Michigan Wolverines 2012/13 Preview

Was war das für ein Wirbel, der vor fast sechs Jahren gemacht wurde um das eine große Duell in der Big Ten Conference: Michigan – Ohio State. So viel Lärm, dass ich mich ernsthaft für College Football zu interessieren begann. So viel Lärm um nichts. Die Ausgangslage damals: Zwei ungeschlagene Giganten des College Football am letzten Spieltag der Regular Season. Der Gewinner mit sicherem Ticket ins BCS-Finale. Der Verlierer mit etwas Glück auch. Was 2011 LSU und Alabama glückte, scheiterte damals. Die Michigan Wolverines verloren die Partie ganz knapp gegen Ohio State und verschwanden in der Folge sozusagen in der Versenkung. Mehr oder weniger. Für Michigan-Verhältnisse.

Willkommen bei einem jener sieben, acht Footballprogramme, an die man beim Schlagwort „College Football“ sofort denkt. Die Michigan Wolverines sind mit ihrem Big House und ihrer traditionsgeladenen Historie eine der ganz großen Nummern – und sie sind, glauben wir den Pundits, back. Wieder mittendrin im Kampf um die BCS-Kristalltrophäe.

Dafür macht man einen Mann hauptverantwortlich: Head Coach Brady Hoke, ein so genannter Michigan Man, einer der Ihrigen. Hoke war vor eineinhalb Jahren zum Nachfolger des völlig verhassten Rich Rodriguez bestimmt worden, nachdem Rodriguez komplett auf die Defense vergessen hatte – ein Unding an einer Uni, die schon vor 100 Jahren Football spielte. Hoke kam also mit dem Nachweis, früher mal an der University of Michigan trainert (Assistenzcoach) zu haben, und Hoke enttäuschte sie alle nicht.

Hoke übernahm die Defense gemeinsam mit DefCoord Greg Mattison, der sein Handwerk bei der besten aller Defensivschmieden lernte, den Baltimore Ravens, und sie lieferte. Es ist keine spektakuläre Defense mit herausragenden Einzelkönnern oder gar Athleten mit Starpotenzial, aber sie spielt halbwegs effizient, und vor allem: Sie vermeidet die ganz großen Böcke, sinnlose Strafen und schlampige Tacklings, die unter Offensiv-Guru Rodriguez noch an der Tagesordnung gestanden hatten.

Dafür büßte die Offense der Wolverines an Explosivität ein, was aber wohl per Design so angedacht war, denn Hoke stellte von der krassen Spread-Offense auf eine traditionellere, NFL-ähnliche Spielweise um. Vor einem Jahr hätte ich gesagt: Scheiß-Idee. Einen Sensations-Scrambler wie QB Denard „Shoelace“ Robinson lässt man nicht zum Werfer mutieren. Stellte sich heraus, dass der Kompromiss halbwegs geglückt war, denn Robinson scrambelte zwar seltener, aber wenn, dann sehr effizient. Ein großer Werfer wird er nicht mehr werden (2011 mit 55% Completions Rate), aber wenigstens wird nicht mehr ständig volles Risiko gespielt. Robinson hatte nur zwei richtig schlechte Auftritte (bei Michigan State und Iowa), und beide Male verloren die Wolverines. Es sollten die einzigen Niederlagen einer ansonsten als erfolgreich angesehenen 11-2 Saison bleiben, die mit einem Sieg in der Sugar Bowl endete.

Es gibt neben Robinson noch drei andere Gründe, Michigan ganz weit vorne zu erwarten: RB Fitzgerald Touissant und eine physisch sehr dominante Offensive Line. Und noch wichtiger: Die Erfahrung im Kader. Fast alle Schlüsselspieler kehren zurück, sogar bei den Wide Receivers, die als einzige Position im Kader eher schlecht besetzt sein sollen.

So. Dann kommt der Hammer.

Michigan spielt 2012 einen hammerharten Schedule: Vier Auswärtsspiele stechen heraus (@Alabama in Dallas, @Notre Dame, @Ohio State, @Nebraska). Plus das nicht zu unterschätzende Michigan State zuhause. Da sind schon bessere Teams mit 2-3 oder 1-4 oder so baden gegangen. Kann also sein, dass die Michigan Wolverines am Saisonende eine starke Saison, besser als 2011, gespielt haben, aber mit 9-4 Siegen als große Enttäuschung endet. Das ist dann eben das Problem, wenn du ständig behypt wirst und dann einen solchen Schedule spielen musst.