NFL-Franchises im Kurzporträt, #11: Denver Broncos

Eigentlich genügt ein Name, um diese Franchise zu beschreiben: John Elway. Trotzdem ein Versuch, eine der klassischeren NFL-Franchises etwas differenzierter zu betrachten.

Pre Elway – Mehr Quarterbacks als Spielzeiten

Zur Gründung ist zu sagen: Beteiligt war kein uns Unbekannter. Vor einem Jahr schlug in den Kommentarspalten ein gewisser Chris Griffing auf diesem Blog auf der Suche nach einem Stream für eiFreundschaftsspiel seines Sohnes auf. Ich kam mit Griffing ins Gespräch und es zeigte sich recht schnell die Historie des Mannes: Chris Griffings Vater Dean Griffing (sr.) war einer der Mitbegründer der Denver Broncos und deren erster General Manager.

Das war 1960 und noch in der AFL (American Football League), aber im ersten erfolglosen Jahrzehnt erreichten die Broncos nicht ein einziges Mal das Endspiel der damaligen NFL-Konkurrenzliga.

Dafür werden die Broncos auf immer das erste AFL-Team bleiben, das eine NFL-Mannschaft putzte: Das Opfer, erraten, es waren die Lions. In den 70ern, dann in der NFL, ging es mühselig weiter, bis Ende des Jahrzehnts hinter einer dominanten Defense und einem alternden QB Craig Morton einmal die Super Bowl verloren wurde. Morton ist neben Kurt Warner der einzige QB, der mit zwei Teams die Super Bowl erreicht hat. Nur: Morton hat keine von beiden gewonnen.

Die Ära Elway – Leiden mit Happyend

Alle anderen Phasen der Vereinsgeschichte sind Episoden, 1983 bis 1998 stellt jedoch eine Ära dar. Die Ära von QB John Elway, der Quarterback, der nicht für die Baltimore Colts spielen wollte und dafür in Denver zur Legende wurde. Elway machte sich einen (nicht unbedingt berechtigten) Namen als Comeback-König, als einer, der mit Willens- und Führungsstärke eine eher durchschnittliche Mannschaft immer wieder zu großen Erfolgen führte – um immer wieder die ganz wichtigen Spiele zu verlieren. Legedärste Spiele wie The Comeback in Cleveland wurden letztendlich immer wieder negiert, weil Denver zum Schluss die Super Bowls haushoch verlor.

1986/87 zum Beispiel wurde gegen die defensivstarken New York Giants 20-39 verloren. 1987/88 kassierte man fünf Touchdowns in einem Viertel gegen Washington und ging 10-42 baden. 1989/90 wurde man von San Francisco böse 10-55 niedergemacht – bis heute das höchste Ergebnis in der Superbowl-Geschichte.

Mitte der 90er reagierte Besitzer Pat Bowlen, sägte den alten Head Coach Dan Reeves ab, änderte Farben und Logo (vom niedlichen hellorange zum aggressiven blau/orange und ein Wildpferd mit Kampfblick als neues Logo) und installierte den ehemaligen 49ers-Assistent Mike Shanahan als Coach.

Elway selbst war nicht mehr so gut wie in den alten Zeiten. Aber Elway hatte nun eine starke Mannschaft versammelt, mit dem Sensations-RB Terrell Davis und TE Shannon Sharpe an der Spitze. Am Ende dauerte es bis 1997/98, als erstmals die Superbowl gewonnen wurde. Ein ganz tolles Endspiel in San Diego, mit glücklichem Sieg über die Green Bay Packers. Das Spiel, in dem Elway den Helicopter zeigte. Ein unvergesslicher Moment. Ein Jahr später wiederholten Elway und Konsorten den Titelgewinn in einer dominant geführten Saison mit Endspielsieg über Atlanta. Und „Jon Wayne“ Elway ritt mit der Vince Lombardi Trophy gen Sonnenuntergang.

Post Elway – Die Zeit nach dem Superbowls

Nach Elways Rücktritt gewannen die Broncos jahrelang keine Playoffspiele mehr. Unterirdisch waren die Spielzeiten nicht, aber immer wieder wurde man in der ersten Playoffrunde von den Colts abgeschossen. 2005/06 scheiterte man im AFC-Finale. Seitdem stand man nie mehr in den Playoffs, weil erst QB Jay Cutler zu jung war, dann die Defense streikte und später Head Coach Josh McDaniels alle Strukturen samt Mannschaftsgefüge in Trümmer schlug.

Mit John Fox und GM Elway (natürlich!) ist seit Winter 2011 der Wiederaufbauprozess im Gange. Die Playoffs 2011/12 waren ein Freak-Unfall, wenn auch dank „Comeback-King“ Tebow ein höchst unterhaltsamer, aber der „richtige“ Umbau erst mit der Verpflichtung von Superstar-QB Peyton Manning 2012 eingeleitet – die erste Saison unter Manning endete im viertlängsten Spiel der NFL-Geschichte zuhause gegen den späteren Superbowlchamp Baltimore.

Eine Meile über dem Meer

Denvers Footballstadion vor Colorados Bergkulisse

Denvers Footballstadion vor Colorados Bergkulisse – Bild: Wikipedia/David Shankbone

Die Broncos spielen nicht mehr im berühmten Mile High Stadium, sondern einen Katzensprung davon entfernt im Sports Authority Field @Mile High Stadium (65.000 Plätze)/ex-INVESCO. Ein Stadion in der Periphärie, eine Meile hoch über dem Meeresspiegel und entsprechend in dünner Luft. Die Fans sind berühmt als besonders treu und stolz.

Rivalitäten

Denvers oberste Nemesis wurde 1997/98 geschlagen: Der Dämon “Super Bowl”. Wichtigste Rivalen sind die beiden AFC-West-Gegner Oakland Raiders und Kansas City Chiefs. Die Duelle mit beiden sind meistens sehr physische, kampfbetonte Matches und nicht selten fliegen die Fetzen. Ende der 90er wechselte mal das Chiefs-Idol DE Neil Smith nach Denver und wurde bei der Rückkehr nach Arrowhead gnadenlos ausgepfiffen. Die dritten im Bunde, die San Diego Chargers, sind hauptsächlich seit letzter Dekade Rivale, weil zumeist Denver und San Diego um die Divisionskrone stritten.

Auf zwei Spielen für die Footballannalen gründet die gemeinsame Geschichte der Broncos und Cleveland Browns: The Comeback und The Fumble – zweimal gewann Denver das AFC-Finale hauteng, einmal durch einen 99yds-Drive (The Comeback), einmal durch einen Fumble an der Goal Line von Browns-RB Earnest Byner. 1989/90 gewann Denver ein drittes AFC-Finale. Während Cleveland damit dreimal aufgrund der Browns die Super Bowl verpasste, wurde Denver dreimal in selbiger abgeschlachtet. Sie entscheiden, wer besser sich besser aus der Affäre gezogen hat.

Sportlich kommen die Broncos seit Jahre nicht an den Colts vorbei. Immer und immer wieder verlud QB Peyton Manning die Broncos, die einst Millionen für CB Champ Bailey ausgaben, nur um Mannings Pass-Armada zu stoppen. Ohne Erfolg. Nun spielt Manning selbst in Denver.

Gesichter der Franchise

  • John Elway – QB. Der beste Spieler, den die Broncos je hatten. Genannt Captain Comeback aufgrund zahlloser gedrehter Spieler, geliebt aufgrund zahlloser Superbowl-Niederlagen. Erst als nicht mehr er so gut war, dafür aber sein Team, holte er zum Karriereausklang noch zweimal den Titel.
  • Terrell Davis – RB, kurze NFL-Karriere, aber die wenigen Jahre der absolut dominante Back. Zweimal Superbowl-Sieger, ehe alle Bänder im Knie rissen.
  • Shannon Sharpe – TE, Lautsprecher und, ja, genau der, dem man heute im TV zuhört und sich immer und immer wieder fragt: Was hat er jetzt grad gesagt?
  • Tebow. Langfristig wird Tim Tebow kaum mehr als eine Anekdote in der Bronco-Historie verbleiben. Aber dass ein einziger Mann in sieben Wochen einen derartigen Hype verursachen kann, habe ich in rund zehn Jahren NFL-Verfolgen noch nicht gesehen.

korsakoffs Highlight

Denver 13, Chicago 10 (OT) – Das Tape von Superbowl XXXII kam vor 2-3 Jahren mal auf ORF Sport Plus und war sicherlich ein tolles, spannendes Footballspiel, und das Playoffspiel gegen die Steelers hatte auch was, aber dieses Spiel muss einfach der Favorit sein: Das NFL-Spiel des Jahres 2011/12. Ich zitiere mich da selbst:

Was die Broncos angeht: Das ist wie im alten Madden, wo der Gegner siebenundfuffzich Minuten nichts zustande brachte, um mit der 2min-Offense zur unstoppbaren Angriffsmaschine zu werden und in 23sek 87yds zum Touchdown zurücklegte. Es ist zu viel „Freak“ dabei, als dass diese Offense langfristig Früchte tragen kann. Aber das Team ist unterhaltsam bis zum Anschlag. Tipp: Staunen und genießen.

Eckdaten

Gegründet: 1960
Besitzer: Pat Bowlen (Rechtswesen/Bergbau/Makler)
Division: AFC West
Erfolge: Superbowl-Champ 1997, 1998, Superbowl-Verlierer 1977, 1986, 1987, 1989, 19x Playoffs (18-17) – Stand 2013