Die letzten Zuckungen einer Todesgeweihten: Western Athletic Conference 2012/13 Preview

Nächster Zwischenstop auf dem Weg zur College Football-Saison 2012/13: Die Western Athletic Conference (WAC), die in diesem Herbst ihren letzten Atem aushaucht. In anderen Worten: Inmitten aller Conference-Wechselturbulenzen werden im nächsten Jahr Stand heute nur mehr zwei Universitäten die Football-Abteilung bilden: Idaho und New Mexico State. Das Todesurteil.

Der Gang der Konferenz

Schauen wir uns die sieben noch aktiven Football-Mitglieder der WAC an:

Louisiana Tech
Texas-San Antonio (UTSA)
San Jose State
Utah State
Texas State
Idaho
New Mexico State

Louisiana Tech und UTSA werden ab 2013 in die Conference USA wechseln. San Jose State und Utah State werden dem Ruf der MWC folgen. Texas State geht in die Sunbelt Conference. Auffallend: UTSA und Texas State sind erst dieses Jahr aus der FCS hochgewechselt und werden die kollabierende WAC schnell wieder verlassen. Idaho und New Mexico State bleiben allein (plus Seattle und Denver, die keine Footballprogramme unterhalten).

Die WAC war in meinen Anfangsjahren im College Football meine „favorisierte“ Conference, weil die kleinen BCS-Buster von Boise State dort alles in Grund und Boden spielten. Der Gang der Dinge wollte es, dass Boise sich stärkere Konkurrenz suchen musste – die WAC wird es wohl nicht überleben. Bye Bye, kleine Freak-Conference. Ein Jahr wird aber noch gespielt.

Oberschicht

Als Titelverteidiger gehen die Louisiana Tech Bulldogs nach ihrer starken 2011er-Saison ins Rennen. Diese Mannschaft hat sich bei mir aufgrund ihrer eigenartigen Offense eingeprägt: Weil das Spielermaterial eigentlich nur Laufspiel hergibt, die Bulldogs aber trotzdem hemmungslos zu werfen versuchen, gibt es in jeder Angriffsserie dutzende falsch gelaufene Routen der Wide Receivers. Diese Wurf-Affinität ist rührt von einem Namen: Sonny Dykes, Head Coach, und geschult worden bei den besten Pass-Genies des College Football („Air Raid“). Die Bulldogs gewannen den Conference-Titel letztes Jahr aber vielmehr durch ihre Defense, deren deren opportunistische Secondary dann auch TCU in der Bowl Season fast entnervte.

Recht vorzeigbar sind auch die Utah State Aggies, in der vergangenen Saison mit konsequentem Laufspiel und dank haufenweise knapper Siege zu einer 7-6 Saison (inkl. einer nur hauchzarten Niederlage in Woche 1 in Auburn) marschiert. Nun sind mit RB Robert Turbin und LB Bobby Wagner die beiden Leader in Offense und Defense in die NFL abgewandert, aber der Schedule gilt als schwach genug, dass wir die Aggies in der Bowl Season wiedersehen könnten.

Absolut spektakulär waren die San Jose State Spartans, eine Mannschaft, die gemäß ihrer antiken Vorbildern aus wenig Ressourcen dank viel Disziplin erstaunlich viel macht. Über den Chefcoach Mike MacIntyre hört man nur Gutes: Der Mann soll seiner Mannschaft voll vertrauen und die Mannschaft gibt entsprechend Herz, Lunge und Seele für hingebungsvollen Football. Star der Truppe ist der künftige Lieblingsschüler Belichicks, RB/CB/KR/PR Tyler Ervin, ein Multitalent und symptomatisch für die insgesamt eher mau besetzte, aber leidenschaftliche Spartanertruppe stehend.

Im Regen stehen gelassen

Zu den zwei Außenseitern, die in Bälde zweitklassig sein dürften. New Mexico State spielt wenigstens eine ansehnliche Offense rund um den jungen QB Andrew Manley und darf daher noch auf das Hintertürchen „Bowl Season“ und „Aufmerksamkeit durch TV-Präsenz“ für ein FBS-Ticket hoffen. Das Unterfangen gilt trotzdem als eher aussichtslos, weil die Uni kein gutes Basketballprogramm zu bieten hat, das eine Conference noch interessieren könnte.

Noch schlimmer sieht es für die Idaho Vandals aus. Am Arsch der Welt zu Hause und im Gegensatz zu den ähnlich benachteiligten Boise State Broncos zwei Gebirgszüge weiter südlich (aber ebenso in Idaho) auch nichts aus der kleinen Chance gemacht. Aufsehen erregen einzig der heimische Kibbie Dome und der extrem beliebte Head Coach Robb Akey, der selbst nach 2-10 Saisons unumstritten im Sattel sitzt.

Die Newcomer

Erstes Jahr in der FBS und nach Höherem strebend: Die beiden texanischen Unis, die die WAC nur als Durchlaufstation sehen. Schier Unglaubliches stellen die Texas-San Antonio Roadrunners auf: Erst seit zwei Jahren überhaupt existent, aber die Begeisterung ist riesig: Beim Debütspiel des Teams waren 56.000 Menschen (!) im Alamodome, jenem Stadion, das in den 90ern einfach mal so gebaut worden war und seitdem als Kathedrale in der Wüste auf den Abriss wartete. Chefcoach ist mit Larry Coker jener Mann, der vor einem Jahrzehnt die Miami Hurricanes unter seinen Fittichen hatte, jene Mannschaft, die noch heute schon allein wegen der Spielernamen als eine der legendärsten ever gilt (Ed Reed, Jeremy Shockey, Vince Wilfork, Andre Johnson, Jonathan Vilma, Clinton Portis, Sean Taylor usw.).

Nun genießt Coker aber eher eine Reputation als Coach, der nichts aufzubauen vermag, sondern bloß eine breite Talentbasis zu ungekannten Höhenflügen treiben kann. Genau letzteres ist in San Antonio freilich nicht gefragt.

Vielleicht bräuchten die Roadrunners einen Chefcoach wie Dennis Franchione, einen Wandervogel, der es nirgends länger als 4-5 Jahre aushält, der aber seinen Nachfolgern gerne eine gestelltes Feld hinterlässt. Franchione ist aktuell der Mann am Steuer bei den Texas State Bobcats, dem anderen texanischen WAC-Neuling. Texas State ist im Gegensatz zu San Antonio nicht zwei, sondern bereits über 100 Jahre lang footballerisch aktiv, aber der Move in die höchste Kategorie wurde erst jüngst vollzogen.