Washington Griffins in der Sezierstunde

RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3! RG3!

Um mal runterzukommen: 2011/12 war das nächste Jahr in der grauen Tristesse für den Hauptstadtverein der NFL, die Washington Redskins. Nach annehmbarem Saisonstart folgte mal wieder eine Niederlagenserie und nach der 5-11 Endbilanz verspürt Head Coach Mike Shanahan schon leichten Gegenwind.

Was bei den Redskins ganz stark auffällt: Sie hatten immer wieder Verletzungsprobleme. Nicht die ganz großen, karrierebedrohlichen Ausfälle, aber immer mal wieder hie und da ein paar Ausfälle – tödlich bei einem Kader mit so geringer qualitativer Tiefe. Möglicherweise folgte deshalb auf den akzeptablen Saisonstart der Einbruch nach der Bye Week.

Alle Faktoren zusammengefasst, waren die Redskins ein unterdurchschnittliches Team, das womöglich eines oder zwei Spiele zu wenig gewinnen konnte (enge Spiele: 3-6); Offense, Defense und Special Teams sind unisono irgendwo im Niemandsland klassiert und es gibt weder eine herausragende Stärke, noch eine herausragende Schwäche, mit der einzigen Ausnahme, dass man im Angriff viel zu häufig den Ball verschenkte, was bei einem Quarterback mit der Historie eines Rex Grossman nun auch nicht die Überraschung schlechthin ist.

Als Reaktion darauf folgte der massive Trade der Redskins, um mit dem zweiten Draftpick im NFL-Draft 2012 einen Quarterback einberufen zu können. Dieser Quarterback wird mit hoher Wahrscheinlichkeit der Publikumsliebling und Gewinner der Heisman Trophy, Robert Griffin III von der kleinen Baylor University, sein, ein Sprinter mit Raketenarm vor dem Herrn. „RG3“ passt prinzipiell wie die Faust aufs Auge auf die von den Shanahans so geliebte Offense mit all ihren Rollouts und tiefen Bomben. Könnte also ein passender Ort für Griffin sein, den man instinktiv sofort mit den Konsorten McNabb oder Vick vergleicht. Dabei scheint Griffin eher der Typ QB zu sein, der erst dann losläuft, wenn alle Optionen zusammengebrochen sind. Man wird also sehen.

Was die Redskins bis zum Erbrechen in den ersten Tagen der Free Agency versuchten, war der Einkauf von Waffen für Griffin III. Das ging so weit, dass man sogar einem mittelprächtigen Mann wie Garcon aus Indianapolis bizarre 21.5M in den Rachen schüttete. Zudem kommt der hoch gelobte, aber verletzungsanfällige WR Josh Morgan aus San Francisco.

Was den Redskins immer noch abgeht, ist neben einem Running Back auch eine vollends überzeugende Offensive Line. Beobachter lästern insbesondere gegen die Position des Right Tackles, die inadäquat besetzt sein soll.


Die Defense war bei allen Problemen in der Offense auch nicht die Dotter vom Ei. Zwar sagt man den Redskins eine mittlerweile überzeugende Combo im Pass Rush nach (Kerrigan/Orakpo), jedoch gilt die Defensive Line als nicht 100%ig auf der Höhe und ist mit MLB London Fletcher der Ankermann abhanden gekommen.

Das ist aber nichts gegen die Secondary, wo man den grundsoliden OJ Atogwe cutten musste und den SS LaRon Landry nicht mehr weiterverpflichtete – aber für welchen Ersatz? Der aus New England und Chicago als untrainierbarer Freelancer gefürchtete Brandon Meriweather ist der neue Safety der Redskins-Verteidigung. Meriweather gilt als Spieler, der für drei Big Plays pro Saison seine Großmutter (oder zwei TD/Spiel) eintauschen würde.


Die Zukunft der Redskins steht und fällt mit der Entwicklung von RG3. Die Geschichte zeigt, dass Washingtons Publikum mit teuren Quarterbacks recht schnell ungeduldig zu werden droht, also wird es von entscheidender Bedeutung sein, Griffin schnell ein adäquates System zu basteln. Floppt Griffin, sind den Redskins auf Jahre die Hände gebunden, was Verhandlungsspielraum im NFL-Draft angeht, und man wäre wieder darauf angewiesen, mittelmäßige Free Agents für teures Geld in der Free Agency einzukaufen.

Huuuuiiii (I): Tebow goin’ Jets

Mit freundlichsten Grüßen an unsere Freunde und Anhänger der New York Jets: Weltstar Tim Tebow wechselt für einen 4th-Rundendraftpick* von Denver zu den New York Jets, wo es zum Kampf der Titanen um den Starting Quarterback-Posten kommen wird. Kuriose Timeline für einen Trade der Jets.

*EDIT: Sind sogar zwei Picks (Runde #4, #6) im kommenden Draft 2012 gegen Tebow und einen Pick aus Runde #7.

San Diego Chargers in der Sezierstunde

Nächste verwurstelte Saison für die San Diego Chargers, die erneut die Playoffs verpassten und in der schwachen AFC West mit enttäuschenden 8-8 Siegen abschlossen. Reaktion aus Südkalifornien: GM AJ Smith und HeadCoach Norv Turner dürfen wenigstens ein weiteres Jahr bleiben. Was Charger-Fans das blanke Entsetzen ins Gesicht treibt, ist eigentlich ein logischer Move: San Diego ist mindestens 1-2 Jahre von einem kompletten Umbruch entfernt.

Richtig in Grund und Boden gespielt wurde man nur in Woche 16 von den Detroit Lions. In allen anderen Spielen war man „dran“. So verloren am Ende wie vor einem Jahr vereinzelte Schlampigkeiten die Saison. Als schnellstes Beispiel sei Kansas City aus dem Armgelenk geschüttelt. Aber auch die Revis in den Arm gefallene INT gegen die Jets, das verschossene Field Goal in der Overtime gegen Denver oder die Interception in der Schlussminute gegen Green Bay seien genannt.

Alle Welt prügelt auf QB Philip Rivers und die vielen Turnovers ein. Rivers’ INT-Quote war mit 3.4% leicht über dem NFL-Durchschnitt, dafür brachte der Mann mal wieder 7.2yds/Passversuch (#5) an den Mann und gehört trotz des einen oder anderen Fehlwurfs mehr erneut zu den allerbesten – kein Grund also für Abgesänge. Die Offense war insgesamt wieder eine der potentesten, scorte trotz fünftmeisten Turnovers mit 2.32pts/Drive die viertmeisten Punkte und brauchte den Punter so selten wie sonst nur noch die Saints.

Was die ästhetische Komponente angeht, betone ich es gerne und immer wieder: Diese vertikale Offense aus den sehr „engen“ Aufstellungen gehört mit zum schönsten, was man an Spielsystemen in der NFL zu sehen bekommt. Und heuer gehörte dank Mathews/Tolbert endlich auch wieder eine annehmbare Laufspielkomponente dazu. Tolbert ist nun allerdings gegangen (nach Carolina). Dafür wurde FB McClain aus Kansas City eingekauft.

Bei den restlichen Skill Players scheint Turner darauf zu vertrauen, dass das System die Komponente „Einzelspieler“ schlägt. Der Topmann Jackson wurde durch die billigeren WR Meachem aus New Orleans und WR Royal aus Denver ersetzt und solange TE Gates zwar an Kilos zunimmt, aber weiterhin seine 60+ Catches macht, wird der Angriff funktionieren.


Problematischer ist die Defense, die im Jahr eins nach Ron Rivera einen heftigen Einbruch erlebte und mit 7.0yds/Passversuch einen radikalen Absturz erlebte. Als Reaktion wurde DefCoord Manusky durch John Pagano (Bruder vom Colts-Chefcoach) ersetzt. Die Probleme sind damit aber nicht gelöst: Neben dem mauen Pass Rush fehlt es vor allem in der Secondary an ausreichend Klasse und Tiefe, um dauerhaft die Passfeuerwerke der Güteklasse Oakland, New Orleans oder Manning abzuwehren.

Die Einkäufe von OLB Jarret Johnson und S Atari Bigbe sollen der erste Schritt zur Revitalisierung einer einst mehltauartigen Defense sein. Allerdings erinnert vor allem Johnsons Stellenbeschreibung nicht im Entferntesten an den händeringend von San Diego gesuchten „neuen Merriman“. Der Pass Rush soll ergo noch die eine oder andere neue Komponenten sehen.


San Diego mag seit Jahren eine alljährliche Enttäuschung sein, was die Saisonbilanzen angeht, aber die Mannschaft ist keine Lichtjahre von einem Titel-Run entfernt. QB Rivers schultert die Offense seit Jahren notfalls im Alleingang und kommt im Gegensatz zu einem Brees sogar mit einer unterdurchschnittlichen Unit an Ballfängern und Running Backs aus, während in der Defense die Problemzonen leicht auszumachen sind: Pass Rush und in Ansätzen die Deckung, die nicht immer stabil ist. Ich erwarte San Diego 2012/13 wieder ganz vorne dabei, selbst in einer plötzlich passgewaltigen Division mit Palmer und Manning.

Oakland Raiders in der Sezierstunde

Und die nächste Achterbahnfahrt für die Oakland Raiders. Von Al Davis’ Tod über den Einkauf von Carson Palmer bis zum nächsten Trainerwechsel war wieder alles dabei – nur keine Playoffteilnahme.

Nun ist eine neue sportliche Führung am Werk und ich habe keine Ahnung, was man von GM Reggie McKenzie und HC Dennis Allen erwarten kann. Die beiden können jedoch auf einer Mannschaft mit einigen Bausteinen aufbauen. Weiterlesen

Overfitting

Sehr gute Arbeit von Andy Goldschmidt auf seinem Blog „Footballissexbaby“ beim Auseinandernehmen der Methodiken zur Ermittlung der Pythagoreischen Erwartung. Ein Problem, das ich hier zwar kurz andiskutiert, aber nie ernsthaft unter die Lupe genommen hatte: Möglicherweise unterliegt die Pythagenport-Verkleidung der Pythagoreischen Erwartung also doch dem Phänomen der Überanpassung (engl. Overfitting). Footballissexbaby schreibt:

Es fällt auf, dass die Exponenten bei Pythagenport etwa symmetrisch verteilt sind. Das erinnert an eine Gauss-Verteilung. […] Die Anzahl von Punkten in einem Teamspiel entspricht ebenfalls einer solchen Verteilung. Der Exponent einer “guten” pythagoräischen Erwartung sollte demzufolge ebenfalls ein Poisson-artiges Verhalten zeigen.

Das führt mich zu der Vermutung (!!!), dass die gaussverteilte Pythagenport-Methode “überangepasst” ist.

Da lang.

[Teil 1 ist übrigens hier zu finden.]

Down goes… Tebow

Wenn Adam Schefter da nicht einen kolossalen Bock geschossen hat, sind die Denver Broncos im Aufräumen der McDaniels-Ära offenbar einen Schritt weiter und haben von QB Peyton Manning die Zusage erhalten. Der Deal ist fett: Fünf Jahre, 95M für einen 36jährigen. Über die Ausstiegsklauseln im Falle einer weiteren Manning-Verletzung weiß man noch nichts. Für Denver bedeutet der Move, sollte er zustande kommen, dann wohl auch, dass man sich fein aus dem Tebow-Dilemma rauszwirbeln kann und den 4.9yds/Passversuch und 46.5%-Completion-Mann Tebow ohne Randale und Massenaufstände „entsorgen“ kann.


Nachtrag: Denver wird lt. ESPNs Schefter und Mortensen versuchen, Tebow zu traden:

Once the Manning deal becomes official, Denver will try to trade Tim Tebow, according to sources.


Nachtrag II: Bill Barnwell (Grantland) war mal wieder pfeilschnell und hat schon eine wunderschön lesbare Rundum-Analyse der Personalwechsel in Denver online gestellt.

New England Patriots in der Sezierstunde

Jahrein, jahraus eine der spannenderen Franchises, kommen die Patriots als frischer Superbowl-Verlierer mit zwei Sorgenfalten in die Offseason. Das erste davon wird mentaler Natur sein: Wie verkraften die alternden Haudegen um QB Tom Brady den erneuten Tiefschlag einer sauknappen Endspielniederlage? Die zweite Frage betrifft die Gewichtung und Priorisierung der ToDo-Liste von Head Coach Bill Belichick, der einem zukunftsorientierten Spielerkader mit trotzdem hinreichend Fragezeichen vorsteht.

Die New England Patriots 2011/12 waren bei weitem nicht Belichicks bestes Footballteam. Weiterlesen

Nach Seattle geflynnt

Kleine Überraschung im Quarterback-Karussell der NFL: QB Matt Flynn ist vor Peyton Manning vom Tablett und scheint in Seattle einen Dreijahresvertrag für 26M (10M guaranteed) unterzeichnet zu haben. Für den Markt ist das insofern interessant, weil damit nur mehr wenige Teams mit dem Adjektiv „verzweifelt“ einen Quarterback suchen. Weiterlesen

Eli Manning ist nicht gleich “clutch”

Filed under: #Clutch #EliManning

Wir wissen, dass das Coach-Wunder und angebliche “Clutch”-Genie Bill Walsh einen eher, sagen wir, bescheidenen Record in engen Spielen hat und sind sehr skeptisch, ob es über längere Sicht so etwas wie „clutch“ in der NFL gibt. „Clutch“ wird meist so beschrieben: Mannschaft ist irgendwann im Schlussviertel in Rückstand oder gleichauf, Offense kriegt den Ball, Team gewinnt, Quarterback und Coach gelten als „clutch“. Über die vergeigten engen Spiele wird der Mantel des Schweigens gelegt.

Superbowl-MVP QB Eli Manning gilt als das neueste „Clutch“-Wunder in der NFL. Ein Blick auf Mannings Karriere verrät jedoch wenig überraschend, dass auch Manning himself über sehr volatile Zahlen verfügt.

Manning bestritt bisher in seiner Karriere 40 Spiele mit Gleichstand oder maximal einem Score Rückstand zum Ende des dritten Viertels. Manning Bilanz in diesen Spielen, in denen er laut Pundits jeweils Siege hätte einfahren müssen: 15-25. Yep, Manning dreht nur etwas mehr als ein Drittel der Partien mit knappem Rückstand eingehend Schlussviertel.

Schlüsseln wir das verlinkte Ding auf in die einzelnen Spielstände nach drei Vierteln auf – aufgrund fehlender Mittel, die Datenbank auf Momente „irgendwann im Schlussviertel“ aufzubrechen, bleibe ich beim ENDE DRITTES VIERTEL:

Diff. Ende Q3   Bilanz Ende Q4
 0              1-0
-1              1-5
-2              2-3
-3              3-3
-4              4-3
-5              1-0
-6              0-4
-7              2-5
-8              1-2

Egal welcher Rückstand: Die Tabelle lässt keinen Rückschluss zu, dass Eli Manning über besondere Fähigkeiten im Drehen von Spielen im Schlussviertel verfügt.

Ad 1) Alle Spiele, in denen Manning mit Rückstand ins Schlussviertel ging. Größtes Comeback: 2006 mal 17 Punkte gegen die Eagles aufgeholt.

Ad 2) Die Bilanzen in den 0 bis -8 Punktespielen anderer namhafter „Comebacker“ unter den Quarterbacks (Spiele, in denen der jeweilge QB nicht teilnahm, sind rausgerechnet):

EDIT: Ich habe nun noch die drei Comebackspiele vom Warner Kurtl von 2004/05 rausgerechnet. Die Suchfragen lassen sich nur TEAMs, nicht aber mit SPIELERN machen.

Arizona Cardinals in der Sezierstunde

Die heutige Sezierstunde nimmt sich das Freak-Team der Saison 2011/12 vor, die Arizona Cardinals. Bitte? Bitte!

13 von 16 (!) Spielen der Cards endeten mit einem einzigen Score Differenz. Null Siege mit mehr als acht Punkten, dafür aber auch fünf Niederlagen, die durchaus hätten Big Points einbringen können, man denke dabei nur an die haarscharfen Niederlagen gegen Washington, Seattle und Baltimore, als man sich hernach ohne Fingernägel ins Bett legte. Wie nahe die Cardinals an den Playoffs waren?

Coach Ken Whisenhunt kostete nach einer Schätzung von Brian Burke/Advanced NFL Stats mit seinen geschissen vollen Hosen seiner Mannschaft 1,27 Siege durch zu konservatives Handling in vierten Versuchen. Und es wäre nicht so, dass die Special Teams der Cardinals zu den besseren der Liga gehörten. Der Returner, Rookie Patrick Peterson, war fantastisch, aber abseits davon beförderten sie die eigene Offense und Defense jeweils in absurd schlechte Feldpositionen (Starting Field Position für beide: #30).

Die blanken Leistungen von Offense und Defense waren auch nicht so überzeugend. Der für teures Geld geholte QB Kevin Kolb enttäuschte, weswegen manche Stimmen dem Backup John Skelton aufgrund der Mehrzahl an Siegen den Vorzug geben möchten – ein Populistenargument, dem Whisenhunt kaum nachgeben wird. Kolb ist ein eher schwacher Quarterback, aber im Verhältnis zur wandelnden Interception-Maschine Skelton (5.1% INT-Quote!) immer noch ein Upgrade. Freilich muss die Offense auch ohne wirklich gute Running Backs auskommen, nachdem Ohio States Beanie Wells zwar die 1000yds-Marke knackte, aber einen Großteil des Raumgewinns in einer einzigen Partie einsahnte und als Ballfänger ein Nullfaktor ist.

Überzeugender war da schon die Defense, die einzig und allein viel zu wenige Interceptions (nur 1.7% der Bälle wurden abgefangen) produzierte, eine Statistik, die sich verbessern dürfte. Wenn deine Defense die #28 bei Interceptions ist und deine Offense die viertmeisten Pässe in des Gegners Hände wirft, und du trotzdem eine wettbewerbsfähige Mannschaft stelltest, dann verfügst du über ein gewisses Fundament.


Nach dem Ausscheiden Mannings dürfte also Kolb der Mann für die Zukunft sein. Bedeutet für den Pragmatiker Whisenhunt, dass die Offense Waffen braucht. Neben dem famosen WR Larry Fitzgerald fehlt es an hinreichend Spielermaterial. Nicht ausgeschlossen, dass man sich früh im Draft einer der Waffen wie Jeffery oder Floyd bedienen wird, nachdem man in der Free Agency eher inaktiv geblieben war.

Das alljährliche Stiefkind „Offensive Line“ dürfte dagegen recht unangetastet bleiben, nachdem der als Schwachpunkt ausgemachte OT Levi Brown jüngst weiterverpflichtet wurde. Und für Tight Ends gilt Whisenhunt nicht als der richtige Coach.


Die Defense der Cardinals ist voll von jungen Spielern und auch ästhetisch mit ihrem geradlinigen, druckvollen Spiel ein Hingucker. Das bringt an guten Tagen dominante Vorstellungen zustande, kann an schlechten aber auch noch arg nach hinten losgehen. Verbesserungspotenzial gibt es daher vermutlich in allen Mannschaftsteilen, aber insbesondere die Linebackers dürften als älteste Unit einem Generationswechsel bevorstehen. Nicht ausgeschlossen auch, dass man sich einem weiteren Deckungsspieler für die Secondary bedient.


Die Cardinals waren 2011/12 eine Mannschaft, die etwas besser abschnitt als befürchtet. Die schlimmsten Schwächen betreffen Kategorien, die sich in der Historie als schwankend herausgestellt haben (Turnovers, 3rd downs), weswegen die Mannschaft mit der einen oder anderen sinnvollen Verstärkung (WR, Pass Rusher, DB) womöglich um den Divisionstitel in der NFC West mitspielen wird können.

Kansas City Chiefs in der Sezierstunde

Wenig überraschend fielen die Kansas City Chiefs in dieser Saison auf den letzten Platz in der AFC West zurück. Die Endbilanz von „7-9“ ist am Ende sogar noch massiv geschönt durch selbstzerstörerische Gegner (Rivers!), schwachen Schedule und schwache Division – nach pythagoreischer Erwartung hätten es ganze 4,1 Siege sein dürfen.

Nur eine Mannschaft erzielte weniger Punkte als die 212 der Chiefs. Nur eine Mannschaft hatte größere Nachteile allein durch die schlechte Feldposition (man startete im direkten Duell durchschnittlich 6.8yds weiter hinten als die Gegner) – und das bei einer Offense, die mit 4.9yds/Play nur die 26-meisten Yards zurücklegte. Folgerichtig musste der umstrittene HeadCoach Todd Haley dann auch bereits während der Saison gehen.

Die Nachfolge wurde intern gelöst: Romeo Crennels Beförderung ruft bei mir ambivalente Gefühle hervor. Einerseits würde ich es Crennel ja wirklich mal vergönnen, aber seine Vergangenheit lässt befürchten, dass die Chiefs spätestens nach der nächsten Niederlagenserie zu einem disziplinlosen Haufen voller interner Reibereien verkommen. Daher verwundert es, dass ein Disziplin-Nazi wie Pioli auf den eher laxen Crennel setzt. Ist es, wie man es Pioli nachsagt, das Bestreben danach, möglichst wenig Macht mit einem gestärkten Head Coach teilen zu müssen?


Man sollte bei allen Schlechtigkeiten nicht am unglaublichen Verletzungspech der Chiefs vorbeidiskutieren: Die jungen S Eric „fifth dimension“ Berry und TE Tony Moeaki schafften es nichtmal zum Season Opener. Der explosivste und optisch ansprechendste Running Back der NFL, Jamaal Charles, ging gleich im ersten oder zweiten Spiel flöten. QB Matt Cassell, ein unterdurchschnittlicher, aber nicht unterirdischer Mann, folgte ein paar Wochen später. Die Saison musste von Konsorten wie QB Palko (5.9yds/Passversuch, 1 INT pro 20 Würfe) oder RB Jones (3.1yds/Lauf und immer noch mit 153 Carries!!) gerettet werden, was völlig überraschend aussichtsloses Unterfangen war. So blieb das Highlight einer verkorksten Saison dieser unglaubliche, einzigartige Catch von Rookie-WR Jon Baldwin:

Freilich zählte die Aktion dann auch aufgrund einer Strafe nicht. Und Baldwin, der Erstrundenpick 2011, brachte sich abseits davon nur mit Wortgefechten und Schlägereien im Training ein und hatte schnell sämtliche arrivierten Spieler gegen sich aufgebracht.

Das überzeugendste an den Chiefs in war die Passverteidigung (#20) gegen einen mäßigen Schedule, bei 4.4% INT-Quote (#2). Dumm daran: Letztere Statistik ist bekanntlich recht volatil und unterliegt für gewöhnlich dem Phänomen „regression towards the mean“.


Die Chiefs überlegten eine zeitlang, QB Matt Cassell zu ersetzen. Überrascht? Nun, sehen wir uns Cassells Saisonen in Kansas City an:

Jahr  Comp.%   NY/A   TD  INT
2009    55.0    5.0   16   16
2010    58.2    6.2   27    7
2011    59.5    5.5   10    9

Eine plötzliche Explosion Cassells wäre angesichts dieser Zahlen nichts anderes als eine Sensation. Einen richtig vertrauenswürdigen Backup gibt es für die Chiefs noch nicht – es sei, denn man baut auf den jungen Rick Stanzi von Iowa.

Weil man also weiterhin auf Gedeih und Verderb auf die Dienste Cassells angewiesen sein dürfte, richtet sich der Fokus im Angriff auf die Offensive Line, wo mit RT Barry Richardson einer der unisono anerkannt schwächsten Tackles in der NFL spielt (um mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit „nicht mehr spielen wird“ zu ergänzen). Der junge Asamoah soll Richardson ergänzen können, während der ehemalige FSU-Guard Rod Hudson nach Wiegmanns Abgang als Nachwuchs-Center aufgebaut werden soll.

Wie man erwarten durfte, blieb die Position der Running Backs nicht unangefochten. Der spektakuläre Charles kommt von einer Verletzung zurück und wird mit dem brachialen Peyton Hillis einen neuen Nebenmann bekommen, nachdem Thomas Jones über Jahre schlimme Zahlen lieferte. Bei den Ballfängern sah man nicht mehr an der ellenlangen Verletzungshistorie Moeakis vorbei und kaufte sich den in Oakland rausgeworfenen Kevin Boss ein.

Und natürlich gilt es ein Auge auf den neuen OffCoord Brian Daboll zu werfen, dessen Zeit in Miami Gruseliges befürchten lässt.


In der Defense ist der Schützengraben das Problem: NT Kelly Gregg gilt als solide, aber nicht wirklich prototypischer Athlet. DE Tyson Jackson soll auch im dritten Jahr keinen Fortschritt gemacht haben und schleppt einen Multimillionenvertrag mit sich. DE Gilberry ist als situativ einsetzbarer Pass Rush-Spezialist vor dem Absprung. Es werden bereits Wetten abgeschlossen, dass Kansas City hier via Draft massiv nachbessern wird.

„Dahinter“ sieht es so übel nicht aus: Ein junger Kern an teilweise fantastischen Athleten wie OLB Tamba Hali, CB Brandon Flowers oder S Eric Berry wurde ergänzt mit dem in Oakland aus Gehaltsgründen gefeuerten CB Stanford Routt, während allerdings der als talentiert angesehene CB Carr die Chiefs verließ.


Die Chiefs stellen auch nach drei Jahren immer noch ein recht junges, hoffnungsvolles Team, das mit etwas weniger Verletzungspech in der nicht gerade als Power Division mitreden dürfte. Allerdings erweist sich IMHO die Quarterback-Position immer mehr als das große Fragezeichen, trotz eines QB-Coaches wie Zorn. Ich würde nicht ausschließen, dass die Chiefs in einer Art Überreaktion einen Mann wie Tannehill draften, auch wenn man eher dazu tendieren dürfte, die Defense Line als Hauptproblem anzusehen.

Tampa Bay Buccaneers in der Sezierstunde

Große Enttäuschung während der Regular Season, aber ein aktiver Player in den ersten Stunden der Free Agency 2012: Die Tampa Bay Buccaneers. Das hatte man nach Jahren der Passivität auf dem Markt gar nicht mehr erwartet. Dabei war das Drehen an einigen Stellschrauben dringende Notwendigkeit, nach einer selten schlimmen Saison für die Buccs.

Null Siege mit mehr als einem Touchdown Differenz, dafür haufenweise Blowout-Pleiten. Pythagoreische Erwartung von 3.2 Siegen. Junges Team, das nicht mehr auf seinen Trainer horchte. Junger Chefcoach mit realitätsfernem Selbstbild („Wir werden nächstes Jahr aufhorchen lassen“).

Der sympathische Raheem Morris war dann auch wenige Stunden nach Ende der Saison gegangen; bei der Suche nach dem Nachfolger hinterließen die Buccs einen eher peinlichen Eindruck, interviewten alles, was nicht bei drei auf dem Baum war, nur um am Ende mit Greg Schiano von Rutgers einen Mann zu präsentieren, der eher als Billiglösung aufgefasst werden kann und aufgrund seiner umstrittenen Vergangenheit als eher windiger Typ von Mensch des Weges kommt.

Schiano, ein Mann mit nicht allzu viel NFL-Erfahrung, übernimmt eine unerfahrene Mannschaft mit mehreren Baustellen. Die allergrößte ist die Defense, deren Statistiken so aussehen:

Punkte/Spiel      30.9   #32
Punkte/Drive       2.6   #32
Yards/PT          12.8   #31
Y/A                6.3   #32
Y/Pass             7.6   #31
Y/Lauf             5.0   #31

Um das in Relation zu setzen: Obwohl man die fünftwenigsten Drives gegen sich ausgespielt sah, kassierte man die mit massivem Abstand meisten Punkte in der NFL (45 mehr als die Vikes, die fünf Drives mehr gegen sich sahen). Letzter oder Vorletzter in allen Effizienzmessungen.

Auf der anderen Seite war die Offense annehmbar, schoss sich jedoch zu häufig ins eigene Knie. Besonders hervor tat sich dabei der Quarterback, von dem ich getragene und noch ungewaschene Unterhosen in meinem Schrein aufbewahre: Der famose Josh Freeman, der es zustande brachte, 22 Interceptions in 551 Würfen zu produzieren. Man muss fast befürchten, dass Freeman nur ein weiterer Quarterback ist, dessen Interception-Quote wild fluktuiert:

2009    6.2%
2010    1.3%
2011    4.0%

Diese vielen Turnovers sind auch der Grund, warum Tampas Angriff trotz durchschnittlicher Statistiken nahe dem NFL-Bodensatz klassiert ist, was erzielte Punkte angeht (287 an der Zahl, #27).

Die Lücken in der Offense

Als größte Schwäche kann die Offensive Line ausgemacht werden, wo vor allem der RT Jeremy Trueblood schwer unter Beschuss steht. Die Innenseite wurde mit dem hochgelobten Guard Carl Nicks vom Divisionskonkurrenten New Orleans verstärkt.

Was abseits davon noch fehlte: Ein Wide Receiver. Der neue Stern an Bord ist der hünenhaft gewachsene Vincent Jackson, ein deep threat vor dem Herrn mit relativ geringer Anfälligkeit für Drops. Jackson ist ein ähnlicher Typus Spieler wie der junge, zuletzt enttäuschende Buccs-WR Mike Williams. Ob die beiden in ihrer Spielweise so brillant harmonieren, bleibt abzuwarten. Auf alle Fälle kann man davon ausgehen, dass ein weiterer Mann für den/die/das Slot gesucht wird. Abzuwarten bleibt, wohin die Reise für den athletischen, aber teuren TE Kellen Winslow jr. gehen wird – einige Indikatoren deuteten auf Abgang hin.

Und dann ist da das Laufspiel, wo der Mann mit dem geradlinigen Weg voraus, RB LeGarrette Blount, zwar Hits verteilen kann, jedoch als Blocker und Receiver nicht ernst genommen wird. Solch eindimensionale Backs sieht man eher als Auslaufmodell an; ob die Buccaneers mit ihrem hohen Pick den hochgejazzten RB Richardson draften werden?

Die Lücken in der Defense

Ich wäre skeptisch. Die größten Löcher haben die Buccs schließlich im Abwehrbereich. Die Defensive Line wurde in den vergangenen Jahren zwar massiv via Draft gebaut und sollte wenigstens in Ansätzen höheren Ansprüchen genügen, aber die vermeintlichen Superstars DT McCoy und DE Bowers verbringen mehr Zeit als gewünscht im Krankenstand und in Sachen Kadertiefe bewegt man sich eher in seichten Gewässern.

Richtige Waale tun sich in der Back-7 auf, wo jeder Spieler als austauschbar gilt – vielleicht auch der alternde Routinier CB Ronde Barber, das letzte Überbleibsel der Meistermannschaft von 2002/03, der mit Mitte 30 noch ein letzte Jahr NFL anhängen möchte. CB Aqib Talib gilt als Knalltüte, der jeden Moment die Einknastung riskiert, während S Tanard Jackson allzu sehr dem Gras verfallen sein soll und sämtliche Alternativen als wandelnde Risikoquellen durch die Gegend stapfen. Mit dem aufstrebenden CB Eric Wright hat man eine Abhilfe geschaffen; womöglich kommt via Draft noch der eine oder andere große Name hinzu.

Ausblick

Ich vermag Schiano nicht so recht einzuschätzen. Er galt stets als exzellenter Recruiter, aber haargenau diese Fähigkeit wird in der NFL eher wertlos sein. Schiano hat einen immer noch jungen Kern beisammen und ich habe trotz der Turnovers eine hohe Meinung vom Quarterback, aber der Kader hat, wie schon im Sommer auseinandergenommen, entsprechend viele Lücken. Man kann davon ausgehen, dass sich die Buccs mit ihrem hohen Draftpick entweder eines Cornerbacks oder Wide Receivers bedienen und generell versuchen werden, billige Linebackers und weitere Defensive Backs zu verpflichten.

Free Agency 2012, #3: Ein Mario für Buffalo und eine Henne für Jacksonville

[22h55] Adam Schefter verzwitscherte heute am späten Nachmittag, dass Mannings Wahl entweder auf Denver oder Tennessee fallen würde. Die Titans rüsten auf alle Fälle schon mal ihre Line auf und holten sich offenbar G Steve Hutchinson. Hutchinson ist nicht irgendwer. Der Mann galt in seiner Blütezeit zwischen 2005 und 2009 als so dominant, dass er trotz für Blocker noch nicht allzu langer Karriere als potenzieller Hall of Famer gehandelt wird. Hutchinson ist auch der Mann, der die Vikings vor Jahren als Seahawks-RFA kreativ werden ließ und mit seinem Abgang aus Seattle das Karriereende von RB Shaun Alexander und den einhergehenden schleichenden Niedergang der Seahawks einläutete.

Der Gedanke an einen Manning in Tennessee wird immer besser. Man stelle sich ein Offensiv-Triplett Manning/CJ1K/Britt vor, bei einem OffCoord Chris Palmer, der als größter Idiot nicht gilt. Der greise Titans-Owner Bud Adams (89 Jahre alt) soll Manning angeblich so sehr begehren, dass er neben Vertrag auf Lebenszeit noch eine Position im Front Office nach Karriereende nachwerfen würde und – wie manche munkeln – möglicherweise ein paar % der Titan-Aktien veräußern würde. Für den jungen QB Locker muss das eher ein Schlag in die Fresse sein.

[18h02] N’Abend. Seit heute Mitternacht MEZ hat sich einiges getan; laut unseren bekannten Quellen Pro Football Focus, NFL/Yahoo und Adam Schefter unter anderem Folgendes.

QUARTERBACKSChad Henne hat bei den Jacksonville Jaguars einen Zweijahresvertrag unterschrieben. Ich nehme an, für Backup-Kohle. So schlimm, wie QB Gabbert letztes Jahr aussah, halte ich nichts für ausgeschlossen und Henne könnte glatt zum Billigstarter für die Jaguars mutieren. IMHO ein fähiger Mann, der mit seiner Anlage für vertikales Spiel in Miamis schwachem Offensivkonzept völlig verbrannt wurde.

Auch die Buccs haben sich ihren Backup-QB geholt und es ist der QB Dan Orlovsky (ex-HOU, ex-DET).

DEFENSIVE ENDS – Die große Nachricht des Tages ist aber der Sechsjahresvertrag für DE Mario Williams bei den Buffalo Bills: 96M, 50M guaranteed. Der teuerste Vertrag für einen Abwehrspieler EVER, teurer als Peppers. Das hatte so niemand kommen sehen. A) nicht, weil größere Kaliber Buffalo normalerweise meiden wie die Pest und B) nicht, weil die Bills normalerweise jeden Cent dreimal umdrehen, ehe ein Mann mit größerem Namen überhaupt im Hinterkopf spukt. Die Front Four der Bills wird damit etwas zum Zungeschnalzen: Der hoch gelobte DT Marcell Dareus gepaart mit den beiden „Williamses“ Mario und Kyle, dem verkannten Genie. Der Deal soll in wenigen Minuten offiziell auf einer PK bekannt gegeben werden.

Free Agency 2012: Der Hauptpreis ist noch in der Trommel

Free Agency vom Tage #2

[00h18] Die Chiefs haben sich lt. Nationalfootballpost den Browns-RB Peyton Hillis für ein Jahr und 3M eingekauft. Die Combo Hillis/Charles ist schon jetzt aufregend: Ein brachialer Back aus den 1940er Jahren, und der spektakulärste, weil antrittsschnellste Back der NFL in einer Mannschaft?

[23h45] WR Laurent Robinson für 5yrs/32.5M/14M guaranteed nach Jacksonville, wo er QB Gabbert nach dessen selten schlechter Rookie-Saison helfen soll. Robinsons Kredenzien: Eine Saison mit 11 Touchdowns, also einer der Statistiken, die man nicht als repräsentativ für die Stärke eines Spiels hält.

[21h46] Bei Spox hat maschemist seine Ticker-Tätigkeit derweil wieder aufgenommen.

[21h37] OLB Jarrett Johnson, laut Benoit der Traum aller Schwiergercoaches, ist für vier Jahre von San Diego unter Vertrag genommen worden. Der einstig massiv gejazzte TE Martellius Bennett wechselt von Dallas nach New York zu den Giants. Bennett gilt als fabelhafter Blocker, aber lausiger Receiver. Die Cowboys haben dafür mit dem jungen CB Brandon Carr (5yrs, 50M) im Defensive Backfield personell nachgebessert. Ach, und dann hat der Burner mit den Butterfingern, WR DeSean Jackson, einen Fünfjahresvertrag über 51M von den Eagles kassiert: 15M guaranteed und ein paar Klauseln, die das eine oder andere Milliönchen drauflegen könnten.

G Steve Hutchinson, der Mann, der einst die Minnesota Vikings so kreativ in der Gestaltung ihrer Verträge werden ließ, könnte tatsächlich im Herbst seiner Karriere an alte Wirkungsstätte nach Seattle zurückkehren.

Dem Arbeitsmarkt zugeführt worden sind in den letzten zweieinhalb Stunden: DT Henderson/G Carlisie von den Raiders, die alles rauswerfen, was nicht gratis arbeitet, sowie der G Eric Steinbach von den Browns. Steinbach  ist so ein Phänomen, der einst als sensationeller Rookie in Cincinnati begonnen hatte, aber in den letzten Jahren nach PFF unterirdischste Leistungen bot und trotzdem, von seinem Ruf lebend, undiskutiert seine Millionengagen einstrich.

[18h45] Eine Serie an Verpflichtungen seit dem letzten Mal: QB Kyle Orton geht als Backup nach Dallas. Interessant, weil man hätte eher erwarten dürfen, dass Orton noch einmal eine Position als #1-QB suchen würde und auch ansonsten nicht den Eindruck vermittelte, ein angenehmer Zeitgenosse als Ersatzmann zu sein. In Dallas wird es an Romo kein Vorbeikommen geben.

San Diego hat T Jared Gaither für vier Jahre weiterverpflichtet. Die Analysten bei Pro Football Focus dürften Luftsprünge machen, gilt Gaither dort schließlich seit Jahren als erstklassiger Mann. Gaither soll allerdings ein Stinkstiefel sein und verletzungsanfällig, weswegen Gaither unter den Pundits völlig unbekannt geblieben ist und mehrmals nach dem Verpassen der ersten Chance gefeuert wurde.

TE Carlson steht bei Minnesota im Wort.

DE Trent Cole hat in Philadelphia verlängert: Vier Jahre, 53M und 15.5M guaranteed für den Mann, beim Gedanken an den sie sich bei Pro Football Focus einen runterholen.


Pondering Tight Ends

[17h10] Laut Bill Williamson/ESPN soll Seattles TE John Carlson in Kürze bei den Minnesota Vikings unterschreiben. Dort ist bekanntlich TE/FB Kleinsasser zurückgetreten und TE Shiancoe vor dem Abgang. Gute, fangstarke Tight Ends sind gerade bei jungen Quarterbacks häufig ein probates Mittel in der Entwicklung einer Offense; mit dem jungen Kyle Rudolph und Carlson wären somit wieder zwei brauchbare Anspielstationen für die Vikes eingekauft.


Calvin Johnson

[16h00] Wenn Schefter es vermeldet, darf man es als geritzt vermelden: Um 18h werden die Detroit Lions auf einer Pressekonferenz bekanntgeben, dass der ursprünglich in einem Jahr auslaufende Vertrag von WR Calvin Johnson um sieben Jahre bis 2019 verlängert wurde. Umfänge: 132M, 60M guaranteed. Das ist in absoluten Zahlen einer der fettesten, wenn nicht gar der fetteste, Vertrag in der NFL ever. Für Detroit dürfte es jedoch ein Gewinn auf mehreren Ebenen sein: Die Neustrukturierung wird wohl die Cap-Zahl für 2012/13 senken und das Risiko eines Abgangs Johnsons oder einer massiv verteuerten Franchise Tag für Johnson im kommenden Jahr ist eliminiert.


Das Gebahren der Buccs

[15h38] Und die nächsten großen Namen für die Tampa Bay Buccaneers: Nach WR Vincent Jackson gestern sind heute morgen (amerikanischer Zeit) der CB Eric Wright aus Detroit und vor allem G Carl Nicks aus New Orleans eingekauft worden. Vor allem das Zeichen „Nicks“ deutet daraufhin, dass Greg Schiano seine Offensive Line eher lauforientiert bauen will – ganz seiner Historie bei Rutgers. Nicks kriegt einen Fünfjahresvertrag über 47.5 und 31M guaranteed, was einer der teuersten Verträge für Offensive Guards sein dürfte. Das plötzliche offensive Auftreten der Buccs auf dem Transfermarkt ist dezent überraschend, nach all den Jahren von Passivität. Bei einem Cap Space von über 40M jedoch eine „logische“ Aktivität.

Update: Faszinierend finde ich, dass Tampa Wright, dem man zwar Potenzial, aber auch Inkonstanz nachsagt, fünf Jahre für 37.5M und 15.5M guaranteed nachwirft.


Final Four: Manning

[13h44] Die Zeichen verdichten sich, dass Peyton Manning sich zwischen einem Quartett an Bewerbern entscheiden wird. Das Quartett, lt. Fifth Down:

  • Denver Broncos. Manning soll von der sportlichen Leitung um Elway und Chefcoach John Fox begeistert sein und gutes Zureden von Kumpel Brandon Stokley (ex-Ravens, Colts, Broncos) bekommen. Stokley beschreibt Manning in einem Podcast als topfit. Manning ist für Elway der Heilsbringer und vermutlich der einzige Weg, um Tebow ohne Massenaufstände sachte aus der Mannschaft zu ekeln.
  • Arizona Cardinals. Trumpf der Cardinals, neben dem famosen WR Larry Fitzgerald und einer jungen Defense: Chefcoach Ken Whisenhunt hat sich bereits vor Jahren als pragmatisch genug gezeigt, ein Offensivsystem auf einen Spieler (Kurt Warner) zuschneiden zu können, wenn dieser ausreichend Aussicht auf Erfolg bietet. Wie einst Warner System in Arizona war, wäre auch Manning „System“. Joker-Punkte: Die Cardinals bestreiten haufenweise „indoor“-Spiele, was Manning entgegenkommen würde. Minus-Punkt: Der Pakt müsste schnell zustande kommen, da am Freitag eine Bonuszahlung für den ungeliebten QB Kevin Kolb fällig wird.
  • Miami Dolphins. Der Marshall-Trade wird dem Bemühen der Dolphins um Manning zugeschrieben. Eine Manning-Verpflichtung wäre etwas perplex, da Miami den neuen Head Coach Joe Philbin eigentlich eingekauft zu haben schien, um eine Packer-ähnliche Offense zu installieren. Mit Manning wäre so was kaum denkbar. Auf der anderen Seite verfügen die Dolphins über eine durchaus titelfähige Mannschaft, der allerdings der Quarterback-Eckpfeiler abgeht.
  • Tennessee Titans. Das dark horse, dessen Chancen exzellent stehen sollen. Mal angenommen, Geld ist nicht der Wertetreiber schlechthin für Manning in diesem Poker, sind die Titans aber ein eher „unlogischer“ Mitbieter: Eben erst den jungen Jake Locker verpflichtet und eine Defense im Umbruch. Auf der anderen Seite wäre es für Manning die Rückkehr in den Bundesstaat, in dem er ein paar Meilen weiter östlich (in Knoxville/TN) seine Studentenzeit verbrachte, und natürlich: Zwei Spiele/Saison gegen die Indianapolis Colts.

Gemeinhin geht man von einer Entscheidung heute oder morgen aus.


Free Agency, was vome Tage #1 übrig blieb

[13h04] Bevor Tag 2 der Free Agency 2012 Fahrt aufnimmt, ein Rückblick auf das, was sich in der ersten Nacht so alles abgespielt zu haben scheint. Ich werde da eher eine Art selektives „Ergebnis-Protokoll“ fahren. Quellen: Pro Football Focus, NFL/Yahoo, Adam Schefter. Auf deutsch und beinhart bis in die Morgenstunden als „Ereignis-Protokoll“ mitgetickert hat maschemist, den wir von einem Gastbeitrag bei Sideline Reporter von letztem Frühjahr kennen sollten, bei NFL@Spox:

Teil 1 – bis Mitternacht
Teil 2 – til the Kuckuck ruft

Also: Salary Cap ist für 2012/13 auf 120.6M festgesetzt worden.

QUARTERBACKS – Jason Campbell aus Oakland hat als Backup in Chicago unterschrieben. Manning scheint noch durch die Pampa zu touren und Flynn wird erst dann die Bühne betreten, wenn Manning vom Tablett ist. Neue Komponente im Manning-Poker: Die Tennessee Titans. Wäre ich jetzt von allein nicht drauf gekommen.

WIDE RECEIVERS – ein interessanter Trade der Dolphins und Bears: Brandon Marshall wechselt für zwei Drittrundendraftpicks nach Chicago, wo es zur Reunion mit Jay Cutler kommen wird. Für „big arm“ Cutler ist die Mitteldistanzwaffe Marshall zwar nicht das erhoffte deep threat, aber hinter einer Wackel-Offensive Line ohne Zeit auf tiefe Routen vielleicht gar die bessere Alternative. Von Marshall dringen aus Miami derweil eher die Horrorgeschichten aus den eigenen vier Wänden nach draußen. Ein Move, der aus Dolphin-Sicht nach Hausreinemachen aussieht.

Interessant sind auch die Relationen von zwei Verträgen von Wide Receivers: Während Colston für 5yrs, 40M (<50% guaranteed) in New Orleans verlängert, kassiert der schwächer eingesetzte Pierre Garcon in Washington einen Fünfjahresvertrag über 42.5M (50% guaranteed). Washington hat zudem Eddie Royal aus Denver und Josh Morgan aus San Francisco eingekauft. Haben nicht die Redskins letztes Jahr alles an Wide Receivers in den späteren Runden gedraftet, was bei drei nicht auf dem Baum war?

Randy Moss, von dem ich mich bereits geistig mit weinendem Herzen verabschiedet hatte, ist schon seit Montag (?) bei San Francisco untergekommen: Ein Jahr, 1.75M ohne fixes Grundgehalt. Moss wird allenthalben NFL-reife Athletik abgesprochen. Die Historie bei Wide Receivers sagt mit ganz wenigen Ausnahmen: Knickt die Leistungskurve erst einmal ein, gibt es fast kein Zurück mehr.

Der begnadete, aber charakterlich offenbar nicht einwandfreie Vince Jackson hat in Tampa für 5yrs/55M (26M guaranteed) unterschrieben. Der Ersatzmann in San Diego steht auf dem Fuß: Robert Meachem kommt für 4yrs/25.9M aus New Orleans.

Reggie Wayne bleibt für drei Jahre in Indianapolis (17.5M, 7.5M guaranteed). Harry Douglas bleibt in Atlanta.

TIGHT ENDS – Boss in Oakland rausgeworfen, Winslow jr. in Tampa vor dem Abschuss.

OFFENSIVE LINE – die Entlassung von T Eric Winston in Houston kommt IMHO überraschend, nachdem Winston meiner Erinnerung nach einen exzellenten Ruf bei Pro Football Focus und seinen Kritikern genoss. Entlassungen auch in Carolina (G Hangartner, T Wharton). In Minnesota wurde bereits vor Tagen G Hutchinson gefeuert. Mit hoher Wahrscheinlichkeit gibt es keine Vertragsverlängerung von Carl Nicks in New Orleans. Und C Chris Myers soll in Houston nicht mehr erwünscht sein.

San Diego mit der Vertragsverlängerung für C Nick Hardwick (3yrs, 13.5M, 6.5M guaranteed). LT McNeill wie erwartet gefeuert.

DEFENSIVE LINE – Vertragsverlängerungen bei Seattle (DT Red Bryant) und Washington (DT Carriker). DE/OLB Mario Williams soll in Buffalo vorstellig geworden sein, aber ohne Vertrag abreisen. Ein Triplett Williams/Williams/Dareus in Buffalo? Sounds sexy.

LINEBACKERS – abseits einer Vertragsverlängerung von LB Thomas in New York eine ruhige Nacht.

DEFENSIVE BACKS – der massivste Vertrag ist jener von CB Cortland Finnegan in St Louis (5yrs, 50M). Kotzbrocken Finnegan wiedervereint mit Jeff Fisher und Kotzbrocken-DefCoord Gregg Williams? Passt wie Arsch auf Eimer.

Der zweite große Vertrag ist jener von CB Carlos Rogers in San Francisco (4yrs, 31M). Ebenso um vier Jahre verlängert: S Lowery in Jacksonville. CB Brandon Carr wird mit hoher Wahrscheinlichkeit in Dallas vorstellig werden, obwohl die Cowboys (wie die Redskins) Sanktionen in Sachen Salary Cap aufoktroyiert bekommen haben.