Grantland: Über die erste Runde der Cleveland Browns

Leseempfehlung: Chris Brown (Smart Football) analysiert für Grantland die beiden Erstrundenpicks der Cleveland Browns im NFL-Draft 2012. Trifft ziemlich genau meine Meinung über eine kontroverse Vorgehensweise einer sportlichen Leitung, die mit eigenartigen Entscheidungen bisher nicht gegeizt hat.

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NFL Top-101 (Update)

Während das NFL Network seine besten 100 Spieler kürt, ist bei Pro Football Focus der Countdown der besten 101 NFL-Spieler mit den Nummern #101 bis #91 gestartet. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich die Liste dieser Footballseite für sehr viel bedächtiger halte denn jene „offiziellere“ von NFL.com, die auf eher suspekte Art und Weise zustande kommt.

Pro Football Focus (PFF) ist vor vier Jahren von einem Businessmann (Neil Hornsby) ins Leben gerufen worden und verfolgt ein Ziel: Jeden Spieler in jedem Spielzug separat anzuschauen und zu bewerten. Ein lobenswerter Ansatz, wenn auch nicht ganz kritikfrei: PFF hat keinen Zugang zur „All-22“-Kamera. Ohne 100%igen Sichtbeweis für z.B. die Secondary halte ich insbesondere das Scouting der Entwicklung von Passspielzügen für suspekt und frage mich einigermaßen kritisch, inwiefern sich PFF mit seiner Methode selbst belügt. Zudem lässt sich das Problem der manchmal unbekannten „Assignments“ für die Spieler nicht einwandfrei beheben.

Ein Scouting-Credo bei PFF lautet: Wenn nicht 100%ig sicher, dann wird der Spielzug neutral mit 0.0 bewertet. Das dürfte die Ergebnisse optimieren, aber nicht perfektionieren.

Trotzdem schätze ich PFF aufgrund zahlreicher interessanter Beobachtungen, die sich teilweise beim Durchspulen der Tapes verifizieren lassen. PFF sucht hinter den offiziellen NFL-Gamebooks nach den Fehlern, die eine Interception verursachten und „bestraft“ den Sünder. PFF hat den vielleicht besten mir bekannten Weg, Offensive Line zu bewerten. PFF bürstet gnadenlos gegen den Strich von ESPN-Hupe Chris Berman und Konsorten.

Die „Top-101“ sind zusammengestellt auf Basis alleinig der Saison 2011/12 und geht mit dem Grundsatz an das Projekt ran, dass alle Positionen gleich wichtig sind. Nicht der MVP („wertvollster Spieler“), sondern der beste Spieler wird gekürt.

Also. Top-101 von PFF.com dürfte die insgesamt objektivere, bessere Hitliste der NFL-Spieler sein. Acht würdige Namen, die den Cut nicht geschafft haben, sind auch bereits bekannt:

QB Tony Romo
OT Eugene Monroe
CB Patrick Peterson
RB Willis McGahee
OG Jahri Evans
DT Cullen Jenkins
RB Jonathan Stewart
DE Robert Mathis

In der ersten Liste von #101 bis #91 und vor allem in jener von #90 runter zur #81 sind auch schon die ersten Überraschungen zu finden.


Update: PFF.com ist schnell. Die Listen für #80 bis #71 und #70 bis #61 sind auch schon online.

Was vom NFL-Draft übrig blieb

Der NFL-Draft hat seinem Status als Teil der US-Popkultur alle Ehre gemacht und wieder für Top-Einschaltquoten gesorgt: 25 Millionen sollen wenigstens einen Teil der Sendung verfolgt haben. Das kombinierte Nielsen Rating von ESPN und NFLN lag bei 5.28. Die Stimmung in der Halle schien mit aber wie schon im letzten Jahr am zweiten Tag besser zu sein, was an den NFL-Pensionisten liegen mag, die die Draftpicks der einzelnen Franchises aufrufen dürfen. Wenn ein Barry Sanders unter Standing Ovations und „Barry! Barry!“-Sprechchören den neuesten Lions-Rookie verkündet, ist definitiv mehr Gänsehaut-Feeling da als wenn Goodell unter Buhrufen am Pult steht.


Markus Kuhn/N.Y. Giants

In der 7. Runde, mit dem 239ten Pick, ging der zweite Deutsche ever vom Tablett: DT Markus Kuhn, unser Freund, der mit der DVD die US-Ostküste entlag getourt war und schließlich bei NC State untergekommen war. Kuhns Destination ist eine gute: Die New York Giants mit ihrer Philosophie, möglichst viele Defensive Liner im Kader zu halten. Könnte sich für Kuhn also tatsächlich ein Platz im Kader ausgehen.


Die Ungedrafteten

Ein paar andere wurden nicht gedraftet. Der bekannteste unter ihnen ist Boise States famoser Quarterback Kellen Moore, der aber bei den – Achtung – Detroit Lions als undrafted rookie free agent im Wort stehen soll! Der zweite größere QB-Namen, Case Keenum, bleibt in Houston und unterschreibt als UDFA bei den Texans.

Paar andere bekanntere Namen sind zwei aus den „Triplets“ der Washington Huskies, WR Jermaine Kearse und RB Chris Polk, wobei Polk bereits bei den Eagles unterschrieben haben soll. Und dann wäre da noch der Knallkopf, LB Vontaze Burfict von Arizona State. Burfict soll zu den Cincinnati Bengals gehen – jener Organisation, die in den letzten Jahren immer wieder Aufmerksamkeit durch Verpflichtung von charakterlichen Zeitbomben erregte.


Die Quarterbacks

Elf Quarterbacks gingen vom Tablett, wobei der letzte auch gleichzeitig „Mr. Irrelevant“ (letzter gedrafteter Spieler) ist: Chandler Harnish aus der Mid-American Conference:

Rd Pick Quarterback         Team
1  #1   Andrew Luck         IND
1  #2   Robert Griffin III  WAS
1  #8   Ryan Tannehill      MIA
1  #22  Brandon Weeden      CLE
2  #57  Brock Osweiler      DEN
3  #75  Russell Wilson      SEA
3  #88  Nick Foles          PHI
4  #102 Kirk Cousins        WAS
6  #185 Ryan Lindley        ARI
7  #243 B.J. Coleman        GB
7  #253 Chandler Harnish    IND

Auffällig ist ja, dass mit Indianapolis und Washington gleich beide Franchises nach dem Top-Pick noch einen zweiten Quarterback einberiefen. Die Redskins gar in der vierten Runde mit Kirk Cousins einen eher hoch gehandelten Mann. Ob man Griffins Verletzungen dabei im Hinterkopf behalten hat?


Detroit Lions

Gleich dreimal Oklahoma Sooners für Detroit. Ansonsten recht konventioneller Draft der Lions, der – wer hätte das gedacht – vor allem darauf abzielte, Spieler für die Löcher im Kader zu finden. OT Reiff/Runde #1 dürfte mittelfristig einen der beiden Tackles Cherilus/Backus ersetzen, WR Broyles/#2, wenn wieder gesund, als dritter oder vierter Receiver hinter Johnson/Young aufgebaut werden.

In den späteren Runden folgte nur noch Defensive Back-Seven mit reihenweise Linebackers und Cornerbacks, wobei zwei Altbekannte von der University of Oklahoma darunter sind: Ronnell Lewis und Travis Lewis. Letzterer galt über Jahre als großartiger, pfeilschneller Mann, litt aber unter Verletzungen.


New England Patriots

„Konventionell“ ist bei Bill Belichick nie das richtige Wort. In der siebten Runde wurde der jüngst eingeknastete CB Alfonzo Dennard von Nebraska geholt. Dennard ist ein Mann, der noch im Jänner durchaus als möglicher Erstrundenpick gegolten hatte. Eine „logische“ Wahl in der letzten Runde: Risikopick mit potenziell großem ROI.


Verweise

Auf NFL.com hat Chad Reuter einen Rückblick auf den dritten Tag des Drafts gemacht – man sollte sich mit Schnellschlüssen in Sachen „Bewertung“ zurückhalten, aber Reuter fasst das Geschehen recht gut zusammen.

Mike Mayock ist verknallt in den Draft der Cincinnati Bengals.

Schließlich noch ein Fall von Die Reichen werden reicher für die AFC-Spitze.

NFL-Draft 2012 – 2. Nacht LIVE

[09h55] Das Schöne an der zweiten und dritten Runde ist der Fluss: Wenig quasseln, viel Action und eine sehr viel gelöstere Stimmung in der Draft-Halle zu New York. Runde 2 ist die Runde, in der noch der eine oder andere Eingeladene im Green Room weilt, in der man noch den einen oder anderen Spieler besser vom College kennt und daher stets aufs Neue seine Zeit wert.

Was vom Tage übrig blieb

Die Detroit Lions an #54 mit einer kleinen Überraschung: WR Ryan Broyles ist ein famoser Mann von der University of Oklahoma, dem allerdings im November gegen die Aggies das Kreuzband riss. Ein Pick der Marke „boom or bust“, ein Verletzungsrisiko, aber abseits davon gilt Broyles als vorbildhafter Charakter und dürfte, wenn fit, eine wertvolle Ergänzung zum eh schon vielseitigen WR-Corp der Lions sein. In der dritten Runde ein sehr schwartz-untypischer Pick mit dem mir unbekannten CB Dwight Bentley.

Cincinnati mit zwei Defensive Linemen (DT Devon Still, bei dem die Tränen gleich in Liter-Einheiten flossen, und DT Brandon Thompson) und einem WR Mohamed Sanu – drei Spieler, denen großes Entwicklungspotenzial bescheinigt wird, die jedoch durchaus intelligentes Coaching benötigen. Könnte aufgehen, denn so suspekt Marv Lewis’ Verhalten während des laufendes Spiels ist, so großartig soll Lewis im Umgang mit jungen Menschen sein. Und OffCoord Jay Gruden sowie DefCoord Mike Zimmer gehören jahrein, jahraus zu den umworbensten Coordinators.

Die Denver Broncos machten nach dem DT-Pick (Wolfe) zweimal auf Offense: Einmal der Risiko-Typ QB Brock Osweiler mit seinen langen Armen, einmal der wendige RB Ronnie Hillman von San Diego State. Manning hat also seinen Ziehsohn bekommen.

Ziehsöhne auch in Philadelphia (QB Nick Foles) und Seattle (QB Russell Wilson) – und beide Picks sehen recht „logisch“ aus. Foles mit seinem vertikalen Spiel dürfte erstmal am ehesten in die Eagle-Offense passen, Wilson mit seiner Beweglichkeit durchaus die Spread-Offense der Seahawks bedienen können, sollte sich Flynn nicht bewähren.

Je zweimal Defense für Green Bay und New England: DT Worthy/CB Casey Hayward für die Packers, S Wilson/DE Bequette für die Patriots. Beide Franchises haben in diesem Draft bishere ausschließlich die Abwehrseite verstärkt – und da Belichick noch nicht Urlaub machen will, gestern doch noch ein Trade nach unten. Hat nun einen Pick in der fünften Runde. Was allenfalls noch spannend ist: Belichick und Andy Reid haben ihren obligatorischen Trade noch nicht getätigt.

Zweiter Offensive Liner für Pittsburgh in OT Mike Adams/Ohio State, dem man zwielichtigen Charakter nachsagt, der jedoch rein physisch normalerweise in Runde 1 vom Tablett geht. Ausschließlich Schützengräben bisher für Kansas City: Nach DT Poe in Runde 1 wanderten heute Nacht T/G Allen und OT Stephenson zu den Chiefs, die abseits des Quarterbacks auf allen „Skill“-Positionen und in der Defensive-Back Seven stark und vor allem jung besetzt sind. Verständliches Vorgehen von GM Pioli, auch wenn die Spieler selbst eher mit Argusaugen betrachtet werden, weil riskant.

Schließlich und endlich ging mit dem Pick #61 auch der famose Running Back von Oregon, LaMichael James, vom Tablett. Destination ist San Francisco, was eher eigenartig anmutet, nachdem James eher über Finesse kommt und die 49ers als „Power“-Team gebaut sind. Man hofft, dass James hinter einer furchtbaren Offensive Line nicht verbrannt wird.

Nachtrag: Beim zweiten Überfliegen fallen noch zwei Dinge auf. Die Colts mit zwei TE-Picks als kurze Anspielstationen für Luck (nach Fleener kam noch Allen/Clemson zu Beginn der dritten Runde) und ein sehr bizarrer Pick der Jacksonville Jaguars, die die Pundits-Logiken über Bord warfen und in der dritten Runde einen Punter drafteten: Bryan Anger von Cal.


[02h41] Mit dem Pick der Lions vom Rekordmann der Oklahoma Sooners, WR Ryan Broyles, verabschiede ich mich für heute. Schlussbemerkungen werden hier drinnen morgen folgen.

[02h34] Pick #53 für Cincinnati: DT Devon Still von der Penn State University. Dürfte der letzte oder vorletzte Mann aus dem „Green Room“ sein. Still wirkt erlöst, kann endlich gehen, drückt Babys und Freundin/Schwestern und es fließen stillschweigende Tränen. Still schluckt einmal ganz tief und stapft dann bedächtig auf die Bühne, drückt die Kappe ganz tief ins Gesicht.

[02h28] Der Mann mit der Fliege, der ehemals brachialste RB Eddie George, verkündet den #52-Pick der Titans: LB Zach Brown, lt. Mayock „allergic to contact“ (sic!!). Das ist so wie wenn ein Zimmermann keine körperliche Arbeit verträgt. Eddie George muss es bei dem Gedanken schütteln.

[02h25] Für die Packers an #51: DT Jerel Worthy, der den übel abgeschmierten Anker der Defense – die Line – verstärken muss. Leichter Gegenwind damit auch für DT Raji, dem ein unterirdisches Jahr 2011/12 nachgesagt wurde.

Top-50 von 2012

[02h23] Als Update die bisherigen Draftpicks des heurigen NFL-Drafts.

#1  QB Andrew Luck         Indianapolis
#2  QB RG3                 Washington
#3  RB Trent Richardson    Cleveland
#4  OT Matt Kalil          Minnesota
#5  WR Justin Blackmon     Jacksonville
#6  CB Morris Claiborne    Dallas
#7  S  Mark Barron         Tampa Bay
#8  QB Ryan Tannehill      Miami
#9  LB Luke Kuechly        Carolina
#10 CB Stephon Gilmore     Buffalo
#11 DT Dontari Poe         Kansas City
#12 DT Fletcher Cox        Philadelphia
#13 WR Michael Floyd       Arizona
#14 DT Michael Brockers    St Louis
#15 DE Bruce Irvin         Seattle
#16 DL Quinton Coples      N.Y. Jets
#17 CB Dre Kirkpatrick     Cincinnati
#18 DE Melvin Ingram       San Diego
#19 DE Shea McClellin      Chicago
#20 WR Kendall Wright      Tennessee
#21 DE Chandler Jones      New England
#22 QB Brandon Weeden      Cleveland
#23 OT Riley Reiff         Detroit
#24 OG David DeCastro      Pittsburgh
#25 LB Dont’a Hightower    New England
#26 DE Whitney Mercilus    Houston
#27 OG Kevin Zeitler       Cincinnati
#28 LB Nick Perry          Green Bay
#29 S  Harrison Smith      Minnesota
#30 WR A.J. Jenkins        San Francisco
#31 RB Doug Martin         Tampa Bay
#32 RB David Wilson        N.Y. Giants
#33 WR Brian Quick         St Louis
#34 TE Coby Fleener        Indianapolis
#35 DE Courtney Upshaw     Baltimore
#36 DT Derek Wolfe         Denver
#37 OT Mitchell Schwartz   Cleveland
#38 DE Andre Branch        Jacksonville
#39 CB Janoris Jenkins     St Louis
#40 G  Amini Silatolu      Carolina
#41 G  Cordy Glenn         Buffalo
#42 OT Jonathan Martin     Miami
#43 WR Stephen Hill        N.Y. Jets
#44 OT Jeff Allen          Kansas City
#45 WR Alshon Jeffery      Chicago
#46 LB Mychal Kendricks    Philadelphia
#47 LB Bobby Wagner        Seattle
#48 S  Tavon Jones         New England
#49 DL Kendall Reyes       San Diego
#50 RB Isaiah Peed         St Louis

[02h19] RB Isaiah Peed als Entlastung für den Rams-RB Steven Jackson an #50. Weil Mayock offenbar kurz ausgetreten ist, analysiert Davis den Pick… Mayock ist wieder da und fällt Davis sofort ins Wort. Allgemeines Rätselraten, warum die Rams nicht einen weiteren Wide Receiver einberufen haben. Als nächstes an der Reihe: Green Bay, das einen auf Belichick macht und sich nach oben getradet hat.

[02h15] An #49 für San Diego: DL Kendall Reyes. Wieder Front-7 für San Diego. Und laut Mayocks Tape sogar mal für einen Snap Sieger im direkten Duell gegen einen Offensive Liner von Wisconsin (!).

[02h10] Nächster Hero aus meiner Anfangszeit im Football: WR Troy Brown verkündet den achtundvierzigsten Draftpick für die New England Patriots: S Tavon Wilson/Illinois. Dritter Pick, dritter „logischer“ Pick. Oder ist „logisch“ bei Belichick doch „unlogisch“?

[02h07] #47 für Seattle: LB Bobby Wagner. Passt wie Arsch auf Carroll: „Langweiliger“ Pick, großgewachsener Spieler, enorm explosiv, variabel einsetzbar.

[02h03] Brian Westbrook, der Running Back, der Goodell locker nochmal um einen Kopf „unterragt“, verkündet unter Buhrufen (surprise, surprise!) den Eagle-Pick an #46: LB Mychal „nicht Michael“ Kendricks von Cal. Nach DT Cox nun ein Linebacker für die Eagles, die ihre größten Löcher sukzessive stopfen zu wollen scheinen.

[02h00] Pick #45 nach Trade mit den Rams: WR Alshon Jeffery von South Carolina für die Chicago Bears. Jeffery war 2010/11 ein fantastischer Wide Receiver. Und mit „fantastisch“ meine ich: Der beste von allen. Du gingst an den TV-Schirm und wolltest nicht AJ Green sehen. Du wolltest Jeffery. Im abgelaufenen Herbst 2011/12 hatten die Gamecocks allerdings Probleme mit Verletzungen, Jeffery verlor die Lust, gewann nur Gewicht und gilt mittlerweile als größeres Fragezeichen. Rein vom Athlet aber großes Potenzial, würde ich sagen.

[01h55] OT Jeff Allen/Illinois für Kansas City.

[01h50] Die Halle wird endlich stimmungsvoll: WR Stephen Hill ist mit seinen 1,95m der neue Counterpart zu Santonio Holmes und passt mit seinem Showgehabe auch wunderbar zum Komödiantenstadel Jets. Hill ist ein „Workout-Wunder“, hatte aber eine völlig unorthodoxe Option-Offense am College und gilt als ungeschliffen.

Die Tafelrunde diskutiert noch ein interessantes Detail: Hill ist aufgrund der lauflastigen Offense bei Georgia Tech gewohnt, für den Lauf zu blocken, und er könnte Teile der Wildcat-Offense gewohnt sein, Elemente derer die Jets mit Tebow aufnehmen könnten.

[01h44] Miami an #42: OT Jonathan Martin/Stanford, der neue Right Tackle. Gilt als wenig kraftvoll, dafür brutal flink bei Fuß – was überraschend ist angesichts der als „physisch“ verschrieenen Spielweise der Stanford Cardinal. Als nächstes sind die Jets dran, nach Trade von #47 auf #43 mit Seattle (Zusatzkompensation: #154, #232). Alles wartet auf einen Wide Receiver für die Jets.

[01h42] Buffalo an #41: OT/G Cordy Glenn. Mayock sieht den hüftsteifen Mann immer noch als Tackle (für die rechte Seite), der Einblender beim NFL Network wies bereits „Guard“ aus. Wurde im Spiel der Georgia Bulldogs gegen Boise schwer von Shea McClellin verbrannt.

[01h37] G Amini Sella Silate Silatolu ist der Pick der Carolina Panthers an #40. Kein Abwehrspieler, kein Wide Receiver. Ein Guard.

Interessant war der Mann, der den Pick präsentieren durfte: DE Mike Rucker, ein Mitglied der besten Defensive Line in den letzten zehn Jahren NFL bei den Panthers 2002-2004. Rucker/Christopher Jenkins/Brentson Buckner/Peppers war eine Defensive Line, an die heutzutage nicht ansatzweise ein Pendant heranreicht.

[01h33] Pick #39 für die Rams: CB Janoris Jenkins, der mit einem halbwegs konventionellen Charakter in den Top-10 gedraftet worden wäre. Allenfalls überraschend ist an diesem Pick, dass sich Jeff Fisher erneut einen so schwierigen Typ holt, nachdem die Geschichte einst mit Pac-man Jones in Tennessee fürchterlich in die Hosen ging.

[01h30] Fred Taylor ist wieder da! Taylor verkündet den Jaguars-Pick an #38: Andre Branch/Clemson, der stark über Speed und weniger über Kraft operiert. Branchs Draftparty explodiert, während Branch mit Handy im Ohr eher ungläubig dreinschaut. Eine halbe Minute später liegen sich alle in den Armen und sowohl Mutter (?) denn auch Sohn heulen Rotz und Wasser.

[01h27] Kleine Überraschung auch an #37 bei den Browns, was Position und Spieler angeht: OT Mitchell Schwartz von Cal, der angesicht des sehr guten LT Thomas mit Sicherheit als rechter Tackle in Cleveland spielen wird. Man hatte eher einen Wide Receiver vermutet.

[01h20] Kleine Überraschung an #36 bei den Broncos, was den Spieler angeht: DT Derek Wolfe. Soll recht gut in das Spielsystem von John Fox/Del Rio passen.

[01h16] Der „logische“ Pick für die Ravens: DE/OLB Courtney Upshaw von Alabama. Damit ist das goldene Quintett der Crimson Tide vom Board: Richardson/Barron/Kirkpatrick/Hightower/Upshaw. DL Josh Chapman wartet noch, gilt allerdings nicht als First Class.

[01h10] Reunion QB Luck mit seinem Stanford-TE Coby Fleener. Fleener an #34 nach Indianapolis. Fleener saß gestern stundenlang im Green Room und bekam ein immer längeres Gesicht, nachdem Houston keinen Tight End nahm. Die Enttäuschung dürfte sich gelegt haben.

[01h06] Das einstige geniale Rams-WR-Duo Holt/Bruce verkündet den Pick #33 der Rams: WR Brian Quick von Appalachian State – as expected. Laut Mayock ein famoses Talent, das während der Scouting-Phase etwas unter der plötzlichen Aufmerksamkeit litt. Quick soll ein kompromissloser Ballfänger im Zweikampf mit Cornerbacks sein.

[01h02] Roger Goodell eröffnet die zweite Runde. Jedes Team hat sieben Minuten Bedenkzeit pro Pick – eine Zeit, die gestern Nacht vielleicht eines oder zwei Teams gebraucht hätten.


[00h51] Wie melog in den Kommentaren richtig anmerkt: NFL.com überträgt heute live und gratis.

[00h41] Die Radio City Music Hall füllt sich so langsam und die Tafelrunde beim NFL Network rotiert kräftig durch. Eben eine Liveschalte mit David Shaw (Stanford-Coach) in das Lucas Oil Stadium zu Andrew Luck. Habe ich jemals schon erwähnt, dass ich ein sehr großer Bewunderer von Andrew Luck bin?

[00h16] Noch ein paar Dinge zum Reingrooven: Gemeinhin wird erwartet, dass die St Louis Rams mit ihren drei Picks in den ersten 13 Versuchen in der zweiten Runde mindestens einen Wide Receiver einberufen werden – als heißer Kandidat kursiert lt. NFLNs Reporter Randy Moss (nicht der Randy Moss) Brian Quick von Appalachian State – der Stephen Hill für Arme. Spannend werden die #34 und #35 mit Indianapolis und Baltimore. Indys neuer Chefcoach Pagano ist mit den Ravens bestens vertraut – es könnte um DE Upshaw gehen.

Die Picks in der zweiten Runde werden übrigens wieder teilweise von ehemaligen NFL-Größen verkündet. Ich konnte aus dem Augenwinkel Strahans Zahnlücke und Barry Sanders erspähen.

[00h02] Mike Mayock erwartet zu Beginn der zweiten Runde einen Run auf die Wide Receiver und dass TE Fleener relativ schnell vom Board geht. Die Tafelrunde in der Radio City Music Hall bringt die wenigen gegangenen Offensive Tackles von gestern zur Sprache. Der OT/G Cordy Glenn war von seiner Nicht-Einberufung gestern so enttäuscht, dass er heute nicht mehr im Green Room sein wird.

Die NFLN-Crew heute wieder mit ihren lila Krawatten, wobei sehr angenehm auffällt, dass Marshall Faulk heute in der Runde zu fehlen scheint. Faulk tendiert dazu, antiquierte Ansichten von Football und Plattitüden nonstop zu produzieren. Zudem scheint Mariucci heute durch ex-Graubart Brian Billick ersetzt zu werden. Die Runde wird komplettiert durch Moderator Eisen, Mayock und soweit ich das erkennen konnte Charlie Davis.

[23h46] N’Abend. Durchmachen werde ich nicht, aber wenigstens einen Teil der zweiten Runde des NFL-Drafts wird es auch heute wieder im Liveblog geben.

Nach der ersten Runde ist vor der zweiten Runde

Mit einem Arbeitstag Abstand fühlt sich die erste Runde des Drafts 2012 immer außergewöhnlicher an. Ich kann mich an keine erste Runde erinnern, die so atemberaubend „flüssig“ über die Bühne ging. Kein Team, das mehr als zwei Gedanken bei seinem Pick verschwendete: Spieler ziehen oder Trade, und zwischendurch war Roger Goodell am Pult mit drei Picks in Verzug. Ein „Kollateralschaden“ der vielen Trades für die Zukunft könnte das Aussterben der liebsten Spielerei von NFL-Fans sein: Mock-Drafts.

Verbrownt

Ich kann es immer noch nicht fassen, was die Cleveland Browns veranstaltet haben. Beide Picks missfallen. Ich bin kein Fan davon, einen Running Back so hoch zu draften und ich bin insbesondere dann kein Fan davon, wenn man dafür solche Preise zahlt: Vier Draftpicks, um einen einzigen Spot nach oben zu gelangen! Selbst bei den drei Handvoll Picks der Browns Wahnsinn.

Noch bizarrer ist die hohe Einberufung von QB Brandon Weeden und seinen 28 Lenzen. „Erfahrung“ ist ein eher schwammiger Begriff, nachdem Weeden sich jahrelang als Baseball-Halbprofi verdingt hatte und bei Oklahoma State/Big 12 in einer wilden Spread-Offense auftrat. Weeden muss von Minute 1 an das NFL-System verstehen, kann sich keine drei Jahre Entwicklung erlauben, sofern er sich nicht der Lebenskurve aller anderen Athleten der Sportgeschichte entziehen kann.

So oder so ist es erstaunlich, wie schnell Cleveland den jungen QB Colt McCoy aufgegeben hat, nachdem McCoy als Jungspund ohne WR-Optionen zwar ein schwaches zweites Jahr absolvierte, jedoch sich seine Zahlen als Rookie durchaus sehen lassen konnten.

Mayock-Watch

Wenn wir die Reihenfolge der einberufenen Spieler mit dem „Positional Ranking“ vom NFLN-Experten Mike Mayock vergleichen, so fällt auf: Bis auf die notorisch schwer zu prognostizierende Front-7 in der Defense und den aus dem Rahmen fallenden WR-Pick der 49ers ist Mayocks Reihung bisher in allen Positionen identisch mit der Reihenfolge der einberufenen Spieler im Draft.

Vor der zweiten Runde

Um Mitternacht startet die zweite Runde des NFL-Drafts. Den mitunter größten Spielraum haben die St Louis Rams um Head Coach Jeff Fisher, die nach dem RG3-Trade gestern noch zwei weitere Male nach „unten“ gegangen sind und mittlerweile bis 2014 über Draftpicks für zwei Franchises verfügen dürften. Status aktuell, haben die Rams heute drei der ersten 13 Wahlen (#33, #39, #45) und werden mit dem zweiten Pick der dritten Runde (#65) ein viertes Mal draften können. Einigermaßen reichhaltig ist auch das Programm der Denver Broncos nach der gestrigen Inaktivität: #36, #57 und #87, um Löcher in beiden Lines und Secondary zu beackern.

Weniger Spielraum werden für einmal die New England Patriots besitzen, die nach den beiden Trades von gestern mit nur mehr zwei verbliebenen Picks für das komplette Wochenende verbleiben (#48, #62), sofern Belichick nicht wieder in alte Verhaltensmuster zurückfällt und die Wahlmöglichkeiten in die späteren Runden verlagert. Nach der unbelichickionellen Variante, Pass Rush zu draften, riecht es leicht nach einem Wide Receiver und der Secondary.

An #89 werden die New Orleans Saints in den NFL-Draft einsteigen. Und dank des Kompensationspick #95 werden die Oakland Raiders dann als letztes Team in der heutigen Nacht draften und müssen wegen dieses einen Picks extra ausharren.

NFL-Draft 2012 – 1. Runde LIVE

[05h15] Ende einer sehr schnell durchgelaufenen ersten Runde NFL-Draft 2012 (knapp 3h). Eine erste Runde ohne viel Drama und Dominoeffekte abseits der allgemein erwarteten vielen Trades zu Beginn und am Ende. Keine Spieler, die stundenlang senkrecht durch die Boards fielen. Nur 1-2 wirkliche Sensationen. Interessante Nuancierung: Schnelles Agieren in den War Rooms. Kaum ein Team nutzte bei so vielen Trades seine 10min Bedenkzeit aus.

Darüber hinaus kam über den NFLN-Stream im GamePass nur wenig Stimmung rüber, nachdem sogar die Buhrufe der New Yorker für die Patriots-Picks enttäuschend zurückhaltend waren.

Die interessantesten Moves

  • Acht Trades. Die ersten waren erwartet. Am Ende kaufte sich der NFL-Bodensatz zurück in die erste Runde ein (MIN/TB).
  • Haufenweise Underclassmen zu Beginn des Drafts.
  • Die Trades nach oben der Patriots für DE Jones/LB Hightower.
  • Das Verhalten der Browns: 4/13 Draftpicks aufgegeben für einen Spot und einen Running Back und später einen 28jährigen QB einberufen. Sideline Reporter-Leser und Browns-Fan alexander wird kotzen.
  • Pass Rusher/Abwehrspieler für Bears und Texans.
  • Die NFC East mit drei Trades nach oben: WAS für Griffin, DAL für Claiborne, PHI für Cox. Nur die Giants blieben erneut cool.
  • Das lange Warten der Defensive Ends, die erst ab #15 ins Spiel kamen. Der Run auf die Tackles blieb aus.
  • 15x Offense zu 17x Defense: 4 QB, 3 RB, 4 WR, 2 OT, 2 OG, 7 DE/OLB, 3 DT, 2 MLB, 3 CB, 2 S. Keine Tight Ends.

Überblick – die erste Runde

#1  QB Andrew Luck       Indianapolis
#2  QB RG3               Washington
#3  RB Trent Richardson  Cleveland
#4  OT Matt Kalil        USC
#5  WR Justin Blackmon   Jacksonville
#6  CB Morris Claiborne  Dallas
#7  S  Mark Barron       Tampa Bay
#8  QB Ryan Tannehill    Miami
#9  LB Luke Kuechly      Carolina
#10 CB Stephon Gilmore   Buffalo
#11 DT Dontari Poe       Kansas City
#12 DT Fletcher Cox      Philadelphia
#13 WR Michael Floyd     Arizona
#14 DT Michael Brockers  St Louis
#15 DE Bruce Irvin       Seattle
#16 DL Quinton Coples    N.Y. Jets
#17 CB Dre Kirkpatrick   Cincinnati
#18 DE Melvin Ingram     San Diego
#19 DE Shea McClellin    Chicago
#20 WR Kendall Wright    Tennessee
#21 DE Chandler Jones    New England
#22 QB Brandon Weeden    Cleveland
#23 OT Riley Reiff       Detroit
#24 OG David DeCastro    Pittsburgh
#25 LB Dont’a Hightower  New England
#26 DE Whitney Mercilus  Houston
#27 OG Kevin Zeitler     Cincinnati
#28 LB Nick Perry        Green Bay
#29 S  Harrison Smith    Minnesota
#30 WR A.J. Jenkins      San Francisco
#31 RB Doug Martin       Tampa Bay
#32 RB David Wilson      N.Y. Giants

[05h05] Letzter Pick der heutigen Nacht: RB David Wilson an #32 zu den Giants. Die Kamera schwingt in die Ränge, da stehen zwei Mittzwanziger im Giants-Shirt, gucken sich an, wissen nicht recht wie reagieren, ehe mit high-five der Pick doch abgenickt wird.

[04h56] Wenig Überraschendes dagegen an #31 nach dem Trade: Tampa Bay mit RB Doug Martin von Boise State. Das kalte Messer in den Rücken für LeGarrette Blount, der drei Jahre nach der rechten Gerade zu Boise einen Bronco zum Teamkollegen und Konkurrenten bekommt. In Doug Martin sieht der NFLN-Tisch einen neuen Ray Rice – darauf wäre ich in drei Jahren Boise-Watching allerdings nie gekommen. Gilt als kompletter Back, brachial, kräftig gebaut, niedriger Körperschwerpunkt.

[04h50] San Francisco an #30: WR A.J. Jenkins. Habe ich jetzt nie gehört und im kompletten Vorfeld des Drafts überlesen. Einer von den 15 nächstbesten nach dem goldenen Trio Blackmon/Floyd/Wright. Und ein Pick der Marke: Gib Smith jede erdenkliche Hilfe, damit wir halbwegs akzeptable QB-Zahlen kriegen.

[04h45] Kein Upshaw, dafür S Harrison Smith für die Vikings an #29. Nach Mayock ein idealer Typus Spieler für die Vikings-Defense. NEED.

[04h40] Während die Vikings (#35/#98 für den Ravens-Pick #29 und damit wahrscheinlich Courtney Upshaw) sich in die erste Runde hochtauschen, draften die Green Bay Packers an #28 den OLB Nick Perry/USC, der ganz tief durchschluckt und dann mit Tränen in den Augen den angenehmen Marsch auf die Bühne angehen kann. Green Bay ist für Footballer immer ein gutes Los in diesen Jahren. Die Packers damit mit dem Trojan-Du0 Matthews/Perry auf den OLBs.

[04h35] Pick #27: G Kevin Zeitler/Wisconsin (Wisconsin!). Mayock: Wisconsin offensive linemen are always extremely well-coached. Ach ja: Wisconsins Offensive Liner geht zu den Cincinnati Bengals. Zwei erwartete Picks der Bengals: CB und G. Und ein zusätzlicher Draftpick dank Trade. Neue Zeiten in Cincinnati.

[04h28] Pick #26: DE/LB Whitney Mercilus für die Houston Texans und der NFLN-Tisch ist überrascht. Mayock fragt sich: one-year wonder?, während die private Draft-Party bei Mercilus im Wohnzimmer explodiert. Unerwarteter Pick, weil man davon ausgehen hatte können, dass Houston WR oder TE draften würde.

[04h23] Jackpot für Alabamas LB Dont’a Hightower, der an #25 zu den New England Patriots geht. Hightower, ich hab’s oft geschrieben, war der auffälligste Abwehrspieler im College Football in den letzten Jahren: Brutal schnell, explosiv und ein aggressiver Tackler. Soll allerdings zu viel Instinktfootballer für die NFL sein – aber von Saban zu Belichick zu gehen, kann einem solchen Athleten nicht schaden. New England hat nur mehr zwei Draftpicks morgen und am Samstag frei.

[04h20] Zweimal Offensive Line. Der Madden-Boy Calvin Johnson darf den Lions-Pick (#23) verkünden. Es ist OT Reilly Reiff/Iowa. Ich bin etwas überrascht, da Schwartz‘ bisherige Historie nicht im Entfernten einen Blocker hatte erwarten lassen. Vermutlich ein Pick mit Blick in die Zukunft: LT Backus ist 35, RT Cherilus hat auslaufenden Vertrag.

An #24 geht der Mann mit dem aggressiven Gesicht, G David DeCastro, nach Pittsburgh (#24).

[04h17] New England hat erneut nach oben getradet: An #25 mit den Broncos.

[04h13] D’oh! D’oh! D’oh! D’oh! D’oh! D’oh! D’oh! D’oh! D’oh! D’oh! D’oh! D’oh! D’oh! D’oh! D’oh! D’oh! D’oh! D’oh! D’oh! D’oh! D’oh! D’oh! D’oh! D’oh! D’oh! D’oh! D’oh! D’oh!

Die Cleveland Browns an #22 unter Einmarsch der Army mit QB Brandon Weeden! Größte Sensation des Drafts bisher und ein Schlag in die Fresse von Colt McCoy. Ganz ehrlich: Damit hatte niemand gerechnet.

[04h10] Mike Mayock bekommt seinen Wunsch erfüllt und sieht die Patriots an #21 Syracuses DE Chandler Jones draften. Der Mann mit den Krakenarmen und von der Statur viel besser in eine 4-3 Defense zu passen – aber Belichick hat mit Sicherheit bereits eigene Vorstellungen. (Derweil sind bereits die Steelers dran)

[04h08] Während bereits die Lions (#23) dran sind, verkündet Goodell den etwas überraschenden Draftpick der Titans/#20: Kraftpaket WR Kendall Wright, den Slot-WR mit angeflanschter Speed-Option. Und dazu ein mobiler QB in Locker, ähnlich Griffin in Baylor.

Die zweiten zehn dauerten ein paar Minuten länger (68min) und wären da:

#11 DE Dontari Poe       Kansas City
#12 DT Fletcher Cox      Philadelphia
#13 WR Michael Floyd     Arizona
#14 DT Michael Brockers  St Louis
#15 DE Bruce Irvin       Seattle
#16 DL Quinton Coples    N.Y. Jets
#17 CB Dre Kirkpatrick   Cincinnati
#18 DE Melvin Ingram     San Diego
#19 DE Shea McClellin    Chicago
#20 WR Kendall Wright    Tennessee

[04h01] Cincinnati (#21) hat mit New England (#27) getradet für einen zusätzlichen Drittrundenpick (#93), Sekunden nach dem noch unbekannten Titans-Pick. Man merke sich: NEW ENGLAND hat nach oben getradet.

[04h00] Hui. DE/OLB Shea McClellin geht an der #19 an die Chicago Bears. Keine Offense für die Bears! McClellin galt als bessere Option für eine 3-4 Defense (Bears spielen 4-3), soll aber ein kompletter Spieler sein. Etwas befremdliche Wahl: McClellin von den schreienden Boise State Broncos zu den konservativen Bears. Dürfte Boises höchster Draftpick ever sein.

[03h53] DE/OLB Melvin Ingram, überraschend weit an #18 runtergefallen, wird von den San Diego Chargers aufgenommen. Kein Offensive Tackle für San Diego. Ingram soll Freeney-ähnlich spielen, womit wir den geforderten „Playmaker“ für die normalerweise sterile Chargers-Defense bekommen hätten.

[03h46] Dritter Crimson-Tide an #17 für die Cincinnati Bengals: CB Dre Kirkpatrick. Die beiden besten Bama-Verteidiger am College, Hightower und Upshaw, sind noch erhältlich. Die Bengals werden indes in wenigen Minuten erneut draften und Mayock geht davon aus, dass es ein Guard (DeCastro) sein wird.

[03h42] Zur Hälfte der ersten Runde ist Mayocks Tipp-Bilanz besser bei den Trades denn bei den Spielern. Die Gehaltsbegrenzung für Rookies könnte bei so vielen Trades für künftige Mock-Drafts überhaupt bedeuten, dass sie noch sinnloser werden (falls datt möglich ist).

[03h41] Kleine Überraschung von den New York Jets, die den als besonderes Risiko geltenden DL Quinton Coples nehmen. Selbst jetzt ist die Halle eher ruhig. Coples ist erst der zweite Pass Rusher, die zum Großteil noch auf dem Tablett sind.

[03h30] Da ist die Sensation: DE Bruce Irvin/West Virginia ist Seattles Wahl an #15! Ein reiner Pass Rusher mit seinen 111kg, der eher ein Partylöwe sein soll. Irvin war bei den meisten Teams für die zweite oder dritte Runde gelistet.

[03h27] DT Michael Brockers mit seinem Flaum am Kinn ist die Wahl der St Louis Rams an #14. Brockers schaut glücklich aus.

[03h18] Er bekommt ihn: WR Michael Floyd von Notre Dame für die Arizona Cardinals an #13. Womit QB Kolb die Entschuldigungen damit ausgehen. Floyd soll zudem enorm physisch sein und gerne blocken. Und für ein allzu akives Nachtleben ist Phoenix dann auch nicht bekannt…

[03h13] DT Fletcher Cox für die wuchtige Defensive Line („Wide 9“) der Eagles: Babin/Cole/Jenkins/Cox. Die nächsten sind die Arizona Cardinals. Mal schauen, ob Larry Fitzgerald seinen Wunsch erfüllt bekommt.

[03h05] Der für Risiko-Picks gefürchtete Scott Pioli schnappt sich an #11 für Kansas City den durchaus nicht von allen angepriesenen DT Dontari Poe für die seit Jahren vakante Position des Nose Tackles. Im Hintergrund bereiten die Eagles einen Trade vor, wohl um an den DT Cox heranzukommen: #15 plus vierte (#114) und sechste (#172) Runde für Seattle gegen den Pick #12 der Seattle Seahawks. New England, von denen man heute Abend noch einen Trade nach oben (sic!) erwartet hatte, bleiben bisher inaktiv.

[03h01] Überhaupt scheint die Stimmung in der Radio City Music Hall bisher eher mau zu sein. Die Jets dürften dann in ca. einer halben Stunde dran sein…

[03h00] Pick #10 für Buffalo: CB Stephon Gilmore. In Gilmores „Green Room“ sieht es eher nach Beerdigung denn nach Feierlichkeiten aus. Gequältes Lächeln beim Halten des Trikots. Für die Bills ist es derweil kein unlogischer Pick in einer Division, in der Brady noch ein paar Jahre spielen wird. Die Top-10 sehen demnach wie folgt aus:

#1 QB Andrew Luck       Indianapolis
#2 QB RG3               Washington
#3 RB Trent Richardson  Cleveland
#4 OT Matt Kalil        USC
#5 WR Justin Blackmon   Jacksonville
#6 CB Morris Claiborne  Dallas
#7 S  Mark Barron       Tampa Bay
#8 QB Ryan Tannehill    Miami
#9 LB Luke Kuechly      Carolina
10 CB Stephon Gilmore   Buffalo

Flotte erste zehn Picks: 59 Minuten.

[02h55] Nada. LB Luke Kuechly ist die Wahl. Das bringt uns zum Schluss, dass das NFL Network doch etwas schneller als andere erfährt, wer die Wahl sein wird, nachdem Mayock just vor Verkündigung des Picks noch schnell von dessen „fixer“ Einberufung auf Kuechly geswitcht war.

[02h51] Pick #8 ist QB Ryan Tannehill von Texas A&M. Keine allzu große Überraschung, nachdem Dolphins-OffCoord Mike Sherman Tannehills ehemaliger Head Coach in College Station war. Man geht bei Tannehill nicht davon aus, dass er von Beginn an spielen wird. Scheint ein Pick zu sein, der „von oben“ herab kommandiert wurde, nachdem Owner Stephen Ross seit Jahren eine Identifikationsfigur für die Franchise sucht. Dahinter gilt als hausgemacht, dass Carolina DT Fletcher Cox an #9 draften wird.

[02h44] „RG1“ (O-Ton Eisen) verkündet den Bucs-Pick an #7: S Mark Barron von Alabama. Die Halle erstummt. Nach Mayock ein großartiger Pick. O-Ton Mayock: His upside is Pro Bowl safety. His downside: Pro Bowl safety. Könnte das Aussterben der Pro Bowl dazwischen kommen.

[02h38] Dallas draftet den LSU-CB Morris Claiborne, nach Mayock ein größer „Interceptor“. Das ist eine eher zweifelhafte Eigenschaft, nachdem wir wissen, wie zufällig sich Interceptions in der Defense verhalten. Nominell aber könnten die Cowboys mit CB Brandon Carr und Claiborne nun ein annehmbares Defensive Backfield haben.

[02h32] Jacksonville kauft WR Justin Blackmon von der Oklahoma State University. Der physische Blackmon für QB Gabbert nach dessen fürchterlichem Rookie-Jahr. Im selbem Moment wird bekannt, dass die Dallas Cowboys sich an #6 hochgekauft haben und dafür ihren Pick #14 und jenen in der zweiten Runde aufgeben.

[02h27] Der vierte Draftpick für Minnesota ist OT Matt Kalil von der University of Southern California. Mayock prognostiziert die nächsten beiden Draftpicks: Blackmon nach Jacksonville, Claiborne nach St Louis.

[02h20] Die Jacksonville Jaguars scheinen panisch geworden zu sein und haben sich von #7 an #5 nach vorne getradet! Spricht dafür, dass die Jaguars den WR Blackmon haben wollen und die Vikings sich zwischen CB Claiborne und OT Kalil entschieden haben. Die prognostizierten vielen Trades sind under way. Und der NFLN-Tisch schreibt es – wohl nicht zu Unrecht – den gedeckelten Rookie-Gehältern zu.

[02h18] Der Liveblog im „41 Sport“-Blog ist hier zu finden.

[02h16] Robert Griffin III könnte ein Volksheld oder zumindest eine Kultfigur in Washington werden, bevor er zum ersten Mal spielt. Da laufen Redskins-Fans in Griffin-Trikots mit #10 rum oder Fans, die RG3 mit Obama vergleichen. Wie bereits mehrfach geschrieben: Diese Rollout-lastigen Offenses Shanahans dürften für Griffins schnellen Einstieg in die Liga hilfreich sein. Derweil haben die Browns bereits ihren Pick getätigt und niemand zweifelt daran, dass die Wahl auf RB Trent Richardson fallen wird. Ein double threat für die leblose Browns-Offense. Die große Frage wird in den nächsten Minuten sein, was die Vikings machen. Alles geht von einem weiteren Trade aus, doch gerüchteweise will Minnesota gleichzeitig nicht unter #5 (Tampa Bay) fallen.

[02h08] QB Andrew Luck stapft bedächtig – und rasiert! – auf die Bühne und stellt unter RG3! RG!3-Sprechchören auch bereits das Colts-Trikot mit der #12 vor. Was wir noch nicht mit Sicherheit wissen: Welches System wird man Luck in Indianapolis zimmern? OffCoord Arians war in Pittsburgh zuletzt für seine passlastigen Offenses bekannt. Indianapolis‘ Offensive Line schaut aktuell keinen Deut sicherer aus als jene in Pittsburgh und Luck ist kaum weniger mobil denn Roethlisberger… trotzdem zwei unterschiedliche QB-Typen.

[02h05] Eisen: Die NFL will diesmal sichergehen, dass tatsächlich niemand vor Commissioner Goodell erfährt, wer der nächste Pick sein wird.

[01h59] Die ersten drei Picks sind damit mehr oder weniger bereits fix:

#1 QB Andrew Luck       Indianapolis
#2 QB RG3               Washington
#3 RB Trent Richardson  Cleveland

Minnesota mit seinem GM Spielman hat schon drei Extra-Picks ohne Verlust eingefahren und sind an #4 immer noch in Position, weitere Draftpicks mit Trades einzufahren. Mayock und seine Konsorten am NFLN-Tisch gehen von weiteren Trades aus. Die Browns haben von ihren ca. dreihundertfuffzich Picks (waren 12 oder 13) auch „nur“ drei verloren, aber für einen Running Back?

[01h51] Moang. Die Minnesota Vikings sind die ersten Punktsieger vor Draft-Start, haben mit den Browns einen Trade eingefädelt: Pick #3 gegen Pick #4 und Picks in den Runden 4, 5 und 7 (#118, #139, #211) getauscht und nur eine einzige Position runtergerutscht. Fraziers

Im Übrigen ist der Livestream bei NFL.com tatsächlich nicht gratis, sondern nur über den Gamepass erhältlich. Michael Lombardi/La Canfora gehen von weiteren Trades aus – möglicherweise Vikes und Jaguars!

Triple-Coverage: Draft 2012 vor Einbruch der Nacht

Drei finale Hinweise vor dem Abend zum NFL-Draft 2012. Mike Mayocks Mock-Draft ist seit heute Nacht bekannt. In geraffter Form bei NFL.com nachzulesen – und prinzipiell eher überraschungsfrei. Dabei deutet sich dem allgemeinen Glauben nach an #3 doch eine kleine Überraschung an.

Wie angedroht, auch der Verweis auf den User-Draft der NFL-Gruppe von SPOX, der wie schon im Vorjahr von maschemist organisiert wurde und heuer gar über zwei Runden lief. Meine Wenigkeit musste sich zwar nach dem 23ten Pick ausklinken, aber trotzdem: Hier entlang.

Schließlich und endlich das neue Blog „41 Sport“ mit einer Bears-lastigen Vorschau auf die heutige Nacht. 41 Sport wird nach eigener Ankündigung wohl während der ersten Runde live dabei sein.

Ob ich selbst live bloggen werde? Vermutlich ja. Ab 02h – und mit ein wenig Glück gibt es zudem bei NFL.com einen Livestream. Bis dahin darf das nicht arbeitende Volk sich an drei Dokumentationen von ESPN America vergnügen:

19h The Dotted Line über Spieleragenten (60min).

21h The Marinovich Project über den einstigen Raiders-Erstundenpick QB Marinovich, dessen Karriere drogenbedingt schnell ins Straucheln geriet. Marinovich gilt als einer der größten Busts ever, obwohl „nur“ gegen Ende der ersten Runde gedraftet. Soll eine faszinierende Geschichte sein. (90min)

23h30 4th and Goal – How Will You Be Remembered? Über sechs junge Hoffnungsträger (u.a. S Gibril Wilson) und ihren Traum von der NFL. (90min)

Die Gesichter des NFL-Drafts 2012 – Die Defense

Nach der Offense gestern die Defense heute – wie immer nach dem Prinzip Sage nicht alles, was du weißt, aber wisse alles, was du sagst.

Defensive Tackles

Man ist sich einig: Guter Jahrgang in der Breite, aber das „Can’t miss“-Element wie in den letzten Jahren Suh, Dareus oder Fairley fehlt. Man merkt aber allein an der schieren Uneinigkeit der Experten, wer denn nun Top-10 und wer nur „zweite Runde“ würdig ist: Der Jahrgang bietet durchaus diverse Optionen für diverse Spielsysteme. Mike Mayock reiht die Tackles wie folgt:

#1 Fletcher Cox
#2 Dontari Poe
#3 Jerel Worthy
#4 Michael Brockers
#5 Devon Still

Zwei Optionen sind besonders faszinierend. Da wäre auf der einen Seite Michael Brockers von der Louisiana State University, der als Art „Suh für Arme“ gehandelt wird: Spekulativer Pass Rusher ohne Interesse am Verteidigen von Laufspiel. Geht es nach den meisten Experten, wäre Brockers besser beraten gewesen, noch ein Jahr an der Uni zu bleiben, um die Nuancen der Position zu lernen, aber nach diesem Finale hatte Brockers wohl verständlicherweise keine Lust mehr auf College Football.

Der „andere“ Sleeper ist Dontari Poe, ein seltener Ausreißer aus dem furchterregend schlechten Footballprogramm der Memphis Tigers. Poe begeisterte durch fantastische Workouts und soll bei allen 160kg die Beweglichkeit haben, zwei Blocker gleichzeitig aus dem Weg zu räumen. Wer Poe draftet, muss allerdings wohl eine Menge „Feintuning“ betreiben, um den Mann NFL-reif zu kriegen (Mayock: athletic freak, great motor, but looked average on tape).

Im Schatten dieses Duos hat sich Mississippi States Fletcher Cox still, heimlich und leise in den Vordergrund gespielt und gilt nun fast unisono als bester, flexibelster Defensive Lineman, mit Anlagen alles von Tackle bis End zu spielen, was DefCoords von ihm verlangen. Möglicher Top-10 Pick.

Eher der grundsolide Typus ist DT Brandon Thompson (Clemson), von dem man nicht allzu viel Pass Rush erwartet. Der hawaiisch klingende Alameda Ta’amu (University of Washington) gilt als ebenso physische Präsenz, die jedoch zu instinktgetrieben Football spielen soll und sich daher von Spielzügen mit Richtungswechsel („Counter-Plays“) verarschen lässt. Devon Still von Penn State halten viele für die risikoärmere Einberufung, wobei Still nicht als härtester Arbeiter unter der Sonne gilt und erst im letzten Uni-Jahr für mehrere Monate konstante Leistungen abgeliefert hat.

Bei Jerel Worthy (Michigan State) ging lange niemand davon aus, dass er die notwendige Power für die 3-4 Line besitzen würde. Worthys große Stärken sollen seine flotten Füße und seine Antrittsschnelligkeit sein. Ein Gegenbeispiel dazu ist Josh Chapman/Alabama: Kleingewachsen, aber wuselig genug, um mit niedrigem Körperschwerpunkt (wiegt an die 150kg) ausreichend Rabatz als Nose Tackle zu machen. Galt jedoch als verletzungsanfällig.

Noch was? Ähh, ja. Mit DT Markus Kuhn (N.C. State) wandert dieser Tage drei Jahre nach Vollmer wieder ein Deutscher in den NFL-Draft. Kuhn, das ist der Mann, der mit der DVD vertikal die US-Ostküste entlang gezogen (wir hatten darüber berichtet) und schließlich in der ACC untergekommen war. Kuhn war beim Combine eingeladen und könnte nun als zweiter Deutscher gedraftet werden. Nach einem Report der Scouting-Abteilung der Green Bay Packers ist Kuhn „underrated“, mit der negativsten Komponente „Alter“ (als Spätstarter bereits 26 Lenze), könnte am Samstag einberufen werden. Ein sehr sympathisches Interview mit Kuhn hat Andreas Renner bei den Sofa-Quarterbacks geführt (Audio/21min); bei NFL.com hat Kuhn in Sachen „internationale Färbung des Drafts“ auch seine Aufwartung bekommen.

Defensive Ends

Hier gilt ähnliches: Der Jahrgang soll fantastische Tiefe besitzen, aber keinen wirklich herausragenden Athleten. Tendenziell ist bei Defensive Ends stets die „S“-Frage („Spielsystem-Frage“): 4-3 oder 3-4. Eine Zuordnung fällt daher schwer. Mayocks Top-5:

#1 Chandler Jones
#2 Quinton Coples
#3 Courtney Upshaw
#4 Vinny Curry
#5 Bruce Irvin

Chandler Who? Der Mann kommt vom College Syracuse und hat sich in den letzten Wochen in Mayocks tiefste Herzkammer hinein gespielt. Jones’ Attribute: Groß gewachsen, zirka dreieinhalb Meter Armspannweite, extrem beweglich. Soll zwischen #18 und #30 vom Tablett sein.

Der bekanntere Name ist Quinton Coples von North Carolina, der als höchst talentiert, aber als ebenso großes Risiko gilt: Als Junior mit beeindruckenden Vorstellungen auf Defensive Tackle, sagte man Coples ein lustloses, ja abgrundtief schwaches Senior-Jahr nach und hat Angst um die Coples’sche Motivation.

Courtney Upshaw gilt eigentlich im Common Sense eher als OLB für 3-4 Defenses (wie in Alabama und bei den Jets, wo alle Welt Upshaw hinwechseln sieht). Ich bin allenfalls verwundert, warum Bamas #41 nicht für die Top-10 infrage zu kommen scheint. Ist es, weil Teams nicht wissen, wohin genau sie Upshaw stellen sollen? Upshaw galt am College als eher schlechter Deckungsspieler, was schon mal eher für Defensive End sprechen würde.

Die „Wildcards“ auf Defensive End: Jonathan Massaquoi/Troy, einem reinrassigen Pass Rusher, der analog zu Coples einem sagenhaften Herbst 2010/11 einen ganz schwachen Herbst 2011/12 folgen ließ. Oder das Fliegengewicht (111 kg) Bruce Irvin/West Virginia, nach Mayock ein freak with special, special skill set off the edge – Typ Mark Anderson: Nicht gebräuchlich für alles, was drei Meter gegen den Wind nach Laufspiel riecht, aber in 150 Versuchen mit 12 Sacks. Oder Nick Perry/USC, der vor wenigen Wochen noch als potenzieller Top-10 Pick gehandelt worden war, aber dafür reicht alleiniger Spaß am Pass Rush dann wohl doch nicht mehr.

Paar weitere Namen zum Vormerken: Vinny Curry/Marshall, Cam Johnson/Virginia, Tyrone Crawford/Boise State, Jared Crick/Nebraska oder Frank Alexander/Oklahoma.

3-4 DE/OLBs (Hybrids)

Eine meistens schwer einschätzbare Position: Die „kombinierten“ DE/OLB für eine 3-4 Defense, die darauf spezialisiert sein müssen, Druck auf den Quarterback zu machen. Dampf, Dampf, Dampf, in jedem Down, 40x/Spiel. Die Musterbeispiele sind die famosen Tamba Hali von den Chiefs und Suggs von den Ravens.

Als spektakulärster Pass Rusher gilt Melvin Ingram von „USC East“ (South Carolina), dessen Körperbau mit nur 264 (wahlweise wurden auch 276 genannt) Pfund Kampfgewicht eher leichtgewichtig ist, aber der varibelst eingesetzt werden kann hasenartige Bewegungen draufhaben soll. Ebenso variabel, aber weniger spektakulär: Andre Branch/Clemson.

Eher der grundsolide Arbeiter ist der weiße Shea McClellin von den Boise State Broncos, der zweite Mann neben Chandler Jones, bei dem Mayock dieser Tage feuchte Äuglein bekommt. Soll die Reinkarnation von Mike Vrabel und charakterlich gefestigt genug sein, dass Mannschaften durchaus darüber nachdenken, ihn in der ersten Runde einzuberufen.

Whitney Mercilus gilt als brutal antrittsschnell und soll seine Effizienz dann maximieren, wenn er entweder in der Wide-9 Defense den DE gibt, oder als OLB auf die Quarterbacks losgelassen wird. Mehr oder minder sicherer 1st round pick. Mayock und seine Top-5:

#1 Shea McClellin
#2 Melvin Ingram
#3 Whitney Mercilus
#4 Lavonte David
#5 Andre Branch

Linebacker

Nennen wir sie einfach mal die klassischen Linebackers. Jene, die in der 4-3 Defense die OLBs und MLBs geben sowie die ILBs der 3-4 Defense. Es ist großteils eh wurscht, da die Mehrheit der NFL-Franchises diese Position immer weiter vernachlässigt und verkommen lässt, solange ein Linebacker nicht über exzellente Deckungsfähigkeiten (gegen Tight Ends) verfügt.

Genau da wären wir bei Luke Kuechly, dem Tacklemonster von Boston College, dem man hohe Spielintelligenz und Durchhaltevermögen nachsagt, und das trotz solcher Werte: Kuechly wird mit 237 Pfund (107kg) gelistet – man lasse Gronkowski oder Peterson drüberfahren und das Amerikanische Rote Kreuz ist alarmiert, möchte man meinen. Dabei war Kuechly nun jahrelang der große Ankermann am College und gilt als rundum solider, sicherer Draftpick zwischen #10 und #15.

Überraschend „niedrig“ (späte erste Runde) wird gemeinhin Alabamas Dont’a Hightower eingestuft. Überraschend deshalb, weil sich Hightower in zahlreichen Übertragungen als unglaublich quicke, wendige Präsenz erwiesen hat und in der alles andere als kleinwüchsigen SEC der Abwehrspieler in der Abwehr schlechthin war. In einer Defense wie Pittsburgh oder Baltimore dürfte Hightower auf Jahre bestens aufgehoben sein.

Der dritte potenzielle Star ist Travis Lewis von den Oklahomas Sooners, dem man allerdings Verletzungsanfälligkeit sowie unausgereiftes Tackling nachsagt. Ein Wiedersehen mit TCUs famosen Tank Carder, dem Hero aus der Rose Bowl 2011:

Ein Mychael und ein James-Michael. Zwei Texas Longhorns (Keenan Robinson/Emmanuel Acho). Und Vontaze Burfict, über den es zirka fuffzichtausend Meinungen gibt, aber alle Scouts sind sich einig: Man lasse die Finger davon. Burfict ist eine Knalltüte, nicht in der Lage, 60 Minuten lang seine Gefühle im Zaum zu halten. Da jedermann trotz Burficts zweifellos vorhandenen Anlagen minimum drei Ausschlüsse in seiner Rookie-Saison befürchtet, soll Burfict im Frühjahr nicht ein einziges Vorstellungsgepräch mit einer Franchise bekommen haben.

Mayocks Top-5:

#1 Luke Kuechly
#2 Dont’a Hightower
#3 Mychal Kendricks
#4 James-Michael Johnson
#5 Tank Carder

Cornerbacks

In Zeiten, in denen die Herren der Lüfte Superbowl-Ringe einfahren, gewinnen gute Cornerbacks automatisch an Wert. Dieses Mal kommen die besten gleich serienweise aus der Southeastern Conference (SEC).

Bester Vertreter der 2012er-Garnitur soll Louisiana States Morris Claiborne sein, der mit 1,82m ungewöhnlich großgewachsen für einen CB ist. Man hält ihn für sehr reif und entwicklungsfähig, aber nicht für so gut wie vor einem Jahr Teamkollege Patrick Peterson (nun Arizona).

In den Vordergrund gerückt ist in den letzten Wochen auch South Carolinas Rastaman Stephon Gilmore: 40 Starts am College, nicht eine einzige Verletzung in der Vita, 1.83m groß und intelligent genug, um sowohl Mann- als auch Zonendeckungskonzepte zu verstehen.

Ein weiterer Kandidat für die erste Runde: Alabamas Der Kirkpatrick mit seiner Physis, der auch gegen Peterson seine Knochen unfallfrei dagegenhalten kann. Gilt allerdings nach dem Videostudium als schlechterer Manndecker als ursprünglich angenommen und fiel in der Gunst der Pundits etwas zurück.

Der X-Faktor ist Janoris Jenkins/North Alabama, der gemäß dem biblischen Prinzip Seid fruchtbar und mehret euch bereits in jungen Jahren auf Cromarties Spuren wandelt und vier Kinder von drei Frauen unterhalten muss, und als durchaus größtes Cornerback-Talent im Draft gilt. Weil Jenkins jedoch durchaus mal einen über den Durst trinkt und ganz gerne verbranntem Gras nachschmecken soll, genießt der Mann den Ruf einer Horde Furunkel und das nicht erst, seit er letzten Frühling von der University of Florida geflogen war.

Auch kein Mann aus der pädagogischen Provinz: Alfonzo Dennard/Nebraska, der nicht nur auf dem Feld eher dreckig spielen soll, sondern just letzte Woche in den Knast gesperrt wurde.

Bleibt der groß gewachsene (ca. 1,85m) Trumaine Johnson aus der FCS (University of Montana), ein weiterer von Mayocks heimlichen Favoriten. Größte Negativkomponente: „Off-field problems“. Man muss schon wissen, in welchen Scouting-Reports man nachzugucken hat, um den Kern dieser Probleme zu entdecken, nachdem die ersten ca. 50 Google-Hits unisono Plattitüden liefern. Johnson war nicht der fleißigste Schüler unter der Sonne und schlägerte im Herbst auf einer Studentenparty. That’s it.

Mayocks Top-5:

#1 Morris Claiborne
#2 Stephon Gilmore
#3 Dre Kirkpatrick
#4 Casey Hayward
#5 Trumaine Johnson

Safetys

Der Jahrgang an Safetys soll qualitativ eher durchwachsen sein. Alabamas Mark Barron gilt als Kronjuwel und wird mit Sicherheit in der ersten Runde einberufen, während der zweitbeste Safety, Harrison Smith/Notre Dame nicht die flottesten Füße besitzen soll.

Wie gut im Übrigen Alabamas Defense 2011/12 am College war, zeigt der Fakt, dass neben Barron, Kirkpatrick, Upshaw, Chapman und Hightower mit DeQuan Menzie noch ein weiterer Abwehrspieler unter Mayocks Top-5 Safetys gelistet ist.

Brandon Taylors größte Kredenzien bei LSU: Er bekam die Trikotnummer #18 zugewiesen – die Nummer, die es jedes Jahr für den vorbildlichsten LSU Tiger zu holen gibt. Dann hätten wir noch den eher wackeligen George Iloka von den Boise State Broncos.

Mayock und seine Top-5:

#1 Mark Barron
#2 Harrison Smith
#3 Brandon Taylor
#4 DeQuan Menzie
#5 Philip Thomas

Special Teams

Es gibt mit Florida States Shawn Powell einen Punter, der bei Übertragungen immer wieder als Güteklasse 1A eingestuft wurde und möglicherweise am Samstag gedraftet werden wird. Besonders herausragende Returner, die nicht bereits primär für andere Positionen gedraftet werden, sind mir nicht bekannt.

Männer, es ist Zeit. Heute Nacht findet der NFL-Draft 2012 statt.

Die Gesichter des NFL-Drafts 2012 – Die Offense

Ich bin im Normalfall kein allzu großer Freund von Mock-Drafts, aber für heute zwei Verweise: In der Nacht (02h MESZ) wird Draft-Halbgott Mike Mayock wie im letzten Jahr seinen Mock-Draft 2012 präsentieren. Schon veröffentlicht ist der Mock-Draft vom heimlichen Star in der heurigen Vorberichterstattung: Greg Cosell, der Mann von NFL-Films mit Zugang zur All-22 Kamera, der sich im aktuellen Frühjahr mit flockig lesbaren Analysen einen Namen gemacht hat – und nun einen ebenso interessanten wie unkonventionellen Mock-Draft veröffentlicht hat:

Cosell Talks: The Mock Draft.

Sobald der Spox-Userdraft (mit korsakoff! Unbedingt lesen!) online ist, werde ich noch darauf verweisen. Abseits davon gilt: Abwarten und Tee trinken. Es wird nicht zuletzt aufgrund der Gehaltsbegrenzung für Rookies mit etlichen Trades im Laufe des Wochenendes gerechnet. Ein Spielertrade soll noch vor der ersten Runde abgeschlossen werden: Die Eagles versuchen, CB Asante Samuel für einen erstaunlich billigen Preis loszuwerden.


Bevor es losgeht, noch ein Blick auf die Draft-Anwärter 2012. Angereichert mit persönlichen Notizen und dem einen oder anderen Angelesenen. Und natürlich mit den über die Wochen Aufgesaugtem von Mike Mayock, der vorgestern seine finalen Rankings online gestellt hat.

Quarterbacks

Jahr für Jahr nicht zu Unrecht die meistdiskutierte Position sind die Quarterbacks. Schauen wir uns die Klasse von 2012 an, so fällt auf, dass die hüftsteifen Pocket Passer mit Betonklötzen an den Schuhen fehlen. Dafür haben wir viele mobile QBs, die auch mal einen Linebacker aussteigen lassen können. Und wir müssen uns fast überhaupt nicht über die Charakterfrage unterhalten.

Zwei Quarterbacks schweben über allen. Dahinter ist man sich uneins. Mike Mayocks Top-5:

#1 Andrew Luck
#2 Robert Griffin III
#3 Ryan Tannehill
#4 Brandon Weeden
#5 Kirk Cousins

Andrew Luck von der Stanford University und Robert Griffin III von der kleinen Baylor University werden auch die ersten beiden Picks im Draft sein. Die Reihenfolge ist fast 100%ig geklärt: Es ist davon auszugehen, dass die Indianapolis Colts keinen Umfaller mehr haben und ihre Zukunft um Luck herum bauen werden.

Luck, der Sohn des ehemaligen RheinFire-Managers Oliver Luck, gilt als außerordentlich reifer und risikoloser Pick mit unterschätzter Mobilität. Im Vergleich zu RG3 soll der/die/das „Upside“ geringer sein, sprich Lucks Arm besitzt nicht das Attribut „waffenscheinpflichtig“ und Luck ist bei all seiner Athletik nicht der potenzielle Scrambler vom Schlage Griffins (RG3 hätte sich als Hürdensprinter für die Olympischen Sommerspiele qualifizieren können). Auf der Habenseite steht bei Luck ein für Rookies sagenhaftes Spielverständnis und eine ungemeine Coolness. Beiden wird eine exzellente Zukunft vorausgesagt. Und vermutlich passt es auch so am besten: Luck in Indys Offense, RG3 in Shanahans rollout-lastigen, tiefen Angriff.

Das meistdiskutierte dark horse der vergangenen Wochen war Ryan Tannehill von Texas A&M, der in Ermangelung weiterer Gesprächtsthemen nun trotz seiner fehlenden Erfahrung als sicherer Top-10 Pick gilt (die Tendenz geht weg von Cleveland, hin zu Miami). Tannehills Attribute: Schwiegermutterliebling, starker Arm, im worst case auf Wide Receiver umschulbar. Auf der anderen Seite bleibt bei Tannehill die ungute Historie des Quarterbacks, der aus dem quasi-Nichts die Boards emporschießt. Nur in Ausnahmefällen haben sich solche QB-Optionen in der Vergangenheit als erfolgreich gezeigt.

Ein weiterer X-Faktor der letzten Wochen: Arizona States Brock Osweiler, der Hüne mit den Krakeelenarmen und dem Bubigesicht. Osweiler schoss mit einigen geglückten Risikopässen beim Pro Day in den Boards nach oben und wird von einigen Pundits zum möglichen First Round Pick hochgejazzt. Osweiler ist mit seinen 2,03m in einer Größenkategorie wie Derek Anderson, Flacco, Jamarcus Russell und Scott Mitchell, um die erfolgreichsten der QB-Kolosse in der NFL-Geschichte zu nennen (sic!).

Nach Osweiler wären noch Zottelbock Nick Foles/Arizona (wuseliger QB mit Raketenarm), Kirk Cousins/Michigan State (Großtantes Liebling, aber keine herausragenden spielerischen Attribute) und Brandon Weeden/Oklahoma State (28jähriger Spread-QB mit Säufergesicht) nennenswerte Kandidaten für die späte erste oder zweite Runde. Alles dahinter Folgende ist etwas für die Trüffelschweine.

Ein B.J. Coleman galt einst bei den Tennessee Vols („einst“ = bevor er vor Lane Kiffin floh) als Workaholic und machte sich hernach in der FCS bei Chattanooga recht ordentlich. Ein G.J. Kinne/Tulsa gehört mit seiner brachialen Spielweise (kein Scramble endet mit Fuß voraus) sowieso zu meinen Favoriten, gilt jedoch als Grobmotoriker in Sachen Wurftechnik zu denjenigen Quarterbacks, die möglicherweise ungedraftet bleiben. Und ein Russell Wilson/Wisconsin wird trotz flinker Füße kaum vor Samstag gedraftet werden – wenn überhaupt. Selbiges gilt für Darron Thomas aus Oregon.

Eine Unbekannte ist auch Case Keenum/Houston, der NCAA-Passrekordhalter, dem als „System-Quarterback“ mit viel zu geringer Körpergröße maximal eine Karriere als Ergänzungsspieler nachgesagt wird.

Der Fall Moore

Kellen Moore von der Boise State University ist der Quarterback, unter dem die Broncos in vier Jahren ganze drei Spiele verloren haben. Punktdifferenzen dabei: -1, -3 (OT), -1. Zweimal aufgrund verschossener Field Goals gegen Spielende. Moore kommt mit seiner Allerweltsfrisur und seinem stets unbeeindruckten Knabengesicht nicht wie der nächste 25-Millionenmann des Weges, soll jedoch über vorzügliche soziale Fähigkeiten besitzen. Kellen Moores Problem: Er ist mit 1,80m eher klein gewachsen und verfügt über einen für NFL-Verhältnisse absurd schwachen Wurfarm. Moores tiefe 30-40m-Bälle hängen analog jenen Tebows stundenlang und eiernd in der Luft – ein großes Manko in einer Footballliga, in der manche Eigenschaften schon allein als Bedrohungselement (Stichwort: Defensive Backs zum Nachdenken zwingen) gebraucht werden.

Auf der anderen Seite wirft Moore unglaublich präzise Bälle auf den Mitteldistanzrouten und begeisterte zuletzt nicht nur Jon Gruden in dessen QB-Camp:

Nicht jede Offense tritt so wunderschön auf wie jene der Boise State Broncos. Trotzdem könnte Moore im entsprechenden System durchaus einen Franchise-QB geben, gehen wir nach manchen Auguren. Von Runde 2 bis undrafted free agent ist alles drin. Allein: Dann suchen halt auch nicht 25 Franchises jetzt ihren zukünftigen Franchise-QB. Sollten wir von Kellen Moore nach dem Draft nie wieder etwas hören, so lohnt es sich dennoch, wenigstens den Film einmal reinzuziehen.

Running Backs

Eine Position, die – nicht zu Unrecht – in den vergangenen Jahren merklich an Wert verloren hat, auch wenn Cosell widersprechen mag. 2012 sprechen wir wieder von einem eher mäßigen Jahrgang an Running Backs, wobei ein Mann die Ausnahme bildet: Alabamas Trent Richardson bietet ein rundum komplettes Paket. Kräftig und trotzdem wendig, schwer zu tackeln und fangstark, und gewohnt, Verantwortung zu übernehmen: Der Mann ist mit 21 Lenzen bereits Vater von fünf- (!) und dreijährigen Töchtern. Richardson hat als einziger Running Back das Potenzial, in den Top-10 gedraftet zu werden und kommt als offenbar höchst angenehmer Zeitgenosse daher.

Alle weiteren Backs dürften es schwer haben, in der ersten Runde einberufen zu werden. David Wilson (Virginia Tech/Mayock: one-cut downhill runner, not much gimmick) und Lamar Miller (Miami Hurricanes/Mayock: Wilson + breakaway speed – consistency) dürften frühestens morgen Nacht gedraftet werden.

Der brachiale Allrounder Doug Martin (Boise State/Mayock: does nothing great, but everything well; Cosell: Ray Rice für Arme) soll mancherorts höchstes Ansehen als potenzieller später „First Rounder“ genießen, während ein Robert Turbin (Utah State) eher erst morgen oder übermorgen dran sein wird.

Irgendwo zwischen der zweiten und vierten Runde soll der fabulöse LaMichael James aus der atemberaubenden Offense der Oregon Ducks dran sein. James ist mit 1,75m und 87kg ein Fliegengewicht und gilt trotz ein paar antrainierter Kilos als zu leicht zu Boden zu bringen und ungebräuchlich für die Hundertschaften an immer noch ausgespielten Läufen über die Mitte. Die größten Chancen auf eine NFL-Karriere werden James als „change-of-pace“-Back (zu deutsch: sechster Gang) gegeben, als eine Art komplementäre Spielfigur an der Seite eines Michael Turner.

Mayocks Top-5:

#1 Trent Richardson
#2 Doug Martin
#3 David Wilson
#4 Lamichael James
#5 Isaiah Peed

Wide Receivers

Wide Receiver ist generell eine erstaunlich schwierig zu prognostizierende Position. Man möchte meinen, sichere Hände und eine 9,72 über 100m reichen für eine Allstar-Karriere aus, aber Punkt ist: Viele der athletischen Freaks scheitern, weil sie gegen die dichten Deckungen und die Physis der Cornerbacks an der Line of Scrimmage verzweifeln – am College ist man diesbezüglich doch deutlich weniger Schmalz seitens der Defensive Backs gewohnt.

Mike Mayock sieht einen in der Breite starken Jahrgang, dem allerdings in der Spitze die Qualität abgeht. Niemand soll auch nur annähernd die Klasse eines AJ Green oder Julio Jones aus dem letzten Jahr besitzen. Drei 1st rounder, die nächsten 15 als Lotterie. Seine Top-5:

#1 Justin Blackmon
#2 Michael Floyd
#3 Kendall Wright
#4 Stephen Hill
#5 Alshon Jeffery

Blackmon (Oklahoma State/Mayock: athletic freak, but off-field issues, lacks top-end speed) könnte nach jüngsten Entwicklungen gar seinen ursprünglich unangefochtenen Status als Nummer 1 dieses Drafts verlieren und möglicherweise durchgereicht werden, obwohl eine Menge an Teams in den Top-10 einen Wide Receiver suchen. Unsicherheit über sein Durchhaltevermögen und der fehlende Weltklasse-Speed schmälern Blackmons Wert.

Deswegen sehen manche mittlerweile Michael Floyd von Notre Dame vorn. Floyds Aktien sollen rasant im Steigen sein und Floyd gilt als kompletterer Spieler denn Blackmon, allerdings mit einer Vita auf dem Campus, die lustiger gewesen sein soll als es sich ein NFL-Profi eigentlich erlauben kann. Einen interessanten Vergleich zwischen Blackmon und Floyd, eingebaut in einen etwas größeren Kontext (genannt auch: „NFL-Trend“), hat Greg Cosell im Blog von NFL-Films vorgenommen.

Dazu gesellt sich Baylors Kendall Wright, RG3s „Go To-Guy“ am College. Wright ist eher kleingewachsen und hatte problematische Sprintzeiten über 40yds, gilt aber als komplettes Paket, vielseitiger als ein reiner Slot-WR und verfügt über „Football-Speed“ (Mayock: plays faster on tape than on the 40yds dash).

Abseits dieses Trios gehen die Meinungen weit auseinander. Sehr gut ablesen lässt sich dies an South Carolinas Alshon Jeffery, dem fantastische Athletik im Zweikampf mit Cornerbacks nachgesagt wird, der aber zum einen ein laxer Vogel sein soll und zum zweiten nicht die notwendige Gelenkigkeit in den Hüften hat, die für manche der komplizierten Routen insbesondere gegen die Herren Revis oder Bailey notwendig wäre. Zwischen irgendwo in der ersten Runde bis zur dritten Runde sind sämtliche Optionen in der Verlosung.

Eine völlige Unbekannte ist Stephen Hill, der sich nahtlos in die jüngste Riege an großartigen WRs von der Georgia Tech University (Calvin Johnson, Demariyus Thomas) einzureihen scheint und mit seinen 1,95m NFL-Gardemaß ist. Für Hill könnte es zum Nachteil werden, dass er in der Flexbone-Offense von Paul Johnson eine eher atypische Offense am College spielen musste und als Grünling in Sachen Routenlaufen gilt, jedoch sollen die individuellen Workouts und die 40 Time (4.36 sek) hinreichend Speichel in der Scouts Mäuler getrieben haben.

Als eine Art „Hill für die Armen“ sieht Mayock Brian Quick aus der FCS an, dessen Technik noch eher grob gestrickt sein soll, der aber mit ein bis zwei Jahren richtigem Coaching als Schnäppchen durchgehen könnte. Mohamed Sanu von der Rutgers University hatte am College mit absurd schlechten und häufig wechselnden Quarterbacks zu kämpfen und gilt nicht als der höflichste Charakter unter der Sonne, besitzt auf der anderen Seite aber eine der Lieblingsstärken von Coaches: Biss.

Weitere bekannte Namen in dieser Verlosung, in der für jeden etwas dabei sein könnte: B.J. Cunningham und Nick Toon aus der Big Ten Conference, Joe Adams von Arkansas, Tommy Streeter (Riese mit fast 2m) von Miami oder Marvin McNutt von Iowa. Ein etwas tragischer Fall ist jener von Ryan Broyles, dem Rekordmann von der University of Oklahoma, dessen schwere Verletzung im November die Draftposition erheblich geschwächt haben dürfte. Und dann sind da noch die Super-Zwerge T.Y. Hilton/Florida International und Eric Page/Toledo, pfeilschnelle Returner mit zirka 1,20m Körpergröße.

Tight Ends

Eine Position, die seit Gates, Gronkowski und Hernandez für helle Aufregung in der NFL sorgt, aber dieser Jahrgang bietet im Prinzip nur zwei Spieler, für die man einen hohen Pick verwenden möchte: Coby Fleener von Stanford mit seinen 1,97m und Orson Charles von Georgia. Wobei Ersterem nachgesagt wird, eher den Typ Gronkowski geben zu können, und Letzterem, eher ein Hernandez im Kleinen zu sein.

Der eigentlich größte Name Dwayne Allen (Clemson) scheint dagegen nicht so gefragt zu sein und dürfte allenfalls in der zweiten Runde gehen. Der Rest des Jahrgangs wird dann eher mit der englischen Vokabel für „dürftig“ beschrieben und soll, obwohl mehrere Athleten an die 2m groß gewachsen sind, aus eher schlechten Blockern und lausigen Routenläufern bestehen. Mayocks Top-5:

#1 Coby Fleener
#2 Dwayne Allen
#3 Orson Charles
#4 Ladarius Green
#5 James Hanna

Offensive Line

Der offensive Part der Schützengräben war zuletzt generell eine erstaunlich flop-anfällige Position, was an der stets wachsenden Komplexität des Spiels (Stichwort: Blitz-Formationen) liegen mag. Allein rohe Körpergewalt reicht schon lange nicht mehr aus, wo es doch vermehrt auf wendige Füße und Intuition (auch umschrieben mit „Spielintelligenz in Sekundenbruchteilen“) ankommt.

Tackles

Und genau da kommt OT Matt Kalil von USC ins Spiel: Nicht der Mann, dem man die 250kg-Hanteln in die Hand drücken möchte, aber als Leichtgewicht (nur 295 Pfund) ein Mann auf flinken Füßen. Fast alles ging bisher davon aus, dass Kalil an #3 von den Minnesota Vikings einberufen würde. Diese sendeten in den vergangenen Tagen recht deutliche Signale vom Gegenteil aus – ob Ablenkungsmanöver oder Versuch, den dritten Pick teuer zu verkaufen, wird sich zeigen.

Dahinter streiten sich Ohio States Mike Adams (gilt seit Tattoogate als zwielichtige Gestalt und seit einem positiven Drogentest als ernsthafter Risikopick), Riley Reiff (trotz 150kg auf flotten Füßen) und Stanfords Jonathan Martin (für „Power-Block“-Schemata á la Denver Broncos ungeeignet) um den Titel des zweithöchst gedrafteten Offensive Tackles von 2012. Bekannte Namen aus späteren Runden sind OT Nate Potter von Boise State (dürfte von der Anlage gut nach Washington oder Houston passen), Jeff Allen/Illinois und die FSU-Tackles Sanders/Datko sein.

Mayock reiht seine Top-5 Tackles wie folgt, wobei Glenn hier noch als Tackle gelistet wird:

#1 Matt Kalil
#2 Riley Reiff
#3 Cordy Glenn
#4 Jonathan Martin
#5 Jeff Allen

Guards

Die Guards (OG) sind „top-heavy“ besetzt: David DeCastro von Stanford soll ein „100%iger“ sein und in jedem erdenklichen Offensivsystem von der ersten Minute an spielen können, während der einst als Tackle geltende Cordy Glenn (Georgia) mehr der Typ Fettsack (158kg) ist und aufgrund seiner limitierten Beweglichkeit besser als Guard einsetzbar sein soll. Ein dark horse ist Wisconsins (Wisconsin! Offensive Line! Wisconsin!) Kevin Zeitler, dem man die notwendige Athletik zum First Rounder nachsagt. Dahinter gilt die Qualität als recht rapide abfallend.

Mayocks Top-5 Guards:

#1 David DeCastro
#2 Kevin Zeitler
#3 Amini Silatolu
#4 Kelechi Osemele
#5 Brandon Brooks

Center

Auf der Center-Position wird zumindest am Draft-Wochenende niemand an Peter Konz (Wisconsin! Ein Offensive Liner aus Wisconsin!) vorbeikommen, während ansonsten nur Philip Blake (Baylor), Michael Brewster (Ohio State) und Ben Jones (Georgia) als potenzielle Picks in den früheren Runden angesehen werden.

Die besten Center nach Mayock:

#1 Peter Konz
#2 Philip Blake
#3 Ben Jones
#4 David Molk
#5 Quentin Saulsberry

Noch ein Tag. Morgen folgt die Defense.

NFL-Draft 2012 in der Morgendämmerung

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag beginnt die diesjährige Ausgabe des NFL-Drafts, wo die größten Talente des College Football auf die einzelnen Teams aufgeteilt werden. Die Termine in diesem Jahr:

Do/Fr 26./27.4. 02h MESZ erste Runde
Fr/Sa 27./28.4. 00h MESZ 2./3. Runde
Sa        28.4. 18h MESZ 4.-7. Runde

ESPN America scheint heuer nach ein oder zwei Jahren Sendepause wieder live dabei zu sein und überträgt lt. derzeitigem Stand in der Nacht ab Freitag, 02h morgens aus der Radio City Music Hall in New York City.

Ebenso live (und gratis) wird mit hoher Wahrscheinlichkeit das NFL-Network auf der Homepage NFL.com übertragen; Startzeiten: 1h30 am ersten Tag, 23h30 am zweiten Tag, 18h am dritten Tag. Schlüsselfiguren in der fabulösen NFLN-Übertragung, as always: Der unterhaltsame Moderator Rich Eisen und Mike Mayock, der Mann mit der Nasenstimme, der selbst Schuhgrößen von Sechstrundendraftpicks in Sekundenschnelle aus dem Arm schnackeln kann.


Die Draftniks

Über das gängige Jargon, das jeder Mitgucker des NFL-Drafts beherrschen muss, habe ich bereits vor einem Jahr geschrieben. Das Highlight dieses Jahres stammt von Mike Tanier (Football Outsiders/Fifth Down) mit seiner Analyse der Spezies des „Draftniks“, der in den Wochen und Monaten vor dem großen Tag das Netz mit Analysen und Scheinanalysen unsicher macht:

Draftniks are N.F.L. draft enthusiasts, speculators who prefer gathering information about rookie prospects to watching basketball or hockey or enjoying a more socially acceptable hobby like Dungeons and Dragons. Draftniks fuel a cottage industry of specialized programming, Web sites and magazines, and they helped turn the N.F.L. draft into a combination tailgate party and debutante ball, a late-April mini-Super Bowl without the bothersome game.

Quelle und Lesebefehl: Draftniks: Ever the Experts and Always on the Clock.


Vom Evaluierungsprozess in der NFL

Obwohl wir um die Schamhaarfärbung der besten Long Snapper wissen und mit wie vielen Yards nach dem Catch die Wide Receiver von der Chattanooga-University dem Quarterback B.J. Coleman verhelfen, tendiert der NFL-Draft trotz aller Scouting Reports und Big Boards immer wieder dazu, den einen oder anderen Bust zu produzieren – als Beispiel sei hierfür der wahnsinnig enttäuschende Draft von 2009 angeführt, wo sich Flops als Tops in Runde 1 fast die Waage hielten. Eine richtige Erklärung dafür ist schwer zu finden, aber ich komme immer mehr zum Entschluss, dass die schiere Anzahl an „Freiheitsgraden“ eine noch sehr viel präzisere Evaluierung und Antizipierung der Athleten im American Football unmöglich macht:

  • Spielsysteme. Die naheliegendste Erklärung: In einem Sport, der so hohen Spezialisierungsgrad wie Football hat, können diverse kleine Adjustierungen aus einem enttäuschenden einen mittelmäßigen oder aus einem mittelmäßigen einen großartigen Spieler machen (und vice versa). Selbst die besten Trainerstäbe finden nicht immer für jeden Athleten den richtigen Einsatzpunkt. Und obwohl sich College und NFL immer ähnlicher werden, ist der Football an der Universität doch immer noch deutlich simplifiziert.
  • Scouting. Weil die Statistiken sich im Draftprozess als eher nutzlos erwiesen, werden viele Spieler nach Potenzial gedraftet. Dabei ist kaum vorherzusehen, wie WR Johnson auf plötzlich fingernägelenge Deckung reagiert. Oder wie QB Laserarm seine tiefen Bomben plötzlich in 10cm-Lücken anbringt, wo er am College 30cm Raum hatte.
  • Charakter. Wie in der Mitarbeiterakquisition: Ein paar Vorstellungsgespräche können nicht ins Herz eines Spielers schauen. Viele Karrieren scheitern am letzten Quäntchen fehlenden „inneren Willen“ eines Spielers. Vergleiche hierzu dieses Zitat.
  • Verletzungen. Liegen in der Natur des Sports.
  • Kultur. Ein Running Back aus Sankt Bartholomäh im Südwesten von Idaho kann im Trubel von New Jersey Anpassungsprobleme haben. Gleichwie niemand weiß, wie ein Problemkind auf einen Disziplinnazi im Trainerstab reagieren wird.

Es dürfte weitere Gründe geben, warum Superspieler wie Simeon Rice von den Arizona Cardinals an #3 einberufen werden, schwerst floppen, nach Tampa Bay wechseln und dort plötzlich den Eckpunkt für eine überragende Defense mit Superbowl-Sieg geben. Aber angesichts der schieren Komplexität des Sports dürfte die Trefferquote trotz des möglicherweise immer noch mit rudimentären Mitteln geführten Scouting-Prozesses zufriedenstellend sein.

Das Harvard Sports Analysis Blog hat den erwarteten „Wert“ eines Draft-Prospects angenähert. Die beiden Kernaussagen der Analyse: Teams tendieren dazu, den durchschnittlichen der hohen Draftpicks zu überschätzen, v.a. mit dem Draft Pick Value Chart im Hinterkopf. Auf der anderen Seite wird die erste Runde des Drafts zurecht stark gehypt, da die Aussicht auf einen Superstar doch beträchtlich besser ist, wie auch die die Abweichung vom Durchschnitt sehr viel geringer ist wie in den späteren Runden.


Zwei Probleme, die mir im Evaluierungsprozess von Draft-Anwärtern immer wieder auffallen: Overanalyzing und Versessenheit in herausragende Attribute, und es dürften Probleme sein, die voneinander nicht unabhängig sind. „Overanalyzing“ kommt immer wieder vor, wenn Teams aus Langeweile im April damit beginnen, den Fokus vom Essenziellen auf Kleinigkeiten zu richten, sich in überflüssigen Details verlieren und irgendwann den Wald (Athlet X) vor lauter Bäumen (Ohrwaschtlgröße) nicht mehr finden.

Das zweite Problem dürfte eine Spezialvariante des ersten sein: Scouts fressen sich an einer herausragenden Fähigkeit eines Athleten fest (auf Knien 80m-Bomben zu werfen, in Unterhosen Sprintrekorde aufzustellen oder Tebows „Intangibles“ zu besitzen) und vergessen vor lauter feuchter Träume über die für jedermann sichtbaren Flauseln. Ein Problem, das im Baseball mit Computern eliminiert werden kann, sich jedoch im deutlich schwerer berechenbaren Footballsport in der Murmeltierschleife wiederholt und auch von rationalen Beobachtern nicht völlig ausgeblendet werden kann: Die Vorstellungskraft trübt den Blick aufs Wesentliche. Trainer sind zuversichtlich, aus vereinzelten überragenden Fähigkeiten Footballspieler formen zu können, während sich aus normalen Footballspielern keine famosen Einzelfähigkeiten coachen lassen, Stichwort „you can’t teach speed“.

Die Gewinner sind am Ende häufig die, die die meisten Draftpicks besitzen und sich damit über den einen oder anderen Flop müde hinweglächeln können. Und natürlich sind die Gewinner solche, denen nach fast 200 Picks am Ende der vorletzten Runde Tom Brady in den Schoß fällt.


Draft und Spieltheorien

Strategien gibt es für die Teams viele. Medien sabbern sich die Mäuler fusselig, wer denn nun nach „need“ (Löcher im Kader) oder „best player available“ (bester verbleibender Spieler) draften würde. Im Prinzip dürfte jeder Pick ein Mix aus beidem sein: Ein Spieler, der für eine relative Notwendigkeit den besten Wert erwarten lässt. Ich glaube nicht, dass eine Franchise den besten verfügbaren Spieler nehmen würde, wenn dieser ein Quarterback ist und der eigene Quarterback im Kader ist Philip Rivers. Teams haben gewisse Prioritäten; Teams werden versuchen, diese gewissen Prioritäten mit dem bestmöglichen „Wert“ anzugehen. „Wert maximieren“ heißt dabei auch zu wissen, wie die Konkurrenz die Spieler reiht und gegebenenfalls mit Trades nach unten oder oben einen gewünschten Athleten zu erhalten.

Beispiel: St Louis draftet an #6 und weist auf seinem hypothetischen Draft-Board den CB Stephon Gilmore als besten Spieler aus. Die Rams werden Gilmore nicht an #6 draften, obwohl das Defensive Backfield durchaus eine Problemzone stellen würde und Gilmore gleichzeitig auch „best player available“ wäre. Die Rams würden nach unten traden, weil sie wissen, dass Gilmore bis wenigstens zum 15. Pick nicht vom Board gehen würde.

Für näher Interessierte hat Jonathan Bales (DC Times/Fifth Down) im Februar seine Analyse geschrieben und das Konzept von VORP (value over replacement player) noch einmal unter die Lupe genommen: Reassessing Best Player Available Draft Strategy: Why Teams Should Often Bypass BPA To Maximize Overall Value.

Noch drei Tage.

Gib mir Quarterbacks!

Seit anno 98 Peyton Manning an #1 einberufen wurde, vergeht fast kein Jahr, in dem nicht ein Quarterback der Top-Draftpick des Jahrgangs ist, und auch dieses Mal wird der #1-Pick mit an 100% grenzender Wahrscheinlichkeit ein Quarterback sein.

JAHR POSITION       NAME              TEAM
1998 Quarterback    Peyton Manning    IND
1999 Quarterback    Tim Couch         CLE
2000 Defensive End  Courtney Brown    CLE
2001 Quarterback    Michael Vick      ATL
2002 Quarterback    Dave Carr         HOU
2003 Quarterback    Carson Palmer     CIN
2004 Quarterback    Eli Manning       NYG
2005 Quarterback    Alex Smith        SF
2006 Defensive End  Mario Williams    HOU
2007 Quarterback    JaMarcus Russell  OAK
2008 Left Tackle    Jake Long         MIA
2009 Quarterback    Matt Stafford     DET
2010 Quarterback    Sam Bradford      STL
2011 Quarterback    Cameron Newton    CAR
2012 Quarterback    ???               IND

Das Verlangen der NFL-Franchises nach Star-Quarterbacks hat auch einen Grund, und es ist nicht allein öffentlichkeitsgetrieben: Der Pass gewinnt NFL-Spiele. Brian Burke/Advanced NFL Stats schreibt seit Jahren darüber. Ich habe mal eine der vielen Analysen Burkes neu aufgegriffen und das Verhältnis Lauf/Pass seit der letzten Regeländerung im Frühjahr 2004 („Illegal contact“) unter die Lupe genommen. Der erste Graph zeigt, wie die Statistik NY/A (Netto-Yards pro Passversuch) zur Anzahl der eingefahrenen Saisonsiege einer Mannschaft steht. Der zweite Graph zeigt das Verhältnis Lauf-Yards/Laufversuch zur Anzahl an Saisonsiegen (beide Male gilt: Klick auf den Graphen vergrößert jenen auf den Zoom „lesbar“).

 Passyards in der NFL

Wir sehen: Die lineare Trendlinie steigt mit dem Faktor 2,33. In den acht Jahren Beobachtungszeitraum hat es nur eine Mannschaft mit absurd schlechtem Passspiel zu mehr als zehn Saisonsiegen gebracht: Die Bears 2005/06 unter dem damaligen Rookie-QB Kyle Orton. Die Bears von damals hatten eine der mächtigsten Defenses ever in der NFL. Vergleichen wir dazu die durchschnittlich pro Lauf eingefahrenen Yards:

 Laufyards in der NFL

Steigungsfaktor nur 0,5. Viele Teams mit mickrigem Laufspiel knacken die 10-Siege-Marke und fahren in die Playoffs ein. Die allerbesten Teams haben für gewöhnlich ein bloß durchschnittliches Laufspiel.

Drei Anmerkungen:

  • Die Differenz zwischen den stärksten Pass-Teams und den schwächsten Pass-Teams ist deutlich größer (größtenteils zwischen 4,5 und 7,5) als jene zwischen den besten und schwächsten Lauf-Teams (zirka 3,5 bis 5). Das spricht dafür, dass der Unterschied zwischen Elite und Bodensatz deutlich größer im Passspiel denn im Laufspiel ist, ergo, dass der Wert eines Top-RB im Verhältnis zum Ligadurchschnitt eher marginaler Natur ist.
  • Die Trendlinie Pass-Spiel/Siege verläuft viel steiler, wogegen die Trendlinie Laufspiel/Siege relativ flach des Weges kommt und eher eine „Bubble“ bildet. Die zugehörigen Korrelationskoeffizienten: Für Pass/Siege beträgt die Korrelation starke 0,648. Für Lauf/Siege relativ unbedeutende 0,079.
  • Entsprechend sind die Punkte schön entlang der mit Faktor 2,33 ansteigenden Trendlinie verteilt. Teams mit überdurchschnittlichem Pass-Spiel gewinnen viele Spiele (häufig über 10 pro Saison), wogegen Teams mit überdurchschnittlichem Laufspiel nur in Ausnahmefällen 8 und mehr Saisonsiege einfahren. Teams mit bärenstarkem Laufspiel schaffen es allenfalls, einer peinlichen „3-13“ Bilanz zu entweichen und retten sich in „8-8“ Mittelfeld.

Natürlich ist die Analyse nicht vollends ausgereift und mit nur zwei Statistiken leicht vereinfacht. Weitere Kategorien wie Turnovers, Defense, Anfälligkeit gegen Strafen, sowie Special Teams werden hier nicht in Betracht gezogen. Die Analyse verschweigt auch, dass gutes Laufspiel durchaus gefragt sein kann: Bei 3rd downs und kurzer Distanz zur neuen Angriffsserie ist Laufspiel der statistisch erfolgreichere Weg, in der RedZone und beim Runterlaufen der Uhr zum Spielende kann ein gutes Laufspiel von hohem Wert sein. Auf der anderen Seite gelangen bloß die Teams mit exzellentem Passspiel häufig in die Situation, im Schlussviertel einen klaren Vorsprung verteidigen zu können (gell, Rodgers?).

Wir sehen: Wer ein starkes Passspiel besitzt, gewinnt in der Regel viele Spiele. Erfolgreiche Teams versuchen erst gar nicht, mit hoch bezahlten Running Backs die Abwehr zu knacken, sondern pfeffern ihre Ressourcen in den Luftangriff. Wobei „Luftangriff“ neben Quarterback noch primär Offensive Line und Wide Receiver bedeuten sollte.

Am Donnerstag werden die ersten beiden Picks jeweils Quarterbacks sein. Die Colts kriegen wohl den seit Jahren massiv gehypten Andrew Luck, die Redskins haben für die Rechte am nicht minder hochgejazzten Robert Griffin III einen scheinbar absurden Preis bezahlt. In den Top-10 könnte aus blanker Not mit Ryan Tannehill ein dritter Quarterback vom Tablett gehen und die Auguren streiten noch, ob in der ersten Runde weitere Spielmacher in der Verlosung sein könnten. Dagegen gibt es mit Trent Richardson heuer nur einen Back, der in den Top-10 gehen könnte, und vielleicht einen weiteren für die erste Runde. Die Geschichte der letzten 10-15 Jahre NFL zeigt jedoch: So spektakulär Running Backs auch anzuschauen sind, so relativ unbedeutend sind sie mittlerweile im Vergleich zu den Quarterbacks geworden.


Dieses Verlangen nach Quarterbacks führt mitunter zu witzigen Drafts, in denen Franchises plötzlich völlig verzweifeln und scheinbar viel zu hoch ihren Quarterback einberufen (Ponder 2012). Eine Strategie, die man teilweise nachvollziehen kann: Der Pool an hochkarätigen Quarterbacks ist begrenzt, also versuchen Teams, „ihren“ Franchise-QB zu bekommen, wenn er auf dem Tablett liegt. NFL-Teams sind mittlerweile relativ sicher im Evaluieren von Top-Quarterbacks geworden. Ein Blick auf die Erstrundendraftpicks seit 1998:

1998 #1  Manning
1998 #2  Leaf
1999 #1  Couch
1999 #2  McNabb
1999 #3  Smith
1999 #11 Culpepper
1999 #12 McNown
2000 #18 Pennington
2001 #1  Vick
2002 #1  Carr
2002 #3  Harrington
2002 #32 Ramsey
2003 #1  Palmer
2003 #7  Leftwich
2003 #19 Boller
2003 #22 Grossman
2004 #1  Manning
2004 #4  Rivers
2004 #11 Roethlisberger
2004 #22 Losman
2005 #1  Smith
2005 #24 Rodgers
2005 #25 Campbell
2006 #3  Young
2006 #10 Leinart
2006 #11 Cutler
2007 #1  Russell
2007 #22 Quinn
2008 #3  Ryan
2008 #18 Flacco
2009 #1  Stafford
2009 #5  Sanchez
2009 #17 Freeman
2010 #1  Bradford
2010 #25 Tebow
2011 #1  Newton
2011 #8  Locker
2011 #10 Gabbert
2011 #12 Ponder

Die Extreme nach unten halten sich in relativen Grenzen und sind großteils vor 2003 zu finden: Leaf, Akili Smith und Russell gelten als Allzeit-legendäre Busts, knapp dahinter folgen in der Hitliste der abgeschmierten hohen Picks Couch, McNown und Harrington, während andere nicht hoch genug gedraftet waren (Grossman, Ramsey, Losman, Quinn), um verdammt zu werden, oder hinreichend Probleme als teilweise Entschuldigung gherangezogen werden können (Carr im Expansion Team Houston). Culpepper hatte selbst ohne Randy Moss ein absolut fantastisches Jahr 2004/05. Und Boller… nun, ehe hätte der Vatikan einen Puff eröffnet, als dass in Baltimore ein Quarterback Erfolg gehabt hätte.

Wie Mike Mayock bemerkt, ist die Quote in den letzten acht Jahren Draft merklich besser geworden: 15 von 23 Erstrundenpicks sind NFL-Starter, während aus den Runden danach fast nichts nachkommt: 7 Starter (2 aus Runde 2, 2 aus Runde 3, 3 aus Runde 7!) aus 82 Draftpicks. Klar lässt sich insistieren, dass ein Ponder oder Gabbert nur aufgrund mangelnder Alternativen starten, aber: Insgesamt sind höher einberufene Quarterbacks deutlich erfolgreicher als niedriger einberufene – as you would expect. Kein Grund also, an einem russeligen Beispiel alles zu verdammen. Selbst meine These aus dem Vorjahr – junger Quarterback ohne Offensive Line droht abgeschossen zu werden – wackelt.


Zwei Zuckerln zum Abschluss: Bei NFL.com hat sich Greg Cosell die beiden Kontrahenten Luck/Griffin und eine Serie weiterer Quarterback angeschaut:


Und dann ist da noch “Graubart” Brian Billick, dessen These „Nobody knows anything“ IMHO eine Spur zu harter Tobak ist. Aber die Serie „How to draft a quarterback“ ist nichtsdestotrotz sehens- und lesenswert. Bisher vier Teile:

  1. Nobody knows anything.
  2. One and done.
  3. What could have been?
  4. The Kyle Boller experiment.

Noch fünf Tage.

New York Giants in der Sezierstunde

Wie es sich gehört, werden die Sezierstunden 2012 mit dem Titelträger abgeschlossen. Nota bene: „Titelträger“ ist gleich nicht automatisch „beste Mannschaft“. Das waren und sind die Giants nicht. Sie waren vermutlich nichtmal die beste Mannschaft in ihrer eigenen Division (das waren die Eagles). Nichtsdestotrotz gehörte Coughlins Truppe zu den kompletteren Mannschaften in der NFL, erreichte verdientermaßen die Playoffs und kam zum Ende der Münzwurfserie gar mit der Lombardi Trophy nach Hause – als erste Mannschaft ever mit negativem Punkteverhältnis in der Regular Season.

Zum Februar bekam alle Welt beim Gedanken an QB Eli Manning nasse Höschen, und vermutlich zurecht so: Neben einem Haufen Mittelmaß war die Pass-Offense um Manning und seine WR-„Triplets“ Nicks/Manningham/CRUUUUUUUUUUUUUUUZ New Yorks  herausragende Stärke: 7.7yds/Passversuch in der Regular Season ist ein fantastischer Wert und brachte New York überhaupt erst in die Position, einen Anlauf auf den Titel zu nehmen. Dort, in der Post Season, erfüllte diese Armada die Erwartungen größtenteils. Der Titelgewinn war allerdings glücklich. Aber für jede andere der am Ende verbliebenen Mannschaften wäre er nicht minder glücklich gewesen.

So stehen wir zweieinhalb Monate nach der Superbowl da, sprechen über eine leicht überdurchschnittliche NFL-Mannschaft und wundern uns, was sie in der Zwischenzeit so getrieben hat (Wink: nicht narrisch viel).


Mit TE Bennett wurde ein bärenstarker Blocker eingekauft, mit CB Terrell Thomas einer von den dutzenden Deckungsspielern verlängert, und dann wurde noch Mannings Backup Carr ein billiger Vertrag aufgesetzt. Manningham und Jacobs wurden weggeschickt. Datt war’s. Man darf sich fragen, ob dies in einer Division, in der aller Rest im Aufrüsten begriffen ist, der richtige Weg ist. Auf alle Fälle ist es für GM Jerry Reese ein konsequenter Weg. Reese verliert so schnell nicht die Nerven.

Man könnte insistieren, dass die Giants auf die Rückkehr zahlreicher Verletzter setzen dürften. Das würde allerdings die zweifellos vorhandenen Schwächen im Kader nicht vollends ausfüllen. Die Offensive Line zum Beispiel ist ein relativ offenes Scheunentor, wofür wir nichtmal die wöchentlichen Verdammungen von Pro Football Focus ans Licht ziehen müssen: Beatty, McKenzie oder Diehl gelten als leicht verbesserbare Objekte und auch C Baas war nicht über alle Zweifel erhaben.

Dazu kann man davon ausgehen, dass die Giants nach Manninghams Abgang einen jungen Wide Receiver ins Visier nehmen werden. Vielleicht die eine oder andere Ergänzung in der Defensive Line, die jedes Jahr im Giants-Mittelpunkt steht. Wie es bei den gemeinhin als hüftsteif verschrieenen Linebackers aussieht, lässt sich kaum abschätzen. Obwohl man ihnen jedes Jahr die Verpflichtung (oder Einberufung) eines höherklassigen Linebackers ans Herz legen möchte, rühren sich die Giants nur allzu selten in diese Richtung. Und dann sind da noch die Safetys, wo der eher suspekte Antrel Rolle nicht unbedingt alle glücklich stellt, jedoch via Draft kaum nennenswerte Sofortlösungen verfügbar sein sollen.

New Orleans Saints in der Sezierstunde

Chaotische Offseason für die Saints. Als wäre der quasi verschenkte Superbowl-Ring an der Bucht zu San Francisco nicht schon schlimm genug, verscherzte man es sich nach Saisonschluss erst mit Franchise-QB Drew Bree$, sah inmitten des massiven Bountygate-Skandals Offizielle und Chefcoach auf die NFL-Abschussliste wandern und wird nun die kommende Saison aller Voraussicht nach mit den HeadCoaches Kromer (Spiele 1-6) und Joe Vitt (Spiele 7-16) bestreiten – really?


GM Mickey Loomis ist erst ab Saisonbeginn suspendiert und aktuell noch der Mann am Ruder, daher ist es umso erstaunlicher, wie lange man Brees nun schon hinhält. Wir reden bei Brees nicht von irgendjemandem. Brees ist der mit Abstand erfolgreichste Quarterback in der Saints-Geschichte, eine Ikone, gekommen nach der schwärzesten Stunde der Staatsgeschichte (Hurricane Katrina 2005) und die einstigen Aints mitentscheidend zu Superbowl-Champs transformiert. Brees kommt frisch aus einer Rekordsaison mit 5476 Pass-Yards und ist die zentrale Figur im Angriff. Gemeinhin herrscht Unverständnis über Loomis‘ Umgang mit Brees und Brees scheint die verhasste Franchise-Tag als Affront zu werten.

Man kann trotz alledem davon ausgehen, dass Brees früher oder später, auf alle Fälle aber rechtzeitig, seinen Multimillionenvertrag aufgesetzt bekommen wird, weswegen der Saints-Angriff durchaus auf der Höhe bleiben dürfte. Die beiden nennenswerten Abgänge in der Offseason waren OG Carl Nicks (gen Tampa Bay) und WR Robert Meachem (nach San Diego), unbestritten wichtige Bestandteile, aber aufgrund der hohen Gehälter inkompatibel mit der Salary Cap der Saints.

Nicks wurde durch den etwas billigeren Ben Grubbs aus Baltimore ersetzt, Meachem dürfte durch den einen oder anderen jüngeren Wide Receiver aus den späteren Runden des NFL-Drafts abgelöst werden. Dass „Wide Receiver“ in New Orleans ein Thema bleibt, gilt als sicher, da der für teures Geld gehaltene Marques Colston als Verletzungsrisiko eingestuft wird.

Der schwächere Bestandteil der optisch wunderschönen Spread-Offense der Saints ist das Laufspiel um das Viergestirn Ingram/Thomas/Ivory/Sproles, ein Laufspiel, das jedoch ohnehin nur als Entlastung dient. Gespannt darf man sein, wie Nicks‘ Abgang sich darauf auswirken wird: Nicks wird gemeinhin als Maßstab für aktuelle NFL-Guards angesehen.


Große Problemzone der Saints seit Jahren ist die Defense, die nach dem aufgeflogenen Kopfgeld-Skandal ziemlich im Verruf stehen dürfte. Unter dem mittlerweile geschassten DefCoord Gregg Williams war die Unit als sehr blitzfreudig bekannt, war jedoch immer dann anfällig, wenn nicht 1-2 Turnovers pro Spiel geholt werden konnten. Die Probleme starten schon mit der Defensive Line.

Auftritt Steve Spagnuolo. In St Louis als HeadCoach mit Pauken und Trompeten gescheitert, gilt Spagnuolo seit seiner Zeit bei den Giants als Mann, der das eine beherrscht: Die Schützengräben zu dominieren. Trotz etlicher namhafter Einkäufe und vieler hoher Draftpicks galt New Orleans‘ Defense Line stets als leicht kontrollierbar. Gespannt sein darf man, wie Spagnuolo Rabatz machen möchte. DT Ellis, DE Jordan, DE Smith und der neu eingekaufte Bulldozer DT Broderick Bunkley (Laufspiel-Genie) sind bekannte Namen und gelten als großartige Athleten mit Luft nach oben.

Für die Linebackers hat man sich den Instinktfootballer Hawthorne aus Seattle und Lofton aus Atlanta eingekauft, nachdem man befürchtet, dass MLB Vilma im Zuge von „Bountygate“ noch die eine oder andere spielfreie Woche aufgebrummt bekommen wird. Worüber in New Orleans seit Jahren diskutiert wird, sind die Outside Linebackers, eine Position, der im Spagnuolo’schen System aufgrund zahlreicher Blitzes gen Quarterback für gewöhnlich erhöhte Priorität beigemessen wird. Hawthorne gilt als durchaus spielintelligent und athletisch genug, um die Rolle zu erfüllen, aber es bleiben Verletzungsfragezeichen. Dem Eigenbauprodukt Jonathan Casillas wird große Klasse nachgesagt; allerdings fiel Casillas in der Vergangenheit auch öfters als erwünscht mit Fußverletzungen aus.

Bleibt das Defensive Backfield, das unter Williams massiert blitzen musste, im neuen System aber durchaus häufiger in der Deckung verharren dürfte. Superbowl-Held Tracy Porter ist weg und muss ersetzt werden – bloß wie? Erstrundenpick ist bis zum nächsten Trade in New England, Zweitrundenpick bei der NFL, und man muss sich irgendwo noch um die eigenen Wide Receivers kümmern. CB Greer, CB Peterson und CB/S Malcolm Jenkins gelten allesamt als durchaus hochwertige junge Spieler mit viel Potenzial, jedoch fehlen abseits davon Tiefe und dank SS „big hit“ Roman Harper Verlässlichkeit.


Der Kader ist also trotz einiger Fragezeichen durchaus gut besetzt. Solange Brees motiviert und gesund bleibt, dürfte die Hauptaufgabe der Defense ohnehin bloß sein, mit „bend but don’t break“ die Gegner einzuschlummern. Vermutlich ist die größte Baustelle wirklich die Tiefe im Defensive Backfield: New Orleans wird dank seines eigenen Passfeuerwerks im Angriff durchaus etlichen Pässen in der Defense ins Auge schauen. Entsprechend dürfte ein Vierer- oder wenigstens Dreierpack an akzeptablen Cornerbacks von Vorteil sein.

Bliebe „nur“ noch die Baustelle schlechthin: Head Coach. Sean Payton war der Spielzugansager im Angriff. Wird nun Brees noch mehr Verantwortung bekommen? Welche Rolle wird der eher suspekte OffCoord Carmichael einnehmen? Was ist mit Vitt, dessen Interimszeit in St Louis wenig Denkwürdiges hinterlassen hat? Und dann ist da noch die Führungsfrage: Solange die Bilanz der Saints stimmt, dürfte auch die Atmosphäre passen. Aber wenn der wahre Chef (Payton) irgendwo zweitausend Meilen südlich mit Eisbecher am Strand liegt, möchte man sich nicht ausmalen, wie die verbliebene Führungsriege nach der ersten Dreiniederlagenserie reagieren wird…

NFL 2012/13: Der Schedule steht

Heute Nacht wurde der NFL-Schedule für die kommende Saison 2012/13 offiziell vorgestellt. Die Rahmenbedingungen waren uns bereits bekannt: Der Opener findet an einem Mittwoch statt und jedes Team erhält ein Spiel in der Primetime, dem neu eingeführten wöchentlichen Donnerstagnachtspiel im NFL-Network sei Dank. Und am 25.10.2012 spielen in London Patriots gegen Rams. Den Schedule kann man sich bei NFL.com anschauen.

Die Highlights:

Das Eröffnungswochenende bietet neben dem Opener Giants-Cowboys zwei weitere interessante Matchups: Pittsburghs Rückkehr nach Denver zu SNF, wo sie diesmal nicht Tebow, sondern Manning empfangen dürfte. Und um 22h15 MESZ Green Bay – San Francisco. Der Doubleheader zu MNF mit zwei Divisionsspielen: BAL-CIN und OAK-SD.

Fast alle Donnerstagnachtspiele sind Divisionsduelle.

Gleich mehrere Lions-Spiele in der Primetime: In Woche zwei die Neuauflage der Handshake Bowl (SF-DET) zu SNF, in Woche 7 ein Auswärtsspiel in Chicago Montagnacht, in Woche 14 zu SNF @Packers und in Woche 16 am Donnerstag daheim gegen Atlanta. Dazu das Thanksgiving-Heimspiel gegen Houston zum Abendessen in Europa.

Überhaupt Thanksgiving: Die NFL fährt alles auf, was man auffahren kann. Nach DET-HOU um 18h30 matchen sich Dallas und Washington (RG3!?) um 22h und in der Nacht die NY Jets und New England (bei NBC).

Green Bay kommt mit gleich fünf Primetime-Spielen davon (zwei daheim). Auch Titelverteidiger Giants mit fünfmal Primetime (ebenso zwei daheim). New England viermal (2/2). Der lanjjährige NFL-Liebling Tebow Jets mit viermal Primetime (dreimal daheim).

Ein paar interessante Spiele, die NBC und das NFL-Network diesmal abstoßen mussten und die zu christlichen Sendezeiten in Europa zu sehen sind:

  • San Francisco – Green Bay (Woche 1/22h15)
  • New Orleans – Green Bay (Woche 4/22h15)
  • Pittsburgh – Philadelphia (Woche 5/19h)
  • Denver – New England (Woche 5/22h15/Manning vs Brady!)
  • Philadelphia – Atlanta (Woche 8/19h)
  • NY Giants – Pittsburgh (Woche 9/22h15)
  • New Orleans – San Francisco (Woche 12/22h15)
  • NY Giants – New Orleans (Woche 14/22h15)