Die zweite Reihe: Jim Leonhard

[In der Serie „Die zweite Reihe“ wollen wir Spieler, Assistant Coaches und auch Spielzüge vorstellen, die für den Erfolg einer Mannschaft essentiell sind, aber nicht im Rampenlicht stehen. Sondern in der zweiten Reihe. Den Anfang macht heute Jim Leonhard, Safety der New York Jets. 29 Jahre alt; 1,72m; 85kg. College: Wisconsin. Draft: 2005, nicht gedraftet; NFL-Erfahrung: 7 Saisons.]

Leonhard with the Ravens.
Der kleine Jimmy Leonhard – Image via Wikipedia

Man mag ja von Rex Ryan halten, was man will. Aber von Defenses in der NFL versteht er mehr als die meisten anderen. Umso aufmerksamer hätte man aufhorchen müssen, als Ryan und sein Defensive Coordinator Mike Pettine immer und immer wieder wiederholt haben, was für ein schwerwiegender Verlust die Verletzung von Jimmy Leonhard für die Jets-D bedeutet. Und Verletzungen haben leider die beiden vergangenen Spielzeiten für den mit einem extrem hohen “Football-IQ” ausgestatteten Safety jeweils im Dezember beendet.

Leonhard spielt auch nicht zufällig bei den New York Jets. Als Ryan seinen Posten als DC in Baltimore nach der Saison 2008 für die Stelle des Head Coaches der Jets aufgegeben hat, wollte er zwei Spieler unbedingt mitnehmen: Linebacker Bart Scott und eben Safety Jimmy Leonhard. Das spricht Bände für die Wertschätzung, die der große Lautsprecher für beide hat.

In der öffentlichen Wahrnehmung geht der kleine Safety oftmals unter, weil einerseits Ryan und andererseits Stars wie Darrelle Revis und “Typen” à la Antonio Cromartie die ganze Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Dabei ist Leonhard der Quarterback der Jets-D, eine Rolle die in den meisten anderen Teams ein Linebacker übernimmt. Er macht alle Calls, er darf auch “audiblen” (den Spielzug/Coverage ändern) und ist verantwortlich für die Kommunikation untereinander und dass jeder weiß, was er zu tun hat und wo seine Verantwortlichkeiten liegen.

Aber mangelnde Wertschätzung ist für Leonhard nichts neues, sie begleitet ihn seit Beginn seiner Karriere. Nach seinem Abgang von der High School hat er von keinem Division-I-Colleges ein Stipendium angeboten bekommen. Er schrieb sich in Wisconsin ein und schaffte dort sogleich als walk-on den Sprung ins Team. Schon in seiner zweiten Saison war er Stammspieler als Safety und einer der erfolgreichsten Punt Returner in der Geschichte der Big Ten. Seine Qualitäten als Safety wurden duch drei Nominierungen ins All-Big-Ten-Team unterstrichen.

Vor allem wegen seiner football-untypischen physischen Voraussetzungen – 1,72m, 85kg – wurde er auch nach seiner College-Karriere 2005 übergangen und nicht gedraftet. Die Buffalo Bills erbarmten sich schließlich und gaben ihm einen Roster Spot. Im Trainings Camp 2006 war seine Karriere fast schon wieder vorbei. Aber eine Woche nach seiner Entlassung verletzte sich Troy Vincent und die Bills erinnerten sich seiner und er bekam eine neue Chance und machte in den folgenden zwei Saison 28 Spiele, von denen er sieben startete.

Den großen Durchbruch schaffte Leonhard mit seinem Wechsel zu den Baltimore Ravens vor der Saison 2008. Hier war er von Anfang an Stammspieler und bildete zusammen mit Ed Reed eines der besten Safety-Duos der letzten Jahre. Seine Leistung steigerte er dann sogar noch in den Playoffs, als er mit Sacks, erzwungenen Fumbles und Interceptions großen Anteil daran hatte, daß die Ravens in ihren drei Playoff-Spielen gegen Miami, Tennessee und Pittsburgh nur 41 Punkte zuließen. Damit hatte Ryan genug gesehen und überredete ihn, den er erst ein Jahr lang kannte und trainierte, den Weg nach New York gemeinsam anzutreten und ein entscheidendes Puzzleteil seiner neuen Mannschaft zu werden.

Das wurde er dann auch und spielte heuer besser denn je. Bis er am 11. Dezember einen Paß von Kansas Citys Quarterback Tyler Palko abfing und sich beim Return die Patellarsehne verletzte. Da die Verletzung eine Operation erzwang, landete er erneut auf IR. Damit fehlte Gang Green das Hirn der Defense. Neben seiner Spielintelligenz zeichnen Leonhard seine Qualität als Tackler, seine Quickness und Beweglichkeit sowie seine sicheren Instinkte aus – da wo der Ball ist, ist auch Leonhard nicht weit.

Leonhard ist derzeit Free Agent. Seine Verbindung mit Rex Ryan im Hinterkopf, ist es kaum vorstellbar, daß die Jets ihn ziehen lassen werden. Falls doch, wird er sich unter vielen Interessenten seinen nächsten Arbeitgeber aussuchen können.

7 Kommentare zu “Die zweite Reihe: Jim Leonhard

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  3. Ich bin ja ein großer Jim Leonhard-Fan, aber ich fürchte, dass seine Zukunftsaussichten in der NFL längst nicht so rosig sind, wie von euch im letzten Satz beschrieben: Zwei desaströse Verletzungen an den Beinen in den letzen beiden Jahren, dazu das Alter (29 geht ja noch… ist aber eben auch nicht mehr taufrisch) – ich schätze, sooo groß wird die Auswahl für ihn nicht sein. Hoffentlich findet er aber ein gutes Team. Kansas City würde mir gefallen…

  4. Leonhard hat bei den Broncos einen Einjahresvertrag unterschrieben. Könnte für beide Seiten ein Gewinn sein.

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