New York Giants in der Sezierstunde

Wie es sich gehört, werden die Sezierstunden 2012 mit dem Titelträger abgeschlossen. Nota bene: „Titelträger“ ist gleich nicht automatisch „beste Mannschaft“. Das waren und sind die Giants nicht. Sie waren vermutlich nichtmal die beste Mannschaft in ihrer eigenen Division (das waren die Eagles). Nichtsdestotrotz gehörte Coughlins Truppe zu den kompletteren Mannschaften in der NFL, erreichte verdientermaßen die Playoffs und kam zum Ende der Münzwurfserie gar mit der Lombardi Trophy nach Hause – als erste Mannschaft ever mit negativem Punkteverhältnis in der Regular Season.

Zum Februar bekam alle Welt beim Gedanken an QB Eli Manning nasse Höschen, und vermutlich zurecht so: Neben einem Haufen Mittelmaß war die Pass-Offense um Manning und seine WR-„Triplets“ Nicks/Manningham/CRUUUUUUUUUUUUUUUZ New Yorks  herausragende Stärke: 7.7yds/Passversuch in der Regular Season ist ein fantastischer Wert und brachte New York überhaupt erst in die Position, einen Anlauf auf den Titel zu nehmen. Dort, in der Post Season, erfüllte diese Armada die Erwartungen größtenteils. Der Titelgewinn war allerdings glücklich. Aber für jede andere der am Ende verbliebenen Mannschaften wäre er nicht minder glücklich gewesen.

So stehen wir zweieinhalb Monate nach der Superbowl da, sprechen über eine leicht überdurchschnittliche NFL-Mannschaft und wundern uns, was sie in der Zwischenzeit so getrieben hat (Wink: nicht narrisch viel).


Mit TE Bennett wurde ein bärenstarker Blocker eingekauft, mit CB Terrell Thomas einer von den dutzenden Deckungsspielern verlängert, und dann wurde noch Mannings Backup Carr ein billiger Vertrag aufgesetzt. Manningham und Jacobs wurden weggeschickt. Datt war’s. Man darf sich fragen, ob dies in einer Division, in der aller Rest im Aufrüsten begriffen ist, der richtige Weg ist. Auf alle Fälle ist es für GM Jerry Reese ein konsequenter Weg. Reese verliert so schnell nicht die Nerven.

Man könnte insistieren, dass die Giants auf die Rückkehr zahlreicher Verletzter setzen dürften. Das würde allerdings die zweifellos vorhandenen Schwächen im Kader nicht vollends ausfüllen. Die Offensive Line zum Beispiel ist ein relativ offenes Scheunentor, wofür wir nichtmal die wöchentlichen Verdammungen von Pro Football Focus ans Licht ziehen müssen: Beatty, McKenzie oder Diehl gelten als leicht verbesserbare Objekte und auch C Baas war nicht über alle Zweifel erhaben.

Dazu kann man davon ausgehen, dass die Giants nach Manninghams Abgang einen jungen Wide Receiver ins Visier nehmen werden. Vielleicht die eine oder andere Ergänzung in der Defensive Line, die jedes Jahr im Giants-Mittelpunkt steht. Wie es bei den gemeinhin als hüftsteif verschrieenen Linebackers aussieht, lässt sich kaum abschätzen. Obwohl man ihnen jedes Jahr die Verpflichtung (oder Einberufung) eines höherklassigen Linebackers ans Herz legen möchte, rühren sich die Giants nur allzu selten in diese Richtung. Und dann sind da noch die Safetys, wo der eher suspekte Antrel Rolle nicht unbedingt alle glücklich stellt, jedoch via Draft kaum nennenswerte Sofortlösungen verfügbar sein sollen.

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4 Kommentare zu “New York Giants in der Sezierstunde

  1. Hossa, da haust du aber mächtig auf die Giants ein!

    Zu einem Super Bowl-Run gehört sicherlich auch eine gehörige Portion Glück, aber den Giants-SB-Sieg mit einer Münzwurfserie zu vergleichen ist schon hart.
    (Ich will das hier jetzt nicht detailliert ausklamüsern, aber kann es sein, dass dir die überragende Saison Mannings irgendwie gegen deine Sympathie oder dein statistisches Modell ging und sich vieles daran aufhing.)

    Viel überraschter bin ich aber über deine Einschätzung der Frontoffice in der Offseason.
    Das Build-from-within, die Entwicklung des eigenen Spielermaterials, der nur sehr punktuelle FA-Einkauf wird (auch von dir) stets als sehr gute Qualität eienr Organisation gewertet. (immer wieder lobend erwähnt: Steelers, Ravens, Packers) Bei den Giants soll dieser Ansatz aber plötzlich keine gute Idee sein?
    Ergänzen sollte man vielleicht noch, dass die Giants hart an der Salary Cap waren, was allein schon den Spielraum einschränkt.
    (Das ist letztlich warum es schon lange allen klar war, dass man Manningham nicht das Gehalt würde bieten können, was dieser fordert, oder warum man Jacobs mit seinem üppigem Gehalt und der mediocren Laufleistung cuttete. (Beide Entscheidungen waren m.E. quasi no brainer.) Dafür verlängerte man mit einem eigenen, jungen Pro Bowl CB, der die gesamte, letzte Saison verpasste (vermutlich „dank“ Verletzung deutlich günstiger als anderweitig möglich) und dürfte nun eines der tiefsten Def. Backfields der Liga haben und verpflichtete einen talentierten TE, der im Pass- und Blockspiel hilfreich sein kann.)

    Prinzipiell erwarte ich ähnliche Draft-Prioritäten wie du: D-Line (Osi hat ein Contract-year), O-Line (insgesamt sehr porös…), WR.
    Irgendwo werden sie sich bestimmt auch noch einen RB schnappen.

    Ich würde es den Giants (vor allem aufgrund ihrer Position als Letzter picken zu dürfen/müssen) durchaus zutrauen, dass sie ob ihrer recht kompletten Mannschaft zu Beginn wieder nach „best player available“ (und nicht nach „biggest need“) draften.

  2. Ich würde es nicht „dreinhauen“ nennen und auch das Münzwurfspiel auch nicht allzu negativ auslegen. Punkt ist: Der GM im wüstesten Medienmarkt der NFL bleibt cool. Cool nach zwei verpassten Playoffs und aufrüstender Konkurrenz (Eagles). Cool nach Titelgewinn mit nicht überaus überlegener Mannschaft. Die Giants haben IMHO unter Reese eine Geschichte, die drei großen Positionen zu verstärken, wenn sie in der Offseason geschwächt wurden (QB, WR, DL). Ich erwarte dies bei zumindest WR auch diesmal. Ich denke nicht, dass ich den Weg der Giants in ein zu negatives Licht rücke.

  3. Danke für die Klärung.

    Ich halte die Leistung von GM Reese und auch der Owners (Maras) schlicht für sagenhaft vor dem Hintergrund des Haifischbeckens NY. (München, Hamburg, Köln sind dagegen der reinste Kindergeburtstag.)

    Das geht vom Festhalten/Ruhe bewahren in der Trainerfrage (Wie oft war Coughlin von Medien und Fans schon fortgejagt?) über die ruhige, „leise“ Kadergestaltung (i.W. via Draft und Spielerentwicklung in der eigenen Organisation und nicht via splashiger, „lauter“ und teurer FA-Signings). – Letztlich alles Punkte für die auf andere Organisationen das Hohelied angestimmt wird.
    Gerade da es New York ist, finde ich diese Leistung so beachtlich.

  4. Pingback: Glaskugel 2012: New York Giants | Sideline Reporter

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