Ausgebadgert

Das Ende vom Honigdachs („Honey Badger“). Tyrann Mathieu ist nach nicht enden wollenden Vergehen gegen die Mannschaftsordnung von der Louisiana State University geschmissen worden. Nächste Verabschiedung von einem Superstar im College Football durch die Hintertür (und diesmal von einem mit schenialem Vor- und noch besserem Übernamen).

Glaskugel 2012: Indianapolis Colts

Hier wird gerade umgebaut. Gehen Sie bitte weiter, es gibt hier nichts zu sehen! Die Colts sind zur Zeit eine einzige Baustelle, auf der zwar noch einige erfahrene Handwerksmeister zugegen sind, aber dies hauptsächlich um die vielen talentierten Stifte anzulernen.

Noch bis 2010 war diese Baustelle das Haus von Peyton Manning. Mit dem Wegbrechen des Fundamentes Manning ist das ganze Haus 2011 einfach eingestürzt. Und was für ein Haus das war! Neun Jahre in Folge mindestens 10 Siege pro Regular Season, neun Mal in Folge in den Playoffs – eine unglaubliche Konstanz, die nicht mal von Belichicks Patriots getoppt werden kann. Daneben hat Peyton noch einige Rekorde aufgestellt, eines der größten Spiele aller Zeiten gemacht (2006 AFC Championship Game) und auch eine Lombardy Trophy in seinen Keller geholt.

Da haben auch immer noch ein paar andere mitgeholfen – Tony Dungy, Marvin Harrison, Reggie Wayne, Tarik Glenn, Dwight Freeney, Bob Sanders, Bill Polian – aber man tut keinem dieser Herren unrecht, wenn man sagt: Peyton Manning war die Colts.

Jetzt ist er es nicht mehr. Nach seiner wieder aufgebrochenen Nacken-/Nervenverletzung und einer ganzen verpaßten Saison mußten die Colts sich entscheiden, ob sie dem 36 Jahre alten Risikopatienten einen $28 Millionen Roster Bonus zahlen oder ob sie nicht lieber das größte Quarterback-Talent seit Peyton Manning (oder wahlweise auch John Elway) draften und um diesen Andrew Luck herum einen neues Haus bauen.

Indy entschied sich für Luck. Auf den Sperrmüll kamen mit dieser Entscheidungen neben Manning auch gleich noch GM Bill Polian, der gesamt Coaching Staff um Jim Caldwell und einige Spieler von Jeff Saturday bis Pierre Garcon. Geblieben von den „großen“ Namen sind nur die DEs Freeney und Robert Mathis sowie WR Wayne.

Neuer Head Coach ist der ehemalige DC der Ravens, Chuck Pagano. Als Coordinators an seine Seite hat sich Pagano Greg Manusky und Bruce Arians geholt. Manusky, ehemals DC der 49ers und Chargers, hat als Linebacker selber noch gegen Peyton Manning gespielt. Arians, stil- und erklärungslos entlassen von den Steelers, hat so seine Erfahrungen mit jungen, talentierten Quarterbacks.

Colts Offense

Der kauzige Mr. Arians began Mitte der 70er Jahre für zwei Dekaden durch die große Assistant-Coaches-Welt in NCAA und NFL zu tingeln. Mississippi State, Temple, Kansas City Chiefs, New Orleans Saints und schließlich 1997 Offensive Coordinator der großen Alabama Crimson Tide. Just 1998 hat dann Jim Mora, HC der Indianapolis Colts, einen guten Mann gesucht, der seinem Rookie-QB eine NFL-Offense näherbringt. Dieser QB, Nr.1 pick selbstverständlich, galt als das größte Talent seit John Elway – Peyton Manning.

Das hat Arians ganz gut gemacht. Nach kurzem Umweg über Cleveland (als OC) landete er dann in Pittsburgh, wo er wieder einen jungen, talentierten QB unter seine Fittiche bekam – Ben Roethlisberger. Das hat auch ganz gut geklappt. Über die Jahre haben Arians/Roethlisberger sich eine sehr schöne Offense installiert, die als eine der wenigen in der NFL noch ein starkes vertikales Element hat. Big Ben war dann auch entsprechend sauer, als er erfuhr, daß er von nun an seinen Weg ohne Arians weitergehen muß, der ihn seine gesamte Karriere über begleitet hat.

Dieser Werdegang prädestiniert Arians dafür, nun auch Andrew Luck den Weg ins NFL-Niveau zu führen. Das witzige an dieser Arians/Luck-Combo ist, daß der heiße College-QB und Fast-Heisman-Gewinner bisher in einem lahmen, euphemistisch „Pro-Style-Offense“ genannten System mit sehr viel 2- und 3-TE-sets gespielt hat, während der ehemalige OC der Pittsburgh Steelers seinen dickarmigen QB am liebsten aus der Shotgun mit 4 WRs quer über das ganze Feld werfen ließ. Man darf gespannt sein, wie die Offense der Colts 2012 aussehen wird.

Schedule

Wk1 @ CHI
Wk2 v MIN
Wk3 v JAX
Wk4 BYE
Wk5 v GB
Wk6 @ NYJ
Wk7 v CLE
Wk8 @ TEN
Wk9 v MIA
Wk10 @ JAX (TNF)
Wk11 @ NE
Wk12 v BUF
Wk13 @ DET
Wk14 v TEN
Wk15 @ HOU
Wk16 @ KC
Wk17 v HOU

Über Luck müssen wir hier nicht mehr viele Worte verlieren. Er ist tatsächlich der „erwachsenste“ College-Quarterback denn ich je gesehen habe. Er hatte alles, aber auch wirklich alles in der Stanford-Offense so souverän unter Kontrolle, daß es wirkte, als hätte der Profi Peyton Manning sich in die Rose Bowl verirrt. Mit einer einmaligen Ruhe und Gelassenheit hat er aus den verschnöselten Cardinal-Jungs einen Bulldozer gemacht.

Talent ist Talent, aber nun ist er in der NFL. Das ist eine andere Welt. Und viel Hilfe wird er neben Arians nicht bekommen. WR Reggie Wayne ist noch da, aber sonst lagen da ab April nur noch Schrott und Ersatzteile rum. Als Ballfänger wären da noch Donnie Avery, ehemals großes Slot-Talent mit drei Catches 2011; die Mensch gewordene Gehirnerschütterung Austin Collie; Blair White, 2011 mit null Catches; und die beiden Rookies T.Y. Hilton und LaVon Brazill.

Der neue GM Ryan Grigson hat sich erstmal dran gemacht, zwei gute Tight Ends für seinen QB zu draften (Dallas Clark und Jacob Tamme sind nicht mehr da). In Runde zwei Lucks alten Stanford-Buddy Coby Fleener und in Runde drei Clemsons Dwayne Allen. Im Backfield lauern noch noch die vom alten Regime hoch gedrafteten RBs Delone Carter und Donald Brown, die beide bis jetzt aber nicht viel reißen konnte.

Offensive Line ist noch schlimmer. Peytons Alter Ego, Center Jeff Saturday ist weg und die anderen vier waren eh unterste Kanone. Die O-Line wurde in den letzten Jahren von Polian sträflich vernachlässigt. Im letzten Jahr immerhin hat man in den ersten beiden Runden zwei Tackles verpflichtet. Anthony Castonzo hatte die ganze Saison über mit einigen Wehwechen zu kämpfen, während Ben Ijalana sich das Kreuzbandriß, sich durch die Reha quälte um sich dann im Trainings Camp erneut das Kreuzband zu zerstören. Daraufhin wurde er entlassen. Sad story.

Als Center wurde Samson Satele verpflichtet, aber wenn man sich die restlichen Namen so anguckt – Winston Justice, Jeff Linkenbach, Joe Reitz, Seth Olsen – da kann sich Luck schon mal ein Schmerztabletten-Abo bestellen.

Colts Defense

Die größte Story in der Defense ist die Umstellung von 4-3 auf das Pagano´sche 3-4, was allenthalben für Kopfschütteln gesorgt hat, weil die beiden besten Spieler, Freeney und Mathis, da scheinbar gar nicht reinpassen. Um das noch mal klarzustellen: für Freeney wird sich nicht viel ändern, er wird einfach die Terrell-Suggs-Rolle spielen, also fast einen klassischen Defensive End. Für Mathis wird es etwas schwieriger. Er muß wohl zumindest in der Base-D die Jarett-Johnson-Rolle übernehmen und den edge setter geben, der keine Läufe über außen zuläßt. Aber da Indys Gegner bei dem horrenden Defensive Backfield wahrscheinlich eh 60 Pässe pro Spiel werfen werden, können die Colts gleich in Nickel- oder Dime-D bleiben und da ist Mathis ein reiner Pass Rusher wie auch zuvor.

Zur Secondary. Antoine Bethea ist ein sehr guter Safety, er bekommt nur leider überhaupt keine Presse. Als Peyton noch da war hat das von vornherein niemanden interessiert und letztes Jahr war Bethea dann verloren zwischen den ganzen Krücken. Neben Bethea wird wahrscheinlich Tom Zbikowski spielen, der jahrelang bei den Ravens von Ed Reed, Rex Ryan und Pagano gelernt hat. Safeties also gut.

Aber die Cornerbacks sind absolut nicht NFL-tauglich. Jerraud Powers ist noch der einzige, der zumindest simple Aufgaben in zone coverage einigermaßen ausfüllen kann. Daneben stehen so Größen wie Justin King, Terrence Johnson, DJ Johnson und Brandon King. Das ist fast schon eine dreiste Frechheit, mit so einer Secondary gegen die Patriots oder Packers antreten zu wollen.

Bei den Linebackers stehen mit Pat Angerer und Kavell Conner zwei junge Typen, die zumindest durchschnittlich gut sind und auch noch besser werden können. Daneben kennt man noch Neuzugang Moise Fokou aus Philadelphia vom „Oh-war-das-schon-wieder-dieser-Fokou-der-da-gerade-gar-nicht-durchgesehen-hat“-sagen. Der Rest sind Rookies und letztjährige Rookies.

Um die Defensive Line komplett zu machen, seien auch noch Fili Moala und Drake Nevis zu erwähnen, beide sehr jung, aber gar nicht sehr gut. Aus Baltimore hat sich Pagano zur Verstärkung die beiden Riesen Brandon McKinney und Cory Redding geholt. Immerhin kennen die das System.

Ausblick Colts

Insgesamt ist das nix in der Defense. Jeweils ein sehr guten Pass Rusher und Saftey umgeben von einem weiteren guten Pass Rusher und zwei, drei anderen mittelmäßigen Spielern, während der Rest deutlich unterdurchschnittlich ist – was soll das werden? Andrew Luck wird wohl den Rekord für die meisten Paßversuche als Rookie aufstellen, weil die Colts so oft großen Rückständen hinterherlaufen müssen. Ganz in Ruhe um- und aufbauen ist angesagt. Die AFC South ist wohl die schwächste Division mit ebenfalls umbauenden Jaguars, mittelmäßigen Titans und geschwächten Texans. Aber trotzdem gibt es nicht die kleinste Hoffnung auf die Playoffs.