NFL-Franchises im Kurzporträt, #17: Carolina Panthers

Trotz einer noch sehr kurzen Geschichte haben die Carolina Panthers schon vieles durchgemacht – vom Topteam zum Bodensatz und am Ende einen Kick vom Superbowl-Titel entfernt.

Die Kätzchen schlüpfen

Die NFL vergab Mitte der 90er zwei neue Plätze – Jaguars und Panthers entschlüpften. Für Carolina und seinen Owner Jerry Richardson (ein ehemaliger NFL-Profi) sprach vor allem die Tatsache der riesigen Begeisterung (besser: das viele Geld) in der Region um Charlotte. Man wollte das Stadion per Verkauf von Sitz-Lizensen bezahlen. Noch am ersten Tag waren alle Lizenzen verkauft – BEVOR überhaupt die Sicherheit da war, dass Carolina eine Footballmannschaft bekommen würde.

Erster Aufstieg

Unter Coach Dom Capers waren die Panthers dank Free Agency und guter Einkäufe schnell erfolgreich – schon im zweiten Jahr stand man wie die parallel gegründeten Kollegen in Jacksonville im Conference Finale, verlor gegen die Packers. Der schnelle Aufstieg dank teurer Free Agents resultierte aber in einem ebenso schnellen Abstieg: Aufgrund fehlender Weitsichtigkeit wurden die Panthers in den nächsten Jahren immer schlechter, auch, weil das QB-Talent Kerry Collins mit Alkoholproblemen zu kämpfen hatte. Collins verschlug es zu Trekking-Touren nach Europa, während die Panthers Capers feuerten und den ehemaligen Superbowl-Coach George Seifert einstellten, der auch nur kurzfristigen Aufschwung bringen konnte.

Fall und Wiederaufstieg

Der Aufstieg war rasant – der Abstieg auch. 2001 verlor man unter Seifert nach Auftaktsieg sämtliche weiteren Spiele und war mit 1-15 Bodensatz der NFL. Das Management hatte den Mut, den gestandenen Coach abzusägen und installierte mit John Fox den Defensive Coordinator der New York Giants.

Fox baute sich innerhalb kürzester Zeit seine Mannschaft zusammen und hatte kurz nach Amsantritt eine Defensive Line, die noch heute für Gänsehaut sorgt: DE Julius Peppers, DT Kris Jenkins, DT Brentson Buckner, DE Mike Rucker. Die Fox’sche Philosophie lautet: Stoppe den Lauf und laufe selbst. Auftritt Stephen Davis. Gemeinsam mit QB Jake Delhomme spielten sich die Panthers im Herbst 2003 dank haufenweise spektakulär knapper Siege (u.a. geblockte PATs in der letzten Spielsekunde, Comebacksiege 16sek vor Schluss, fünf Overtimes) in die Playoffs.

Das Playoffspiel bei den Rams gehört zu meinen absoluten Favoriten. Ich saß schweißnass im Zimmer. Müde, erschöpft. Zweifache Overtime und Carolina gewann im fünftlängsten Spiel der Ligageschichte beim hohen Favoriten 29-23.

Drei Wochen später eine knappe Niederlage dank gegnerischem Field Goal in letzter Sekunde in einer abenteuerlichen Super Bowl. 29-32 gegen New England, und seit diesem Tag hoffe ich, dass die Panthers in absehbarer Zeit mal den verdienten Titel holen. Wenn nötig, dann mit QB Newton.

Die Jahre danach verliefen wechselhaft – messbar auch an den schwankenden Leistungen Delhommes. 2005 scheiterte man im NFC-Finale, 2008 nach einer brillanten Regular Season im ersten Playoffspiel. Jeweils schwache Auftritte Delhommes. Die Schwächen von Fox‘ Spielidee, nämlich mit einem auf Fehlerminimierung bedachten QB, viel Lauf und viel Defense zum Erfolg zu kommen, wurden nun in dem Moment offenbar, in dem der geforderte Quarterback Delhomme sein nervöses Abzugshändchen offenbarte.

Nach einem selten schlechten Jahr 2010/11 ist die RivEra angebrochen und mit dem überraschend vielversprechenden QB-Talent Cameron Newton wenigstens die Hoffnung nach Charlotte zurückgekehrt.

The Vault

Bank of America Stadium

Bank of America Stadium

Die Panthers tragen ihre Heimspiele im in den 90ern gebauten, seelenlosen Bank of America Stadium (Spitzname: „The Vault“) aus (ca. 70.000 Plätze) – vor allem die Fans wären mir ein Dorn im Auge: Bei Rückständen fliehen sie gefühlt noch früher als andernorts, oder buhen ihre Mannschaft gnadenlos in Grund und Boden.

Rivalitäten

Hitzigste Rivalität ist jene mit den Tampa Bay Buccaneers, die zirka in den Jahren 2003, 2004 begründet wurde, damals mit zwei bärenstarken, aber unterschiedlich gepolten Defenses und teilweise Schlägereien nach jedem Spielzug.

Auch NFC-South-Gegner Atlanta haben die Panthers schon zum Rivalen „gewonnen“. Atlanta, weil a) die beiden Heimatstädte Charlotte und Atlanta sich nicht grün sind, b) die Wege zum jeweiligen Auswärtsspielort nicht die allerweitesten sind und c) die Panthers jahrelang ihre Probleme mit Michael Vick hatten.

Ansonsten könnte man nur noch die Dallas Cowboys nennen, gegen die Carolina in der Regular Season praktisch immer verliert, die sie aber in beiden Playoffspielen bislang geputzt haben, beide Male auf dem Weg ins NFC-Finale.

Gesichter der Franchise

  • Julius Peppers – DE, und bisher bester Spieler der Franchise. Peppers war in seiner Blütezeit so gut, dass bis heute im NFL-Draft jede Franchise ihre Fühler nach ähnlich athletischen Abwehrspielern ausstreckt.
  • Kris Jenkins – DT und kritischer Geist. Jenkins war leider zu häufig verletzt und hatte bei den Panthers und Jets jeweils zu kurze Hochphasen, ist aber vermutlich der beste Defensive Tackle, den ich bisher in der NFL habe spielen sehen.
  • John Fox – Head Coach, Mastermind einer Top-Defense und um ein Haar Superbowl-Champ.
  • Steve Smith – der Super-Zwerg. Der wunderbare Superbowl-Touchdown gegen die Patriots ist noch im Gedächtnis, wie auch die sensationelle Vorstellung in den Playoffs 2005/06 bei den Bears. Überhaupt dürfte Smiths 2005/06er Saison eine der großartigsten aller Zeiten für Wide Receivers sein.
  • Jake Delhomme – ich habe Delhomme gemocht, weil er zwar kein Gunslinger war, aber immer wieder diese inspirierenden Momente hatte. Die beiden Playoff-Pleiten in Seattle und gegen Arizona waren verheerende Spiele, aber abseits davon wird mir Delhommes Karriere heute zu schlecht geredet.

korsakoffs Highlight

Playoffspiel 2003/04 gegen die Rams – Die drei Wochen darauf folgende Superbowl war auch spektakulär, aber das Playoffspiel bei den Rams war instant classic. Bizarre Touchdowns, fantastische Interceptions, verschossene Fieldgoals, eine immer wieder stockende RedZone-Offense der Rams – Gefühlswellentäler und ein völlig unerwarteter Außenseitersieg in der zweiten Overtime. Ein Spiel, für das es sich lohnt, drei Monate nur Graupenspiele serviert zu bekommen – und here you get the Highlights:

Eckdaten

Gegründet: 1995
Besitzer: Jerry Richardson (ehemaliger NFL-Profi) zu 48%
Division: NFC South
Erfolge: Superbowl-Verlierer 2003, 4x Playoffs (6-4)

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