Pittsburgh Steelers in der Sezierstunde

Die Steelers waren in der abgelaufenen Saison trotz etlicher Verletzungsprobleme mal wieder eine der potentesten Mannschaften, und vor allem: Sie waren ein ausgeglichenes Team. Während die alternde Defense nicht mehr so dominiert wie in früheren Tagen, zeigte die Offense explosive Elemente, explosiver als noch in der Vergangenheit. Am Ende scheiterte man aufgrund eines GAU-Viertels in Denver in einem Spiel, in dem ein halbes Dutzend an wichtigen Startern entweder fehlte oder aus dem Spiel getragen wurde.

Was damals wie erste Anzeichen von Untergangsstimmung rüberkam, muss nicht sein. Auch wenn der Mannschaftskern nicht jünger oder billiger wird, so wurde doch via Draft über Jahre recht intelligent Nachwuchs beschafft, der nun nach den ersten Rücktritten (Ward) in den Startlöchern steht.

In der Offense pfeift QB Ben Roethlisberger einfach mal auf die unterirdische Offensive Line, erscrambelt sich notfalls mit zwei Handvoll Schmerztabletten die notwendige Zeit für die tiefen Bomben auf die jungen Wide Receivers Emmanuel Sanders, Antonio Brown und Mike Wallace. Wallace ist ein deep threat vor dem Herrn, allerdings aktuell auf dem Tauschmarkt für einen Erstrundendraftpick erhältlich; die Steelers haben kaum den nötigen Freiraum unter der Salary Cap, um einen eventuell „frontgeloadeten“ Vertrag für Wallace zu erwidern.

Ein zweiter fraglicher Punkt ist die Gesundheit von RB Mendenhall. So unwichtig die Running Backs geworden sind, so würde Mendenhalls Fehlen nach dem Kreuzbandriss doch eine Lücke in eine Offense reißen, die mit ihrer furchtbaren Offensive Line wenigstens ein Mindestmaß an Laufspiel gebrauchen kann. In Redman scheint man nicht mehr als eine Notlösung zu erkennen.


Die Steeler-Defense machte nach Jahren der Dominanz gegen Laufspiel in der abgelaufenen Saison Rabatz gegen Pass-Angriffe: 4.9yds/Passversuch sind ein fulminanter Wert; dummerweise kollabierte man just gegen den vermutlich schwächsten Gegner Tebow in den Playoffs und ließ über 15yds/Pass (!) zu. Allgemeiner Tenor: Der Verjüngungsprozess muss jetzt einsetzen.

In der Defensive Line bewegen sich mit Smith, Hampton und Keisel verletzungsanfällige Leute um die 35 Lenze, doch stehen mit den zuletzt gedrafteten Ziggy Hood (25), Cam Heyward (23) und Steve McLendon (26) bereits drei junge Alternativen in den Startlöchern. Bei allen dreien scheint man noch nicht überzeugt zu sein, weswegen uns das Gefühl beschleicht, dass Pittsburgh auf DL-Jagd im Draft gehen könnte.

Die Linebackers stellen mit Leuten wie Harrison, Woodley oder Timmons das absolute Prunkstück und sorgen in Hochform alleinig für ausreichend Pass Rush und blaue Flecken, allerdings muss der jahrelange Leader James Farrior ersetzt werden.

Und dann ist da noch das Backfield, das so wenig Passyards wie keine andere Mannschaft zuließ. Safety Polamalu und CB Ike Taylor wurde eine zuletzt exzellente Saison nachgesagt (Taylors Playoffspiel sorgt jedoch für ein Sternchen), aber beide haben die Vorwahl bereits vor einiger Zeit auf „3“ geändert. Und dahinter gilt die Tiefe als eher begrenzt. Man darf annehmen, dass Colbert/Tomlin hier nachbessern werden.


Für Abgesänge ist es zu früh. Wenn es um Steelers und NFL-Draft geht, kann man von intelligenter Handhabe fast ausgehen: Die Franchise wird einen Weg finden, um die Verjüngung im Abwehrbereich ohne Revolution über die Bühne zu bringen. Sollte Wallace gehen, wird die Mannschaft gar noch einen zweiten Erstrundendraftpick erhalten; in diesem Falle ginge jedoch die gefährlichste Offensiv-Waffe verloren und die Offense bräuchte einen neuen Wide Receiver.

Alles in allem schauen die Steelers  für mich jedoch nicht so aus, als ließen sie die aufstrebende divisionsinterne Konkurrenz so schnell über sich drüberfahren. Dafür steht das Fundament auf zu soliden Füßen.

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Ein Kommentar zu “Pittsburgh Steelers in der Sezierstunde

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