Die Rams und ihr „Statement“

Es ist hierzulande eine klein gehaltene Nachricht, jene, dass die St. Louis Rams und Besitzer Stan Kroenke den drei Jahre laufenden London-Vertrag bereits wieder gekündigt haben und nur 2012 im Wembley-Stadion gegen New England spielen. Bei NFLUK.com heißt der unscheinbare Titel der Presseaussendung: St. Louis Rams Statement on International Series.

Tatsächlich aber offenbart die Meldung, wie London und die International Series der NFL zu einem Spielball verkommen sind. Ein Spielball, den Kroenke für Verhandlungsmacht gegenüber der Stadt St. Louis benutzt, die den noch kein 20 Jahre alten, aber für NFL-Verhältnisse fast baufälligen Edward Jones Dome, nur zögerlich sanieren lässt. Kroenke möchte aber umfassende Sanierungen oder einen Neubau.

Es muss ein Schlag ins Kontor der NFL sein, dass die mit viel Lärm begleitete Wembley-Serie zu einem Druckmittel in der Geschäftsmacherei degradiert wird. Es zeigt aber auch den Stellenwert, den das London-Spiel für manche NFL-Owner besitzt.

Florida State Seminoles 2012/13 Preview

Die Florida State Seminoles sind keines der ganz traditionellen Programme im College Football, aber dank einer glanzvollen jahrzehntelangen Zeit unter dem Head Coach Bobby Bowden (inklusive 14jährigem ununterbrochenem Lauf an Top-5 Rankings!) und einer szenereichen Fanszene in der Hauptstadt von Florida, Tallahassee, einer der ganz großen Namen. Und FSU ist das Äquivalent zum FC Arsenal im Fußball: Ein Versprechen jahrein-, jahraus, nur um in schönster Regelmäßigkeit zum Saisonende als gescheitert erklärt und für die Zukunft als gigantischer „Sleeper“ gefeiert zu werden. Ein Kreislauf seit Jahren, und besonders wahr seit der Machtübernahme von Jimbo Fisher nach Ende der Bowden-Ära.

2011/12 war typisch: Viel Buzz, große Leistungen, aber am Ende mit vier knappen Niederlagen enttäuschend auf 9-4 abgestürzt. Das soll aber nicht zu viel täuschen: Gegen Oklahoma kann man immer mal verlieren und alle anderen Pleiten waren fünf Punkte und weniger. Man werfe den Mixer an und gebe richtiggehende  richtige Verletzungsserien auf Quarterback, Offensive Line und Defensive Backfield dazu, und schwupps ist da ein BCS-Kandidat in the making.

Bevor ich es eben von der Festplatte gelöscht hab, hatte ich mir nochmal Ausschnitte aus den Partien gegen Oklahoma und Notre Dame durchgespult. Fazit: Die Offense war unkonstant, die Defense – mit einem Deutschen! – faszinierend.


Die ganz große Problemzone der Seminoles ist trotz unisono gelobert Line-Coaches die Offensive Line, wo zuletzt wegen Krankenständen teilweise bessere Highschool-Auswahlen auflaufen mussten. Nach den Abgängen der Tackles Sanders/Datko wird das Problem eher ver– denn entschärft, aber vielleicht ist das wenigstens ein Pluspunkt für einen der „Unsrigen“: Mit Daniel Glauser wurde ein Offensive Tackle aus der Schweiz rekrutiert.

Hinter der unzuverlässigen Protection wird es aber hochklassiger: Mit QB E.J. Manuel wird ein ganz großes Talent wöchentlich abgeschossen; Manuel wird heuer bereits Senior sein und kriegt die letzte Chance, um den seit Jahren bestehenden Hype um seine Person zu rechtfertigen. Guter, groß gewachsener Athlet mit intelligentem Scrambling, aber das Passspiel ist nicht wirklich konstant akkurat. Zugegebenerweise hatte Manuel auch nicht wirklich die großartigen Ballfänger (wenigstens nicht abseits von WR Rashard Green) und noch weniger die Laufspielentlastung durch die Running Backs (3.3yds/Carry), aber auch wenn das Highend-Talent in der Spitze fehlt, ist der Block an Skill Players wenigstens ausgeglichen und breit gestreut (und hinter Manuel gibt es in Clint Trickett einen ruhigen Lokalmatador als verlässlichen Backup).

Die größten Hoffnungsträger hören auf die Namen WR Kelvin Benjamin und RB Devonta Freeman, die ausgezeichnete Kritiken kriegen und, sofern sie die entsprechend Blocks und Pässe genießen, vor dem Durchbruch stehen sollen. Dazu gesellen sich der von Verletzungen genesene WR Willie Haulstead und WR Rodney Smith (beide für je 40 Catches gut).


Der stärkere Mannschaftsteil im Vergleich zum Sekundengenie „Offense“ ist in Tallahassee die Defense. Die hat den wichtigsten Mann gehalten: DefCoord Mike Stoops, der intensiv mit Auburn geflirtet hatte. Unter Stoops stellen die Seminoles eine – und ich muss mich da nach Analyse der Datenlage selbst korrigieren – wirklich überzeugende Defense.

Unisono gelobt wird die Defensive Line, in der der deutsche DE Björn Werner herausragt und im Laufe der nächsten Monate zum Erstrundendraftpick für 2013 hochgejazzt werden könnte. Werners Gegenstück ist mit DE Brandon Jenkins der Mann, der den Durchbruch bereits hinter sich hat (2010 mit 13.5 Sacks). Dahinter stehen mit DE Cornellius Carnigan, NT Tim Jernigan und dem FreshmanDT Mario Edwards quer durch die Lande gejagte ehemalige oder aktuelle Super-Recruits im Fokus – und dann gesellt sich mit DT Everett Dawkins noch der athletische Ankermann der Line dazu.

FSU verfügt mit dieser Line über eine herausragende Lauf-Abwehr und, gemessen an den Eindrücken v.a. gegen Notre Dame und Oklahoma, damit auch über eine exzellente Basis gegen den Pass, nachdem sich in der Secondary weitere Supertalente die Hand geben und sogar konstantere Leistungen boten: CB Xavier Rhoades, SS Karlos Williams oder FS Lamarcus Joyner standen bei mir alle im Ruf, für große Hits Großmütter zu opfern, schienen zuletzt aber die Schotten besser dicht gemacht zu haben. Da kann man den Rauswurf von Einser-CB Greg Reid wegen Marihuanabesitzes schon mal verschmerzen – Jimbo Fisher ist diesbezüglich deutlich weniger schmerzfrei als es Bobby Bowden je war.


Im Prinzip wird 2012/13 ein „Make or Break“ für die Noles. Nicht, weil hinter den Seniors keine Grundlage für die Zukunft existierte, sondern aus Gründen der Glaubwürdigkeit. Eine weitere Durchschnittssaison würde den Ruf Fishers langsam beginnen, anzukratzen. Der Schedule ist diesmal günstig gestaltet: Die größeren Hürden Clemson und Florida empfängt man daheim, während die schwersten Auswärtsspiele @USF, @Virginia Tech und @Miami gegen Gegner erfolgen, die nicht über jeden Zweifel erhaben sind.

FSU ist an #7 im Coaches-Poll gerankt. Die Pundits betreiben fleißig Oralsex mit den Seminoles. Aber im Gegensatz zu manch anderer ehemaliger Großmacht ist Florida State wohl wirklich über kürzer oder länger „back“. 11-1 und das Ticket für das ACC-Finale dürften drin sein – vielleicht sogar die Ungeschlagenheit (und nun wird FSU mit 7-5 antworten).