht eine potenziell starke Mannschaft abgeschossen haben – allein, ich bin skeptisch. Ich halte vom Newton-Pick nach wie vor wenig und bin der Überzeugung, dass mit einem soliden, blassen Verwalter in dieser Saison die Playoffs drin gewesen wären. So haben wir boom or bust. Und ich wäre versucht, auf die nächsten vier Jahre auf bust zu setzen.

Es schaut sechs Monate später eher nach „Boom“ aus.

Falcons

Atlanta besitzt im Prinzip alle Zutaten eines Superbowl-Champs, aber die schwere Division und die ausgeglichene NFC machen das Unterfangen nicht einfach. Andererseits hat die NFC in zehn Jahren zehn verschiedene Champs herausgebracht – nach dem Gesetz der Serie wäre diesmal also einer aus diesem Sextett dran: Detroit, Minnesota, San Francisco, Dallas, Washington und: Atlanta.

Buccaneers

Ich liebte die Buccs 2010/11 und ich liebte Freeman (rein platonisch natürlich), aber ich bin geneigt, den blitzartigen Aufstieg als Zufallsprodukt abzutun. Riecht nach einer losing season. Tampa kann aber zuversichtlich in die Zukunft schauen – es gab in den letzten Jahren andere Mannschaften, die man lange Zeit als „jung“ bezeichnete und die dann den Durchbruch schafften (Green Bay, anyone?).

NFC West

Cardinals

Die NFC West halte ich für durchaus sehr offen und womöglich reichen acht oder neun Siege für einen Playoffeinzug. Da ich Kolb für ein massives Upgrade gegenüber den Quarterbacks von 2010 halte, wenn auch nicht für den optimalen Mann für diese Art von Offense, sehe ich nicht, warum Arizona meilenweit von einer Playoff-Teilnahme entfernt sein sollte. Gegen Saisonende spielt man häufig zuhause und hat in einem möglichen Regular-Season-Finale ein Heimspiel gegen Seattle.

Rams

Die Rams gefallen konzeptionell, sollten in Offense und Defense stark gecoacht werden und stets recht aggressiv zu Werke gehen – at least, das erwarte ich, wenn McDaniels und Spagnuolo die Spielvorbereitung übernehmen. […]Ich halte die NFC West für offen genug, dass St Louis die Playoffs packt, WENN sie sich nicht von einem möglichen 1-6 Start (oder so) allzu früh entmutigen lassen. Die Richtung dürfte stimmen.

Geworden ist es dann eine ganz andere Mannschaft… San Francisco und Seattle wurden in den Previews ignoriert. Bei beiden hatte ich keine Ahnung, was wir erwarten konnten – die 49ers verblüfften mich mit der Einberufung von QB Kaepernick, Seattles Personalpolitik war (und ist) mir abgrundtief suspekt.


Alles Weitere folgt scheibchenweise in den nächsten Wochen. Diesmal mit allen 32 Teams – versprochen.