New York Jets in der Sezierstunde

Das Gute für Rex Ryan: Die Lombardi Trophy kehrte nach all dem Getöse nach New York zurück. Das weniger Gute: Eingefahren wurde sie vom Stadtrivalen Giants. Die Jets dagegen erlebten eine frustrierende Saison, verpassten mit 8-8 Siegen die Playoffs und standen am Ende vor meutereiähnlichen Zuständen, inklusive tagelanger auf breiter Front ausgetragener Grabenkämpfe zwischen Trainerstab und Spielern, wo sich selbst anerkannte Routiniers wie Tomlinson öffentlich kritisch mit den Zuständen in der Mannschaft auseinandersetzten. Am Ende durfte Ryan bleiben, aber OffCoord Brian Schottenheimer wurde freundlich vor die Tür gesetzt. Nachfolger: Der knochentrockene Tony Sparano.


Sparano steht in Zeiten, in denen das Passspiel Titel gewinnt, für ein eher lauforientiertes Footballspiel. Was normalerweise eine schlechte Idee ist, macht bei den New York Jets und ihrem Spielermaterial aber sogar noch Sinn. Denn mit dem stagierenden QB-Schönling Mark Sanchez und dem jüngst eingekauften Tebow gibt es zwei nicht furchterregende Quarterback-Optionen. Überhaupt die Quarterbacks: Erst flirtete man mit Manning, dann verlängerte man mit Sanchez und holte Backup Stanton, dann kaufte man Tebow ein und setzte Sanchez das Messer vor die Brust, dann wurde Stanton schon wieder abgegeben und nun diskutiert die Footballwelt über einen Sanchez-Trade nach L.A.. Bleibt nun gar der aufmüpfige McElroy die dritte Option? Wie wir es drehen und wenden: ‘Ne rüschtüsch rote Linie lässt sich nicht erkennen. Nach Sanchez‘ erstem Spiel mit drei Fehlpässen wird die Meute nach Tebow krähen.

Wäre alles nicht das ganz große Problem, hätten die Jets abseits davon eine runde Offense. Doch neben dem offenen Scheunentor auf Right Tackle, wo Hunter im Einwochenrhythmus in den Senkel gestellt wurde, fehlt es den Jets auch an verlässlichen Running Backs (Tomlinsons Leistungskurve stürzte zuletzt rapide ab, Greene ist nicht das erhoffte Arbeitstier) sowie einem ausgereiften Corp an Wide Receivers. Holmes passt charakterlich wie Arsch auf Eimer auf Rex Ryan und bietet auch sportlich gute Aussicht, dürfte aber insbesondere mit den mittelmäßigen Quarterbacks nicht alle Last allein tragen können.


Über Jahre wurden diese Probleme von einer fabulösen Defense übertüncht. Eine Defense, die mit ungemein viel Bewegung an der Anspiellinie arbeitet und es meisterhaft versteht, zu tarnen und zu täuschen. Druck auf den Quarterback wird via Spielzugansage veranstaltet, während man im Defensive Backfield darauf vertrauen kann, dass der großartige CB Darelle Revis einen Top-WR nach dem anderen aus dem Spiel nehmen kann.

Trotzdem sucht man in New York seit Jahren an dem einen Pass Rusher, um den herum sich die Abwehr entlasten ließe. Mit dem Pick #16 dürfte den Jets der eine oder andere Weg via Draft offen stehen, einen druckvollen OLB einzuberufen, nach dem Pettino/Ryan so sehr lechzen. Es ist trotz einer insgesamt wechselhaften Jets-Saison die einzige wirkliche Schwäche in der Defense, nachdem die Line um den alten, aber noch immer als frisch geltenden NT Pouha (33 Lenze) wenigstens den Lauf zur Genüge abwürgen kann und die Secondary (diesmal verstärkt u.a. durch S Landry aus Washington) grundsolide genug besetzt ist, um auch mal drei Wide Receivers auf einmal aus dem Spiel zu nehmen.


Bei den Jets dürfte viel am Gelingen des Drafts liegen – ein Dauerthema für die notorisch schlechten Draftstrategen von Gang Green. Mit dem Tebow-Einkauf dürfte man sich neben der Möglichkeit, eine zusätzliche Offensiv-Variante einzubauen, vor allem Theater und ein paar Messer für Sanchez‘ Rücken beschert haben. Der Druck dürfte indes nicht geringer werden. Ryan und GM Mike Tannenbaum stünden bei einer weiteren erfolglosen Saison vor dem Abschuss, während sich gleichzeitig das Fenster für den Erfolg dieser Jets-Generation zu schließen beginnt.