„Nie dagewesene“ NCAA-Strafe gegen Penn State

Update Mo 23.7.2012/20h14: Der Artikel über die heute Nachmittag ausgesprochenen Strafen ist online.

Die NCAA hat für morgen Montag, 15h MESZ eine Pressekonferenz einberufen, auf der der NCAA-Präsident Mark Emmert die Strafen seitens der NCAA zum grausigen Falle „Sandusky“ gegen das Sportprogramm der Penn State Nittany Lions aussprechen wird (die Verkündigung wird auf NCAA.com live gestreamt).

Das Internet ist aktuell voll von Ankündigungen, dass die Strafe „unprecedented“ (frei übersetzt: beispiellos) sein wird, was schon allein deswegen bemerkenswert ist, weil die NCAA im Normalfall hinter verschlossenen Türen arbeitet und bis zur klammheimlichen Verkündigung nichts nach außen dringen lässt.

Es stellt sich bei kurzer Recherche heraus, dass sich sämtliche Quellen auf die Aussage eines profilierten CBS-Investigativreporters (Armen Keteyian) zurückführen lassen; Keteyan gilt als höchst vertrauenswürdig und stets exzellent informiert und ist nicht dafür bekannt, heiße Luft zu produzieren.

Temporärer Todesstoß

Es wird seit einiger Zeit über das Damoklesschwert „Death Penalty“ (Ausschluss des Sport- oder Footballprogramms vom NCAA-Spielbetrieb) diskutiert, und tatsächlich wollte Emmert in den vergangenen Tagen ein solches nicht ausschließen. Die NCAA-Regeln sind für Fälle wie „Sandusky“ nicht präzise genug definiert und schweben irgendwo im luftleeren Raum, aber es gäbe ein Hintertürchen, das die Death Penalty möglich machen würde: Höchst unethisches Verhalten und mangelnde Kontrolle seitens der Universitätsführung, und zwar in so gravierendem Ausmaß, dass der Ausschluss ohne Vorwarnung passieren könnte.

Dazu würde passen, dass vor dem legendären Beaver Stadium an diesem Wochenende unter Protesten das Paterno-Denkmal erst verhüllt und dann abmontiert wurde.

Unkonventionelle Entscheidungen

Es gilt jedoch als keineswegs geritzt, dass die NCAA die Death Penalty aussprechen wird, und aktuell deutet in State College nichts darauf hin, dass Heimspiele im Herbst bereits abgesagt worden sind. Bliebe auch die Frage, warum die NCAA über solche Fälle entscheidet und nicht die Justiz. Und wirklich sinnvoll erscheint eine Zusperrung von einem Jahr (oder zwei Jahren) dann auch nicht (man beachte auch, dass die Big Ten Conference dann plötzlich ihres Championship-Spiels beraut sein könnte).

Vielmehr könnte die Strafe unkonventionell sein – so unkonventionell, wie dass Emmert einen auf Goodell macht und ohne große NCAA-Ausschüsse einfach mal (überstürzt?) eine Strafe in die Welt posaunt. Eine Strafe, die Signalwirkung haben könnte und Selbstverständnis wie Außendarstellung der NCAA für künftige Fälle massiv verändern könnte.

Nicht ausgeschlossen, dass Penn States Footballprogramm ein oder mehrere Jahre als Nonprofit-Organisation auftreten muss, mit Fonds für die Geschädigten bzw. zur Prävention – Fonds, die von den mit Penn States Football generiertem Umsatz gefüllt werden.

Andere Quellen – wie zum Beispiel Yahoo – sollen erfahren haben, dass die Strafen Ausschlüsse von Bowls und Streichungen von Stipendien von empfindlichem Ausmaße betreffen könnten.

Man kann Stand heute nur spekulieren, was morgen an Strafen ausgesprochen werden wird. Es deutet allerdings viel darauf hin, dass sie die Zukunft von Penn State massiv beeinflussen werden und seitens der NCAA ein Präzendenzfall geschaffen werden wird (ein Präzendenzfall ist bereits, dass die NCAA überhaupt über diesen Fall entscheidet und dann auch noch auf die Art und Weise, wie sie zustande gekommen ist).

Über die persönlichen Strafen gegen Sandusky und diverse hochrangige, noch lebende Vertreter der Universitätsleitung werden die Gerichte entscheiden.

Das Stadion, das RGIII baute

Die Baylor University und ihre Community sind in diesen Zeiten so enthusiastisch wie nie zuvor. Das hat noch immer einen Grund, und dieser nennt sich Robert Griffin III, genannt „RGIII“. Dieser Robert Griffin III unterschrieb vor kurzem seinen ersten Profivertrag mit den Washington Redskins aus der US-Hauptstadt und ist dort schon vor seinem ersten Profieinsatz auf dem besten Weg zur Kultfigur. Er kommt von der Baylor University.

Baylor ist eine private Universität, gelegen in Waco im Herzen von Texas, mit Nähe zur Baptistenkirche. Die Universität ist zwar Teil der großen Big 12 Conference, aber innerhalb dieses Bündnisses der wohl kleinste Player zwischen den Giganten von Texas und Oklahoma. Und auch im Sport blieb das Team von Baylor, die Bears, über Jahrzehnte im Hintergrund, trotz des einen oder anderen Stars wie zum Beispiel dem Leichtathleten Michael Johnson Ende der Achtzigerjahre.

Erst mit dem kometenhaften Aufstieg des charismatischen Quarterbacks RGIII, der vor zwei Jahren begann und im abgelaufenen Herbst sogar zum unglaublichen Gewinn der Heisman Trophy führte, setzte ein richtiger Stimmungsaufschwung ein. Heute ist er soweit, dass Baylor in Kürze damit beginnen könnte, sein neues Stadion für rund 45.000 Zuschauer zu bauen – ein Projekt, das erst im November 2011 lanciert wurde und nur in der momentan vorhandenen speziellen Aura, die dieses Programm umgibt, Aussicht auf Erfolg hatte.

In der vergangenen Woche hat der Aufsichtsrat der Universität den Weg freigemacht und den Bau der 250 Millionen Dollar teuren neuen Arena genehmigt. Nur noch ein kleiner Stolperstein steht im Weg: Die Heimatstadt Waco muss am 7. August einen Zuschuss von 35 Millionen Dollar genehmigen, aber niemand zweifelt mehr daran, dass Waco nach all dem Hype um Griffin und des begeisterten Studentenkörpers noch absagen könnte. Außerdem wird rund die Hälfte der Arena von privaten Boostern finanziert und die Fundraising-Aktivitäten laufen bisher voll nach Plan. Fast 100 Millionen wurden bereits gesammelt.

Das Stadion selbst wird im Norden des Campus errichtet, direkt gegenüber der Interstate 35, die zu den meistbefahrenen Highways in den Vereinigten Staaten gehört. Es wird umgeben von einem Fluss und kleineren Gewässern. Die Zuläufe werden über Brücken erfolgen. Und für alles, was sich nicht in Worten ausdrücken lässt, können fürs Erste die Renderings auf der offiziellen Universitäts-Homepage sprechen.

Baubeginn soll noch im August sein, damit zum Start der Saison 2014/15 die ersten Bälle fliegen können und das alte, baufällige Floyd Casey Stadium abgerissen werden kann. Die Zeichen stehen gut, dass das Gesamtprojekt Signalwirkung für das Image nicht nur der Universität Baylor und der Stadt Waco, sondern für die komplette Region Central Texas haben wird. Und zu einem nicht zu vernachlässigenden Teil ist dafür Robert Griffin III zuständig, der kleine Hürdensprinter, der Quarterback, der die Heisman Trophy ins Football-Niemandsland brachte.