Green Bay Packers in der Sezierstunde

Um die alte Leier runterzufrühstücken: Meine Meinung von der Packer-Mannschaft 2011/12 ist eher ambivalent: Fantastisches Timing in der Offense, ja. Aber eben auch eine Defense mit extrem hohem Schlafmütz-Faktor. Um es ganz kurz anzuschneiden: Pythagoreische Erwartung. Green Bay in den letzten drei Jahren:

Saison    W-L   PE      Rang
2009     11-5   12.0    #1
2010     10-6   12.1    #2
2011     15-1   12.2    #3

Nach Brian Burkes Effizienmessung boten die Packers die Vorstellung einer Mannschaft, von der man im Normalfall 10.9 Siege in einer vollen Regular Season erwarten könnte:

Saison    W-L   Rating  Rang
2009     11-5   10.9    #7
2010     10-6   12.0    #3
2011     15-1   10.9    #5

You get the point. 2010 war man das vermutlich beste 10-6 Team ever. 2011 das vermutlich wackeligste 15-1 Team überhaupt (vielleicht von den 2004er Steelers geschlagen). Hauptgrund für die überraschend schwachen Ratings: Die Defense. Seidenweiche Lauf-Defense ist das eine. Null Pass Rush das andere. Aber 7,2yds/Passversuch zu kassieren, ist eine Kategorie, die selbst die souveränste Pass-Offense nicht allerweil kaschieren kann. Oder auch nicht 4.9% INT-Quote.

Lag es allein am Ausfall des FS Nick Collins? Oder am Abgang des DL Cullen Jenkins? Vermutlich nein, und es ist überraschend, dass ein eigentlich erprobter Defensive Coordinator wie Capers nach all den wunderbaren Packer-Defenses der letzten Jahre heuer eine so zahnlose Defense auf das Feld schickte.

Die Löcher lesen sich relativ klaffend: In der Defensive Line bekam Raji verheerende Kritiken. Die Linebacker schafften abseits von Mähne Matthews kaum Pass Rush und Hawk riskiert, verbrannt zu sein. In der Secondary kann man sich den soften Woodson mit dem Alterungsprozess erklären, aber wie Shields/Williams so einbrechen konnten, vermochte noch kein Experte hinreichend begreiflich zu machen. Aufgabe der Packers wird sein, herauszufinden, ob der Einbruch an Systemumstellungen, Abgängen oder an zuvor jahrelang kaschiertem, eventuell vorhandenen Mangel an Talent lag.


Verborgen wurde die indisponierte Defense lange Wochen durch eine Offense, die wiederum zum Feinsten gehört, was man im letzten Jahrzehnt in der NFL so zu sehen bekommen hatte. Man sollte vielleicht sagen: Pass-Offense. Denn weder Line, noch Laufspiel sind besonders nennenswert, stehen komplett im Schatten vom Spread-Angriff um QB Aaron Rodgers und die beiden famosen Wide Receivers Jennings und Nelson, die im Bund mit Jones, Driver und dem großartigen Athleten TE Jermichael Finley mit das Ansehnlichste an Timing aufbieten, was man heutzutage zu Augen bekommt. 51 Pass-Touchdowns und 8.3 Nettoyards/Passversuch sind Werte für die Äonen.

Ob sie, wie auch die geringe Anzahl an Turnovers, reproduzierbar sind, wird sich zeigen. Die Geschichte sagt eher: Nein. Wenigstens nicht in diesem Ausmaße. Trotzdem dürfte bis auf vielleicht einen neuen, jungen Wide Receiver nicht allzu viel umgebaut werden, nachdem Rodgers bereits über Jahre nachweisen konnte, nur ein Mindestmaß an Blockspiel zu benötigen.


Die Packers haben mehr Einkäufe in der Free Agency gemacht als gewohnt (harhar, ein einziger wäre schon mehr gewesen als in den letzten Jahren zusammen). Bis auf Saturday aber eher unbekannte Namen. Sie werden also ihr Augenmerk im Draft auf die Defense legen müssen. Die vermutlich wichtigste Komponente wird ein zweiter Passrusher an der Seite des Clay Matthews sein. Eine zweite gesuchte Komponente dürfte ein Defensive Liner sein. Und dann wird Capers wohl einen Weg finden müssen, um den Allrounder Charles Woodson wieder auf effektivere Weise einzusetzen. Die Packers dürften vorne dabei bleiben, müssen aber aufpassen, nicht von der aufstrebenden Konkurrenz ein- oder gar überholt zu werden.

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3 Kommentare zu “Green Bay Packers in der Sezierstunde

  1. Seitdem die „Gilbert-Box“ verschwant haben die Packers ein Problem das sie bis heute nicht gelöst haben ! Sie müssen endlich mal den Lauf verteidigen ! Vor jahren hatten sie mal eine der besten Passdefens aber gegen den Lauf sind sie in meinen augen im noch zu anfällig ! Ich würde mir wünschen im Draft noch einen Bärenstarken LB oder einen guten Defensend , ohne zweifel die Defens mus gestärkt werden + wenn die Leute vernüftig sind + auf mich hören , dann werden wir auch wieder den Superbowl holen , logisch 🙂

  2. Ansich eine gute Analyse, aber mir fehlt da noch der Hinweis auf eine große Anzahl von Drops bei Jermichael Finley und Co. Da ich von den Packers als einziges Team alle 17 Spiele gesehen habe, habe ich kein Ligavergleich, halte aber die Anzahl der Drops schon als überhöht.

    Desweiteren glaube ich schon, dass der Abgang von Jenkins zumindest den Passrush praktisch ruiniert hat. Mal ob das mit Hargrove besser wird (wenn er denn wirklich kommt).

    Ansonsten ist es unabdingbar, dass die Packers besser tacklen und vorallem in der Secondary deutlich besser kommunizieren. Was die Packers allein durch fehlerhafter Kommunikation an Yards und TD kassiert haben, fand dann in der Hail Mary von Manning seinen Höhepunkt. Mal sehen. Ich denke dennoch, dass die Packers sich wieder mit den Lions um den Divisiontitle duellieren werden.

  3. @Moser: Die Lauf-Defense ist ein vernachlässigbares Problem für die Packers (0.4yds/Carry über dem Durchschnitt) angesichts der relativen Bedeutungslosigkeit des Laufspiels. Kritisch ist die Pass-Defense. Die war eigentlich in den letzten Jahren stets erstklassig, brach heuer aber aus IMHO eher unverständlichen Gründen völlig ein.

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