NFC East in der Frischzellenkur

Nachdem die ersten Trainingseinheiten der Dallas Cowboys mit ihren Rookies schockierend schlecht gewesen sein sollen, hier ein Blick auf die NFC East, jene Division, die den Draft als Gesamtes vermutlich am aggressivsten anging und mehr als eine Handvoll bekannte Gesichter holte.

Dallas Cowboys

Rd #   Pos Name
1  6   CB  Morris Claiborne
3  81  DE  Tyrone Crawford
4  113 LB  Kyle Wilber
4  135 S   Matt Johnson
5  152 WR  Danny Coale
6  186 TE  James Hanna
7  222 LB  Caleb McSurdy

Defensivlastige Draftklasse für die Dallas Cowboys, mit nur zwei Angriffsspielern im 1,80m-Zwerg Coale und TE Hanna, die jeweils die Chance kriegen dürften, für zwei Abgänge (WR Robinson/TE Bennett) in den Kader zu rücken.

Der auffälligste Move war freilich jener Trade an die Position #6 für den CB Morris Claiborne von LSU, der im Defensive Backfield ausreichend Spielzeit bekommen dürfte, nachdem die alten Recken um Newman nach und nach aus dem Kader geworfen werden. Eine Position, bei der sich Cowboy-Fans den Mund fusselig reden, ist jene des Safetys. Matt Johnson ist nicht wirklich ein mir bekannter Name (sprich: ich kannte die Eastern Washington University überhaupt nicht), soll aber gute Workouts gehabt haben.

Für die Front Seven mit Boise States DE Tyrone Crawford einen „grinder“ für die Rotation im Pass Rush und in LB Wilber einen Allrounder ohne allzu großen Zug gen Quarterback: Der Cowboy-Draft war darauf ausgelegt, die größten Sorgenfalten des Trainerstabs für die kommende Saison anzugehen und demzufolge eigenartig „logisch“ für diese Franchise. Wie viel Jerry Jones da wohl überhaupt noch drinsteckt?

New York Giants

Rd #   Pos Name
1  32  RB  David Wilson
2  63  WR  Rueben Randle
3  94  CB  Jayron Hosley
4  127 TE  Adrien Robinson
4  131 OT  Brandon Mosley
6  201 OT  Matt McCants
7  239 DT  Markus Kuhn

Erstaunlicherweise wurden die erwarteten Offensive Linemen in der Zone gedraftet, in der für gewöhnlich die Perspektivspieler für die mittelfristige Zukunft einberufen werden: OT Mosley und OT McCants in der vierten bzw. sechsten Runde. Ansonsten war es ein recht ruhiges Wochenende für die Giants.

In der ersten Runde kam in David Wilson von Virginia Tech ein Running Back. Die Giants blieben auf ihrem 32ten Pick hocken, aber nicht ausgeschlossen, dass sie lieber den als kompletter angesehenen Doug Martin bekommen hätten, für den Tampa einiges Holz abgab, um gerade so noch an #31 ranzukommen. Wilson gilt auf alle Fälle als respektabler Ballfänger und dürfte dem Giants-Spiel damit eine Dimension geben, die Brandon Jacobs nicht bot.

Der Randle-Pick ist in die Kategorie „Reese at his best“ einzuordnen: Eine frei gewordene „Skill-Position“ wird bei den Giants fast immer schnell mit einem höheren Draftpick ersetzt. So auch diesmal nach Manninghams Abgang, wo nun mit Rueben Randle ein sehr groß gewachsener Mann reinrutscht und durchaus als Receiver neben Nicks und Cruz einige Spielzeit sehen dürfte.

In der siebten Runde mit dem deutschen DT Markus Kuhn ein Mann, der sich aus Lokalpatriotismus verfolgen lässt. Ich halte es durchaus für nicht ausgeschlossen, dass Kuhn einen Platz im Kader ergattern kann: Die Giants pflegen, etliche Defensive Liner im Stall zu halten.

Philadelphia Eagles

Rd #   Pos Name
1  12  DT  Fletcher Cox
2  46  LB  Mychal Kendricks
2  59  DE  Vinny Curry
3  88  QB  Nick Foles
4  123 CB  Brandon Boykin
5  153 OT  Dennis Kelly
6  194 WR  Marvin McNutt
6  200 G   Brandon Washington
7  229 RB  Bryce Brown

Die Eagles und Chefcoach Andy Reid waren wie gewohnt recht aktiv auf dem Tauschmarkt und schlugen bei Verfügbarkeit dann auch stets schnell zu. Fletcher Cox war Mayocks favorisierter Defensive Tackle und gilt an #12 bereits als Schnäppchen. Gepaart mit dem anderen Defense Liner aus der zweiten Runde, Vinny Curry, haben wir in Philadelphia nun eine potenziell enorm tief besetzte Line mit Optionen auf „Wide 9“ und eine etwas traditionellere Auffassung dank einer Handvoll Tackles.

Der Pick, der am deutlichsten mit „need“ überschrieben ist, dürfte LB Kendricks sein, der eine quasi nicht besetzte Position ausfüllen muss. CB Brandon Boykin/Georgia dürfte nach dem Verkauf Samuels’ als Ergänzungsspieler für die Secondary gedacht sein und ist meiner Erinnerung nach durchaus auch kein unerfahrener Returner, falls man WR Jackson künftig besser beschützen möchte.

QB Nick Foles sticht ins Auge, weil es kein Pick der Güteklasse „eh klar“ war. Reid ist einer von den Coaches, die den Backup-QB relativ hoch werten und entsprechend stets auf eine akzeptable Lösung bedacht sind. Foles könnte bei Vicks Verletzungsanfälligkeit schneller spielen als gedacht – aber bei aller Wuseligkeit vom Hünen Foles habe ich Foles als völlig anderen Typus QB denn Vick in Erinnerung.

Washington Redskins

Rd #   Pos Name
1  2   QB  Robert Griffin III
3  71  G   Josh LeRibeus
4  102 QB  Kirk Cousins
4  119 LB  Keenan Robinson
5  141 G   Adam Gettis
6  173 RB  Alfred Morris
6  193 OT  Tom Compton
7  213 CB  Jordan Bernstine
7  217 CB  Richard Crawford

Nach den handgezählten zweihundertdreiundfünfzig Skill Players vor einem Jahr ist die diesjährige Draftklasse der Washington Redskins abseits der Quarterbacks eher auf Unscheinbarkeit getrimmt. Die bemerkenswerteste Aktion am Wochenende dürfte der dritte Pick sein: QB Kirk Cousins, der erstaunlich „hoch“ (#102) einberufen wurde, um als Griffins Backup zu fungieren. Der Plan dürfte sein, mit RG3/Cousins plus einem Routinier in die Saison zu gehen, Cousins als Absicherung zu entwickeln und womöglich mittelfristig zu verhökern.

Seine Hochwürdigkeit Robert Griffin III ist bereits jetzt eine Kultfigur in Washington und dürfte eine rollout-lastige Offense gezimmert bekommen. Ich habe oft betont, dass ich die Liaison RG3/Shanahan durchaus für kompatibel halte und mich darauf freue. Der Preis allerdings war, ist und bleibt erstmal massiv; die Redskins sind in den nächsten beiden Drafts in ihrer Handlungsfreiheit recht limitiert.

Mit LB Robinson von Texas ist noch ein vom College bekannter „Playmaker“ dabei. Den Rest machen Blocker und Defensive Backs aus – was eh wurscht ist, da die Franchise erstmal mit Griffin steht und fällt.