Pfingst-Trilogie: Die Bühne gehört erneut der Klasse von 2010, Part 3

Die erste Runde ist meistens – wie man erwarten würde – die Runde, in der das meiste Star-Potenzial schlummert (siehe hier und hier). Aber auch später gibt es den einen oder anderen Volltreffer. Ein Blick auf die späteren Runden des Drafts 2010 nach zwei Spielzeiten.

Die zweite Runde

Es ist eine Runde, die mit bekannten und interessanten Namen gespickt ist, aber nur zwei von ihnen schaffte Stand heute wirklich den Durchbruch: Der eine ist TE Rob Gronkowski (#42/NE), der sich anschickt, in New England sämtliche bestehenden Rekorde für Tight Ends zu pulverisieren, und noch viel bedeutender: Gronkowski hat fürs erste dafür gesorgt, dass Verteidigungen ihre Spielweise umstellen mussten – seinentwegen. Solche Spieler gibt es ganz selten.

Der andere ist DE Carlos Dunlap (#54), ein bloß situativ eingesetzter Pass Rusher, dessen Effizienz aber Mäuler mit ungläubigem Speichel füllen soll. Ein dritter potenzieller Star ist Philadelphias Safety Nate Allen (#37), dessen Verletzung die abgelaufene Saison verkürzte, der jedoch als Rookie hinreichend Potenzial angedeutet zu haben scheint. Ähnlich geht es LB Brandon Spikes (#62/NE), dessen gute Leistungen sich mit allzu vielen Verletzungen abwechseln.

Nach durchwachsenen Rookie-Saisons sollen Spieler wie RB Toby Gerhart (#51/MIN), DT Terrance Cody (#57/BAL) oder RB Ben Tate (#58/HOU) deutliche Aufwärtstrends gezeigt haben. Zu den überzeugenden Spielern gehören weiters der als sehr komplett geltende Cowboy LB Sean Lee (#55), Miamis DE Koa Misi (#40), DT Lamarr Houston (#44/OAK), der als Allzweckwaffe eingesetzte RB/WR/KR Dexter McCluster (#36/KC) oder der durchaus nicht hüftsteife LB Daryl Washington (#47/ARI).

LT Rodger Saffold (#33/STL) soll ein durchwachsenes und trotzdem überhyptes Rookie-Jahr mit einem furchterregend schlechten zweiten Jahr beantwortet haben. Der bekannteste Name ist aber QB Jimmy Claussen (#48/CAR), einem als Grund-Unsympathen verschrieenen ehemaligen Notre-Dame-Quarterback, dessen Situation als Rookie nicht schlechter hätte sein können: Ein Chefcoach ohne Liebe zu Quarterbacks, keine Receiver, kein Laufspiel. Claussens Pech ist nun freilich, dass QB Cameron Newton das Ruder mehr als 180° herumgerissen hat und damit erstmal auf weiteres unantastbar sein wird.

Die dritte Runde

Der Volltreffer der dritten Runde ist in San Francisco zu finden, wo ILB NaVorro Bowman (Pick #91) ein unglaubliches Jahr 2011/12 nachgesagt wurde: Wenn sich alle Experten einig sind, dass du Willis vergessen machen könntest, dann musst du was können. Bowman soll Potenzial zum All-Pro angedeutet haben.

Ein zweiter Superstar ist in New Orleans zu finden, wo TE Jimmy Graham zuletzt weit über 1300yds aus der Luft pflückte, und das als 95ter Pick. Graham ist analog zu Gronkowksi so einer dieser 2,50m großen Athleten mit fangsicheren Händen, und er hat das Glück, in einem ausgereiften Corp an Ballfängern und mit einem Quarterback wie Drew Brees zu spielen. Auch TE Tony Moeaki (#93/KC) gilt durchaus als ein Artist vor dem Herrn, fiel allerdings die komplette zweite Saison aus und schleppt schon vom College Historien an Operationen mit sich.

Weitere bekannte Namen: WR Emmanuel Sanders (#82/PIT), WR Jordan Shipley (#84/CIN) und WR Eric Decker (#87/DEN), alle drei wertvolle Ergänzungen für die WR-Corps in ihren Teams, aber alle drei nicht über alle Zweifel erhaben und im Falle Deckers mit einer schweren Verletzung, und LT Jared Veldheer (#69/OAK), dessen Tendenzen in der abgelaufenen Saison massiv nach oben gezeigt haben sollen.

QB Colt McCoy (#85/CLE) dürfte nach zwei durchwachsenen Jahren alle Höllen der NFL durchgemacht haben, von Sklaventreibern als Head Coaches über inkompetente medizinische Abteilungen hin zu nonexistenten Wide Receivers, und soll ab sofort durch den um einige Jahre älteren Rookie Brandon Weeden ersetzt werden. McCoy verfügt über einen zu schwachen Wurfarm, um in der NFL ernsthaft als Franchise-QB für 15 Jahre dienen zu können, aber man hätte ihm nur zu gerne noch eine Chance gegeben.

Die vierte Runde

Auch hier haben wie zwei absolute Superstars: Über TE Aaron Hernandez (#113/NE) brauchen wir keine Worte mehr zu verlieren, der Mann ist ein kompletter Spieler und vermutlich die noch gefährlichere Allzweckwaffe im Vergleich zu Teamkollege Gronkowski. Hernandez ist allenfalls nicht der über alle hinausragende Ballfänger. Der zweite Superstar ist DT Geno Atkins (#120/CIN), den einige Pundits für besser befinden als Ndamukong Suh aus demselben Draft.

Eine sehr gute Rookie-Saison soll WR Mike Williams (#101/TB) gehabt haben, dieser aber eine eher schwache zweite folgen lassen haben. Mittlerweile steht mit Vince Jackson ein ähnlicher Spielertyp im Kader – abwarten, was dies für Williams’ Karriere bedeutet.

Ein weiterer Gewinner dürfte CB Alterraun Verner (#104/TEN) sein, der sich wunderbar in die jüngste Reihe an starken Titan-Cornerbacks aus den späteren Draftrunden einreiht.

Die fünfte Runde

Ein Kaliber für die Pro Bowl auch hier: S Kam Chancellor (#133/SEA), im Vergleich zum spektakuläreren Teamkollegen Earl Thomas aus der ersten Runde der solidere, zuverlässigere Safety. Ein zweiter bekannter Name ist jener von New Englands Punter Zoltan Mesko (#150), wobei man Punter nicht nach zwei Jahren bewerten sollte, nachdem Punt-Leistungen zu stark zu schwanken drohen.

„Schwanken“ ist auch ein Stichwort, wenn es um Interceptions bei Quarterbacks geht. Arizonas QB John Skelton hat aber im zweiten Jahr eine absurde Rate vorzuweisen: 5.1% der Würfe in des Gegners Arme. Hülft nix: Weil der Mann notgedrungen über zwei Jahre elfmal starten musste und dabei siebenmal gewann, glauben einige an Skeltons „Winner-Gen“.

Die sechste Runde

Keine Runde ohne Pro-Bowler. Der Kandidat aus der sechsten Runde ist Pittsburghs WR Antonio Brown (#195/PIT), eine Allzweckwaffe mit mehr als 1000yds via Luft und Returns in seiner zweiten Saison. Ein famoser Spieler soll auch DE Greg Hardy (#175/CAR) sein, dem manche zutrauen, der Einser-Passrusher der jungen Panther-Mannschaft werden zu können. Weitere bekannte Spieler: RB James Starks (#193/Superbowl-Sieger mit Green Bay mit einer ordentlichen Playoffleistung) und QB Joe Webb (#199/MIN), Backup von Favre und Ponder, dessen athletische Spielweise durchaus ansprechend für die Optik ist.

Eine besondere Story war im Draft-Vorfeld jene des Safetys Myron Rolle (#207/TEN) von der Florida State University gewesen. Myron Rolle hatte als Superhirn gegolten und aufgrund fabelhafter Noten und entsprechendem Auftretens eines von den wenigen Rhodes-Stipendien erhalten. Weil Rolle dafür ein Jahr nach England gegangen war und vom Football ausgesetzt hatte, hatten sich die Teams im Vorfeld des Drafts einen Wettstreit um die dümmsten Fragen geliefert („Wie fühlst du dich nun, nachdem du deine Teamkameraden im Stich gelassen hast?“). Rolle war mitnichten ein unbeschriebenes Blatt. Man sagte ihm Potenzial für einen Erstrundenpick nach. Rolle, der sich angenehm vom Klischee des IQ80-Footballer abgehoben hatte, ging in Runde sechs, ist heute von der NFL-Bildfläche verschwunden, gilt dafür in Bildungskreisen bereits als Celebrity.

Die siebte Runde

Der Pro Bowler ist KR Marc Mariani (#222/TEN), der DE Willie Young (#213/DET) gehört als bereits spezialisierter Pass-Rusher erstmal ebenso zu den Gewinnern der siebten Runde. Der Bekannteste Siebtrundenpick ist aber P Matt Dodge (#221/NYG) aus bereits legendären zweiten Meadowlands-Miracle. Der „Mr. Irrelevant“, WR Tim Toone (#255/DET), ist schon längere Zeit auf der Straße.

Die Ungedrafteten

Es gab da einen Glücklichen, der im Nordosten der Vereinigen Staaten durch die Lande tourte und verzweifelt hoffte, dass sein Footballtraum wenigstens noch bis zum Sommer 2010 dauern würde, bis er nach den Trainingslagern gecuttet werden würde. Frisch von der kleinen University of Massachusetts (FCS) gekommen und mit 1,83m kein Gardemaß, biss sich er sich durch und spielte dann gar eine respektable PreSeason. Er schaffte gar den Cut und begann, an sich zu glauben. Dann knatschen die Leisten und der Traum vom Profifootballer war ausgeträumt – fast. Eineinhalb Jahre sprechen wir über den Vereinsrekordler in Sachen Wide Receivers in einer der ältesten Franchises in der NFL. Wir sprechen über einen Superbowl-Champ. Wir sprechen über WR Victor Cruz.

Die Giants hatten noch einen ungedrafteten, soliden Mann gefunden: TE Jake Ballard, bis zu seiner Bänderverletzung im Superbowl ein ordentlicher Leistungsträger. Der Saints-RB Chris Ivory hält sich trotz vielfältiger Konkurrenz auch weiterhin im Kader und gehört als change-of-pace Running Back zum Inventar einer fulminanten Offense. WR Brandon Banks ist in Washington ein sehr guter Kickreturner geworden. LB Frank Zombo zwar kein allzu überragender Mann, aber aufgrund des fehlenden Pass Rushes so was wie ein Synonym für die plötzliche Abwehrschwäche der Green Bay Packers – das Leben kann unfair sein. Und dann ist da noch RB LeGarrette Blount, der Schläger von Boise, der in Tampa Bay aktuell wegen seiner Erkrankung an Fumblitis therapiert werden soll, der mit seinem brachialen Laufstil – lieber zwei Abwehrspielern einen blauen Flecken mitgeben, als ein Gratis-Yard zu nehmen – bereits jetzt nur noch drei Jahren von ausgebrannt entfernt ist.

Zwischenfazit

Wie ich schon am Freitag schrieb: Diese Draftklasse schaut nach zwei Jahren sehr hoffnungsvoll aus. Kaum wirkliche Busts, dafür in jeder Runde, auch in den späteren, eine Handvoll bereits erwiesenermaßen sehr guter Spieler, und mit Leuten wie Suh, Pierre-Paul, Gronkowski, Hernandez, Atkins oder Cruz mit Spielern, die potenziell die Art des gespielten Football – Taktiken, Matchup-Strategien – zu ändern imstande sind. Die Klasse sieht viel besser als es der vor zwei Jahren eher lauwarme „Hype“ hätte erwarten lassen.

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