NFL-Franchises im Kurzporträt, #10: New Orleans Saints

Same old Saints war jahrelang das Stichwort gewesen, als es um die Footballmannschaft von New Orleans ging. Bis sie vor zweieinhalb Jahren tatsächlich sogar mal die Super Bowl holten.

When the Saints Go Marchin‘In

Am Allerheiligentag 1966 wurde die Franchise offiziell in die NFL-Familie aufgenommen – benannt jener berühmten Gospel-Melodie. New Orleans und seine Footballmannschaft – sie spielten sieben Jahre lang im Tulane Stadium, ehe sie Mitte der 70er in den Superdome einzogen. Erfolge? Nope – über zehn Jahre dauerte es, bis sie überhaupt mal damit aufhörten, negative Saisonbilanzen zu schreiben – sportlich zumindest. Selbst von den eigenen Fans wurde man Aint’s genannt, was nichts anderes als eine Verarsche auf die Negierung ist. Do plus nein ist gleich don’t.

Über zwei Jahrzehnte dauerte es, bis sie überhaupt mal eine positive Bilanz hinlegten. Das war 1987 unter dem Coach Jim Mora. Unter Mora war man viermal in den Playoffs und einmal Divisionschamp. Nur, um jedes Mal gleich im ersten Playoffspiel rauszufliegen.

Verkalktheit

Auf Mora folgte der ehemalige Superbowl-Champ der Bears, Mike Ditka. Ditka bleibt vor allem deswegen in Erinnerung, weil er im Draft 1999 die einsame Entscheidung traf, den Washington Redskins alle Draftpicks 1999 plus mehrere hohe Picks 2000 zu schenken, nur um RB Ricky Williams holen zu können. Resultat: 3-13, und Ditka war weg vom Fenster.

2000/01 holten sie sich unter Jim Haslett immerhin den ersten Playoffsieg der Vereinsgeschichte – über den Titelverteidiger St Louis. Aber Haslett war berüchtigt für seine fehlende Liebe zum Detail und schlampte jahrelang vor sich hin. Zugegeben, viel Unterstützung vor allem von Seiten des Managements hatte er nicht und GM Randy Mueller wurde ohne Erklärung vom Owner abgesägt.

QB Aaron Brooks war auch so eine Geschichte für sich. Brooks agierte eher in der Kategorie „vogelwild“. Sein versuchter Rückwärtspass zu einem eigenen Offensive Liner ist Kult und gehört zur Saints-Folklore.

Katrina

Anfang September 2005 überflutete der berüchtigte Hurrikan Kartina weite Teile der Region Mississippi/Louisiana und zerstörte Teile der Heimatstadt und des Stadions der Saints. Die Saints schmierten als Team ohne Heimat vor leeren Rängen gnadenlos ab. Auftritt Sean Payton.

Payton holte als neuer Head Coach QB Drew Brees nach New Orleans und die Saints legten eine überraschende 2006er-Saison hin, die angeführt von einer genialischen Offense erst im Schneegestöber von Chicago endete.

Drei Jahre später noch besser: Brees orchestierte eine stürmische Offense durch die Lande und hätte um ein Haar eine Perfect Season hingelegt. Viel wichtiger: Die Saints gewannen die Super Bowl, dank einer leidenschaftlichen Endspielvorstellung gegen Indianapolis inklusive spektakulärer PlayCallings von Seiten Paytons. In der öffentlichen Wahrnehmung wird der Playoff-Lauf von 2009/10 aktuell durch den unguten Bountygate-Skandal in ein etwas anderes Licht gerückt.

Der Triumph schob jedoch wenigstens das seit Jahren schwebende Beil namens „Umzug“ in den Hintergrund und dürfte dafür gesorgt haben, dass die Saints mittelfristig weiterhin in New Orleans bleiben werden.

Die Halle (The Benz)

Superdome

Der Louisiana Superdome im Abendlicht - ©Wikipedia/Nwill21

Die Saints spielen seit Anfang der 70er im Louisiana Superdome (72.000 Plätze), bei uns bekannt geworden ist als Zufluchtsort für die Opfer von Hurricane Katrina und so ziemlich die einzige NFL-Halle, die ich mag. Ich habe vor ca. 8-10 Jahren eine Doku gesehen, wie der Superdome auf Stelzen in das Sumpfgelände hineingebaut wurde – beeindruckend und für die damalige Zeit eine architektonische Meisterleistung. Der Superdome trägt sich sozusagen selbst im Sumpf. Innen drinnen ist das Design langweilig, aber die Halle gilt als eine der potenziell lautesten der NFL. Mehrere Superbowls haben hier schon stattgefunden, wie auch die jährliche Sugar Bowl. Seit Oktober ist Mercedes Benz Namensgeber des Superdomes.

Rivalitäten

Die traditionelle Rivalität der Saints ist diejenige mit den Atlanta Falcons, die I-85 genannt wird, weil die Interstate 85 die beiden Städte verbindet und in fünf Stunden per Anhalter erreichbar macht. Neben den Falcons gibt es weniger hitzige Divisions-Rivalitäten mit Buccaneers und Panthers.

Kleinere „Nebenschauplätze“ gibt es mit den San Francisco 49ers als langjähriger Divisionskonkurrent und aufgewärmt in den vergangenen Playoffs, den Chicago Bears (Schneeballschlachten beim NFC-Finale 2006/07) und den Minnesota Vikings (Bountygate/NFC-Finale 2009/10). Ansonsten fehlen die Reibungspunkte, wohl auch aufgrund der fehlenden sportlichen Erfolge über die Jahrzehnte.

Gesichter der Franchise

  • Archie Manning – QB, Vater von Peyton und Eli und ein Idol in Louisiana.
  • Drew Brees – QB, Heilsbringer und Superbowl-Champ. Ich glaube zwar kein Wort, dass Brees sich genau in dem Moment für die Saints entschied, als er durch die komplett zerstörten Vororte des Big Easy geführt wurde, aber es ändert nichts: Brees ist mittlerweile das Idol der Krisenregion.
  • Sean Payton – Head Coach und Architekt hinter einer der spektakulärsten Pass-Offenses in den letzten Jahren in der NFL. Dass jener Payton
  • Deuce McAllister – RB, jahrelang das allein gelassene Arbeitstier, um am Ende der Karriere zuschauen zu müssen, wie die Saints ohne ihn den Titel abstaubten.

korsakoffs Highlight

Super Bowl XLIV – seit Katrina hätte ich eine Handvoll großer Spiele der Saints anzubieten, vom Superdome-Comeback bis zum Halbfinale. Aber Superbowl XLIV wird mir immer in Erinnerung bleiben als das Spiel, in dem Saints-Coach Sean Payton die ultimativen Risiken einging und mit Wahnsinns-Calls das Spiel drehte und gewann: 4th down ausspielen, Onside Kick zur Eröffnung der zweiten Hälfte, 2pt Conversion spielen.

Eckdaten

Gegründet: 1967
Besitzer: Tom Benson (Automobil-Zwischenhändler)
Division: NFC South
Erfolge: Superbowl-Sieger 2009, 9x Playoffs (6-8)