Buffalo Bills in der Sezierstunde

Achterbahnsaison für Buffalo: Nachdem die Bills überraschend gut in die Saison gekommen waren (fünf Siege in sieben Spielen), folgte danach der Kollaps mit acht Niederlagen in den letzten neun Partien. Größtes Thema dabei: Turnovers. In den ersten sieben Partien war die Turnover-Bilanz der Bills +11, in den verbleibenden Spielen danach -9. Eklatant sind dabei die absoluten Zahlen, die in allen Mannschaftsteilen bizarre Umschwünge andeuten:

Week   W-L   Giveaways Takeaways
1-8    5-2   9         20
9-17   1-8   21        12

ESPN erklärte sich den Leistungseinbruch mit der teuren Vertragsverlängerung für QB Ryan Fitzpatrick zur Saisonmitte, die dessen Motivation den Bach runtergehen lassen habe. Ein weiterer Erklärungsansatz: Die Verletzung von RB Freddy Jackson, der im Bills-System, das deutlich weniger um einen starken Quarterback gebaut ist wie andernorts, über 130yds/Spiel beisteuerte, aber in Woche 11 auf die IR wanderte.

Es deutet sich mittlerweile an, dass Fitzpatrick bleiben wird und keine billigere Alternative ausgeguckt wird. Fitzpatricks Lieblings-Receiver Stevie Johnson bekam die Franchise Tag übergestülpt, und dann gibt es da noch den „Breaker“, RB C.J. Spiller, dessen eigenartig eindimensionale Spielweise zum Ende der abgelaufenen Saison besser in Schwung gekommen zu sein schien. Die Offense dürfte also halbwegs passen. Die Zahlen waren abseits der volatilen Turnovers (4.3% Interception-Quote war die dritthöchste ligaweit) absolut okay, ein weiterer starker Wide Receiver oder Tight End dürfte aber nicht schaden.


Der wunde Punkt der Bills ist in der Defense zu finden, die mit unglaublich vielen erzwungenen Turnovers zu Saisonbeginn ihre Schwächen kaschierte. Als weniger Bälle als gewohnt freigeschlagen wurden, implodierten Sieg/Niederlagen-Bilanz und Stimmung. Es wäre jedoch nicht so, dass sich die Defense abseits jener Turnovers im Saisonverlauf besonders verschlechtert hätte. Sie war nämlich nie besonders gut.

Es mag daran liegen, dass man sich lange Zeit nicht eins war, mit welchem Basis-System man auffahren wollte: 4-3 oder 3-4 oder 4-6 oder 4-4-2 mit Mittelfeldraute und schnellen Außenverteidigern. Nun wurde intern der einstige Pornoschnäuzer Dave Wannstedt zum DefCoord befördert, was für die Zukunft „4-3“ bedeuten dürfte.

Dafür spricht auch der, nein: DER, Move der Offseason: Der Einkauf des gehypten DE Mario Williams, der nach intensiven nächtlichen Flirts bei Kerzenschein und Violinenmusik im Mittelkreis des Ralph Wilson Stadiums völlig überraschend einen aufgeblähten Vertrag von den Bills (den B-i-l-l-s!) aufgesetzt bekam – und unterschrieb. Damit liest sich die Defensive Line der Bills plötzlich wie aus dem EffEff: DT #99 Marcel Dareus wurde ein ausgezeichnetes Rookie-Jahr nachgesagt und bei DT #95 Kyle Williams kriegen sich die PFF-Analysten sowieso seit Jahren vor lauter Sabbern nicht mehr ein. Zudem kam mit Anderson aus New England ein spezialisierter Pass Rusher für nicht billiges Geld.

Mit der Neuauflage des „Williams Wall“ dürften zugleich drei Fliegen abgeklatscht worden sein: Pass Rush verstärkt, butterweiche Laufverteidigung aufgebessert und für den NFL-Draft die Möglichkeiten erweitert. Statt Defensive End kann man nun andere Lücken angehen, namentlich die Secondary, die durchaus eher auf wackeligen Beinen stand.


Nach apathischen Jahren ist der Move gen Mario Williams durchaus als Sensation für die generell passiven Einkäufer der Bills zu sehen. Ist es ein Move mit dem Ziel, eine titelfähige Mannschaft zusammenzustellen? Werden die Bills ernsthafte Anstrengungen unternehmen, das Image des Billigteams abzuschütteln, und in der zu erwartend schwierigen AFC East vorne mitzumischen? Nicht mehr ganz auszuschließen, und wenn ein Williams in die Provinz wechselte, warum nicht auch andere? Cap-Room ist hinreichend verfügbar. Und schließlich verfügt man mit Chan Gailey und Wannstedt auch über durchaus kompetente Leute im Trainerstab.

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