Protokoll des Schreckens

Joe Paterno Statue am Beaver Stadium

Paterno – Bild: Flattr

Der Untersuchungsbericht eines ehemaligen FBI-Agenten im Falle „Jerry Sandusky“ ist raus (Download hier), und er malt ein horrendes Bild von der Pennsylvania State University, deren Footballprogramm, aber auch und vor allem der Universitäts-Führungsriege.

Der Bericht legt offen, dass bereits Ende der 90er die Pädophilie-Vorwürfe gegen Sandusky bekannt waren und Ermittlungsarbeiten dagegen von Paterno höchstpersönlich geblockt wurden. Die „Big Four“ – Paterno, Uni-Präsident Graham Spanier, Finanzchef Gary Schultz und Sportchef („Athletic Director“) Tim Curley, die mächtigsten Männer der Penn State University nach innen und nach außen zu jener Zeit – kaschierten trotz eindeutiger Indizien die Vorfälle und schützten Sandusky. Der Bericht suggeriert auch internen Druck gegen einfaches Hilfspersonal, die Vorfälle in den Duschen der Umkleidekabinen nicht öffentlich werden zu lassen.


Der Fall wirft zu all den Korruptionsvorwürfen, den verarschten Student-Athletes und der Augenauswischerei namens „NCAA“ eine weitere ungute Komponente in das Gebilde „College Football“. Der Sport als Millionenbusiness ist für Universitäten wichtig genug geworden, um sämtliche ethische Grundsätze über Bord zu werfen und selbst das Abgründigste im Menschen – sexuellen Missbrauch von Kindern – um des Scheins (oder Erfolgs) willen zu tolerieren. Der ehemalige Student an der Penn State University, der Autor Michael Weinreb, wütet in einem flammenden Appell gegen das System: The Failed Experiment.


Verwiesen sei an dieser Stelle auch noch einmal an den besten Artikel, den ich im kompletten Jahr 2011 gelesen habe: Growing Up Penn State (auch von Michael Weinreb).

Möglicherweise sind Bild und Ruf einer der in den letzten vier Jahrzehnten zur einer der wichtigsten Bildungsanstalt gewachsenen Universität mit dieser bodenlosen Affäre auf Jahre hinaus verbrannt.