NFL-Franchises im Kurzporträt, #14: Buffalo Bills

Einer der kleinsten Märkte der Liga beheimatet eines der traditionellsten Teams. Die Bills waren nicht immer die unsichtbaren Jungs von nebenan, und sie halten bis heute einen unglaublichen Rekord.

Der Büffel steht über allem

Eher zufällig kam Buffalo 1959 zu seiner Football-Franchise, denn Ralph Wilson war an anderen Orten mit seiner angedachten AFL-Franchise gescheitert. Blieb die Frage nach der Namensgebung. Am Ende stand „Buffalo Bills“ nach einer bereits krepierten, früheren Franchise.

„Buffalo Bills“ ist natürlich eine Anspielung an den Western-Helden Buffalo Bill, aber weil Bill weder im Helm-, noch im Vereinslogo vorkommt, liegt der Verdacht nahe, dass Fans und Owner interessierter daran waren, einen „nichtssagenden“ Spitznamen zu kreiern und dafür den Büffel (ist gleich Buffalo) als Ikone (und Maskottchen) des Vereins zu nehmen.

Die Jahre in der AFL…

…waren wechselhaft. Die Bills gewannen zwar zwei Meisterschaften, aber sie sind auch bis heute die einzige Mannschaft, die je gegen eine CFL-Truppe (CFL = Canadian Football League) verloren haben. Immerhin: Mit dem Guard Bill Shaw spielte der einzige Hall of Famer, der nie ein NFL-Spiel bestritten hat, bei den Bills.

Die ersten Jahrzehnte NFL…

…waren ziemlich schlecht. Buffalo erlebte mehr schlechte als gute Jahre, trotz des berühmten (und mittlerweile eher berüchtigten) Running Backs O.J. Simpson. Coaches kamen und gingen, nur der Erfolg kam nie. Bis 1985.

Vizechamp im Viererpack

Unter Bill Polian und dem greisen Coach Marv Levy bastelten die Bills jahrelang klammheimlich an einer titelreifen Mannschaft. Levy war ein rigider, vom Militär geschulter Mann, der auch im hohen Alter noch innovativ zu denken imstande war, und wurde durch Sprüche wie (sinngemäß) Die Superbowl ist kein „Must-Win“. Der Zweite Weltkrieg war „Must-Win“ berühmt. Die Philosophie: Die Defense um Pass Rush-DE Bruce Smith bauen und ansonsten alle Ressourcen in die Offense stecken.

Im Jänner 1991 war es dann endlich soweit – ein paar Wochen nach dem Golfkrieg stand man hinter QB Jim Kelly und einer äußerst schnell spielenden Offense („No-Huddle“) in der Super Bowl. Gegner: Die Giants. Ergebnis: Buffalo verlor 19-20, weil nach langem Hin und Her Kicker Scott Norwood in der letzten Sekunde des Spiels ein Field Goal wenige Zentimeter rechts vorbeikickte. Al Michaels‘ Kommentar dazu („No Good. Wide Right“) ist für Bills-Fans in etwa das, was für Bayern-Fans „Wo-warst-du-während-der-Nachspielzeit-von-Barcelona-99?“ ist.

Die Bills erholten sich von dem Schock und spielten in den nächsten drei Saisons JEDES Jahr in der Superbowl (gegen Washington und zweimal Dallas). Vier Superbowls in Folge hat außer Buffalo keine Mannschaft je erreicht. Allein: Die Bills verloren sie alle und jedes Jahr wurden die Niederlagen deutlicher.

Eine potenziell deutliche Niederlage in der Saison 1992/93 wurde legendär abgewandt: Im Wildcard-Spiel lag man zuhause gegen die Houston Oilers bereits mit zweiunddreißig Punkten (3-35) in Rückstand, nur um am Ende unter der Führung des Backup-QB Frank Reich noch in der Overtime 41-38 zu gewinnen – das größte Comeback in der Historie der NFL. Reich ist keiner der höher dekorierten Quarterbacks, hält jedoch für NFL und College Football die größten Comeback-Siege ever inne.

Post Marv Levy

Nach Marv Levys Abgang wurde es ruhig um die Bills. 1999/2000 war man noch einmal in den Playoffs – um in einem weiteren legendären Spiel rauszufliegen. Bei 16-15 Führung wenige Sekunden vor Schluss trugen die Tennessee Titans einen Kickoff nach Lateral mit auslaufender Uhr in die Endzone. Das Spiel ist noch heute berühmt als „Music City Miracle“.

Seitdem haben die Bills die Post Season nie mehr erreicht. Quarterbacks kamen und gingen, die Erfolge blieben aus, aber die Fans kommen nach wie vor ins Stadion. Besitzer Ralph Wilson jr. ist in den 90ern und wird mit seinem Tod das Team höchstwahrscheinlich aufgrund der hohen Erbschaftssteuern verkaufen lassen. Ob die Bills danach noch in Buffalo spielen werden, weiß kein Mensch.

Das Stadion

Ralph Wilson Stadium in Orchand Park

Ralph Wilson Stadium in Orchand Park

Die Bills spielen in Orchand Park im Ralph Wilson Stadium (68.000 Plätze), ein vom Design her eher 0/8/15-Stadion, das aber berüchtigt ist a) wegen seiner Winde und b) wegen der treuen und wilden Fans, die trotz langer sportlicher Dürreperioden und schwacher Konjunktur in der Stadt immer noch fast jedes Spiel ausverkaufen.

Rivalitäten

Richtig intensive Rivalitäten haben die Bills keine. Mit den Miami Dolphins vielleicht – eine Rivalität, die auf die Gegensätzlichkeit zwischen dem sonnigen Südflorida und dem kalten, windigen Buffalo beruht. Mit Jets und Patriots ist es mehr eine divisionsinterne, gesunde Rivalität.

Gesichter der Franchise

  • Ralph Wilson jr. – Owner. Mit dem berühmten Telegramm „Count me in with Buffalo“ gründete er die Bills. Heute mit 93 Jahren der älteste Owner.
  • Jim Kelly – QB. Verweigerte sich erst zwei Jahre lang den Bills, aber dann ging die Post ab. Viele Yards, viele Super Bowls, keine Titel, aber bekannt geworden durch den engagierten Kampf gegen eine seltene Nervenkrankheit seines Sohnes.
  • Marv Levy – Head Coach. Als einer der letzten Überlebenden der amerikanischen Unabhängigkeitskriege war der Levy auf seine alten Tage erfolgreicher Kopf hinter der pfeilschnellen No-Huddle-Offense – und ein Mann martialischer Worte.
  • Bruce Smith – DE und mit genau 200 Sacks der Leader der ewigen Tabelle.
  • O.J. Simpson – einziger Running Back, der 2000yds in 14 Spielen schaffte. Später in einen so berühmten Mordfall an seine Ehefrau verwickelt, dass die am gleichen Tag stattfindende WM-Eröffnung 1994 (Deutschland – Bolivien) US-weit kaum Beachtung fand. Simpsons Verfolgungsdrama wurde dagegen live übertragen.

korsakoffs Highlight

Don Beebe – die Bills sind eines der Teams, mit denen ich noch kein bleibendes TV-Erlebnis teilen konnte. Vor Jahren gab es mal einen Kollaps in einem Monday Night Game gegen die Patriots, doch das einschneidendste Erlebnis aus Bills-Sicht ist für mich jene Szene aus Superbowl 27. Die Bills gegen Spielende ein paar Touchdowns in Rückstand und bereits mehr oder weniger zum dritten Mal in Serie sicherer Superbowl-Verlierer. Dallas’ Abwehrspieler Leon Lett returniert einen Fumble gen EndZone.

Der Mann mit der BUF #82 ist Don Beebe, ein Sprinter mit Kämpferherz. Jener Don Beebe ist im Übrigen der Head Coach an der Schule, an der der Enkel des Dean Griffing (wir hatten berichtet), zur Schule gegangen war.

Eckdaten

Gegründet: 1960
Besitzer: Ralph Wilson jr. (Versicherer)
Division: AFC East
Erfolge: Superbowl-Verlierer 1990, 1991, 1992, 1993, AFL-Champ 1964, 1965, 17x Playoffs (14-15)

Ein Sketch zu Midnight in Brook’Lynn

Wir hatten jüngst eine Taufe auf AALIYAH in unserem Dorf auf 1000m zwischen den Bergen der Dolomiten. Ich habe bis heute nicht verstanden, ob es sich bei dem (oder der) Armen um Bub oder Mädel handelt. Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Zumindestens wenn die Amerikaner auch auf diesem Gebiet die Trendsetter geben sollten.

Drew Magary von Deadspin/Gawker ist von der Entwicklung ähnlich begeistert.

Verträge: Defensive Line

Bills: Williams & Anderson

Der erste große Kracher der vergangenen Free Agency war DE Mario Williams´ Unterschrift unter einen Vertrag mit den Buffalo Bills. Der zweite große Kracher waren die Zahlen: 6 Jahre, $100 Millionen, davon $50M garantiert. Ganz soo fett ist das ganze dann doch nicht, aber es ist einer der dicksten non-QB-Contracts, die in den letzten Jahren unterschrieben wurden.

Tatsächlich bekommt Williams $50 Millionen garantiert – die größte Garantiesumme, die je ein Verteidiger eingestrichen hat, $8 Millionen mehr als der bisherige Rekordhalter Julius Peppers (2010, Bears). $19 Millionen gibts als Signing Bonus sofort bar auf die Hand. Dazu kommt ein Gehalt in Höhe von $5,9M und $100k Workout Bonus. 2013 steigt Williams´ Gehalt auf $6,5M, zusätzlich gibt $500k Workout Bonus und einen $8M-Option Bonus. Das alles addiert sich in den ersten zwei Jahren auf $40 Millionen.

Zu diesem Zeitpunkt, zwischen den Spielzeiten 2013 und 2014 haben die Bills sich ein out eingebaut. Das Salary für 2014 beträgt nur $1,9M (+$500k Workout Bonus); als Roster Bonus gäbe es allerdings $10,6 Millionen (guaranteed for injury). Cuttet Buffalo Williams, zahlen sie ihm nur das Salary. Macht summasummarum $53M in den ersten drei Jahren, sprich ein 3yr-average von $17,7M. Heftig. Dazu kommen für jedes Jahr noch jeweils $400k für jeden Pro Bowl und $400k für nicht öffentlich gemachte Ziele, höchstwahrschinlich eine bestimmte Anzahl an Sacks.

In den späteren Jahren 2015, ´16 und ´17 ist nichts mehr garantiert. Pro Saison kann Williams zwischen $14,4M und $15,3M einstreichen. Insgesamt geht es also tatsächlich um $100 Millionen, aber haben die Bills schon nach 2013 ein kleines out und ab 2014 jedes Jahr die kostengünstige Gelegenheit, Williams auf die Straße zu setzen.

Neben Williams haben sich die Bills noch einen zweiten Pass Rusher in der Free Agency geangelt. Mark Anderson, letztes Jahr mit karriererettender Saison in New England (10 Sacks), hat für vier Jahre unterschrieben für potentielle $19,5 Millionen. $6M gibts als Signing Bonus; $1,9M Gehalt dieses Jahr und $2,5M 2013 sind garantiert. Nicht garantiert sind die Salaries in Höhe von $4M und $5M in 2014 beziehungsweise 2015. $10,4M garantiert sind für einen 28 Jahre alten Pass Rusher durchaus vernünftig – wenn er denn so spielt wie letztes Jahr bei den Patriots. Er hatte eine starke Rookie Saison 2006 und ein starkes 2011, dazwischen war fast nur Essig. Letztlich war es für die Bills wohl einfach zu verlockend, eine Defensive Line zu haben, in der neben den riesigen Kyle Williams und Marcell Dareus zwei Pass Rusher vom Kaliber Williams/Anderson stehen.

Pass Rushers: Cole, Mincey, Biermann

Trent Coles Vertrag mit den Philadelphia Eagles hat noch eine Laufzeit von zwei Jahren. Weil Cole aber einer des besten DEs im ganzen Land ist und das Eagles-Front-Office zu den Klügeren der Liga gehört, hat man jetzt schon mal verlängert: vier Jahre von 2014-2017. Dafür bekommt Cole sofort $8 Millionen als Signing Bonus und das Gehalt für die kommenden beiden Spielzeiten wurde um jeweils $100k erhöht, die workout bonuses wurden von $100k auf $250k erhöht. Ein wenig seltsam an der ganzen Sache ist, daß nur diese $8,2M (mit workout bonuses $8,5M) garantiert sind, mehr nicht. Das nicht-garantiert Gehalt steigt von $5M (2014) über $10M (´15), $10,9M (´16) auf $13,9 Millionen im letzten Vertragsjahr 2017. Daneben kann er als workout bonuses und für Sacks und Pro Bowls insgesamt weitere $5,975 einsammeln. Insgesamt hat der Vertrag also ein Potential von $54M; sollten  es sich die Eagles anders überlegen, schulden sie Cole nicht mal $9M. Hmm.

Jeremy Mincey hat sich vom Practice Squad Player zu einem starken Pass Rusher gemausert. Letztes Jahr hatte er acht Sacks, aber wohl auch einige Sacks liegenlassen; den Auguren nach hätte er locker zweistellig in der Sack-Statistik auftauchen müssen. Auch die Chicago Bears waren bis zum Schluß an ihm dran. In Jacksonville bekommt Mincey nun für vier Jahre $9 Millionen garantiert – $8M als Signung Bonus plus $1M Base Salary 2012. Sein Grundgehalt steigt in dem folgenden Jahren von $1,525M (2013) über $4,475M (2014) bis auf $4,9M (2015). Zusätzlich zu diesen $19,9M kann er $100,000 für jeden Pro Bowl bekommen und jährlich bis zu $1,7M, je nachdem, wie viele Sacks er macht. Damit hat sein Vertrag ein Potential von $27,2 Millionen.

Nach Kroy Biermann (3 Jahre, $9,2M) haben die Falcons auch ihren zweiten DE gegenüber von Ray Edwards weiterverpflichtet. Der alte John Abraham (34), der angeblich $12 Millionen pro Jahr haben wollte, bekommt nun für drei Jahre durchschnittlich $5,6M – in einem für einen Spieler seines Alters typischen spiele- und leistungsabhängigen Vertrag. Er bekommt einen Signing Bonus von $2,25M und sonst nicht viel garantiert. Base Salary für 2012 sind $1,5M; daneben bekommt er zwei Roster Bonuses für zusammen $2,156M, aber abhängig davon, wie viele Spiele er mitmacht; Salary Cap Figure ist für kommende Saison $4,4M. In 2013 und 14 hat er die gleichen Roster Bonuses im Vertrag und sein Grundgehalt steigt auf $3,25M, seine Cap Number damit auf $6,6M. Für die letzten beiden Jahre gibt es außerdem noch unbekannte Escalators, die sein Grundgehalt erhöhen könnten, wenn er 2012 bestimmte Schwellen in Sachen Snaps oder/und Sacks erreicht.

Tackles: Pouha, Soliai, Rucker, Fanene, Langford, Jones

Sione Pouha, einer der wichtigsten, aber unbekanntesten Akteure in der Defensive Line der Jets (wir hatten ihn gar in unserem All-NFL-Team), hat für drei Jahre in New York verlängert. Wie es sich für einen 33-jährigen gehört, ist der Vertrag an viele Falls und Wenns gekoppelt. Sicher sind Pouha auf jeden Fall $3,5-Millionen-Signing-Bonus und $900,000 Grundgehalt plus $100,000 Workout Bonus. 2013 hat er ein Grundgehalt von $4,9M, welches für den Verletzungsfall garantiert ist; ist er am dritten Tag des League Years im Kader, ist es voll garantiert. Damit bekommt der dicke Nose Tackle in den ersten beiden Jahren $9,4M – mehr oder weniger – garantiert. 2014 ist mehr eine gute Option für die Jets, als ein “richtiges” Vertragsjahr für Pouha, schließlich wird er während der Saison 2014 schon 36 Jahre alt. Grundgehalt wären $900,000 plus $100,000 workout Bonus; dazu kommt ein $2M Roster Bonus, wenn er am siebten Tag des League Years im Kader ist (der allerdings um $1,5M geringer ausfällt, wenn er 2013 weniger als 55% der Snap spielt) und noch ein Roster Bonus in Höhe von $2,5M, wenn er am ersten Spieltag der Saison im 53-Mann-Kader ist. Insgesamt also $5,5M; gehen die Jets den ganzen Weg mit Pouha, werden sie im $14,9 Millionen bezahlen. Für einen Spieler seines Alters eine ordentliche Summe: 3yr/avg $5 Millionen.

Paul Soliai ist einer der besten Nose Tackles unter 30. Letztes Jahr hat er in Miami unter dem Franchise Tag gespielt und dafür $12M bekommen. Nimmt man die $12M dazu, die er mit seinem neuen Vertrag in den kommenden beiden Jahren verdienen kann ($6M garantiert), dann sieht man, wie hoch die Wertschätzung ist, die ihm entgegengebracht wird. Auch die Broncos waren ganz stark an ihm interessiert. Es ist zwar ein wenig schief, diesen 2-Jahres-Vertrag und das Franchise-Tag-Jahr zusammenzurechnen, aber tut man das, kommt man auf einen Drei-Jahres-Durchschnitt von $8 Millionen. Upper class. Und noch vor seinem 30. Geburtstag bekommt er wieder eine Chance auf einen dicken Payday auf dem Free Agency Markt.

Broderick Bunkley soll für die Saints wohl der Spieler sein, der Aubrayo Franklin dann leider nie war. Bunkley, einer der besten Run Stuffer der Liga bekommt einen 5-Jahres-Vertrag mit einem Potantial von $25M, davon $9M garantiert.

Frostee Rucker, wichtiger Bestandteil der Defensive Line Rotation in Cincinnati (4 Sacks, 11 Tackles for Loss) hat für fünf Jahre in Cleveland unterschrieben. $8M sind ihm garantiert und insgesamt könnte er $21M verdienen; davon $12,15M in den ersten drei Jahren für ein 3yr/avg von mehr als $4M.

Der vielseitige D-Liner Jonathan Fanene (vormals ebenfalls Cincinnati) bekommt einen typischen Patriots-Vertrag – undurchsichtig und gerade so an der Grenze des Marktwerts. Es ist ein 3-Jahres-Vertrag, der angeblich bis zu $12M wert sein soll. Ich habe nur $9,85M “gefunden”, das heißt, da müssen noch unbekannte Escalators eingebaut sein. Man weiß auch nicht genau, wie viel Geld garantiert ist; wahrscheinlich sind es nur die $3,85M, die er als Signing Bonus kassiert und die $900,000 Grundgehalt plus $100,000 Workout Bonus. 2013 und 2014 wären es $2M beziehungsweise $3M Gehalt, von denen jeweils $100,000 als Workout Bonus gezahlt werden. 3yr/avg demnach zwischen 3,3 und $4M.

Jeff Fisher, der neue HC der St. Louis Rams, liebt nichts mehr als seine D-Liner. So hat er sich denn auch folgerichtig erstmal einen neuen Typen für die Mitte geholt. Kendall Langford ist verdammt talentiert, ist erst 26 Jahre alt und hat einen D-Line-Körper wie aus dem Bilderbuch: 1,98m, 135kg. In St. Louis bekommt Langford $24M in den kommenden vier Jahren, davon $12M garantiert. Die letzten vier Jahre war er starter als 34-DE bei den Dolphins, bei den Rams soll er wohl den aggressiven inside rusher auf der DT-Position geben. So wie ihn Fisher zuletzt mit Jason Jones in Tennessee hatte.

Besagter Jason Jones hat nach starken Spielzeiten als DT unter Fisher letztes Jahr als DE auflaufen müssen. Das hat nicht so gut geklappt. Als insider rusher aber ist der auch erst 26 Jahre alte Jones ein Juwel. In Seattle bekommt Jones $4,5M für ein ein Jahr.

34 Ends: Bryant, Campbell

Noch wichtiger war für Pete Carrol und seine Defense die Vertragsverlängerung von Red Bryant. Bryant ist der perfekte Spieler für den komischen Platz als 43-DE, der bei Carrol wie ein 34-DE spielt. Auch die Patriots waren stark an dem vielseitigen DE interessiert, aber letztlich hat er für 5 Jahre und potentiell $35M bei den `Hawks verlängert; $14,5M sind davon garantiert und werden Bryant in den ersten beiden Jahren ausgezahlt.

Und zum Schluß fast noch den größten: Calais Campbell hat für weitere fünf Jahre in Arizona verlängert. Mit seinen 25 Jahren ist er schon jetzt einer der stärksten D-Liner der Liga, weil er aber in der Wüste spielt, bekommt man das nur selten mit. Die Cardinals garantieren Campbell $31Millionen. Davon sind $15M sofort fälliger Signing Bonus; $10M werden 2013 als Option Bonus fällig; $6M Salary sind den ersten drei Jahren ebenfalls garantiert. Nimmt man die $4,5M nicht garantiertes Gehalt in 2014 dazu, kommt man auf insgesamt $35,5M in den ersten drei Jahren, ein mehr als sportlicher 3yr-average von fast $12M. Potential insgesamt: $55 Millionen.

Protokoll des Schreckens

Joe Paterno Statue am Beaver Stadium

Paterno – Bild: Flattr

Der Untersuchungsbericht eines ehemaligen FBI-Agenten im Falle „Jerry Sandusky“ ist raus (Download hier), und er malt ein horrendes Bild von der Pennsylvania State University, deren Footballprogramm, aber auch und vor allem der Universitäts-Führungsriege.

Der Bericht legt offen, dass bereits Ende der 90er die Pädophilie-Vorwürfe gegen Sandusky bekannt waren und Ermittlungsarbeiten dagegen von Paterno höchstpersönlich geblockt wurden. Die „Big Four“ – Paterno, Uni-Präsident Graham Spanier, Finanzchef Gary Schultz und Sportchef („Athletic Director“) Tim Curley, die mächtigsten Männer der Penn State University nach innen und nach außen zu jener Zeit – kaschierten trotz eindeutiger Indizien die Vorfälle und schützten Sandusky. Der Bericht suggeriert auch internen Druck gegen einfaches Hilfspersonal, die Vorfälle in den Duschen der Umkleidekabinen nicht öffentlich werden zu lassen.


Der Fall wirft zu all den Korruptionsvorwürfen, den verarschten Student-Athletes und der Augenauswischerei namens „NCAA“ eine weitere ungute Komponente in das Gebilde „College Football“. Der Sport als Millionenbusiness ist für Universitäten wichtig genug geworden, um sämtliche ethische Grundsätze über Bord zu werfen und selbst das Abgründigste im Menschen – sexuellen Missbrauch von Kindern – um des Scheins (oder Erfolgs) willen zu tolerieren. Der ehemalige Student an der Penn State University, der Autor Michael Weinreb, wütet in einem flammenden Appell gegen das System: The Failed Experiment.


Verwiesen sei an dieser Stelle auch noch einmal an den besten Artikel, den ich im kompletten Jahr 2011 gelesen habe: Growing Up Penn State (auch von Michael Weinreb).

Möglicherweise sind Bild und Ruf einer der in den letzten vier Jahrzehnten zur einer der wichtigsten Bildungsanstalt gewachsenen Universität mit dieser bodenlosen Affäre auf Jahre hinaus verbrannt.

NFL-Franchises im Kurzporträt, #13: Jacksonville Jaguars

Die graue Maus der NFL – trotz periodischer Anzeichen von Dominanz und sehr edler Teamfarben. Haben bei genauerem Hinsehen für mehr Furore gesorgt, als man denken würde – die Jaguars.

Die lange Suche

Jacksonville ist eine der größeren Städte der USA, aber nicht gesegnet mit einem großen Umland, weswegen der TV-Markt „Jacksonville“ der kleinste der NFL ist. So weit, so gut. Trotzdem bekam die Stadt 1995 das Recht auf die damals 30. Franchise der NFL zugesprochen.

Vorausgegangen waren lange, lange Jahre, in denen man versuchte, unglückliche Owner aus anderen Städten nach Jacksonville zu bringen. Vergeblich. Keiner wollte. Und das, obwohl Jacksonville eine lange Football-Tradition hat. Ich sage nur: Gator Bowl. So gesehen war das Recht auf Franchise #30 eher als Überraschung zu werten.

Folge: Die alte Gator Bowl wurde abgerissen und ein neues Stadion gebaut, das heutige Everbank Field. Ein schönes, sehr flaches Footballstadion. Und eines, das in 15 Jahren schon eine Handvoll Namen trug.

Die jungen Wilden

Mit dem eisenharten Tom Coughlin an der Front waren die Jaguars sehr schnell erfolgreich. Schon im zweiten Jahr des Bestehens stand man gegen New England im AFC-Finale. Man muss sich das vorstellen: Da wird eine Franchise aus dem Boden gestampft und spielt schon im zweiten Jahr um den Titel mit! Auf halbem Weg dorthin wurde mal eben der Skalp vom turmhohen Favoriten Broncos aus Denver mit nach Hause gebracht und das Happy End der Elway-Karriere um ein Jahr verschoben.

Im Gegensatz zum Parallel-Schnellstarter Carolina (ebenso im zweiten Jahr Conference Finalist) hatte Coughlin aber eine junge Mannschaft beisammen, die sich an der Spitze halten konnte. Immer wieder Playoffs, und 1999/2000 sogar mit 14-2 die beste Mannschaft der Liga.

Ob Fische zum Grundnahrungsmittel von Jaguars gehören? Die Dolphins dürften in den Playoffs recht gut geschmeckt haben. 62-7 (!) wurde Miami in QB Dan Marinos letztem Spiel in jener Saison aus dem Stadion geprügelt. Eine Woche später das Aus im AFC-Finale gegen Tennessee. Eine Saison, 14 Siege, drei Niederlagen. Alle drei gegen die Titans.

Danach ging es rapide abwärts. Coughlin geriet in die Kritik, die Mannschaft bröckelte und der Franchise-QB Mark Brunell wurde von Jahr zu Jahr schlechter. Ende 2002 wurde Coughlin durch den Sensations-DefCoord der Panthers, Jack Del Rio, ersetzt.

Jack Del Rio – Viel grau, wenig gold

Del Rios Plan, die Franchise um QB Byron Leftwich neu aufzubauen, scheiterte nach wenigen Jahren, trotz einer Playoffteilnahme 2005. Die Jaguars weigerten sich konsequent, Free Agents von Format einzukaufen und durch ein, zwei schwache Drafts kollabiert eine solche Mannschaft dann mal schnell. Dazu kam, dass Leftwich zwar über einen Wurfarm von Weltformat verfügte, aber noch immobiler als Agrarpizza war.

Das beste Jahr hatte Jacksonville 2007/08 unter dem neuen QB David Garrard, einem Spaß-Footballer, der richtig Freude bereitete. Der Playoffsieg in Pittsburgh gehört zu meinen Favoriten – Stichwort 32yds-Lauf von Garrard mit wenigen Sekunden auf der Uhr. Eine Woche später wurde den Patriots ein heißer Kampf geliefert – und knapp in einem weiteren schönen Spiel verloren.

Shahid Khan

Seither regiert graues Mittelmaß. Die Mannschaft ist jung, sucht aber trotz Gabbert/Henne vorerst noch nach ihrem nächsten Franchise-QB. Seit 2011 besitzt die Franchise dann auch einen neuen Owner, den Halbpakistani Shahid Khan, den ersten ausländischen NFL-Besitzer überhaupt.

Gator Bowl

Footballstadion zu Jacksonville

Footballstadion zu Jacksonville

Eigentlich heißt das Stadion seit dem Neubau in den 90ern alle paar Jahre anders, aktuell EverBank Field. Platz haben je nach Lust und Laune zwischen 63.000 und 73.000 Menschen, aber die Jaguars kriegen die Ränge kaum regelmäßig voll. Wenn ich mir die Arena so ansehe, kommt bei mir Wehmut auf: So stelle ich mir die Rahmenbedingungen für einen Spätsommer-Nachmittagsfootballkick vor – flache Ränge, auf denen du viiiiiel Platz hast, um simultan zum Spiel unter der Sonne zu bruzzeln, mit einer Tüte Popcorn in der Hand und zwischendurch dank Schluck aus der Pulle die genehme Abkühlung. Ein Kollege war im vergangenen Sommer drüben. Blogleserin Seminole war mehrfach drin. Beide schwärmen von den Rahmenbedingungen (nicht aber von der Stimmung).

Jacksonville hat trotzdem ein Zuschauerproblem. Das mag weniger an der sportlichen Mittelmäßigkeit liegen, denn an einem anderen Problem: Aus der Region Nordflorida sind derzeit haufenweise Militärs in alle Winde verstreut – die Militärs, die in den 90ern mit Mitte/Ende zwanzig den Kern einer rabiaten Fanbasis gestellt hatten:

Who is your NFL fan archetype? Fortunately, we know. The average NFL fan is:

Male 25-40 years old White Has a household income of $75,000.

We have plenty of people like that in Jacksonville. There are plenty of people like that in San Diego, too.

You know what job pays a mean of $70,168? The military’s paying that much right now.

San Diego, Norfolk, VA and Jacksonville are the three cities with the highest saturation of active-duty military residents in the country. While combat operations are complete in Iraq, the United States military maintains more than HALF A MILLION TROOPS DEPLOYED OVERSEAS.

Put simply, San Diego and Jacksonville are great NFL cities demographically, but they’ve been stripped of their key ticket-buying demographic by the War on Terror. The people who were buying up Jacksonville Jaguars tickets during the Tom Coughlin era are now serving on aircraft carriers or in Afghanistan or Okinawa or Germany.

Rivalitäten

Die Jaguars sind noch sehr jung und die AFC South ist wenig traditionsgeladen. Trotzdem: Immer, wenn es gegen die Colts geht, steigt der Puls ein bisschen an in Nordflorida. Immer wenn es gegen die Tennessee Titans geht, noch ein bisschen mehr – es gab gleich mehrere enge und umkämpfte Spiele gegen die Titans. Nicht vergessen hat man in Jacksonville, dass man 1999/2000 in der gesamten Saison nur drei Spiele verloren hat – alle drei gegen Tennessee.

Zu nennen wären noch die Pittsburgh Steelers. Die Duelle Steelers-Jaguars waren Mitte der 2000er immer richtig harte, physische Auseinandersetzungen. Im Jänner 2008 gab es das tolle oben (und gleich unten) beschriebene Playoffspiel.

Gesichter der Franchise

  • Tom Coughlin – Head Coach. Disziplin-Nazi und als solcher mit der blutjungen Franchise um ein Haar schon im zweiten Jahr des Bestehens Titelgewinner.
  • Tony Boselli – OT. Ein Tackle als Symbol? Boselli galt die wenigen Jahre bis zu seiner Verletzung als charismatischer Leadertyp.
  • Mark Brunell – QB, führte die Jaguars jahrelang an und ist mittlerweile seit Jahren ein Wandervogel quer durch die Lande. Wann hat Brunell jedes Team durch?
  • Fred Taylor – RB, gekommen von der sehr nahen University of Florida (Gainesville) und über lange, lange Jahre ein konstant sehr guter Back.
  • Maurice Jones-Drew – RB, seit Jahren der Alleinunterhalter und mit seiner vielseitigen Spielweise der Prototyp für den Running Back der Zukunft.

korsakoffs Highlight

Playoffspiel 2007/08 gegen die Steelers – das Spiel des David Garrard. Erst punkteten die Jaguars nach Big Plays, und am Ende musste das biggest play Garrards die Wende bringen: Ein Lauf über 32yds bei 4th down. Garrards größtes Spiel seine Karriere.

Eckdaten

Gegründet: 1995
Besitzer: Shahid Khan (Automobilindustrie)
Division: AFC South
Erfolge: AFC-Finale 1996, 1999, 6x Playoffs (5-6)

O-Töne aus dem Dawg Pound: Die Zeit der Ausreden ist vorbei

alexander gehört zu den fleißigsten eMail-Schreibern und sorgt immer wieder mit leidenschaftlichen Analysen für viele Einblicke in die Seele von Organisation und Anhängerschar „seiner“ (an dieser Stelle halte ich das entsprechende Possessivpronomen für angebracht) Cleveland Browns. Zwei Monate vor dem Kickoff-Wochenende stimmt uns alexander schon mal auf die Browns 2012/13 ein.

Ich habe schon einmal meine Gedanken vor der Saison niedergeschrieben. Sollte sich im Training Camp und der Preseason nichts absolut unerwartetes ändern (Verletzungen), dann ist das quasi schon gedanklich meine fast finale Einschätzung der Browns und meine Erwartungen für September bis Dezember.

Ich freue mich sehr auf die nächste Saison. Aber nicht weil ich denke, dass die Browns mit einer positiven Bilanz was Siege und Niederlagen angeht (in diesem Jahr bei einem hammerharten Schedule im Vergleich zum Vanilla Schedule den wir letzte Saison hatten bei nur 4 Siegen) , am Ende da stehen werden, sondern weil sie spannend wird in mehreren Bereichen.

Im spielerischen Bereich freu ich mich auf TRich und auf Weeden. Von TRich erwarte ich Gutes, beim Laufen aber auch beim Ballfangen. Auch hinter TRich sollten genügend gute Ballträger sein, um TRich nicht zu viele Carries zu geben und ihn frisch und verletzungsfrei zu halten. Nach schlechter OL Situation im letzten Jahr und Verletzungen wurde in die OL investiert und somit sollten Ballträger und QB genügend Unterstützung haben. TRich ein absoluter Sympathieträger (ähnlich Weeden).

Mein Eindruck von Weeden ist äussert positiv. Ich denke, er ist dieses Experiment wert (anders nenne ich einen 29 jährigen Rookie QB für den ein first rd pick geopfert wurde, nicht). Im Nachhinein zum RG3-Deal finde ich, ein Weeden und TRich und ein first round pick nächstes Jahr mir wertvoller erscheinen als ein RG3 alleine, Stichwort Teamsport.

Weeden finde ich einen coolen Hund der werfen kann und mit einigen Wassern gewaschen ist. Ich hoffe die Rückschläge, die er als Rookie zweifellos erleiden wird, sind keine Verletzungen sondern lieber anderer Natur (die ein oder andere INT, Kritik etc). Und mit den letzteren traue ich ihm zu, wird er zurechtkommen.

Wenn man den Lobpreisungen glauben will, dann sollte er das beste sein an Kombination aus Präzision und Arm verbunden mit einer guten OL, was die Browns seit ihrer Rückkehr 1999 an einem QB hatten.

Den Rest des Artikels stelle ich unter das Motto: Die Zeit der Ausreden ist vorbei, Zeit sich zu beweisen.

Jetzt sind die WR dran Wege zu finden, frei zu sein und den Ball zur Abwechslung auch mal zu fangen. Die Zeit der Ausreden ist vorbei, Zeit sich zu beweisen.

DEF: letzte Saison mit in manchen Bereich statistisch „ok“en Werten, die mir zu wenig hinterfragt wurden. Hey, den Browns stand die NFC West gegenüber, ferner hatten sie letztes Jahr solche TD Granaten als Gegner wie ein Manningloses IND, ein JAX, ein MIA das noch Probleme hatte als sie gegen uns spielten usw.

In die Def Lobpreisungen stimme ich erst ein, wenn dieses Jahr, bei ganz anderen Gegnern (NFC East statt West)  auch gute Ergebnisse geliefert werden. Zeit sich zu beweisen.

Special Teams – eine Katastrophe, hier kann es nur besser werden, da ist richtig Feuer drin. Zeit sich zu beweisen

Trainer: Wurden die zahlreichen Missgriffe von Shurmur nach außen mit Ausreden verteidigt („keine Offseason wg Lockout“, „noch ein Rookie HC“, „mit einer regulären Offseason wäre alles besser gewesen“, kein OFF Coord. daher die Doppelposition die Shurmur  – allerdings selbstverschuldet – überlastete) so hatte man diese Saison doch nicht genügend Vertrauen in Shurmur um ihm jetzt , dieses Jahr MIT EINER REGULÄREN OFFSEASON, alleine weiter wurschteln zu lassen.

Das Management hat auch erkannt, dass die Fehler zu haarsträubend waren, die Shurmur letztes Jahr beging, dass sie ihn so nicht weiter kaspern lassen konnten.

Also ein neuer OFF Coord musste her, Brad Childress. Während ich mit ihm als HC in MIN Probleme hatte, freue ich mich sehr, dass er da ist, es kann nur besser werden. Somit ist nun Second Year Coach Pat Shurmur von 4 erfahrenen Headcoaches umgeben (Childress, Jauron, Ray Rhodes und natürlich Holmgren). Für mich gilt hier am meisten der Spruch: Die Zeit der Ausreden ist vorbei, Zeit sich zu beweisen.

Holmgren, es kommt bereits das dritte Jahr unter ihm (von insgesamt 5, danach will er in Rente gehen). Nach diesem dritten Jahr sollte irgendwas wie ein deutlicher Aufwärtstrend erkennbar sein.

Ich gehe jetzt nicht soweit, dass ich dieses Jahr die Playoffs erwarte, aber eine 6 – 10 Saison mit deutlichen Steigerungen in OFF und DEF und einer Perspektive würden mir reichen. Man darf nicht unrealistisch sein, sollte aber einige Steigerungen deutlich erkennen können.

Holmgren geht hohes Risiko. Zuviele Entscheidungen, die er mit getroffen hat, haben sich als Fehler erwiesen oder stehen eher mit einem Fragezeichen als mit einem Ausrufezeichen am Satzende. Ein Jahr und 7 Mios für Delhomme und vor allem die vergeudete Zeit stehen hier negativ zu Buche.

Dann das Herumgeeiere mit Mangini, zuerst behält er ihn für ein weiteres Jahr, obwohl von der Philosophie her klar war, dass die beiden nie zusammen passen. Ein Jahr vergeudet.

Als Mangini entlassen wurde und der Lockout drohte, war klar, dass die Browns gerade in dieser Situation eigentlich einen ERFAHRENEN Headcoach brauchen und keinen , der Rookiefehler en masse produziert und auf Grund persönlicher Bande in den Verdacht gerät nur wegen Seilschaften den Job bekommen zu haben.

Und was kommt? Ein Rookie Headcoach, der sich in STL auch nicht so als OFF Coord empfohlen hat, dass ihm der Ruf vorauseilte, er sei heisser als heisses Frittenfett. Das hat noch nicht mal am haarsträubenden Entscheidungen  ausgereicht! Obwohl ja die Offseason ausfiel, hat man ihm zugetraut auch noch den OFF Coord Job in Personalunion mit stemmen zu können. Ich spüre heute noch Kopferschmerzen als Folge von Nachwirkungen der Gehirnerschütterung auf Grund des heftigen Kopfschüttelns von vor einem Jahr.

Sollte also Shurmur auch floppen, hätten uns Holmis Coachingentscheidungen minimum 2,5 Jahre vergeudete Zeit gekostet. Allerdings, sollte sich Shurmur ähnliche Blößen wie letztes Jahr erlauben, dann wird Holmgren vielleicht noch in der Saison handeln.

Shurmur ist hier auch das schwächste Glied in der Kette, hat aber in der letzten Saison auch gar nichts gezeigt, was dem entgegen wirken könnte.

Dann die geholten QBs von Holmgren. Zuerst Delhomme, dann McCoy und nun FIRST ROUND PICK QB Weeden (statt eines ebenso dringend benötigten WR). Holmgren kann nur hoffen, dass Weeden einschlägt. Auch für Holmgren gilt: Die Zeit der Ausreden ist vorbei, Zeit sich zu beweisen.

Draft und Scouting: Das Team ist deutlich jünger geworden. Der Kader litt deutlich unter den Auswirkungen der Drafts der letzten Jahre von Mangini und der Savagezeit mit dem Zusammenbruch im letzten Crennell und Savagejahr und dem notwendigen Ausmisten danach.

Mangini hat desaströs gedraftet (der während der Saison gefeuerte GM Kokinis bleibt ein größeres Mysterium als der Untergang von Atlantis) aber gut gecoached und mit erfahrenen, älteren  und willigen middle-class-Spielern und einer guten DEF den grössten GAU am Spielfeld noch vermieden.

Das Ergebnis der aktuellen Drafts wird sich in den nächsten 2 – 3 Jahren beurteilen lassen, aber mir ist hier nicht so bang wie bei den Shurmur-Entscheidungen. Hier bin ich etwas milder gestimmt.

Also, ich erwarte eine spannende Saison was die Zukunft der Browns angeht. Die Zukunft der Spieler Weeden, TRich, Schwartz und noch andere nicht alte Spieler wir Haden, Thomas, Rubin, Taylor, Sheard und einige andere.

Wir können durchaus das ein oder andere Spielzugschmankerl erleben.

Trotz der angedachten Westcoast OFF mit Schwerpunkt Pass, erwarte ich hierzu widersprüchlich eine große Dosis Lauf.

Erstens um Weeden zu entlasten, zweitens um TRich und Co. mehr mit ins Spiel zu bringen, drittens hat Shurmur ih STL seinen RB auch viel  laufen lassen.

Solche komischen Statistiken, als man letztes jahr McCoy in einem Spiel fast 70mal werfen liess, sollte man dieses Jahr nicht sehen. Es wird ausgewogener werden.

Aber auch spannend was passiert wenn die Saison zu sehr in die Hose geht mit den Verantwortlichen wie Shurmur und Holmgren.


korsakoff – Ich würde da noch eine oder zwei Anmerkungen wagen. Vanilla Schedule ist mir persönlich zu stark. Mein Modell schätzt, dass die Browns in der abgelaufenen Saison den fünftschwersten Schedule spielen mussten (gegnerische Stärke 0.53). Und, um es noch einmal zu betonen: Die Browns hatten genau eine Schwäche: Ein desaströses Passspiel in der Offense (5.1yds/Passversuch, #30).

An den Strength of Schedule angepasst, schätzt mein Modell, dass die Browns 6.2 Spiele hätten gewinnen müssen (.387), also mehr als zwei Spiele über ihrem aktuellen Record. Der Trainerstab war neu und unerfahren, was einen Teil der unter den Erwartungen gebliebenen 4-12 Saison erklären mag.

Hätten die Browns nur ein ligaweit durchschnittliches Passspiel gehabt (6.3yds/Passversuch), sie hätten 8.8 Spiele gewinnen müssen (.549), wären also ein Playoffkandidat gewesen.

Die Special Teams waren in der abgelaufenen Saison nicht gut, passt. Aber da Special Teams extrem stark dem Phänomen „Regression zur Mitte“ unterliegen, würde ich nicht von vorneherein von einer schlechten Unit auch in der kommenden Saison ausgehen.

Gemessen an den Vorjahres-Ratings werden die Browns in der kommenden Saison einen knapp stärkeren Schedule spielen müssen (0.54). Abhängig davon wie Weeden einschlägt, kann ich mir durchaus eine überraschend starke Browns-Jahresbilanz vorstellen.

CFL 2012 – Recap Week 2

(Vorsicht: Nachdem ESPN America noch nicht alle Spiele gezeigt hat, könnte der Artikel für manchen die Ergebnisse des Wochenendes spoilern)

Die bisherige CFL-Saison ist die Show der Returnspieler mit ihren auffällig vielen langen Returns. Das Gesetz der Serie besagt, dass sich der Trend nicht allzu lange fortsetzen wird, aber immerhin: Die Special Teams sorgen bisher für Wirbel und richtig, richtig ansehnliche Partien mit vielen Punkten in den ersten zwei Wochen CFL 2012.

Toronto Argonauts – Calgary Stampeders 39-36

Ich mag ja die Heimspiele der Toronto Argonauts nicht wirklich… Diese brutal tiefe Kameraposition, diese Anonymität durch die meterhohen Werbebanden hinter der Seitenlinie, und wenn die Kamera dann mal in die blauen Ränge schwenkt meist gähnende Leere auf den Tribünen. Aber dieses Spiel war dann doch Spektakel. Toronto war im Prinzip die über weite Strecken bessere Mannschaft mit der runder wirkenden Offence, während Calgary nach dem Ausfall vom Stamm-QB Tate im ersten Viertel Probleme hatte. QB Glenn erwies sich als nicht allerpräzisester Werfer unter der Sonne und neigte vor allem unter Druck dazu, die Eier die entscheidenden 15cm zu hoch für die Catches zu werfen. Toronto dominierte, erzwang mit seiner Defence auch die Turnovers, blieb aber immer und immer wieder tief in der gegnerischen Platzhälfte stecken und war zum Fieldgoalschießen gezwungen. Extravagant wurde es eingangs des Schlussviertels, als K Prefontaine ein Fieldgoal aus der Mitteldistanz (ca. 35yds) links neben den Pfosten setzte und #2 Larry Taylor das Ei in der eigenen EndZone aufnahm. Gefühlte zweieinhalb Stunden Slalomlauf und 125yds später hatte Taylor den Ball zum Ausgleichs-TD (29-29) zurückgetragen.

Was folgte, war fantastischer Football, von beiden Seiten mit viel Herz und zittrigen Knien gespielt. Fehler sind nicht selten die Grundlage für ein spektakuläres Spiel, und dieses war ein extrem spektakuläres. Zwei Plays nach dem Ausgleich warf Torontos QB Ricky Ray mit einer verteidigenden Klette am Wurfarm eine INT direkt in die Arme eines Abwehrspielers. Die durchaus mögliche Challange wurde von Torontos unerfahrenem, weil jungem, HeadCoach Scott Milanovich verschlafen, aber direkt im nächsten Play der zurückeroberte Ball nach einem Fumble des Calgary-QB Glenn. Toronto an der 10. Gegessene Sache?

Nope. Ein harter Hit an der GoalLine gegen den extra eingewechselten „Goal Line QB“ #12 Jackson und Turnover on Downs. Unter dem Eindruck von vieeeeeeeel Adrenalin zwei Plays später: QB Glenn noch beim Ausrichten seiner Receiver zu seiner Linken, und dann wird an der eigenen 5yds-Line der Ball zu früh gesnappt – Fumble und pures Glück, dass das kullernde Ei nicht vom Gegner aufgenommen wurde.

Toronto antwortete mit einem souveränen Drive, abgeschlossen von QB Ray mit einem famosen, gefühlvollen „Heber“ am Biergarten hinter der Seitenlinie vorbei in die EndZone, wo sich der Rookie #11 Inman mächtig streckte und artistisch die 36-29 Führung herbeicatchte. Vorbei war noch lange nix. 1:30 vor Schluss Punt für die Argonauts und erneut PR #2 Larry Taylor, diesmal 64yds in die Redzone, und ein Pass später der Ausgleich. Am Ende wurde K Prefontaine trotzdem zum Held, mit seinem sechsten Field Goal im achten Versuch an diesem Tag, mit auslaufender Uhr zum Sieg für Toronto.

Die Argonauts 2012 sind eine sehr gute Mannschaft. Die größten Schwachpunkte sind in der RedZone zu finden, aber immerhin: Sie gelangen bis dorthin, und zwar in fast jedem Drive. Die Stamps dagegen werden nun um ihren Stamm-QB Tate bangen. Es sah nach Schulterverletzung aus und es sah nicht danach aus, als könnte Tate schon kommendes Wochenende wieder zum Einsatz kommen.

Saskatchewan Roughriders – Edmonton Eskimos 17-1

Ein über weite Strecken unansehnliches Spiel von beiden Offenses, aber geprägt von einer feurigen Rider-Defense. Edmontons QB Jyles sah hinter einer schwachen Protection der Eskimos kein Land und war meist schon am Boden, bevor er überhaupt seinen Hals nach einem offenen Mann ausstrecken konnte. Aber Jyles ist auch nicht der Mann, der aus Nix was Produktives machen kann. Am vergangenen Freitag hatte ich spekuliert, wie lange es brauchen würde, bis Jyles gebencht wird. Antwort: Eineinhalb Spiele. In der zweiten Halbzeit kam der alte Mann, QB Kerry Joseph (ehemaliger Safety der Seattle Seahakws und als QB Greycup-Champ mit Saskatchewan), brachte letzten Endes aber auch nicht viel mehr zustande. Die Roughriders waren in der Offense allerdings auch recht blutleer und QB Durant mit vielen sehr ungenauen Würfen. So kam die Entscheidung erst im Schlussviertel mit zehn Punkten für Saskatchewan.

Montreal Alouettes – Winnipeg Blue Bombers 41-30

Für beide Teams war es eine Steigerung gegenüber der ersten Woche. Montreals Offence bestand primär aus dem SB Whittaker (98yds Rushing, 137yds Receiving, 3 TD), während bei Winnipeg insbesondere der gescholtene, weit verletzungsanfällig QB Buck Pierce einen Aufwärtstrend erkennen ließ und keinen Scramble scheute. Am Ende setzte sich die reifere Mannschaft durch.

BC Lions – Hamilton Tiger-Cats 39-36

Ein Spiel der Serien: Erst fuhr BC über die Ticats drüber und führte schon 33-14, dann kam Hamilton zurück und wäre das Spiel noch zwei Minuten länger gegangen, BC hätte das glatt noch verloren. Hamilton galt nach vielen teuren Einkäufen als großes Versprechen für dieses Jahr, und im Gegensatz zur insgesamt enttäuschenden Vorstellung gegen Saskatchewan war das diesmal eine vergleichsweise bombenstarke Leistung. Die Defence würgte BC mit ihrem Super-QB Lulay komplett ab (Lulay mit keinen 50% Completion Rate), war allerdings weich wie warme Butter gegen den Lauf (serienweise 10yds-Runs für BC). Im Angriff sahen wir einen deutlich sicherer wirkenden QB Henry Burris und das eine oder andere Big Play. Insgesamt wirkten beide Teams auf Augenhöhe.

Noch nicht allzu aussagekräftige Zwischenstände in den Tabellen:

Osten

Toronto  1-1
Montreal 1-1
Winnipeg 0-2
Hamilton 0-2

Westen

Saskatchewan 2-0
BC Lions 2-0
Edmonton 1-1
Calgary 1-1

Was verdient ein NFL-Spieler? Oder: warum man tatsächlich immer das Kleingedruckte lesen sollte

Michael Vick unterschreibt 100-Millionen-Dollar Vertrag! Calvin Johnson verlängert für 8 Jahre! Mark Sanchez bekommt $41Millionen für drei Jahre! Das waren die wildesten Headlines in den letzten beiden Free-Agency-Perioden. Weiterlesen

Alle zweiundzwanzig!

Hardcore-Footballfans dürften Mitte Juni aufgehorcht haben: Die NFL gibt etwas unerwartet ab der kommenden Saison 2012/13 für alle Plays aller Spiele das Coaches-Tape (im Volksmund „All-22“) frei. Glaube ich dem Kundendienst, wird das Angebot auch im NFL-GamePass zumindest für die Regular Season freigeschaltet sein:

Coaches films will be available for all games and all plays, going forward.

(Quelle: Direktantwort NFL Game Pass Support)

Auch auf der GamePass-Homepage wird mit dem Coaches-Tape geworben. Das Tape wird allerdings seinem Namen „gerecht“ und nur als eben solches, als Tape, verwendbar sein. Man geht davon aus, dass spätestens mittwochs nach dem jeweiligen Spieltag sämtliche Partien in der All-22 Kamera verfügbar sein werden.

Was ist All-22?

Simpel gesagt: Der Heilige Gral für Coaches und die Footballfans der verrückteren Sorte. Das Coaches Tape besteht aus den Videoaufnahmen, die die Trainerstäbe in der National Football League für ihre Spielvorbereitung verwenden, also inklusive Coverages und inklusive Secondarys. Im Gegensatz zur bisherigen Situation, wo bis auf vereinzelte Plays bloß Kamera auf Grasnarbenhöhe mit halb abgeschnittenen Linebackers im TV ersichtlich war, wird ab sofort einer breiten („breit“ ist gleich nicht unbedingt der Durchschnittsamerikaner) Masse zugänglich sein.

Warum erst jetzt?

Eine Frage, die so schwer zu beantworten ist, wie die Frage, warum die UEFA auf Teufel komm raus wider jeder Logik jedes offizielle Field of Athenry-Video aus kommerziellen Gründen sperren lässt. Die Begründungen lasen sich über die Jahre jedenfalls relativ absurd.

Was bedeutet all das für die Zukunft?

Hoffentlich Gutes. Hoffentlich sprießen damit in Zukunft mehr großartige Footballseiten wie NFL-Films’ Greg Cosell oder Chris Browns Smart Football aus dem Boden. Beide eben Genannten hatten bereits Zugang zu All-22, Ersterer permanent, Letzterer temporär. Beide Seiten gehören zum Erhellendsten, was man so über das Strategiespiel Football lesen kann. Beide konnten das machen, was die meisten anderen bisher nicht machen konnten: Einen Spielzug in seiner Gesamtheit unter die Lupe nehmen, sezieren und die entsprechenden Folgerungen daraus ziehen.

Ich hatte jüngst das Glück, die dritte große Analyse-Seite, Pro Football Focus, etwas näher kennen zu lernen. Auch PFF.com war bereits näher an der ganzen Footballwahrheit dran als ich es bisher vermutet hatte. Aber auch für PFF.com wird die völlige Zugänglichkeit von All-22 eine massive Verbesserung bedeuten.

Wörtlich bekam ich von Chefanalytiker Khaled Elsayed in die Hand gedrückt:

[…] At this stage it’s too early for us to tell how we’re going to use All 22 because we’re still waiting on details as to what and when footage will be released. Suffice to say we will be making use of it in some way (we are likely to have four sets of eyes on each game in 2012 and atm one of these would likely be devoted to using All 22).

In terms of our grading system and what extra information we can gather from All 22, we are planning on capturing certain extra bits of information [Anm. gekürzt/korsakoff] and will fully assess what other information (both statistical and analytical) we can capture for the upcoming season.

Einen Schritt weiter gedacht und möglicherweise findet der eine oder andere Freak mit einem ein paar Stunden zu langen Tag Zeit und Muse, eine ähnliche Revolution wie vor zehn Jahren die Sabermetrics-Blogosphäre einzuleiten (damals begannen Fans wie du und ich damit, das Spielfeld in Zonen einzuteilen und entsprechende Statistiken daraus zu kreieren und damit das Bild von der Sportart Baseball neu zu definieren). Frischwind durch Laien – nicht ausgeschlossen, dass es bald auch im Football wahr wird.

CFL 2012 nach dem Canada Day – Der Westen

Nach dem Osten am gestrigen Donnerstag heute der Blick auf die West-Division, nicht ohne einen Verweis auf die heutige Liveübertragung bei ESPN America: BC Lions gegen die Hamilton Tigers (Fr/Sa 6./7.7. um 4h). In der Nacht von Samstag auf Sonntag (7./8.7. um 5h) wird es ein Tape von Montreal – Winnipeg geben, am Sonntag, 10h30 ein Tape von Toronto – Calgary. Und damit wir den kompletten Schwung vom kommenden Wochenende abgearbeitet hätten, folgt am Donnerstag, 20h Saskatchewan – Edmonton als ESPNA-Tape. Lieber in tabellarischer Form? Bitte:

Fr/Sa 7./ 8.7.  04h   LIVE BC Lions - Hamilton
Sa/So 8./ 9.7.  05h   Tape Montreal - Winnipeg
So        9.7.  10h30 Tape Toronto - Calgary
Do       12.7.  20h   LIVE Saskatchewan - Edmonton

Und damit zur Vorstellung der Western Division, jener Division, die man eigentlich deutlich schwächer als den Osten eingeschätzt hatte, der aber am Kickoff-Wochenende vier von vier Partien holte – will noch nicht viel heißen, war aber mal ne Ansage.

Saskatchewan Roughriders

Die Saskatchewan Roughriders sind das möglicherweise populärste CFL-Team, die Green Bay Packers des Nordens, weil sie als einzige CFL-Franchise wie das Pendant aus Wisconsin noch ihren Fans gehören. Ein eigenartig sympathischer Verein, mit einem frenetischen Publikum („Rider Nation“) auf zwei riesigen Haupttribünen im Heimstation, bis zur Trikotüberholung zur Saison 2012 in einem Outfit aus den 80ern (des 18ten Jahrhunderts) angetreten – allein, diese wunderschönen weißen Helme vom Eröffnungsspiel scheinen in Zukunft wieder bloß zu besonderen Anlässen getragen zu werden.

Besondere Anlässe gab es in der ewigen Historie der über 100 Jahre alten Roughriders, des gesamtem Stolzes dieses Bundesstaates, nur wenige: Nur drei Grey Cups wurden gewonnen, aber seit 2007 war man dreimal im Endspiel (ein Sieg). 2011 waren die Riders aber wieder Divisionsschlusslicht mit 5-13 Saisonsiegen und zwei Trainerwechseln.

Zur neuen Saison steht mit Corey Chamblin ein junger, schwarzer neuer Head Coach in den Startlöchern, und Chamblin machte sich gleich unbeliebt, als er die Fans von zwei Trainingssessionen aussperrte – ein Unding in einer Liga, die mit dem Slogan „This is Our League“ wirbt und ein Team, das noch immer den Fans gehört.

Es war nicht Chamblins einziger Move: Der populäre, weil kanadische, WR Andy Fantuz wurde gen Hamilton ziehen gelassen und die Offensive Line wurde komplett umgebaut. Auf der Habenseite holte man sich mit DE Odell Willis vom Erzfeind Winnipeg („Banjo Bowl“) einen gefährlichen Mann. „Gefährlich“ auf dem Feld, aber eben auch im Nachtleben. Willis soll einen lendenlahmen Passrush verstärken.

In der Offense setzt Chamblin weiterhin auf den markanten QB Darian Durant. Nicht gebaut wie ein prototypischer Quarterback (Österreicher würden sagen „a Bröckerl“), besitzt Durant eine Granate von Wurfarm und scheut vor keinem Scramble zurück, ist aber anfällig gegen hirnlose Würfe in Doppeldeckungen und an schlechten Tagen (wie so häufig 2011) gut für eine Handvoll Interceptions. Durants #1-Waffe wird der ehemalige Superbowl-Champ WR Sinorice Moss (ex-Giants) sein, ein Mann, der in Kanada noch nicht allzu viele Leute überzeugt hat.

Edmonton Eskimos

Die Fragezeichen in Edmonton richteten sich vor dem Saisonstart auf die QB-Position, wo mit Ricky Ray der langjährige Franchise-QB und Grey-Cup MVP für Draftpicks und den durchschnittlichen QB Steve Jyles verhökert wurde. Der schlechten Stimmung arbeitete am letzten Wochenende dann just ein Heimsieg über Rays neues Team, die Argonauts, entgegen, und GM Eric Tillman ist vorerst aus dem Schneider.

Jyles ist ein double threat mit viel „double“ und mäßig viel „threat“, und könnte mit dem ehemaligen Superstar-QB Kerry Joseph im Nacken schneller als erwartet in alte Verhaltensmuster zurückfallen und Fumbles und INTs produzieren. Jyles wird dazu der Erfahrung nach Hilfe der aufgejazzten Wide Receivers und der Defence brauchen.

Calgary Stampeders

In Calgary ist mit John Hufnagel ein alter Bekannter aus der NFL am Kommandostand (Gm und Head Coach in Personalunion). Hufnagel hatte gemischte NFL-Aufenthalte, gilt in Kanada allerdings als Koryphäe, ist mit Calgary jedes Jahr einer der Topfavoriten, und gilt als durchaus mutiger Coach (u.a. den 1st round pick 2012 sofort nach der Einstellung wieder entlassen).

2011 sägte Hufnagel den populären QB Henry Burris – immerhin ein Grey Cup Sieger unter Hufnagel 2008 – ab und übergab an den jungen Drew Tate, der prompt einschlug und kaum Anpassungsschwierigkeiten zeigte. Tate (spielte am College in Iowa) hat einen beliebten, weil sehr kanadisch, geprägten WR-Corp zur Verfügung. Fragezeichen hinterlässt allerdings die Defence, deren Pass Rush nicht überzeugend ist.

BC Lions

Der Titelverteidiger. 2011 war eine famose Saison von Seiten der BC Lions aus Vancouver, die sich von einem bodenlosen Saisonstart (0-5 mit vier Niederlagen innerhalb eines Scores) nicht verrückt machen ließen, das Schicksal drehten und am Ende neun von zehn Spielen zum Playoffeinzug inklusive „Heimsieg“ im Grey Cup gewannen.

Als Konsequenz trat der italokanadische Chefcoach Pasquale „Wally“ Buono nach dem Finale zurück und konzentriert sich nun nach neun Jahren Doppelfunktion auf seinen Posten als General Manager. Die Bilanz kann sich sehen lassen: Sportlich auf dem Thron abmarschiert und nun mit dem neu renovierten „BC Place“ ein fantastisches neues Heimstadion am Start.

Mit Mike Benevides ist nun Buonos Lieblingsschüler neuer Cheftrainer und unter Benevides wird selbige Erfolgsstrategie wie in den letzten Jahren fortgefahren: Passspiel, Passspiel, Passspiel. Im vergangenen Sommer schoss QB Travis Lulay aus dem Nichts hervor und sorgte mit ästhetisch wunderschönem Spiel für offene Mäuler. Lulays Top-Waffe ist der steinalte WR Geroy Simon, seit vergangenem Wochenende der „Jerry Rice der CFL“ als neuer ewiger Bester der Yards-Liste.

In der Defense riskierte man den Abgang einiger Schlüsselspieler gen NFL, konnte sich am Ende aber relativ schadlos halten (nur LB Elimimian ging nach Minnesota) und erreichte das erklärte Ziel, das Defensive Backfield physisch zu verbessern (1cm mehr Durchschnittsgröße, 2kg mehr Hüftspeck).

CFL 2012 nach dem Canada Day – Der Osten

Um zum Einstieg dogfood von Allesaussersport zu recyclen:

Ich habe für die CFL einen ganz großen, weichen Fleck in meinem sonst harten Herzen. Das ganze CFL-Ambiente strahlt eine sympatische Kuscheligkeit aus. Das Land Kanada, der Sommer. Der Versuch diese Profiliga mit wenig Resourcen gegen das Monster aus dem Nachbarland NFL aufrecht zu erhalten. Diese leicht freakigen Regeländerungen. Namen, teilweise verbrannte NFL- oder College Football-Talente die wieder auftauchen. Alles andere als glamourös, aber irgendwie freut man sich jedes Jahr darauf, alte Bekannte wieder zu sehen.

Ein Absatz, der genau so unterschrieben werden will, und es seien noch was ergänzt: Diese wunderschönen, uralten Stadien aus den 50ern mit ihren kilometerlangen Haupttribünen. Die völlige Unberechenbarkeit vor jedem Saisonstart. Die Saskatchewan Roughriders mitten aus der kanadischen Tundra, diese „Packers des Nordens“ mit ihrem leidenschaftlichen, allen Wettern trotzdenden Publikum. Das ist Football auf die bodenständige Art.

Eine erklärende Einführung zur Canadian Football League habe ich am Montag gegeben. Die Einträge zur aktuellen Saison werden unter dem Schlagwort „CFL 2012“ zu finden sein. Ich hoffe sehr, die aktuelle Saison etwas stärker begleiten zu können als in den vergangenen Jahren. Zum einen, weil ESPNA wieder eingestiegen ist. Zum anderen, weil die CFL heuer einen Hauch von Aufbruch versprüht, nachdem am Saisonende der einhundertste Grey Cup ausgetragen wird, mit großen, tagelangen Feierlichkeiten rund um den Austragungsort Toronto.

Heute: Die Eastern Division in der Vorstellung. Jene Eastern Division, die über Jahre als Domäne der Montreal Alouettes galt, aber zu Beginn dieser Saison erstmals seit längerer Zeit als wirklich ausgeglichen und dem Westen deutlich überlegen angesehen wird… und dann verloren am vergangenen Wochenende just alle vier Ost-Teams gegen die Konkurrenz im Westen.

Toronto Argonauts

Für die wirtschaftlich schwache CFL sind die Argonauts aus der Millionenmetropole Toronto die Schlüssel-Franchise schlechthin – dumm bloß, dass just jene Argonauts seit Jahren im unteren Mittelfeld kränkeln und mit dem unpopulären Rogers Centre (ehemals „SkyDome“) und einem faulen Publikum (schlechtester Zuschauerschnitt der Liga) zu kämpfen haben. Da man stadtintern wenigstens einmal pro Saison Konkurrenz von den Buffalo Bills aus der NFL hat und die eigenen – zweifelhaften – Werbeaktionen verpuffen, steht die Mannschaft in dieser Saison auch aufgrund des wichtigen Finale dahoam besonders unter Druck.

Dafür hat man nach einer schwachen Saison 2011 (mit 6-12 die zweitschlechteste Bilanz der CFL) in der Offseason mächtig umgestellt. Jim Barker beförderte sich vom Chefcoach/GM zum alleinigen General Manager und kaufte mit dem 38jährigen Scott Milanovich den jungen OffCoord der Montreal Alouettes als Head Coach ein.

Und Milanovich, der Architekt einer der über Jahre besten Angriffe in Montreal, bekam Spielzeug. Die Quarterbacks Lemon/Jyles wurden entsorgt und im Gegenzug in einem viel diskutierten Trade der 32jährige QB Ricky Ray (2x Grey Cup Champ) aus Edmonton geholt, einer der wenigen veritablen „Franchise-Spieler“ in der CFL. Man erwartet, dass die Offense mit Milanovich, Ray und einem ausgeglichenen WR-Corp schnell wiederbelebt werden kann.

Die Defense schaut personell etwas ausgedünnt aus, dürfte aber allein durch die Verpflichtung des schenialischen DefCoords Chris Jones (aus Calgary) ein paar Prozentpunkte an Qualität zulegen können (die Front-7 sah schon mal ganz ordentlich aus).

Toronto ging am letzten Wochenende allerdings ausgerechnet in Edmonton (Rays letzte Station) 15-19 baden, aber nicht aller Tage ist noch Abend: Trotz einer insgesamt horrenden Vorstellung der Offensive Line war wenigstens die zweite Halbzeit von der Offence richtig ansehnlich und machte Hoffnung, aber Milanovich wird nach einer fassungslosen Unzahl an Penalties noch an der Disziplin seiner Truppe arbeiten müssen.

Hamilton Tiger-Cats

Nicht nur die Argonauts treten mit neuem Chefcoach und neuem QB an, sondern auch deren nächster Lokalrivale aus Hamilton (ca. 75km süd-westlich von Toronto), die Tiger-Cats (zum Fachsimpeln bitte: „Ticats“), wo nach drei Jahren Stagnation (9-9, 9-9, 8-10 mit Playoffsieg) zur Komplettrasur angesetzt wurde.

Marcel Bellefeuille wurde durch den neuen Head Coach George Cortez ersetzt und Cortez fackelte nicht lange. Nicht nur der charismatische Oldie QB Henry „Smilin’ Hank“ Burris ist in der Arbeiterstadt Hamilton neu am Werkeln, sondern nach dem Austausch fast aller Skill Players und einiger zentraler Figuren in der Defense eigentlich der komplette Mannschaftskern. Wobei „neu“ bei vielen Einkäufen mit bereits geschehener Vorwahlwechsel (auf die „3“) auch ein fragwürdiger Begriff ist. So viel Umbruch für Hamilton nach dem ersten Playoffsieg seit Äonen!

Burris und Cortez sind alte Bekannte (2008 gewann man gemeinsam mit Calgary den Grey Cup). Burris soll im Spätherbst seiner Karriere noch einmal zünden, weswegen man zusätzlich zu den blutjungen Granaten-WRs Chris Williams & Bakari Grant auch noch eine Ikone aus Saskatchewan eingekauft hat: WR Andy Fantuz. Man erwartet von den Ticats nichts anderes als ein Passfeuerwerk, nachdem das Laufspiel auf den alternden Schultern von RB Avon Cobourne (früher in der NFLE) liegt: Der junge Hoffnungsträger Martell Mallett hat sich jüngst den Knöchel gebrochen. Und sollte Burris nicht zünden, so steht der während der Vorbereitung verpflichtete QB Dan LeFeveaur bereit, den man noch aus College (ehemalige TD-Rekordler) und NFL kennt.

Das Auftaktspiel gegen Saskatchewan bescherte allerdings eine Blamage (16-43 Pleite). Aber auch hier gilt: Vorschnelle Schlüsse sind unangebracht, da das Passspiel durchaus über weite Strecken klickte. Die Probleme lagen mehr in der Abwehr, wo die für ihre harten Hits berüchtigten Linebackers um den neuen Stareinkauf Kevin Eiben zahm wie meine drei Wochen alten Kätzchen blieben.

Montreal Alouettes

Die Als dürfen sich als die sportlich beste Franchise der letzten CFL-Saisons sehen, und ein Mann steht dabei permanent im Mittelpunkt: Der erfolgreichste Quarterback aller Zeiten und schon im vierten Frühling, Anthony Calvillo. Dem Mann, der schon zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkriegs Touchdowns warf, hat Michael Weinreb zum Yards-Rekord im vergangenen Oktober einen faszinierenden Artikel bei Grantland gewidmet – unbedingt lesenswert!

Mit weit über 5000yds in der abgelaufenen Saison, mit 32 TD und nur 7 INTs bei den mit Abstand meisten Passversuchen ligaweit, gehört Calvillo auch mit bald 40 Lenzen immer noch zur Créme de la Créme. Heuer muss er allerdings auf zwei wichtige Kollegen verzichten, den zurückgetretenen WR Kerry Watkins und den OffCoord Milanovich (wie oben geschrieben nun Chefcoach in Toronto).

Das entscheidende Duo neben Calvillo ist aber noch da: GM Jim Popp und der souveräne Head Coach Marc Trestman, unter dem Montreal sich von einem langjährigen Anwärter zu dem dominanten Team schlechthin gewandelt hatte – so dominant, dass das Playoffaus 2011 wie eine Katastrophe bejammert wurde.

Die Offence wird – man lasse sich von der blutleeren Vorstellung bei der hohen Schlappe gegen Calgary am ersten Spieltag nicht täuschen – passen. Dafür bürgen neben Calvillo vor allem eine breit gefächerte Armada um den MVP-Kandidat SB Jamel Richardson und den Rookie-RB Patrick Lavoie – so viel kann der blutjunge OffCoord Marcus Brady da gar nicht falsch machen, dass dieser Angriff nicht wieder über 25pts/Spiel scort.

Aufgabe der Defence um den ebenso neuen DefCoord Jeff Reinebold wird sein, „bend but don’t break“ zu spielen und sich nach einer radikalen Verjüngungskur bis in die Spätphase des Trainingslagers hinein einigermaßen durchzulavieren.

Winnipeg Blue Bombers

(WirsprechennunüberdenGejagtenimOstenindieserSaison) Die Defence war 2011 der wichtigste Faktor hinter dem völlig überraschenden Finaleinzug der Winnipeg Blue Bombers. Ohne Erwartungen in die Saison gestartet, aber dann dank der stolzen „Swaggerville“-Defence mit ihren unglaublich vielen Turnovers durchmarschiert und erst im Grey Cup gestoppt – der eigenwillige Head Coach Paul LaPolice legte 2011 in seinem ersten Jahr die Messlatte gleich mal ganz oben an.

Dass der Erfolg auf schwer wiederholbaren Faktoren (Turnovers!) fußte, könnte für den streitbaren LaPolice durchaus schneller als gedacht zum Problem werden, nachdem in der Abwehr auch noch der beste Pass Rusher, DE Odell Willis, bedenkenlos ziehen gelassen wurde. Überhaupt sieht die Front-7 nach zahlreichen Abgängen und Rücktritten ziemlich ausgedünnt aus, und einzig DB Jovon Johnson bekam einen neuen, teuren Vertrag.

Die Defence muss ihren Level wohl oder übel halten, da sie eine grenzwertige Offence durchschleppen muss. Dort ist mit dem neuen OffCoord Gary Crowton ein Mann am Werkeln, der das Passspiel am liebsten abschaffen würde und deshalb bereits mit Cheffe LaPolice in die Quere gekommen ist.

QB Buck Pierce ist meistens nach nur drei Spielen auf der Verletztenliste (harhar, diesmal schon die ersten Wehwehchen nach dem ersten Spiel), aber dank zahlreicher Kampfspiele und begeisternder „No risk, no fun“-Pässe zum absoluten Fanliebling mutiert. Vor der Auswechslung wegen Knieproblemen am ersten Spieltag produzierte Pierce sagenhafte 3 von 9 für 11yds.

Die Probleme sind nicht allein am QB auszumachen. Die Offence Line machte im Eröffnungsspiel einen verheerenden Eindruck und das Laufspiel liegt in den Beinen des blanken Notnagels Bloi-Die Dorzon (Samstag: 4 Carries für 5yds), nachdem der langjährige RB Reid nach Kreuzbandriss entlassen und dessen junger Nachfolger RB Chris Garrett sich 72h vor Saisonbeginn im Training die Achillessehne riss – out for the season… Mal sehen, ob sich die Wut der ewig Unterschätzten aus Winnipeg in positive Energie auf dem Spielfeld umwandeln lässt.

Neuigkeiten aus der Welt der Schweinehaut (Zsf. vom Juni 2012)

Und es tat sich dann doch das eine oder andere.

National Football League

Kickoff-Zeiten

Ab der kommenden Saison wird der Sonntagabend in der NFL (MESZ) ein klein wenig anders aussehen: Die 22h15-Partien werden in Zukunft 22h25-Partien sein, um für die in der Vergangenheit immer wieder aufgetretenen Überschneidungen auf den übertragenden Networks CBS/FOX zu reduzieren. In manchen Regionen waren immer wieder aufgrund der komplizierten Vertragslage die letzten Minuten der 19h-Partie abgeschnitten worden, da das jeweils übertragende Network des Doubleheaders 19h/22h15 wechseln musste. Die 22h05-Partien bleiben unangetastet. Eine für uns weniger relevante Geschichte: Die NFL hat die Fesseln der „Blackout-Regel“ für nicht ausverkaufte Spiele gelockert.

Referee-Lockout

Nehmen wir die Rückkehr des „Lockouts“, wenn auch weit weniger dramaturgisch verwertbar als noch im vergangenen Sommer von 2011. Diesmal war es die Referee-Gewerkschaft, die sich im Clinch mit der National Football League befand. Über die Hintergründe bitte im Best Sports Blog nachlesen.

LaDainian Tomlinson sagt Pfiat Gott

Mitte Juni ist der ehemalige Running Back der Chargers und Jets, LaDainian Tomlinson (kurz „L.T.“) nach elf Jahren Profilaufbahn zurückgetreten. Wer Tomlinson nur in den letzten Jahren in New York erlebte, der sah einen matten Abglanz des einst besten Backs in der NFL.

In Schottenheimers Offense war Tomlinson zu seiner Blütezeit (ca. 2003-2006) diedominante Figur schlechthin, als Läufer und Ballfänger (2003/04 mal mit 100 (!) Catches in der Saison) gleichermaßen gefährlich und mit dem dunklen Visor nebst Charger-Blitz auf dem Helm wie aus einer anderen Galaxie durch die NFL-Defenses fräsend.

Tomlinson war 2006/07 NFL-MVP und galt insgesamt als echter Sportsmann. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden seine Karriereleistungen (13645yds Rushing in der Regular Season/#5 der NFL-Geschichte, 4772yds Receiving, 162 Touchdowns plus 7 Wurf-TD, Rekordhalter für die meisten Touchdowns in einer Saison mit 31) zu einer Wahl in die Hall of Fame führen, auch wenn die letzten 3-4 Jahre, insbesondere der Aufenthalt in New York, den glänzenden Eindruck von Tomlinsons Blütezeit doch etwas verwischten.

Tomlinson war einer jener Hochglanzprodukte in der NFL, deren Karrieren völlig verschwendet wurden. Als er 2001 nach San Diego kam, war die Mannschaft gerade im Umbruch nach der verheerenden Zeit unter QB Ryan Leaf. Der junge QB Drew Brees (ebenso 2001 gedraftet) brauchte zu lange um sich zu entwickeln, sodass mehrere der besten Jahre Tomlinsons für ein paar tausend Yards und 4-12 Saisons draufgingen. In seinem größten Spiel als Charger, im AFC-Finale 2007/08, hockte Tomlinson mit kaputtem Knie stundenlang hinter seinem schwarzen Helm an der Seitenlinie, unfähig, noch einmal in ein durchaus zu gewinnendes Spiel gegen die ungeschlagenen Patriots einzugreifen – eines der prägenderen Bilder der letzten Jahre NFL.

Freigabe von All-22

Die NFL wird für die Saison 2012/13 das sog. „Coaches-Tape“ freigeben. Mehr dazu in wenigen Tagen.


College Football

Bye, bye, BCS

NCAA und die großen Conferences im College Football haben sich dazu durchgerungen, die unpopuläre BCS („Bowl Championship Series“), jenes bizarre System der Meisterfindung im College Football, zu begraben und es durch eine Mini-Playoffserie mit vier Teams (Halbfinale und Finale) zu ersetzen. Prinzipiell ist der Move begrüßenswert, aber auch eine Art Öffnung der Büchse der Pandorra. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis die Rufe nach einer Playofferweiterung entflammen. Die Frage wird also in Zukunft von „Wie beknackt kann eine Meisterfindung sein?“ hin zu „Wie weit lässt sich eine Post Season in einer physischen Sportart wie Football öffnen?“ – immerhin haben wir es mit Studenten zu tun und Football lässt sich nicht einfach mal um drei-vier Playoffspiele pro Team erweitern, ohne dass die Regular Season beschränkt wird. Und eine Regular Season mit elf, zwölf oder 13 Spielen ist für manche Uni aus den mittleren und unteren Regionen der FBS finanziell lebenswichtig…

Und weitere Probleme bleiben ungelöst. Dan Wetzel (Autor von „Death to the BCS“) hat bei Yahoo einen exzellenten Artikel über das weiterhin korrupte  System „College Football“ und seine Probleme geschrieben.

Paterno

Die im November 2011 aufgeflogene Affäre Sandusky köchelt weiter vor sich hin – jüngst wurden eMail-Hinweise veröffentlicht, die die Offiziellen der Universität, wie auch den legendären Coach Joe Paterno (im November nach fast 46 Jahren als Chefcoach gefeuert, im Jänner verstorben) in ein miserables Licht rücken könnten. Paternos Denkmal dürfte aus der Geschichte doch deutlich angekratzter herausgehen als anfangs angenommen.


Europa

Austrian Bowl

In Österreich sorgt die kurzfristige Verlegung der Austrian Bowl von Innsbruck nach Wien für Verärgerung. Aus der offiziellen Begründung:

„Für die Fans von drei der vier am Halbfinale teilnehmenden Teams ist die Anreise nach Wien näher als nach Innsbruck. […] Da sie (die Hohe Warte in Wien/korsakoff) von den Kosten wesentlich günstiger ist, haben wir uns letztlich aus wirtschaftlichen Gründen für eine Austragung der Chevrolet Austrian Bowl in Wien entschieden.“

Einen langen, nein: laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaangen Kommentar dazu hat Walter Reiterer bei Football-Austria verfasst.

Euro Bowl

In der EuroBowl am 21.7.2012 stehen sich die Vienna Vikings aus Wien und den Calanda Broncos aus Graubünden gegenüber. Calanda ist nach einem Kantersieg über Titelverteidiger Tirol erstmals für das Endspiel im wichtigsten europäischen Football-Wettbewerb qualifiziert – und das Endspiel findet nun in Liechtenstein statt!


Medien

ESPN

Erin AndrewsErin Andrews verlässt ESPN. Andrews war vom College GameDay bei ESPN eines der bekanntesten Gesichter und sorgte in der Blogosphäre darüber hinaus durch schlagzeilenträchtige Aktionen (Stalking usw.) für Unterhaltung. Andrews wird zu FOX gehen – wir dürften sie damit hier nicht mehr so schnell zu Gesicht bekommen.

Horrormeldung von Monday Night Football: Es scheint sich zu bestätigen, dass das zweite MNF-Spiel in Woche 1 (OAK-SD am 10.9.) von Chris Berman und Trent Dilfer kommentiert werden wird.

Football Perspective

Chase Stuart (früher hauptsächlich Pro Football Reference) hat sein neuestes Projekt gestartet: Football Perspective, ein Football-Portal, auf dem mit Zahlen, Statistiken und Kuriositäten jongliert wird. Es sind nicht immer die großen weiterführenden Methoden zur Modellaufstellung, aber Stuart führt gerne Sinn und Unsinn des Pundit-Mülls im TV vor Augen und hat eine spezielle Neigung hin zu Power Rankings verschiedenster historischer Ereignisse in der NFL.

Back to Business, mit Eiern aus dem Norden und weiblichen Frequenzen aus dem Süden

Das Ende der Fußball-EM markiert gleichzeit das Wiedererwachen des Sideline Reporter-Blogs, der nach selbstauferlegter Sommerpause mit der Footballsaison am Horizont wieder Fahrt aufnehmen wird.

Die ersten Eier fliegen schon

Am vergangenen Freitag hat die CFL-Saison 2012 begonnen. „CFL“ wie „Canadian Football League“, nicht zu verwechseln mit dem US-Pendant. Denn obwohl sich haufenweise ehemalige Studenten aus US-Colleges in der CFL tummeln, sprechen wir bei „CFL“ nicht von American, sondern von Canadian Football. Das heißt: Anstelle von vier Downs nur drei Downs, dafür 12 statt nur 11 Spieler auf dem Platz. Drei Downs bedeutet in Theorie und Praxis: Laufspiel wird im Vergleich zur NFL entwertet, dafür sieht man teilweise richtige Pass-Orgien und viel mehr Risiko, was im Umkehrschluss zu einer Aufwertung von Special Teams führt, die bei den meist kurzen Drives viel häufiger zum Einsatz kommen. Für zusätzliche Action sorgt die Bewegungsfreiheit der Spieler vor dem Snap, weshalb Spielzüge schwer antizipierbar sind und sich an der Anspiellinie oft geselliger Knuddelmuddel abspielt.

12 Spieler statt 11, dafür aber auch ein größeres Spielfeld: 110yds lang plus jeweils 20yds in jeder Endzone, macht eine Gesamtlänge von 150yds. Die Torpfosten stehen in etwa da, wo sie vor Urzeiten auch in der NFL gestanden hatten: Nahe der Goal Line, in der EndZone.

Canadian_football_field CFL

Ausmaße eines CFL-Spielfelds (via Wikipedia)

Gepunktet wird wie in der NFL mit dem Zusatz eines Singles (offiziell bitteschön: rogue), eine Situation, die einem Safety ähnelt mit dem Unterschied, dass beim Safety die Offence snappt, beim Single hingegen die ballführende Mannschaft den Ball von einem Kick/Punt annimmt. Ein Single ist – völlig überraschend – einen Punkt für die verteidigende (bzw. kickende) Mannschaft wert. Die Two-Point-Conversion nach dem Touchdown findet außerhalb der 5yds-Line statt.

Zeitmanagement in der CFL ist ein wichtiger Faktor, da jede Mannschaft nur ein Timeout besitzt und nur 20 Sekunden zwischen den Snaps bekommt, was für einigen optischen Thrill sorgt.

Und dann wäre noch, aufmerksame Leser werden es schon gemerkt haben, die unterschiedliche Schreibweise: Offence und Defence.

Die aktuelle Saison

Die Saison 2012 ist etwas Besonderes, weil am Saisonende der 100te Grey Cup ausgespielt wird. Der Grey Cup ist die älteste Football-Trophäe Amerikas, und wie zur ersten und 50ten Auflage wird der Grey Cup 2012 in Toronto ausgespielt werden. Dumm ist da höchstens, dass in der CFL mit ihren acht Teams sechs Teams die Playoffs erreichen. Das heißt: Nach 18 Spielwochen scheiden erstmal nur zwei Teams aus. Im letzten Jahr waren die heimischen Toronto Argonauts eines von ihnen…

Wo kann ich die CFL sehen?

Nach mehreren Jahren Abstinenz ist ESPN America in der laufenden Saison wieder mit von der Partie (offizielle ESPNA-Seite zur CFL) und wird eine ganze Reihe an Live- und „As live“-Spielen zeigen. Zum Beispiel in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch 3./4.7. die Partien BC-Winnigpeg (02h) und das Eröffnungsspiel Hamilton – Saskatchewan (05h), mit den Roughriders in einer ungewohnten weißen (diese Helme!) Trikotkollektion. Auf offiziellem Wege gibt es weiters die „As live“-Tapes auf der Homepage vom Broadcaster TSN.com. – mehr Bilder, höhere Wahrscheinlichkeit, dass es heuer auf diesem Blog mehr von der CFL als im vergangenen Jahr geben wird.

Mehr zur Canadian Football League und zur neuen Saison auf alle Fälle in Kürze.

Directly from Bloomington, Indiana

ESPN hatte Erin Andrews. NBC hat Alex Flanagan. Unsere neue Sideline Reporterin wird Sabine sein, von der wir unter dem vielsagenden Pseudonym Seminole an dieser Stelle schon das eine oder andere Mal lesen durften.

Seminole ist eine Ehemalige der Florida State University und seit einiger Zeit mit Unterbrechungen arbeitend in Bloomington/Indiana unterwegs, der Heimat der Indiana University und damit auch der geschätzten Kelley School of Business. Seminole wird in homöopathischen Dosen aus den Staaten berichten.

Ein paar Meilen weiter wird in Indianapolis das größte Quarterback-Talent seit Ewigkeiten seinen NFL-Einstand geben, und Seminole ist darüber hinaus stets bestens über College Football und dessen Drumherum (sprich: Death for the BCS) und insbesondere die Florida State Seminoles informiert. Bisherige Einträge ihrerseits gibt es hier.

Der Rest wird bleiben wie gehabt: Meinungsstark. Selbstverliebt. Egozentrisch. Und immer mit dem Herzen für die Underdogs. Für Underdogs wie unseren Freund, den Rhino. (/via Smart Football)