Philadelphia Iggles in der Sezierstunde

Wilde Saison für die Eagles: Nach wenigen Wochen war die Halbwertszeit des „Dream Teams“ abgelaufen und der Trainerstab um die Ikone Andy Reid im blanken Überlebenskampf angekommen. Am Ende fehlte den brandheißen Iggles trotz einer Serie an Kantersiegen nur ein Spiel für die Playoffs.

Und das nach einer problematischen Saison mit einer 2-5 Bilanz in engen Spielen, einer Bilanz 1,8 Spiele unter der pythagoreischen Erwartung und mit wochenlangem Ausfall des lebenswichtigen Quarterbacks Michael Vick. Es gab also auch Faktoren abseits des inkompetenten DefCoords Juan Castillo.

Jener Castillo durfte trotz einer bizarren Saison bleiben, in der die Eagles trotz des Einkaufs mehrerer exzellenter Manndecker gnadenlose Zonendeckung spielten und trotz inexistenter Linebacker gnadenlose Wide-9 Defense spielten. Vielleicht durfte Castillo auch bleiben, weil sich die Eagles gen Saisonende immer mehr stabilisierten und schließlich sogar eine leicht überdurchschnittliche NFL-Defense besaßen (6.0yds/Passversuch ist ein ordentlicher Wert).

Die Offense gehörte selbst mit Vick auf der Bank zu den explosivsten überhaupt, machte die fünftmeisten Yards pro Spielzug (mit 7.0yds/Play) und ließ sich nur schwer von gegnerischen Defenses stoppen: Nur ein Punt pro 2,83 Angriffsserien ist der fünftbeste Wert in der NFL. Auf der anderen Seite schenkten nur Redskins und Buccs mehr Drives durch Turnovers ab (u.a. ligaweit höchste INT-Quote von 4,5% für die Eagles).

Man muss den Eagles also trotz allem Pechs und aller internen Streitereien auch konstatieren, ganz einfach ihr immenses Potenzial nicht ausgeschöpft zu haben. Für die kommende Saison bedeutet dies: Panik ist unangebracht; stattdessen sollte der Kern beisammen gehalten werden.


Dieser Kern in der Offense steht: QB Vick bringt 7.1yds/Passversuch an seine explosiven Wide Receivers Maclin/Jackson an den Mann, während der TE Celek als Notlösung ebenso konstant seine Catches macht. Das Laufspiel um Vick (7.8yds/Scramble) und RB McCoy (4.8yds/Run) funktioniert in Abwechslung blendend, allerdings gibt es Bedenken, ob die Offensive Line hinreichend stabil ist, obwohl sich der wichtigste Tackle Peters erfangen haben soll. Alles andere als ausgeschlossen, dass die Eagles hier noch nachbessern.

Eine Position, die man nicht vergessen sollte: Backup-QB. Vick hat sich im Laufe seiner Karriere immer und immer wieder als zu anfällig gegen Verletzungen gezeigt. Niemand rechnet damit, dass die Eagles noch einmal mit Young eine Saisonphase bestreiten wollen.

Sofern nicht, hat OffCoord Marty Mornhinweg immer noch einen eher leichten Job: Die größte Schwäche 2011/12 waren die Turnovers, die am einfachsten abzustellen sein dürften. Sollte Vick mit nunmehr bald 32 Lenzen nicht rapide einbrechen, wird dieser Angriff potent bleiben.


Auf der Abwehrseite ist die Schwäche neben dem „Kopf“, dem Coordinator, schnell ausgemacht: Den Eagles mangelt es an ansprechenden Linebackers. Es gilt als geritzt, dass via Draft mindestens 1-2 „50er“ verpflichtet werden, nachdem man den Youngsters Matthews/Chaney verheerende Zeugnisse ausstellte. Linebacker bei den Eagles, das bedeutet in erster Linie: Physis gegen das Laufspiel ist gefragt. Die soll DeMeco Ryans bringen, ein ehemaliger Rookie des Jahres, der vor kurzem erstaunlich billig via Trade von den Houston Texans gekommen ist. Den Pass Rush übernimmt die dominante Front Four, deren Eckpfeiler Babin/Cole/Dixon auf Jahre an die Franchise gebunden sind und deren Coach Washburn als Genie gilt.

Die Secondary der Eagles besteht als lauter überdurchschnittlichen Cornerbacks wie Asomugha, Samuel oder Rodgers-Cromartie, aber es gibt wenig überzeugende Safetys. Sofern allerdings die größten Lücken „vorne“ geschlossen werden, kann das Scheunentor „hinten“ möglicherweise eine weitere Saison in der aktuellen personellen Besetzung überleben.


Ich halte die Eagles bereits jetzt für einen heißen Kandidaten für 2012/13. Mit einem Furz mehr Konsequenz oder einer Verletzung weniger wäre diese Mannschaft mit Pauken und Trompeten anstelle des späteren Superbowl-Champs Giants in die Post Season eingezogen und in Hochform des Weges gekommen. Die Eckpunkte der Eagles stehen. Die Mannschaft hat sich nach einer schwierigen Anfangsphase eingespielt. Und sogar das berüchtigte Publikum in Philly schien in der abgelaufenen Saison nach zwei Niederlagen ruhiger zu sein als gewohnt.

3 Kommentare zu “Philadelphia Iggles in der Sezierstunde

  1. Die Eagles sind jetzt ganz schwer einzuschätzen. Eine 5-1-Bilanz innerhalb der Division spricht deutlich dafür, daß sie auch im nächsten ohne Frage um die Divisionskrone mitspielen. Zumal die Eagles unter Andy Reid immer um die Playoffs mitspielen und nur eine negative Saisonbilanz hatten.

    Andererseits ist die Defense ziemlich strange. Das Talent ist ohne Frage da (abgesehen natürlich von LB + S, aber da wird ja nachgebssert), aber ihre guten Zahlen in der zweiten Saisonhälfte kamen gegen Quarterbacks à la John Skelton, Tavaris Jackson, Stephen McGee, J.P. Losman, Mark Sanchez und Rex Grosman. Von Katastrophensaison mit verletztem Vick und Defense, die nach fünf Spielen Castillo entläßt bis zum Super Bowl Märchen ist alles drin.

  2. Laut ESPN.com hat Eagles-Tackle Peters sich die Achillessehne gerissen. Meiner Erinnerung nach sind solche Verletzungen langwierige Geschichten (8-10 Monate, auch wenn der Artikel nur von 4-6 Monaten ausgeht), weswegen die Eagles nun trotz der komplizierten Vertragslage (alle Offensive Liner haben langfristige Verträge) gezwungen sein könnten, sich einen Offensive Tackle im Draft zu greifen.

  3. Pingback: Glaskugel 2012: Philadelphia Eagles | Sideline Reporter

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