Pfingst-Trilogie: Die Bühne gehört erneut der Klasse von 2010, Part 1

Vor einem Jahr hatte ich aus purem Eigeninteresse Teile der ersten Runde des NFL-Drafts von 2010 unter die Lupe genommen. Ein Jahr später ein weiterer Blick auf diesen Jahrgang nach dessen zweitem Jahr – also acht Monate vor der vorläufigen Klausur zur „mittleren NFL-Reife“. Heute das erste Dutzend an Erstrundendraftpicks, die sich in ihrer Gesamtheit besser geschlagen zu haben scheint, als man es ihnen in der doch recht ruhigen Vorberichterstattung vor zwei Jahren zugetraut hatte.

Die Rookies des Jahres 2010/11

Der Top-Pick QB Sam Bradford steht in St Louis vor seinem dritten Jahr bereits gehörig unter Druck. Aufgrund der 50M-Investition waren die Rams noch nicht bereit, die Reißleine zu ziehen und zogen es vor, den Kader mit fast einem halben Dutzend Erstrundenpicks bis 2014 aufzupolieren. Nach einem soliden, nicht großartigen, Debütjahr kamen für Bradford in der vergangenen Saison alle Umstände zusammen – auch wenn der stets pointierte Walter Reiterer da eine Spur kompromissloser reingehen würde. Punkt ist: Die Rams-Offense war leblos, und das, obwohl mit Josh McDaniels der Mann die Spielzüge orchestrierte, der noch jeden Quarterback überdurchschnittliche Zahlen produzieren ließ.

Der #2-Pick DT Ndamukong Suh schlug mit seiner wuchtigen Spielweise mehr als einmal etwas über die Strenge, ließ sich gegen die Packers zum „markentechnisch“ ungünstigsten Zeitpunkt zu einer Tätlichkeit gegen einen Guard Green Bays hinreißen und riskiert, sich bereits zu einem frühen Karrierezeitpunkt seinen Ruf zu verbrennen. Leistungsmäßig war 2011/12 für Suh wohl ein Fortschritt: Ich würde nicht allzu viel in den Rückgang an Sacks (von 10 auf 3) reinlesen wollen. Suh spielt – wohl vom Trainerstab gewollt – extrem spekulativ und vernachlässigt ganz gerne die schiere Möglichkeit, dass da auch ein Running Back das Ei bekommen könnte. Kompletter Spieler? Vielleicht nicht, aber ich bekomme immer mehr den Eindruck, dass es Schwartz/Cunningham nicht darauf anlegen.

Die Verletzungsgeplagten

Der #3-Pick DT Gerald McCoy von den Buccs gilt als Volltreffer, sofern er denn mal spielt. Keine zu unterschätzende Einschränkung, nach 16 verpassten Spielen in zwei Jahren. Ähnliches gilt auf der „anderen“ Seite der Line of Scrimmage für die OT Trent Williams (#4/WAS) und Russell Okung (#6/SEA), denen beide durchaus akzeptable Leistungen nachgesagt wurden, die beide jedoch mit Wehwehchen aller Art zu kämpfen haben sollen.

Der fünfte Pick, Safety „fifth dimension“ Eric Berry von den Chiefs, war nach einem recht fehlerhaften Rookie-Jahr dank einiger Big Plays wohl etwas verfrüht in den Himmel geschrieben, fiel 2011/12 die komplette Saison aus.

Die Defensivspezialisten

Völlig in der Anonyme bleibt dagegen bis dato Clevelands CB Joe Haden, dem man zwei fantastische Jahre nachsagt und um dessen „Shutdown“-Fähigkeiten die Browns-Defense gebaut werden könnte. Haden machte die größten Schlagzeilen vor ein paar Tagen, als er quasi ins Blaue hinein eine Glückliche im Lamborghini auf eine Schulabschlussfeier begleitete – und nicht, wie durchaus angemessen, mit seinem sportlichen Auftritt.

MLB Rolando McClain (#8/OAK) gilt nach seinem zweiten Jahr als zu hüftsteif für die NFL und allenfalls gegen die 120kg-Bolzen auf Fullback gebräuchlich, dürfte seine Rolle in der kommenden Saison unter dem abwehrorientierten neuen Head Coach Dennis Allen beschränkt sehen. DT Tyson Alualu (#10/JAX) erfährt in Jacksonville trotz einiger Wehwehchen eine etwas höhere Wertschätzung, wenn auch das Label des „reaches“ noch nicht abgekratzt werden konnte. Alualus große Schwäche ist das Abtauchen gegen Doppeldeckungen („double teams“).

Die Explosiven

RB C.J. Spiller (#9/BUF) rehabilitierte sich im zweiten Jahr für seine wenig inspirative Rookie-Saison. Vor einem Jahr hatte ich auf Buffalo und Spiller noch eingeprügelt, muss das Urteil erstmal eine Spur revidieren: Spiller scheint ein wenig Geduld erlernt zu haben und war zumindest in Ansätzen die erhoffte explosive Waffe (aber nur 104 Carries).

Der „andere“ hoch einberufene RB Ryan Mathews (#12/SD), vor einem Jahr noch als verletzungsanfällig gebrandmarkt, soll eine starke Saison gespielt haben und mit 50 Catches auch ein schneller, kräftiger Ballfänger in der prächtigen Charger-Offense sein – Mission erfüllt für Norv Turner, der genau solche Spielertypen, wie es Mathews zu sein scheint, sucht.

Der Flop

Als größten – und bisher einzigen wirklichen – „Bust“ hat man bereits OT Anthony Davis (#11/SF) in San Francisco ausgemacht. Davis soll kein Bein in den Boden bekommen und nur aufgrund mangelnder Alternative überhaupt noch spielen dürfen. Ohne Davis wirklich ein Zeugnis ausstellen zu wollen, bleibt zu betonen, wie erstaunt man doch war, dass San Francisco es quasi ohne Quarterback und mit noch viel weniger Offensive Line in das Championship-Finale durchwursteln konnte. Aber es gibt Positives, wie wir morgen sehen werden, denn der nächste Niner-Pick von 2010 war ein Volltreffer…

3 Kommentare zu “Pfingst-Trilogie: Die Bühne gehört erneut der Klasse von 2010, Part 1

  1. Fehlt bei den Def-Spezialisten nicht Earl Thomas ? Oder kommt der dann in Teil 2 vor ?

  2. Bei erstes dutzend sollte ein Seahawks Fan merken, dass Earl Thomas an 14 gedraftet wurde.

  3. Pingback: Pfingst-Trilogie: Die Bühne gehört erneut der Klasse von 2010, Part 3 | Sideline Reporter

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