Free Agency: Vom Fluch des Gewinnens

Am Dienstag beginnt das neue Kalenderjahr XLVII a.S.B.i. (after Super Bowl introduction) und damit gleichzeitig der Transfermarkt Free Agency. Ich bin kein großer Fan von allzu aktiver Tätigkeit einer Franchise auf dem Transfermarkt.

Die Gründe sind vielfältig: Die Spieler sind häufig bereits „abgenutzt“ und sie sind in neuen Systemen anfällig, nicht wie gewohnt zu funktionieren. Und dann ist da die finanzielle Komponente. Nicht nur, dass durch die Gehalts-Neustrukturierung der Rookies die jungen NFL-Spieler möglicherweise auf Jahre weit unter ihrem Marktwert spielen müssen und somit für die Teams richtige Schnäppchen zu werden tendieren.

Nein: Die Free Agency gleicht in ihren Symptomen Problemen, die in der Auktionstheorie diskutiert werden, und sie tendiert dazu, Blasen zu bilden. Probleme und Blasen, die auch im Draft passieren, allerdings mit erheblich weniger Risiko (weil die Top-Prospects deutlich billiger sind) und mit anderen Vorzeichen (dort sucht sich das TEAM den Spieler, während in der Free Agency der SPIELER das Team auswählt).

Problem in der Free Agency ist: Meistens gewinnt die Franchise das Wettbieten um die Dienste eines Spielers, die den Wert dieses Spielers am meisten überschätzt. Dieses Phänomen ist in der Auktionstheorie bekannt als Fluch des Gewinners, aber in Bezug auf die Free Agency etwas simplifiziert. Denn in der NFL gibt es zudem noch spezielle Ausprägungen der Talentevaluierung, z.B. die speziellen Bedürfnisse, die eine Franchise sucht (z.B. Running Back mit guten Blockfähigkeiten).

Diese Bedürfnisse müssen von einem Spieler allerdings extrem ausgeprägt sein, um die Kombination Spieler X/Franchise Y möglichst optimal erfolgreich werden zu lassen und die Überbezahlung zu rechtfertigen. Dazu ein anschauliches Beispiel aus der Wirtschaft, wobei der gezogene Hut für den Hinweis darauf leider über die Jahre verschwunden ist.

Die „Blase“ in der Free Agency wird häufig von den Topspielern kreiert, deren massive Verträge die Verhandlungsposition der zweit-, dritt- und viertbesten Spieler verbessern und deren Verträge aufblähen.

Ein zweiter Punkt ist die Hebelwirkung eines Spielers, dessen Position grad sehr gefragt ist und der fast immer über Marktwert vom Tablett geht. Fast wäre Matt Flynn in dieser glücklichen Position gewesen, nach zwei ernsthaften, zugegeben exzellenten, NFL-Spielen als vermeintlicher Top-QB im Zentrum eines Wettbietens zu stehen. Da ist nun bekanntlich ein anderer Quarterback im letzten Moment noch vorne reingerutscht…

Und ein drittes Problem ist das Problem der Güteklasse „Ray Edwards“: Ein Spieler, der von exzellenten Teamkameraden profitiert und dies auf dem Transfermarkt ummünzen konnte in massive Multimillionenverträge. Für gewöhnlich zeigen sich solche Spieler ohne diese dominanten Mitspieler plötzlich als durchschnittlich und hoffnungslos überbezahlt.

Es gibt positive Beispiele und es gibt (einige wenige) exzellente Beispiele, in denen Free Agents in eine neue Franchise kamen und diese sofort massiv verstärkten. In den meisten Fällen werden jedoch okaye Spieler für überteuerte Preise eingefahren und die Teams, die am gescheitesten draften und nur zwei-drei punktuelle Verstärkungen brauchen, stauben daheim ihre Superbowl-Ringe ab.

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11 Kommentare zu “Free Agency: Vom Fluch des Gewinnens

  1. Gegenbeispiel: Wes Welker…für wenig Geld von den Dolphins zu den Pats und dort bekanntlich voll eingeschlagen

  2. Super Artikel, korsakoff!
    Die Backup-RB’s der Chargers tendieren auch dazu gute Free Agent-Verstärkungen zu sein. Erst Michael Turner und letztes Jahr Darren Sproles.

  3. Stimmt…bin noch von gestern geschädigt und habs verwechselt. Billig war ertrotzdem;-)

  4. so wie ich aus einer quelle gelesen habe soll sich manning schon am dienstag für ein team entscheiden stimmt das?

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