Mid-American Conference, Western Division vor der Saison 2012/13

Am Vormittag hatten wir den Osten unter der Lupe. Jetzt folgt der Westen der MAC.

Northern Illinois Huskies

Sehr ausgeglichen dürfte die Western Division sein, die in der Spitze mit reinster Offensivgewalt daherkommt. MAC-Titelverteidiger Northern Illinois ist noch immer berauscht von einigen fantastischen Siegen gegen Saisonende 2011/12, inklusive eines 63-60 über Toledo und des besagten 23-Punkte-Comebacks im Conference-Finale gegen Ohio. Nun sind allerdings der beste Quarterback der Schulgeschichte, Mr. Irrelevant Chandler Harnish, der OffCoord und sieben weitere Starter in der Offense weg, und es übernimmt mit QB Jordan Lynch ein Grünschnabel. Aber Lynch gilt als extrem großes Talent, kann auch scrambeln und soll Harnishs Erbe fortführen können. Hemmschuh könnte die Defense sein, die zwar größtenteils personell unverändert bleibt – aber das ist dann eben auch ein Personal, das schon mal weit über fünfhundert Yards an manchem Spieltag aufgibt.

Toledo Rockets

Vermutlich wieder der größte Konkurrent dürften die Toledo Rockets sein, die mit dem neuen, sehr jungen Head Coach Matt Campbell (32 Lenzen) und einem insgesamt recht runden Kader aufmarschieren. Toledo war im letzten Jahr eine der Mannschaften der Saison, hätte um ein Haar die Ohio State Buckeyes in deren Stadion geschlagen, wurde bei einer knappen Niederlage gegen Syracuse von den Refs verarscht und verlor dann im November noch besagten wilden Shootout gegen NIU.

Toledo zeichnet sich durch eine Rarität aus: Ein funktionierendes Wechselspielchen bei den Quarterbacks. Da ist zum einen der hüftsteife Austin Dantin und zum anderen der bewegliche Terrance Owens. Die beiden ergänzen sich bestens und vor keinem Drive weiß der Gegner, welchen Spielmacher Toledo denn nun einwechseln wird. Die Skill Players mussten zwar einen Aderlass hinnehmen, aber aufgrund einer starken Offensive Line und einer druckvollen Front Seven in der Abwehr dürfte eine weitere raketenhafte Saison folgen.

Western Michigan Broncos

Western Michigan auf der anderen Seite gehört unter dem langjährigen Coach Bill Cubit zu den wenigen Konstanten, spielt stets in der Nähe der MAC-Spitze mit, ohne in dieser Zeit jemals den Conference-Titel gewonnen zu haben. 2012 hat man eine exzellente Chance, und das vor allem wegen des einen Mannes: QB Alex Carder. In der vergangenen Saison fiel die exzellente Partnerschaft Carders mit seinem Top-WR Jordan White auf, doch White ist nun in der NFL und man darf gespannt sein, wie sich das Bronco-Spiel über die Mitteldistanzen (15-20yds) entwickeln wird. Knackpunkt bleibt die Defense, die mal wieder einen neuen DefCoord bekommt und gegen breites Pass-Arsenal kein Land sieht. Wenigstens der Schedule ist günstig: Die besten conferenceinternen Gegner darf man daheim begrüßen, die drei BCS-Gegner werden alle von Wehwehchen geplagt (Illinois/Minnesota/UConn).

Ze Rest

Von den Western Michigan Broncos zu den Eastern Michigan Eagles aus Ypsilanti (2011: 6-6), wo nicht mehr so rot gesehen wird wie noch vor einem Jahr. Unter Ron English geht es aufwärts, vor allem wegen der breit aufgestellten Bodentruppen und einer exzellenten Run-Defense.

Eher abwärts zeigt der Trend dagegen beim Lokalrivalen, den Central Michgian Chippewas mit ihrer kollabierenden Offense. Head Coach Dean Enos steht mächtig unter Druck und muss Ergebnisse liefern – die Zeit ist günstig, da der Kader als recht gut aufgestellt gilt. Allein: QB Ryan Radcliffe bekommt sein lockeres Abzugshändchen nicht recht unter Kontrolle, neigt zu mentalen Aussetzern, die sich mit Coaching kaum beheben lassen.

Zum Abschluss noch die Ball State Cardinals, die sich unter Pete Lembo aus den tiefsten Tiefen erstmal herausgearbeitet zu haben scheinen, was auch an QB Keith Wenning liegt, der seine Hüftsteifheit mit erstaunlich akkuraten Würfen kaschiert. Problem bleibt der schlechte Pass Rush, weswegen die Secondary oft blank steht.

Mid-American Conference, Eastern Division vor der Saison 2012/13

Die Mid-American Conference ist die kleine Schwester der Big Ten Conference, beheimatet im Nordosten der Vereinigten Staaten, mit zahlreichen kleinen bis mittelgroßen Universitäten rund um die Großen Seen. Die MAC hat sich bei mir einen Namen gemacht als Freak-Conference: Kaum verliert ein Trainer zwei Jahre lang viele Spiele, wird er von den Unigarchen gefeuert. Auf der anderen Seite verlieren die Unis ihre Coaches halt auch, wenn diese mal zwei Jahre hintereinander acht oder neun Spiele aufwärts gewinnen und dann in der Big Ten Conference anheuern. In keiner anderen Conference gibt es IMHO so wenig Kontinuität, und es ist keine Seltenheit, dass eine Mannschaft nach 11-3 auf 2-10 abstürzt und im Jahr darauf wieder 9-4 ist. Das gepaart mit den vielen unglaublichen Shootouts macht die Conference – genannt auch „MACtion“ – trotz ihrer oft halbleeren Stadien immer wieder zu einem sehenswerten Schmankerl bei ESPN America.

Eastern Division: Der Favorit

Es gibt nur einen Favoriten: Die Ohio Bobcats, unter dem erfahrenen Head Coach Frank Solich ein Muster an Beständigkeit geworden. „Beständig“ aber auch wie: Sie verlieren immer das Conference-Finale. Wie auch letztes Jahr, als sie ein 20-0 noch verschenkten und 20-23 verloren. Heuer ist man aber wieder Favorit, auch wenn mit WR LaVon Brazill die beste Offensivwaffe weg ist. QB Tyler Tettleton gehört zu meinen optischen Favoriten, ein knochenhartes Männlein, keine 1m80 groß, aber keinen Scramble und Hit scheuend. Tettleton und die grundsolide Defense sind Hauptgründe für den Favoritenstatus der Bobcats.

On the Way Back

Dahinter tummelt sich eher das Mittelmaß. Die Bowling Green Falcons durften sich nach vielen knappen Niederlagen 2011/12 unter Wert geschlagen fühlen und sollen im vierten Jahr unter dem als Rebuilding-Genie bekannten Chefcoach Dave Clawson mittlerweile gute Tiefe im Kader besitzen. Bemerkenswert soll vor allem die Secondary sein.

Völlig unter dem Radar, aber meiner bescheidenen statistischen Analyse nach ein Sleeper par excellence, laufen die University of Miami/Ohio RedHawks. Ich meine, diese Uni ist das MAC-Team schlechthin. Schauen wir uns die Bilanzen der letzten Jahre an: Von 2-10 auf 6-7 auf 2-10 auf 1-11 auf 10-4 auf 4-8. Weniger Konstanz geht nicht, möchte man meinen. Wenn mich meine Excel-Sheets aber nicht völlig verarschen, war Miami/OH in der abgelaufenen Saison trotz 4-8 Siegen ein besseres (!) Team als im Jahr zuvor mit seinen 10-4 Siegen.

Und es gibt Hoffnungen: Der Kader bleibt nahezu unverändert, QB Zac Dysert gehört zu den besten und vielseitigsten seiner Zunft und hält den laufaffinen Coach Don Treadwell davon ab, das grottenschlechte Laufspiel allzu stark einzusetzen, und dann ist da noch eine richtig gute Defense – also: look out.

Nächster jahrelanger underachiever, nächster potenzieller Überraschungskandidat: Die Kent State Golden Flashes von Darrell Hazell, eigentlich ein offensiv ausgerichteter Coach, aber diese Mannschaft kann nur eines: Verteidigen, und das richtig gut. Die Offense ist in Worten schwer zu beschreiben, nachdem QB Spencer Keith angewiesen wurde, lieber fünf Drives in die Ränge zu schmeißen, als einen Turnover zu produzieren. Möglicherweise steht Keith, das das auf Kosten vieler fürchterlicher Incompletions beherzigte, aber schon bald hausinterne Konkurrenz entgegen, nachdem QB David Fisher von Nebraska rübertransferiert wurde und sich im Frühjahr in die Herzen der Fans gespielt hat.

Reden wir lieber über die Defense, wo mit dem DE Rosevelt Nix einer von den eigenartigsten Athleten im College Football spielt: So schmächtig wie ein Blondchen vom Laufsteg (just kidding), aber trotz nur 105 Kilos gilt der Mann als Phänomen, der sämtliche Blocker in der Conference in Atem hält und trotz Doppeldeckungen in jedem Spiel ein oder zwei Tackles für Raumverlust produziert. Fazit: Kriegt Hazell der Offense wenigstens einen Funzen Leben eingehaucht, sehen wir uns möglicherweise in der Bowl Season wieder.

Schangsenlos

Dahinter stehen… keine weiteren Sleeper. Buffalo konnte zwar zuletzt mit den besten Teams der MAC mithalten (vs. Ohio Sieg mit +1, vs. NIU Niederlage mit -1), wurde dann aber auch von unterklassigen Teams abgeschlachtet. Nicht ganz unschuldig an dem vielen Auf und Ab ist möglicherweise auch Coach Jeff Quinn, der eine pfeilschnelle Offense spielen lassen möchte, ohne dafür den richtigen Quarterback zu besitzen.

Die Akron Zips punkten primär mit ihrem neuen Cheftrainer Terry Bowden, einer der zahlreichen Söhne von FSU-Legende Bobby Bowden. Terry war vor Zeiten mal gar nicht wenig erfolgreicher Trainer von Auburn, und gilt als passverliebt. Auf alle Fälle ein Move, der Akron erstmal ins Rampenlicht rückt.

Erstmal Erfahrungen sammeln heißt es für die Massachussetts Minutemen, einem weiteren Neuling in den Reihen der Football Bowl Subdivision, daheim in einem wunderschönen kleinen Studentenstädtchen namens Amherst, und eigentlich das viertälteste noch existierende Footballprogramm in den Vereinigten Staaten. Massachussetts? Korrekt, von da kam zuletzt Victor Cruz zu großen NFL-Ehren. Schade ist da allenfalls, dass man die Heimspiele heuer in Foxboro austrägt, wodurch erstmal was vom Flair der 1830er Jahre verloren geht.