Cincinnati Bengals in der Sezierstunde

Die Cincinnati Bengals waren 2011/12 eine mittelmäßige Mannschaft. Das ist ein Kompliment, da ich dieser Mannschaft nach einer chaotischen Offseason mit unklaren Machtverhältnissen zwischen Besitzer und sportlicher Leitung nichts zugetraut hatte. So liest sich die 9-7 Bilanz mit der klaren Playoffniederlage in Houston am Ende wie ein Erfolg.

Die Geheimnisse liegen weniger in den Zahlen der Offense (Overall Y/A #23, Lauf #26, Pass #26), dafür mehr in der Defense (Overall Y/A #9, Lauf #6, Pass #7), aber vor allem auch bei den Special Teams. Die Bengals waren die 49ers für Arme.

Starting Field Position Offense:  30.1    #5
Starting Field Position Defense:  25.9    #6

Dazu verschenkte die Offense bei aller sonstiger Mittelmäßigkeit nur einmal pro zehn Drives den Ball – fertig ist eine unspektakuläre, aber effiziente Saison. Und es gibt einfaches Steigerungspotenzial: Die Defense zum Beispiel fing schwache zehn Interceptions ab – eine Quote von 1.9 Interceptions pro 100 Passversuchen. Die Bengals tendieren unter Marvin Lewis überhaupt dazu, nur wenige Bälle abzufangen, aber als es zum letzten Mal vergleichbar so wenige INTs waren, kassierte man ein 4-11-1 im Jahr 2008/09 und startete eine Saison später prompt durch. Die INT-Quote in der Defense ist eine Statistik, die sich historisch bewiesen „zufällig“ verhält und somit in der nächsten Saison ein paar „Gratis-Turnovers“ für die Bengals bringen sollte.

Stellschrauben

Die Bengals haben einen jungen Quarterback Andy Dalton, der gut und interessant genug ist, dass OffCoord Jay Gruden trotz attraktiver Anfragen erstmal mit dem Rotschopf weiterarbeiten möchte. Dalton versteht sich exzellent mit dem ebenso jungen WR A.J. Green, einem spektakulären deep threat, und kann zudem auf den jungen TE Jermaine Gresham (56 Catches ,596yds, 6 TD) und eine – erraten – junge Offensive Line mit Potenzial für mehr bauen. Vor allem die beiden Tackles, LT Whitworth und RT Smith, werden mittlerweile zu den besten ihres Fachs gezählt. Wo Blutauffrischung helfen könnte: Guard.

Dort sind beide Starter vertraglos. Livings ist der jüngere, gilt aber als Enttäuschung, während Bobbie Williams schon bei bei meinen Superbowlsiegen mit Madden 2004 ein Routinier war und entsprechend mit Mitte 30 keine fünf Jahre mehr im Tank haben dürfte. Glücklicherweise ein guter Jahrgang für Guards im Draft.

Free Agents sind die beiden Wide Receiver mit Bigplay-Anlagen: Jerome Simpson und Andre Caldwell – wenn das Playoffspiel eines gezeigt hat, dann, dass die Bengals sich von ihrer Abhängigkeit von Green lösen werden müssen. Simpson wäre noch vor eineinhalb Jahren mit seiner beachtlichen polizeilichen Akte ein 100%iger für die Bengals gewesen, aber nach dem Brown’schen Sinneswandel würde ich auf einen Verbleib nimmer allzu viel wetten.

Einen Sophomore-Slump Daltons abgesehen, kann man bei den Bengals im Angriff also neben „Guard“ auch die Notwendigkeit nach einem weiteren verlässlichen Wide Receiver und einem agileren Running Back, der auch mal einen 50yds-Lauf auf die Reihe bekommt, verorten.

Da liest es sich fast wie ein „Glücksfall“, dass der fleißige, aber unexplosive RB Cedric Benson auslaufenden Vertrag hat. Gefährlichere, billigere und vor allem jüngere Backs sollte der Markt zuhauf hergeben (Benson 3,9yds/Carry).

Die Defense ist um eine exzellente Defensive Line gebaut, deren Tackles „Stubbelhaar“ Peko und Geno Atkins sowie DE Carlos Dunlap unbekannte, aber – erraten – junge Kaliber sind und der vielversprechende DT Nick Hayden dürfte als RFA einfach zu halten sein. Manny Lawson, ein unspektakulärer, aber athletischer und vielseitiger OLB, hat auslaufenden Vertrag und sollte gehalten werden.

Wo es hapert, ist die Pass-Defense: Ein zweiter starker Cornerback neben dem großartigen Leon Hall täte Not, vor allem, wenn Pac-Man Jones wider Erwarten gehen sollte.

Die wichtigste Person bleibt der Defense aber auf alle Fälle erhalten: DefCoord Mike Zimmer, einer der Sympathieträger schlechthin, und der Architekt hinter dieser wenig aufregenden, aber nicht zu unterschätzenden Defense.

Ausblick

Das Gerüst der Bengals steht. Und dank Palmer und Hue Jackson (der nun ausgerechnet in Cincy als verkappter Assistenz-OffCoord offiziell den Defensive Backs-Stift gibt) gibt es im Draft gleich zwei Draftpicks in der ersten Runde (#17 und #21), die sich zu den Picks #53 und #84 gesellen. Befürchtungsweise werden die Bengals unter dem abgrundtief vertrauensunwürdigen Owner/GM Mike Brown eine Dummheit veranstalten und einen der Top-Picks für einen großen Namen wie RB Richardson verkaufen. Sollte man jedoch in Punkto Guard, Defensive Back und Wide Receiver punkten, wird die Mannschaft einen Schub erleben.

Es sieht insgesamt also nach Work in Progress aus, aber ein ein erneuter schwerer Rückfall der Bengals wäre eine Überraschung – diese Mannschaft ist definitiv eine, die ich trotz ermutigender Anzeichen zu wenig auf dem Zettel gehabt hatte. Wird diesmal nicht mehr passieren.

Ein Kommentar zu “Cincinnati Bengals in der Sezierstunde

  1. Pingback: Glaskugel 2012: Cincinnati Bengals | Sideline Reporter

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.