Das Stadion, das RGIII baute

Die Baylor University und ihre Community sind in diesen Zeiten so enthusiastisch wie nie zuvor. Das hat noch immer einen Grund, und dieser nennt sich Robert Griffin III, genannt „RGIII“. Dieser Robert Griffin III unterschrieb vor kurzem seinen ersten Profivertrag mit den Washington Redskins aus der US-Hauptstadt und ist dort schon vor seinem ersten Profieinsatz auf dem besten Weg zur Kultfigur. Er kommt von der Baylor University.

Baylor ist eine private Universität, gelegen in Waco im Herzen von Texas, mit Nähe zur Baptistenkirche. Die Universität ist zwar Teil der großen Big 12 Conference, aber innerhalb dieses Bündnisses der wohl kleinste Player zwischen den Giganten von Texas und Oklahoma. Und auch im Sport blieb das Team von Baylor, die Bears, über Jahrzehnte im Hintergrund, trotz des einen oder anderen Stars wie zum Beispiel dem Leichtathleten Michael Johnson Ende der Achtzigerjahre.

Erst mit dem kometenhaften Aufstieg des charismatischen Quarterbacks RGIII, der vor zwei Jahren begann und im abgelaufenen Herbst sogar zum unglaublichen Gewinn der Heisman Trophy führte, setzte ein richtiger Stimmungsaufschwung ein. Heute ist er soweit, dass Baylor in Kürze damit beginnen könnte, sein neues Stadion für rund 45.000 Zuschauer zu bauen – ein Projekt, das erst im November 2011 lanciert wurde und nur in der momentan vorhandenen speziellen Aura, die dieses Programm umgibt, Aussicht auf Erfolg hatte.

In der vergangenen Woche hat der Aufsichtsrat der Universität den Weg freigemacht und den Bau der 250 Millionen Dollar teuren neuen Arena genehmigt. Nur noch ein kleiner Stolperstein steht im Weg: Die Heimatstadt Waco muss am 7. August einen Zuschuss von 35 Millionen Dollar genehmigen, aber niemand zweifelt mehr daran, dass Waco nach all dem Hype um Griffin und des begeisterten Studentenkörpers noch absagen könnte. Außerdem wird rund die Hälfte der Arena von privaten Boostern finanziert und die Fundraising-Aktivitäten laufen bisher voll nach Plan. Fast 100 Millionen wurden bereits gesammelt.

Das Stadion selbst wird im Norden des Campus errichtet, direkt gegenüber der Interstate 35, die zu den meistbefahrenen Highways in den Vereinigten Staaten gehört. Es wird umgeben von einem Fluss und kleineren Gewässern. Die Zuläufe werden über Brücken erfolgen. Und für alles, was sich nicht in Worten ausdrücken lässt, können fürs Erste die Renderings auf der offiziellen Universitäts-Homepage sprechen.

Baubeginn soll noch im August sein, damit zum Start der Saison 2014/15 die ersten Bälle fliegen können und das alte, baufällige Floyd Casey Stadium abgerissen werden kann. Die Zeichen stehen gut, dass das Gesamtprojekt Signalwirkung für das Image nicht nur der Universität Baylor und der Stadt Waco, sondern für die komplette Region Central Texas haben wird. Und zu einem nicht zu vernachlässigenden Teil ist dafür Robert Griffin III zuständig, der kleine Hürdensprinter, der Quarterback, der die Heisman Trophy ins Football-Niemandsland brachte.

4 Kommentare zu “Das Stadion, das RGIII baute

  1. Kann es sein, dass es dem Football-Programm gelungen ist den Hype um einen Spieler auszunutzen um der Universität und der Stadt das Geld aus der Tasche zu ziehen?
    Oder bedeutet eine neues Stadion automatisch den Sprung aus dem Niemandsland und baldige Amortisation von 35 Millionen für die Stadt?
    Vielleich gibt es da ja auch kritische Stimmen.

  2. Hallo the_lox,
    natürlich gibt es kritische Stimmen auch, wie es in Demokratien zu jedem Projekt weltweit Kritik gibt. Aber zur besseren Erklärung, und ich hoffe, ich habe die Stelle im Artikel nicht missverständlich formuliert: Die 35 Millionen von der Stadt kommen aus einem TIF, einem Tax Increment Financing. Das sind Fonds, die künftige Steuereinnahmen aufwenden, um lokale Gebiete aufzuwerten, wodurch in Zukunft höhere Grundstückspreise erzielt werden und diese dann zu besagten künftigen höheren Steuereinnahmen führen.

    Waco finanziert seit einigen Jahren mit solchen Fonds verschiedene Projekte. Meistens sind es Projekte in der Größenordnung um die 1 oder 2 Millionen. Das Stadion ist das größte TIF-Projekt in Waco bisher und es wird auf einem Gelände entstehen, das bisher ungenutzt ist. Positiv ist sicher auch, dass es direkt neben der I-35 liegt und für die sonst langweilige Stadt ein Aushängeschild werden kann.

    Die Universität muss natürlich das Kommitee mit Plänen überzeugen, aber es sollte nicht so rüberkommen, dass die Stadt nur wegen des Hypes die Finanzierung zusagen wird. Der Großteil der Finanzierung kommt von Privaten und dieser Hype trifft vor allem auf diese Körperschaft zu. Ich gebe aber zu, dass ich den Absatz nicht gut geschrieben habe.

    P.S. Noch was zu „ausnutzen“. Die Symbiose Waco und Baylor ist wie viele anderen Symbiosen Universität zu Stadt eine Wechselbeziehung. Waco profitiert von Abgängern der Universität Baylor, wenn diese Businesses gründen, Profite machen, Arbeitsplätze schaffen und Steuern zahlen. Waco im Speziellen wäre ohne die Baylor University bloß ein Provinzstädtchen. Das alte Stadion von Baylor ist baufällig und liegt in einer gefährlichen Umgebung. Neue Upgrades für Sportbauten und andere universitäre Einrichtungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass die Studentenschaft auch in Zukunft gehalten werden kann (und jeder Mensch betritt lieber ein neues Gebäude als ein altes oder hockt sich lieber in ein neues Auto als in eine Rostlaube aus den 80ern) und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich auch in Zukunft Unternehmen in Waco und Umgebung niederlassen werden. Vielleicht war Baylor mit seinem Stadion also auch unabhängig von der Aufwertung der Flusszone aus Stadt-Sicht einfach mal wieder „dran“…

    Das nur als Erklärung zu den Hintergründen. Ich hoffe, ich konnte etwas Licht ins Dunkel bringen 🙂

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