Up the Hill

Es passiert jedes Jahr, dass im Verlauf des Scouting-Prozesses plötzlich Spieler aus dem Quasi-Nichts zwischen Ende März und Mitte April in den Himmel gejazzt werden. Das Beispiel schlechthin in dieser Off-Season ist QB Ryan Tannehill von Texas A&M. Tannehill ist ein Spieler, einst von den Aggies als Nachwuchs-QB rekrutiert, zum Wide Receiver umgeschult und dann in College Station mitten in einer enttäuschenden Saison 2010/11 von Chefcoach Mike Sherman in einem Verzweiflungsmove zum Spielmacher befördert. Ergebnis: Die lendenlahme Aggies-Offense mauserte sich zu einer der spektakulärsten und mit Tannehill galt aTm 2011/12 plötzlich als heißer BCS-Kandidat. Tannehill spielte nicht schlecht, aber die Aggies verloren einen knappen Thriller nach dem anderen und fuhren eine schwache 7-6 Bilanz ein. Zu allem Überfluss brach sich Tannehill im Jänner auch noch den Fuß und das Dingens mit der Profikarriere schien steiniger zu werden als gedacht – nur Mayock war seinerzeit von den Top10-Qualitäten Tannehills überzeugt.

Nun tritt seit ein paar Tagen das ein, was die Amerikaner mit dem wohlklingenden Terminus „scouts are raving about his abilities“ umschreiben. Tannehill ist in einem Draft, in dem sich jeder, wirklich jeder bereits sämtliche verfügbaren Mäuler über Luck und Griffin zerrissen hat, zum Gesprächsthema #1 mutiert. Plötzlich ist er mit seinen mickrigen 19 Einsätzen als Starting-Quarterback am College nicht mehr das unerfahrene Risiko, sondern der Mann, dessen Fähigkeiten trotz der wenigen Spiele bereits fassungslos sind, der präziseste Werfer während des Scrambelns, flott bei Fuß, ein sich in Windeseile entwickelndes Talent ohne eine charakterliche Flausel.

Tannehills Coach am College, Sherman, ist mittlerweile OffCoord bei den Miami Dolphins. Diese brauchen einen Quarterback und draften an #8. Glaubt man den Pundits, könnte das bereits zu spät sein, da der schlafende Riese Tannehill möglicherweise mehr wert sei. Aus „mindestens“ erste Runde ist „sicheres Top-10“ und „möglicherweise #4“ geworden. Ohne daraus einen qualitativen Vergleich herstellen zu wollen, aber die Tannehill-Story von 2012 ist das, was 2006 Cutler, 2007 Russell, 2009 Sanchez und 2011 Gabbert/Newton waren: Die Quarterbacks, die plötzlich wenige Wochen vor dem Draft zur brandheißen Ware mutieren und wie kaputte Schallplatten in Podcasts rauf- und runterdiskutiert werden.

Nachtrag: Mayocks Kommentar zu Ryan Tannehill und warum Tannehill an #4 nach Cleveland muss.

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