Carolina Panthers in der Sezierstunde

Die Saisonbilanz der Carolina Panthers liest sich mit „6-10“ schlechter als es die Mannschaft verdient hat. Nach Pythagoreischer Erwartung erbrachte man die Leistung eines Teams, das im Durchschnitt 7,4 Saisonsiege holt, und in den engen Spielen mit einem Score Differenz schaut die Bilanz nach argem Pech aus: 2-6. Vor allem die Offense lieferte erstaunliche Zahlen ab:

Kategorie    Stats       Rk
Y/PT          15.4       #13
Y/A            6.2       #4
Y/Pass         7.9       #6
Y/Lauf         5.4       #1

Das sind hervorragende Nachweise, insbesondere für einen Mannschaftsteil, der vor einem Jahr töter als tot war und mindestens fünf Meter unter der Erde begraben lag. Zeit, den Gang nach Canossa anzutreten und die Symbolfigur hinter dem Umschwung zu würdigen: QB Cameron Newton, der von OffCoord Rob Chudzinski ein wunderbares Quarterback-Scramble-dichund-wirf-den-tiefen-Ball zugeschneidert bekam, lieferte neben sensationellen 7.8yds/Passversuch und 4051yds noch 706yds durch Scrambles und insgesamt 35 Offensivtouchdowns, bei nur 17 INT und 5 Fumbles.

Unerwartete Zahlen für den angeblichen Egomanen Newton, nichtmal die 3.3% Interception-Quote ist hoch genug, um einen ernsthaften Ansatzpunkt für Kritik zu finden. Weil Newtons Pass-Präzision vor allem bei den Intermediates zu leiden scheint, bleibt jedoch abzuwarten, ob sich diese sehr vertikal angelegte Offense wird langfristig halten können, auch wenn ich gewillt bin, Newton fürs Erste Narrenfreiheit zu gewähren.

Weil es an der Offensive Line in der Form des Herbstes und an den Running Backs Williams/Stewart wenig auszusetzen gibt (wenigstens einer der Guards Hangartner/Schwartz wird gehalten werden), dürfte sich der strengste Blick in der Offense auf die Ballfängertruppe richten. Dort ist der „Ü30“ Steve Smith nicht bloß „integraler Bestandteil“, sondern „die Wide Receivers“. Sollten die Panthers mittel- und langfristig zu denken imstande sein, wird in dieser Offseason Frischblut kommen müssen.

War die Offense entgegen aller Erwartungen deutlich über dem NFL-Durchschnitt anzusiedeln, so darf man die Panther-Defense ohne Umschweife als große Enttäuschung klassifizieren. Diese Unit verhinderte den durchaus möglichen Playoffeinzug im abgelaufenen Herbst. Von den wendigen, quicken Defenses, die Ron Rivera bislang unter seinen Fittichen hatte, war nicht allzu viel zu sehen. Auch die Stats sind selbst mit den vielen Verletzten im Hinterkopf furchterregend:

Kategorie    Stats       Rk
Y/PT          14.1       #27
Y/A            6.2       #29
Y/Pass         8.4       #32
Y/Lauf         4.6       #24

Die große Schwachstelle der Panthers ist die Mitte der Defensive Line: Die Wahrscheinlichkeit dürfte groß sein, dass mit dem Draftpick #8 ein Defensive Tackle der Güteklasse Devon Still gezogen wird, denn die Panthers wurden über die Rookies McClain/Keo überlaufen, ohne zeitgleich Druck zustande zu bekommen (nur 31 Sacks). Auch DE Charlie Johnson dürfte nach seinem millionenschweren Vertrag ab sofort kritischer begutachtet werden.

Natürlich dürfte es bei 8.4yds/Pass auch im Backfield nicht allzu rosig aussehen. Carolina hatte mit allen möglichen verschiedenen Typen von Receivern so seine Probleme (vs Top-WR #27, vs RB #27, vs Slot #22, vs TE #32). Die Sache mit den Tight Ends dürfte sich rasch durch die bloße Rückkehr von Beason, Davis und Anderson verbessern. Aber die Secondary wird gezwungenermaßen einen Playmaker brauchen.

Trotzdem waren die Gesamteindrücke zu gut, um die Mannschaft auch nur annähernd in den Senkel zu stellen wie noch vor einem Jahr. Wenn Newton nicht in ein allzu tiefes Sophomore-Loch fällt und die problematischen Mitteldistanzwürfe sich nicht als bedrohlich erweisen, kann man Carolina durchaus mit den Detroit Lions der letzten Jahre vergleichen: Junges Team mit einigen vielversprechenden Bestandteilen und an guten Tagen in der Lage, Topteams in Bedrängnis zu bringen.

Der Reifeprozess wird kommen, das Pech wird sich irgendwann ausgleichen. Wir könnten hier über einen schlafenden Riesen sprechen.

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