Arizona Cardinals in der Sezierstunde

Die heutige Sezierstunde nimmt sich das Freak-Team der Saison 2011/12 vor, die Arizona Cardinals. Bitte? Bitte!

13 von 16 (!) Spielen der Cards endeten mit einem einzigen Score Differenz. Null Siege mit mehr als acht Punkten, dafür aber auch fünf Niederlagen, die durchaus hätten Big Points einbringen können, man denke dabei nur an die haarscharfen Niederlagen gegen Washington, Seattle und Baltimore, als man sich hernach ohne Fingernägel ins Bett legte. Wie nahe die Cardinals an den Playoffs waren?

Coach Ken Whisenhunt kostete nach einer Schätzung von Brian Burke/Advanced NFL Stats mit seinen geschissen vollen Hosen seiner Mannschaft 1,27 Siege durch zu konservatives Handling in vierten Versuchen. Und es wäre nicht so, dass die Special Teams der Cardinals zu den besseren der Liga gehörten. Der Returner, Rookie Patrick Peterson, war fantastisch, aber abseits davon beförderten sie die eigene Offense und Defense jeweils in absurd schlechte Feldpositionen (Starting Field Position für beide: #30).

Die blanken Leistungen von Offense und Defense waren auch nicht so überzeugend. Der für teures Geld geholte QB Kevin Kolb enttäuschte, weswegen manche Stimmen dem Backup John Skelton aufgrund der Mehrzahl an Siegen den Vorzug geben möchten – ein Populistenargument, dem Whisenhunt kaum nachgeben wird. Kolb ist ein eher schwacher Quarterback, aber im Verhältnis zur wandelnden Interception-Maschine Skelton (5.1% INT-Quote!) immer noch ein Upgrade. Freilich muss die Offense auch ohne wirklich gute Running Backs auskommen, nachdem Ohio States Beanie Wells zwar die 1000yds-Marke knackte, aber einen Großteil des Raumgewinns in einer einzigen Partie einsahnte und als Ballfänger ein Nullfaktor ist.

Überzeugender war da schon die Defense, die einzig und allein viel zu wenige Interceptions (nur 1.7% der Bälle wurden abgefangen) produzierte, eine Statistik, die sich verbessern dürfte. Wenn deine Defense die #28 bei Interceptions ist und deine Offense die viertmeisten Pässe in des Gegners Hände wirft, und du trotzdem eine wettbewerbsfähige Mannschaft stelltest, dann verfügst du über ein gewisses Fundament.


Nach dem Ausscheiden Mannings dürfte also Kolb der Mann für die Zukunft sein. Bedeutet für den Pragmatiker Whisenhunt, dass die Offense Waffen braucht. Neben dem famosen WR Larry Fitzgerald fehlt es an hinreichend Spielermaterial. Nicht ausgeschlossen, dass man sich früh im Draft einer der Waffen wie Jeffery oder Floyd bedienen wird, nachdem man in der Free Agency eher inaktiv geblieben war.

Das alljährliche Stiefkind „Offensive Line“ dürfte dagegen recht unangetastet bleiben, nachdem der als Schwachpunkt ausgemachte OT Levi Brown jüngst weiterverpflichtet wurde. Und für Tight Ends gilt Whisenhunt nicht als der richtige Coach.


Die Defense der Cardinals ist voll von jungen Spielern und auch ästhetisch mit ihrem geradlinigen, druckvollen Spiel ein Hingucker. Das bringt an guten Tagen dominante Vorstellungen zustande, kann an schlechten aber auch noch arg nach hinten losgehen. Verbesserungspotenzial gibt es daher vermutlich in allen Mannschaftsteilen, aber insbesondere die Linebackers dürften als älteste Unit einem Generationswechsel bevorstehen. Nicht ausgeschlossen auch, dass man sich einem weiteren Deckungsspieler für die Secondary bedient.


Die Cardinals waren 2011/12 eine Mannschaft, die etwas besser abschnitt als befürchtet. Die schlimmsten Schwächen betreffen Kategorien, die sich in der Historie als schwankend herausgestellt haben (Turnovers, 3rd downs), weswegen die Mannschaft mit der einen oder anderen sinnvollen Verstärkung (WR, Pass Rusher, DB) womöglich um den Divisionstitel in der NFC West mitspielen wird können.

2 Kommentare zu “Arizona Cardinals in der Sezierstunde

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