O-Töne aus dem Dawg Pound: Die Zeit der Ausreden ist vorbei

alexander gehört zu den fleißigsten eMail-Schreibern und sorgt immer wieder mit leidenschaftlichen Analysen für viele Einblicke in die Seele von Organisation und Anhängerschar „seiner“ (an dieser Stelle halte ich das entsprechende Possessivpronomen für angebracht) Cleveland Browns. Zwei Monate vor dem Kickoff-Wochenende stimmt uns alexander schon mal auf die Browns 2012/13 ein.

Ich habe schon einmal meine Gedanken vor der Saison niedergeschrieben. Sollte sich im Training Camp und der Preseason nichts absolut unerwartetes ändern (Verletzungen), dann ist das quasi schon gedanklich meine fast finale Einschätzung der Browns und meine Erwartungen für September bis Dezember.

Ich freue mich sehr auf die nächste Saison. Aber nicht weil ich denke, dass die Browns mit einer positiven Bilanz was Siege und Niederlagen angeht (in diesem Jahr bei einem hammerharten Schedule im Vergleich zum Vanilla Schedule den wir letzte Saison hatten bei nur 4 Siegen) , am Ende da stehen werden, sondern weil sie spannend wird in mehreren Bereichen.

Im spielerischen Bereich freu ich mich auf TRich und auf Weeden. Von TRich erwarte ich Gutes, beim Laufen aber auch beim Ballfangen. Auch hinter TRich sollten genügend gute Ballträger sein, um TRich nicht zu viele Carries zu geben und ihn frisch und verletzungsfrei zu halten. Nach schlechter OL Situation im letzten Jahr und Verletzungen wurde in die OL investiert und somit sollten Ballträger und QB genügend Unterstützung haben. TRich ein absoluter Sympathieträger (ähnlich Weeden).

Mein Eindruck von Weeden ist äussert positiv. Ich denke, er ist dieses Experiment wert (anders nenne ich einen 29 jährigen Rookie QB für den ein first rd pick geopfert wurde, nicht). Im Nachhinein zum RG3-Deal finde ich, ein Weeden und TRich und ein first round pick nächstes Jahr mir wertvoller erscheinen als ein RG3 alleine, Stichwort Teamsport.

Weeden finde ich einen coolen Hund der werfen kann und mit einigen Wassern gewaschen ist. Ich hoffe die Rückschläge, die er als Rookie zweifellos erleiden wird, sind keine Verletzungen sondern lieber anderer Natur (die ein oder andere INT, Kritik etc). Und mit den letzteren traue ich ihm zu, wird er zurechtkommen.

Wenn man den Lobpreisungen glauben will, dann sollte er das beste sein an Kombination aus Präzision und Arm verbunden mit einer guten OL, was die Browns seit ihrer Rückkehr 1999 an einem QB hatten.

Den Rest des Artikels stelle ich unter das Motto: Die Zeit der Ausreden ist vorbei, Zeit sich zu beweisen.

Jetzt sind die WR dran Wege zu finden, frei zu sein und den Ball zur Abwechslung auch mal zu fangen. Die Zeit der Ausreden ist vorbei, Zeit sich zu beweisen.

DEF: letzte Saison mit in manchen Bereich statistisch „ok“en Werten, die mir zu wenig hinterfragt wurden. Hey, den Browns stand die NFC West gegenüber, ferner hatten sie letztes Jahr solche TD Granaten als Gegner wie ein Manningloses IND, ein JAX, ein MIA das noch Probleme hatte als sie gegen uns spielten usw.

In die Def Lobpreisungen stimme ich erst ein, wenn dieses Jahr, bei ganz anderen Gegnern (NFC East statt West)  auch gute Ergebnisse geliefert werden. Zeit sich zu beweisen.

Special Teams – eine Katastrophe, hier kann es nur besser werden, da ist richtig Feuer drin. Zeit sich zu beweisen

Trainer: Wurden die zahlreichen Missgriffe von Shurmur nach außen mit Ausreden verteidigt („keine Offseason wg Lockout“, „noch ein Rookie HC“, „mit einer regulären Offseason wäre alles besser gewesen“, kein OFF Coord. daher die Doppelposition die Shurmur  – allerdings selbstverschuldet – überlastete) so hatte man diese Saison doch nicht genügend Vertrauen in Shurmur um ihm jetzt , dieses Jahr MIT EINER REGULÄREN OFFSEASON, alleine weiter wurschteln zu lassen.

Das Management hat auch erkannt, dass die Fehler zu haarsträubend waren, die Shurmur letztes Jahr beging, dass sie ihn so nicht weiter kaspern lassen konnten.

Also ein neuer OFF Coord musste her, Brad Childress. Während ich mit ihm als HC in MIN Probleme hatte, freue ich mich sehr, dass er da ist, es kann nur besser werden. Somit ist nun Second Year Coach Pat Shurmur von 4 erfahrenen Headcoaches umgeben (Childress, Jauron, Ray Rhodes und natürlich Holmgren). Für mich gilt hier am meisten der Spruch: Die Zeit der Ausreden ist vorbei, Zeit sich zu beweisen.

Holmgren, es kommt bereits das dritte Jahr unter ihm (von insgesamt 5, danach will er in Rente gehen). Nach diesem dritten Jahr sollte irgendwas wie ein deutlicher Aufwärtstrend erkennbar sein.

Ich gehe jetzt nicht soweit, dass ich dieses Jahr die Playoffs erwarte, aber eine 6 – 10 Saison mit deutlichen Steigerungen in OFF und DEF und einer Perspektive würden mir reichen. Man darf nicht unrealistisch sein, sollte aber einige Steigerungen deutlich erkennen können.

Holmgren geht hohes Risiko. Zuviele Entscheidungen, die er mit getroffen hat, haben sich als Fehler erwiesen oder stehen eher mit einem Fragezeichen als mit einem Ausrufezeichen am Satzende. Ein Jahr und 7 Mios für Delhomme und vor allem die vergeudete Zeit stehen hier negativ zu Buche.

Dann das Herumgeeiere mit Mangini, zuerst behält er ihn für ein weiteres Jahr, obwohl von der Philosophie her klar war, dass die beiden nie zusammen passen. Ein Jahr vergeudet.

Als Mangini entlassen wurde und der Lockout drohte, war klar, dass die Browns gerade in dieser Situation eigentlich einen ERFAHRENEN Headcoach brauchen und keinen , der Rookiefehler en masse produziert und auf Grund persönlicher Bande in den Verdacht gerät nur wegen Seilschaften den Job bekommen zu haben.

Und was kommt? Ein Rookie Headcoach, der sich in STL auch nicht so als OFF Coord empfohlen hat, dass ihm der Ruf vorauseilte, er sei heisser als heisses Frittenfett. Das hat noch nicht mal am haarsträubenden Entscheidungen  ausgereicht! Obwohl ja die Offseason ausfiel, hat man ihm zugetraut auch noch den OFF Coord Job in Personalunion mit stemmen zu können. Ich spüre heute noch Kopferschmerzen als Folge von Nachwirkungen der Gehirnerschütterung auf Grund des heftigen Kopfschüttelns von vor einem Jahr.

Sollte also Shurmur auch floppen, hätten uns Holmis Coachingentscheidungen minimum 2,5 Jahre vergeudete Zeit gekostet. Allerdings, sollte sich Shurmur ähnliche Blößen wie letztes Jahr erlauben, dann wird Holmgren vielleicht noch in der Saison handeln.

Shurmur ist hier auch das schwächste Glied in der Kette, hat aber in der letzten Saison auch gar nichts gezeigt, was dem entgegen wirken könnte.

Dann die geholten QBs von Holmgren. Zuerst Delhomme, dann McCoy und nun FIRST ROUND PICK QB Weeden (statt eines ebenso dringend benötigten WR). Holmgren kann nur hoffen, dass Weeden einschlägt. Auch für Holmgren gilt: Die Zeit der Ausreden ist vorbei, Zeit sich zu beweisen.

Draft und Scouting: Das Team ist deutlich jünger geworden. Der Kader litt deutlich unter den Auswirkungen der Drafts der letzten Jahre von Mangini und der Savagezeit mit dem Zusammenbruch im letzten Crennell und Savagejahr und dem notwendigen Ausmisten danach.

Mangini hat desaströs gedraftet (der während der Saison gefeuerte GM Kokinis bleibt ein größeres Mysterium als der Untergang von Atlantis) aber gut gecoached und mit erfahrenen, älteren  und willigen middle-class-Spielern und einer guten DEF den grössten GAU am Spielfeld noch vermieden.

Das Ergebnis der aktuellen Drafts wird sich in den nächsten 2 – 3 Jahren beurteilen lassen, aber mir ist hier nicht so bang wie bei den Shurmur-Entscheidungen. Hier bin ich etwas milder gestimmt.

Also, ich erwarte eine spannende Saison was die Zukunft der Browns angeht. Die Zukunft der Spieler Weeden, TRich, Schwartz und noch andere nicht alte Spieler wir Haden, Thomas, Rubin, Taylor, Sheard und einige andere.

Wir können durchaus das ein oder andere Spielzugschmankerl erleben.

Trotz der angedachten Westcoast OFF mit Schwerpunkt Pass, erwarte ich hierzu widersprüchlich eine große Dosis Lauf.

Erstens um Weeden zu entlasten, zweitens um TRich und Co. mehr mit ins Spiel zu bringen, drittens hat Shurmur ih STL seinen RB auch viel  laufen lassen.

Solche komischen Statistiken, als man letztes jahr McCoy in einem Spiel fast 70mal werfen liess, sollte man dieses Jahr nicht sehen. Es wird ausgewogener werden.

Aber auch spannend was passiert wenn die Saison zu sehr in die Hose geht mit den Verantwortlichen wie Shurmur und Holmgren.


korsakoff – Ich würde da noch eine oder zwei Anmerkungen wagen. Vanilla Schedule ist mir persönlich zu stark. Mein Modell schätzt, dass die Browns in der abgelaufenen Saison den fünftschwersten Schedule spielen mussten (gegnerische Stärke 0.53). Und, um es noch einmal zu betonen: Die Browns hatten genau eine Schwäche: Ein desaströses Passspiel in der Offense (5.1yds/Passversuch, #30).

An den Strength of Schedule angepasst, schätzt mein Modell, dass die Browns 6.2 Spiele hätten gewinnen müssen (.387), also mehr als zwei Spiele über ihrem aktuellen Record. Der Trainerstab war neu und unerfahren, was einen Teil der unter den Erwartungen gebliebenen 4-12 Saison erklären mag.

Hätten die Browns nur ein ligaweit durchschnittliches Passspiel gehabt (6.3yds/Passversuch), sie hätten 8.8 Spiele gewinnen müssen (.549), wären also ein Playoffkandidat gewesen.

Die Special Teams waren in der abgelaufenen Saison nicht gut, passt. Aber da Special Teams extrem stark dem Phänomen „Regression zur Mitte“ unterliegen, würde ich nicht von vorneherein von einer schlechten Unit auch in der kommenden Saison ausgehen.

Gemessen an den Vorjahres-Ratings werden die Browns in der kommenden Saison einen knapp stärkeren Schedule spielen müssen (0.54). Abhängig davon wie Weeden einschlägt, kann ich mir durchaus eine überraschend starke Browns-Jahresbilanz vorstellen.