Miami Dolphins in der Sezierstunde

Ein dark fish seit Jahren, sind die Miami Dolphins für mich über Jahre ein klassischer „underachiever“ für NFL-Verhältnisse geworden. Ein Team, das fast alle Bauteile für Dominanz beisammen hat, aber es mit ein bis zwei eklatanten Schwachpunkten immer wieder zustande bringt, die Playoffs zu verpassen. 2011/12 war keine Ausnahme: Obwohl das Punkteverhältnis 8.5 Siege hätte erwarten lassen, holte man nur ein 6-10, mit einer Bilanz von 2-5 in den engen Spielen. Rauswurf des ungeliebten HeadCoaches Tony Sparano inklusive.

Der neue Mann für die von Owner Steve Ross chaotisch geführte Franchise: Joe Philbin, der ehemalige Offensive Coordinator der Green Bay Packers. Philbin soll eine „packerartige“ Offense installieren, was in anderen Worten bedeutet: Ein paar tausend Anspielstationen lateral an der Anspiellinie verteilt und ein mobiler Quarterback mit Raketenarm als Zulieferer.

Wo jeder dachte, Philbin würde sich den Flynn greifen, dünkt mittlerweile eher eine alternative Lösung für Miami, das im Draft an #8 picken wird. Und da könnte es in Ryan Tannehill einen interessanten Mann geben: Flink auf den Füßen, Denke eines Wide Receivers, Anlage für sämtliche Kurz- und Mitteldistanzwürfe. Miamis Offensive Coordinator ist seit neuestem Mike Sherman, ehemaliger Packers-HeadCoach (sic!) und bis zum Jahreswechsel Cheftrainer der Texas A&M Aggies. Tannehill? aTm? Was war da nochmal?

Lassen wir Tannehill mal als Option stehen und richten den Blick auf das restliche Spielermaterial in der Offense. Der momentan als Starter-QB zur Verfügung stehende Matt Moore ist einer der blässlichen Vertreter seiner Zunft, kein unteriridischer Mann, aber auch nicht einer, um den man seinen Angriff gebaut haben möchte: Mittelmäßige Bedrohung für die tiefen Bälle, Limitiertheit im schnellen Erkennen von komplizierten Deckungen. Guter, aber nicht großartiger Mann.

Der Bulk an Wide Receivers sieht nach dem Abgang von Brandon Marshall eher… bieder aus. Nicht, dass Marshall vom Typ her sonderlich gut in eine Philbin-Offense gepasst hätte, aber der Abgang zieht die Qualität doch trotzdem herunter. Slot-WR Davone Bess ist ein erstklassiger Mann, jedoch dürfte alles Weitere an Material verbesserungswürdig sein.

Der RB Reggie Bush dagegen könnte von der Umstellung in der Offense profitieren. Bush ist kein verlässlicher Back, aber mit seiner Explosivität und Fangstärke die ideale Doppelbedrohung, die Defenses vorsichtig bleiben lässt. Der Standard-Back dürfte in Zukunft eher der junge Dan Thomas sein.


Die Defense hatte ihre Flauseln in der Secondary, die insbesondere in der ersten Saisonhälfte zu den unterirdischen ligaweit gehörte. Gen Saisonende hatte man sich stabilisiert – und nun wird das Abwehrschema auf 4-3 umgestellt! Das Spielermaterial scheint dafür noch nicht wirklich bereit zu stehen: Der NT Paul Soliali wurde jüngst sogar weiterverpflichtet, und wie der prototypische 3-4 OLB Cameron Wake in naher Zukunft eingesetzt werden wird, bleibt abzuwarten.

Tendenziell gehört Miamis Pass Rush trotz des Superstars Wake nicht zu den hochklassigen. Genau dort wird es interessant: Unternimmt man eher Anstrengungen, die Front Seven druckvoller zu gestalten, oder verstärkt man bevorzugt das Defensive Backfield, wo zuletzt der größte Offenbarungseid geleistet wurde? Übergeht Miami zu Beginn des Drafts die Quarterback-Option, gibt es kaum Zweifel, dass entweder ein Defensive Liner oder ein Cornerback einberufen wird.


Dass Miami sich im Manning-Poker recht schnell ausklinkte und innerhalb eines Jahres sowohl Offense als auch Defense umstellen möchte, spricht dafür, dass die Dolphins 2012/13 als Übergangs-, respektive Aufbaujahr ansehen. Und zwar als Aufbaujahr im Sinne des Philbins, der seine Idee durchdrücken möchte. Die Tendenz zu einer Spread-Offense wird völliges Neuland sein; kaum vorstellbar, dass man mit nur einem Draft dafür das ideale Material zusammengekratzt haben wird. Von der Defense erwarte ich keinen Sturzflug, aber die Historie zeigt, dass größere Philosophie-Wandel nicht immer zwangsläufig schnelle positive Auswirkungen bringen.

Ein Kommentar zu “Miami Dolphins in der Sezierstunde

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