Was vom NFL-Draft übrig blieb

Der NFL-Draft hat seinem Status als Teil der US-Popkultur alle Ehre gemacht und wieder für Top-Einschaltquoten gesorgt: 25 Millionen sollen wenigstens einen Teil der Sendung verfolgt haben. Das kombinierte Nielsen Rating von ESPN und NFLN lag bei 5.28. Die Stimmung in der Halle schien mit aber wie schon im letzten Jahr am zweiten Tag besser zu sein, was an den NFL-Pensionisten liegen mag, die die Draftpicks der einzelnen Franchises aufrufen dürfen. Wenn ein Barry Sanders unter Standing Ovations und „Barry! Barry!“-Sprechchören den neuesten Lions-Rookie verkündet, ist definitiv mehr Gänsehaut-Feeling da als wenn Goodell unter Buhrufen am Pult steht.


Markus Kuhn/N.Y. Giants

In der 7. Runde, mit dem 239ten Pick, ging der zweite Deutsche ever vom Tablett: DT Markus Kuhn, unser Freund, der mit der DVD die US-Ostküste entlag getourt war und schließlich bei NC State untergekommen war. Kuhns Destination ist eine gute: Die New York Giants mit ihrer Philosophie, möglichst viele Defensive Liner im Kader zu halten. Könnte sich für Kuhn also tatsächlich ein Platz im Kader ausgehen.


Die Ungedrafteten

Ein paar andere wurden nicht gedraftet. Der bekannteste unter ihnen ist Boise States famoser Quarterback Kellen Moore, der aber bei den – Achtung – Detroit Lions als undrafted rookie free agent im Wort stehen soll! Der zweite größere QB-Namen, Case Keenum, bleibt in Houston und unterschreibt als UDFA bei den Texans.

Paar andere bekanntere Namen sind zwei aus den „Triplets“ der Washington Huskies, WR Jermaine Kearse und RB Chris Polk, wobei Polk bereits bei den Eagles unterschrieben haben soll. Und dann wäre da noch der Knallkopf, LB Vontaze Burfict von Arizona State. Burfict soll zu den Cincinnati Bengals gehen – jener Organisation, die in den letzten Jahren immer wieder Aufmerksamkeit durch Verpflichtung von charakterlichen Zeitbomben erregte.


Die Quarterbacks

Elf Quarterbacks gingen vom Tablett, wobei der letzte auch gleichzeitig „Mr. Irrelevant“ (letzter gedrafteter Spieler) ist: Chandler Harnish aus der Mid-American Conference:

Rd Pick Quarterback         Team
1  #1   Andrew Luck         IND
1  #2   Robert Griffin III  WAS
1  #8   Ryan Tannehill      MIA
1  #22  Brandon Weeden      CLE
2  #57  Brock Osweiler      DEN
3  #75  Russell Wilson      SEA
3  #88  Nick Foles          PHI
4  #102 Kirk Cousins        WAS
6  #185 Ryan Lindley        ARI
7  #243 B.J. Coleman        GB
7  #253 Chandler Harnish    IND

Auffällig ist ja, dass mit Indianapolis und Washington gleich beide Franchises nach dem Top-Pick noch einen zweiten Quarterback einberiefen. Die Redskins gar in der vierten Runde mit Kirk Cousins einen eher hoch gehandelten Mann. Ob man Griffins Verletzungen dabei im Hinterkopf behalten hat?


Detroit Lions

Gleich dreimal Oklahoma Sooners für Detroit. Ansonsten recht konventioneller Draft der Lions, der – wer hätte das gedacht – vor allem darauf abzielte, Spieler für die Löcher im Kader zu finden. OT Reiff/Runde #1 dürfte mittelfristig einen der beiden Tackles Cherilus/Backus ersetzen, WR Broyles/#2, wenn wieder gesund, als dritter oder vierter Receiver hinter Johnson/Young aufgebaut werden.

In den späteren Runden folgte nur noch Defensive Back-Seven mit reihenweise Linebackers und Cornerbacks, wobei zwei Altbekannte von der University of Oklahoma darunter sind: Ronnell Lewis und Travis Lewis. Letzterer galt über Jahre als großartiger, pfeilschneller Mann, litt aber unter Verletzungen.


New England Patriots

„Konventionell“ ist bei Bill Belichick nie das richtige Wort. In der siebten Runde wurde der jüngst eingeknastete CB Alfonzo Dennard von Nebraska geholt. Dennard ist ein Mann, der noch im Jänner durchaus als möglicher Erstrundenpick gegolten hatte. Eine „logische“ Wahl in der letzten Runde: Risikopick mit potenziell großem ROI.


Verweise

Auf NFL.com hat Chad Reuter einen Rückblick auf den dritten Tag des Drafts gemacht – man sollte sich mit Schnellschlüssen in Sachen „Bewertung“ zurückhalten, aber Reuter fasst das Geschehen recht gut zusammen.

Mike Mayock ist verknallt in den Draft der Cincinnati Bengals.

Schließlich noch ein Fall von Die Reichen werden reicher für die AFC-Spitze.

Werbeanzeigen

2 Kommentare zu “Was vom NFL-Draft übrig blieb

  1. Mal ne Frage:
    Jeder Draftpick muss einen der Runde entsprechenden Vertrag bekommen, right?
    In der 7. Runde werden doch viele Spieler gedraftet, die kein anderes Team auf dem Plan hat. Warum drafte ich dann diese Spieler, anstatt sie nachher als FA für weniger Geld unter Vertrag zu nehmen?! Oder sind sie dann eventuell teurer, weil sie selbst verhandeln können?

    Wie läuft das mit den Erstrundenpicks ab. Zum Beispiel die Herren Griffin und Luck. Sie wurden jetzt von den Redskins bzw. Colts gedraftet. Aber das heißt noch nicht, dass sie auf jeden Fall dort spielen werden oder?! Es müssen noch die Verträge ausgehandelt werden. Was passiert denn, wenn sie die Verträge nicht unterschreiben und mehr Geld verlangen? Wie passt das mit dem Rookie salary cap zusammen?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.