Um noch einmal drüber nachgedacht zu haben.

Ich fühle mich scheiße.

Der Freeh-Report zeichnet an einigen Stellen horrende Bilder vom Wesen an der Pennsylvania State University. Einfaches Putzpersonal traute sich nicht, das abscheulichste denkbare Verbrechen, sexuellen Missbrauch von Kindern, zu melden, weil Football die Universität regierte. Weil Paterno ein Gott war. Weil Football Penn State war.

Dieses Blütenweiß, dieses wunderschöne, einzigartige, riesige Stadion in College Station, irgendwo im Nirgendwo im Bundesstaate Pennsylvania, dem man heute ansieht, wie hier in runden fuffzich Jahren etwas gewachsen ist, dieser alte Mann Mitte 80 und seit drei Generationen am Ruder – für mich war das jahrelang bewundernswert. Nun fühle ich mich naiv. Dass Paterno sportlich dem Programm nicht mehr zu helfen vermochte, konnte jeder sehen. Dass eine Galionsfigur wie Paterno für den College Football aber etwas Gutes stellte, war für mich auch stets klar. Weil es das sonst nirgendwo gibt.

Stellte sich aber heraus, dass dieser Schein trügte. Ein Schein, dem auch ich unkritisch verfallen war.

In mir hatte sich über die Jahre der Eindruck verfestigt, dass Paterno über den anderen stehe. Es gibt Gestalten (anders: Head Coaches) an den Seitenlinien, denen ich in ihrem Streben nach Allmacht und ihrer Selbstzentrik einiges zugetraut hätte. Nicht so Paterno. Das Grand Experiment hatte für mich irgendwo separat – und über den anderen – gestanden, trotz einiger Indizien, die man nun – mit dem Wissen um Sandusky und die Führungskultur bei Penn State – in der Retrospektive anders interpretieren würde. Das Kartenhaus ist erst jetzt zusammengefallen. Die Augen wurden mir erst jetzt geöffnet.

Das tut mir leid. Sehr, sehr leid sogar.