Penn State und der Fall Sandusky: Die Strafen der NCAA sind verkündet

Die NCAA-Strafen gegen das Footballprogramm der Pennsylvania State Nittany Lions im Falle „Sandusky“ sind raus und können bei NCAA.com nachgelesen werden. In aller Kürze:

  • 60 Millionen Dollar Geldstrafe in einen gemeinnützigen Fond für den Kampf gegen Pädophilie. Entspricht in etwa einem Jahresumsatz des Footballprogramms (ca. 70M) und ist über fünf Jahre verteilt zu zahlen. (Dazu gesellen sich noch NCAA-unabhängig 13 Millionen von der Big Ten Conference einbehaltene Dollars, die aus Fernsehverträgen für die Bowl Season nicht ausbezahlt werden)
  • Vier Jahre lang Reduzierung der Stipendien für Footballspieler ab 2013 von 25 auf 15 und gleichzeitige Reduzierung auf die Gesamtanzahl an Footballstipendien von 85 auf 65 – das dürfte die massivste Strafe sein, nachdem die Stipendien doch immer noch die beste Waffe im Recruiting sind und Penn State damit auf Jahre hinaus sportlich gehandicappt sein wird. Können die Fans dann mal zeigen, wie ernst das mit dem proklamierten „more than just winning“ genommen wird (Penn State hat einen Zuschauerschnitt von ca. 102.000 Fans/Heimspiel).
  • Bowl-Sperre für vier Jahre – angesichts der Recruiting-Limitierung wären es eh kaum mehr als drittklassige Bowls geworden.
  • Streichung aller Siege von Penn State seit 1998. 1998. Ein Zeichen der NCAA, nachdem der Freeh-Report nahe gelegt hatte, dass Paternos wirkliches Vergehen des Stillhaltens erst ab 2001 eklatant war (1998 waren die Ermittlungen noch zum Schluss gekommen, dass Sandusky möglicherweise unschuldig sei). Paterno verliert damit über 110 Siege und rutscht in der ewigen Bestenliste vom ersten Platz runter und raus aus den Top-10. Gestrichene Siege sind eines der Strafmittel der NCAA, und ich weiß nicht so recht einzuschätzen, welchen symbolischen Wert sie in den Staaten genießen. Ich halte sie für eine eher schmerzlose Strafe.
  • Penn State spielt fünf Jahre auf Bewährung, muss während dessen erkennbare Strukturen zur Selbstbereinigung aufbauen.

Zusätzlich dazu dürfen alle Spieler – neu rekrutierte Freshmen, Recruits für 2013/13 und die gestandenen alten Spieler – wohl alle ohne NCAA-Strafen wechseln. Die genauen Modalitäten sind noch abzuklären (möglicherweise werden die Wechsel nur innerhalb der Big Ten Conference erlaubt sein). Wenn ich den obigen Link richtig interpretiere, dürfen auch aktuelle Spieler ihr Stipendium behalten, sollten sie 2012/13 nicht am Football teilnehmen.

Obwohl die Strafen nur auf das Footballprogramm beschränkt zu sein scheinen – dabei war die Verrohung der Sitten allem Anschein nach bis hinauf in die höchsten Gremien der Universität gegangeen – ist es ein recht massives Zeichen der NCAA, das allem Anschein nach bei weiten Teilen der von mir geschätzten Experten (wie Wetzel, Forde, Mandel oder Doyle) positiven Anklang findet. Man sieht darin die längst überfällige harte Hand der NCAA in einem der vielen, vielen Skandale (genau gesagt: dem größten bisher) der letzten Jahre.

Die Death Penalty wurde also wie gestern erwartet abgewandt, die Show in State College wird weitergehen, wenn auch ohne Paterno-Statue und ohne Student-Section. Penn State dürfte ein paar Jahre um die 7-5 oder 4-8 Saisons spielen und der Ruf der Universität dürfte erstmal auf Jahre hinaus verbrannt sein. Manch einer regt sich darüber auf, dass mit den aktuellen Spielern eines der schwächsten Glieder in der Kette bestraft wurde, aber wo sonst sollte man ansetzen? Verlieren gehört im Sport nun mal zu den größten Strafen und Penn State dürfte  sich über Jahre damit anfreunden müssen.

Die NCAA behält sich vor, noch individuelle Strafen gegen Beteiligte am Sandusky-Skandal auszusprechen.

Sandusky selbst wird vor einem ordentlichen Gericht verhandelt und dürfte sein Leben nicht mehr aus dem Knast kommen.

4 Kommentare zu “Penn State und der Fall Sandusky: Die Strafen der NCAA sind verkündet

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