Tennessee Titans in der Sezierstunde

Die Tennessee Titans sind ein Team, das nach „Durchschnitt“ schreit. Insbesondere in der zweiten Saisonhälfte fuhr man typische, standardisierte NFL-Ergebnisse gleich in Serienform ein:

Woche 9  L 24-17 Cincinnati
Woche 11 L 23-17 @Atlanta
Woche 12 W 23-17 Tampa Bay
Woche 13 W 23-17 @Buffalo
Woche 14 L 22-17 New Orleans
Woche 16 W 23-17 Jacksonville
Woche 17 W 23-22 @Houston

Logisches Resultat dieses Flip-Flops an Ergebnissen der Geschmacksklasse „23-17“: Eine 9-7 Bilanz ohne die großen Ausreißer nach oben, dafür aber mit der bitteren Klatsche Mitte Dezember gegen Indianapolis (!), die zwei Wochen später im Playoffkampf schmerzlich fehlte. Trotzdem dürfte man „9-7“ als ordentliches Endergebnis werten.


Dabei musste man sich häufiger als erwartet von der eigentlichen Stärke, dem Laufspiel um RB Chris „CJ1K“ Johnson (4.0yds/Carry, 4 TD) abwenden, hin zu einem unspektakulären, in keinerlei Hinsicht herausragenden Passspiel um den Oldie-QB Matt Hasselbeck. Gegen die Elite hatte man nur selten eine Chance, jedoch reichte die fehlerarme Spielweise, um die schwächeren Gegner abzuwürgen.

Nach dem gescheiterten Anlauf auf QB Peyton Manning steht in der Offense früher oder später ein interner Generationswechsel an: Der junge, mobile QB Jake Locker scharrt bereits in den Startlöchern und könnte schon in der kommenden Saison übernehmen. Das große Fragezeichen bei Locker wird seine Passpräzision sein. Drei Spiele sind nicht ausreichend Testmenge, um die 51% Completion Rate zu verteufeln, aber gepaart mit seiner Historie am College muss man bei „big arm“ Locker eine eher mäßige Completion Rate erwarten. Locker ist immerhin ein spannend anzuschauender Quarterback, der keinen Scramble mit Kopf voraus scheut.

Die Titans dürften allerdings ernsthaft überlegen, einen oder mehrere Wide Receivers einzukaufen. Der beste Mann, WR Kenny Britt, hat eine elend lange Verletzungshistorie und abseits Britts dürfte der Corp an Ballfängern als eher dürftig besetzt gelten.

Eine angesichts der schwachen Zahlen für RB Johnson viel diskutierte Position war die Offensive Line, wo es keinen Konsens über deren „Anteil“ an Johnsons Einbruch gab. Man sieht in LT Roos einen erstklassigen Mann, man sieht im Rest einen Haufen Mittelmaß. Nun wurde für teures Geld der einst in alle Sphären hochgelobte G Steve Hutchinson aus Minnesota geholt, aber man geht immer noch davon aus, dass sich die Titans in der ersten Runde des Drafts eines Offensive Liners bedienen könnten – vielleicht C Konz aus Wisconsin (Wisconsin! Der Mann ist aus Wisconsin!).


Die Titan-Defense wird zu den grundsoliden gezählt, aber eben nicht mehr. In anderen Worten: Wo heute jede Unit Rabatz mit Pass Rush machen möchte, ist die Front Seven von Tennessee recht pathetisch an der Anspiellinie und dürfte auch nach dem wichtigen Einkauf von DE/OLB Kamerion Wimbley aus Oakland (5yrs/35M) auf der Suche nach Upgrades sein. Mit dem zuletzt suspekt eingesetzten DT/DE Jones ist einer der Eckpunkte der letzten Jahre gen Seattle abgewandert, weswegen Tennessees depth chart maximal als „durchwachsen“ deklariert werden kann.

In der Secondary ging CB Finnegan verloren. Durch relativ gute Coaches dürften die Titans zwar nicht kollabieren, aber irgendwann wird es den einen oder anderen „Playmaker“ eben auch brauchen, selbst in einer Division mit so apathischen Offenses wie jener der Titans.


Ich bin mir nicht sicher, was man von den Titans künftig erwarten kann. Das Spielermaterial schreit im Prinzip nicht nach „Playoffs!“, der HeadCoach Mike Munchak ist dann auch nicht der große Visionär und bei OffCoord Chris Palmer habe  ich auch immer ein eher ungutes Gefühl. Locker könnte nach dem intensiven Flirt der Besitzerschaft mit Peyton Manning leicht angeknackst sein und muss dringend seine Konstanz steigern, sollte er über längere Zeit der Starter werden, während die Geschichte zeigt, dass ein spektakulärer Running Back wie Johnson nur selten ein Mann ist, um den man eine Offense bauen sollte. Und dann haben wir immer noch nicht über die Defense gesprochen… Pluspunkt: Die Divisionskonkurrenz hat auch so ihre Wehwehchen.

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