SEC West 2012/13 Preview

So, eine fehlt noch. Nach der SEC-East am Vormittag folgt als Abschluss – diesmal der „richtige“ Abschluss – der Saisonpreviews die qualitativ und quantitativ hochwertigste Division, die der College-Football aktuell zu bieten hat: Die SEC-West, Heimat von beiden BCS-Finalisten in der vergangenen Saison, und stolze Inhaberin von vier der letzten fünf BCS-Titel.

Alabama Crimson Tide

Beginnen wir mit dem Titelverteidiger aus der Kleinstadt Tuscaloosa in Alabama, den Crimson Tide: 2011/12 nach einer fast verheerenden Heimpleite gegen LSU höchst umstritten trotzdem für das BCS-Endspiel nominiert, und dort dann die Muskeln spielen lassen und eben jene LSU Tigers in Grund und Boden gespielt. Zermalmt. Drübergefahren. Einundzwanzig zu null.

Der staubtrockene Nick Saban hat da momentan das wohl beständig beste Footballprogramm unter seinen Fittichen, eines, das auch in der Lage ist, einen Massenexodus an Seniors und NFL-Draftees zu verkraften und trotzdem locker 11, 12 Siege heimfährt. Diesmal liest sich die Abgängerliste erlesen: RB Trent Richardson (NFL-Pick #3), S Mark Barron (#7), CB Der Kirkpatrick (#17), LB Dont’a Hightower (#25), OLB Courtney Upshaw (#35), DT Josh Chapman (#135), CB De’Quan Menzie (#146), TE Brad Smelley. Plus OffCoord Jim McElwain (neuer HC bei Colorado State).

Sowas kann nur Alabama wegstecken, wo dann immer noch zirka fünfundzwanzig 5-star-Recruits rumlaufen. So sind die Hoffnungsträger im Angriff der erstaunlich abgewichste QB A.J. McCarron, verdienter MVP im BCS-Finale, und RB Eddie Lacy, der Richardson aber nicht ganz nicht das Wasser reichen kann. Fragezeichen wird es bei den Wide Receivers geben, aber wenn die Offense Line im NFL-Draft 2013 drei oder vier 1st Rounder bieten soll, dann muss wenigstens diese eine einzigartige Mauer für McCarron/Lacy bilden.

Prunkstück ist bei Saban immer die ungemein druckvolle Defense, an der sich vor allem die CBS-Kommentatoren Woche ein, Woche aus ergötzen, und die 2011 Zahlen für die Ewigkeit ablieferte, nicht nur, weil LSU keine 100yds im Titel-Endspiel zustande brachte. Namen sind mir jetzt bis auf S Robert Lester, OLB Adrian Hubbard und das Tier, NT Jesse Williams (ein Australier, der 272kg im Bankdrücken aufgestellt haben soll), kaum bekannt, aber die Athleten sind durchwegs schnell, kräftig und… Alabama-like eben.

Schwierig wird der Schedule (am Samstag, 1.9. gegen Michigan in Dallas, dann am 15.9. @Arkansas und im November @LSU), aber das sind die Tide gewohnt. Ich bin mir nicht sicher, ob wir hier vom Titelfavoriten spielen, aber im Normalfall wird Alabama auch so maximal zwei oder drei Spiele abgeben.

Louisiana State Tigers

Der Titelverteidiger in der SEC ist aber nichtmal Alabama, sondern nach einer beachtlichen Regular Season im letzten Jahr die Louisiana State University, die 13 Spiele lang über einen mächtigen Schedule drübergefahren war, nur um im BCS-Endspiel keinen Stich mehr zu machen. Trotzdem: Head Coach Les Miles scheint mehr als angekommen und mit seiner kultig-clownigen Art mittlerweile richtig gut bei den Leuten anzukommen.

Diesmal wird Miles wie auch Saban einige Änderungen vornehmen müssen. Die erzwungene QB-Änderung kann nach den jüngsten Auftritten der Herren Jefferson/Lee das schlechteste Vorzeichen nicht sein, obwohl der neue Mann, QB Zach Mettenberger (kommt von Georgia), nach einer Anklage wegen sexuellen Übergriffen auf Studentinnen kein unumstrittener Bursche ist, aber mit seinem starken Arm eine ganz neue Dimension in den LSU-Angriff bringen kann.

Denn bisher war LSU in der Offense vor allem eines: Laufen. Die zirka fünfköpfige RB-Combo um den kräftigen Spencer Ware, um Michael Ford und den explosiven Kenny Hilliard (und weitere) liefert in der Summe spektakuläre Zahlen ab und wird auch diesmal hinter einer landesweit konkurrenzlosen Offensive Line starke Zahlen liefern. Die Fragezeichen konzentrieren sich eher auf die Wide Receiver: Beckham und Shepard müssen den hohen NFL-Pick Rueben Randle ersetzen, eine groß gewachsene, physische Präsenz und letztes Jahr eine der Schlüsselfiguren.

LSU wird sich aber solange nicht grämen müssen, solange es eine Defense auf das Feld schicken darf. Die Defensive Line ist mit den beiden Ends DE Sam Montgomery und DE Barkevious „KeKe“ Mingo schlichtweg spektakulär und kann in der Mitte nach dem Abgang von NFL-Pick Brockers schon wieder zwei Leute zum Sabbern aufbieten: Man merke sich erstmal DT Bennie Logan, und der Sophomore DT Anthony Johnson klingt mit seinem Spitznamen („The Freak“) jetzt sooooo vernachlässigbar auch nicht.

Spannend wird die Secondary, wo neben dem – yep, das wiederholt sich – hohen NFL-Pick CB Claiborne auch noch das Gesicht der Tigers von 2011, CB „Honey Badger“ Tyrann Mathieu, verloren wurde (Junkie Mathieu begibt sich in eine Entziehungskur). Als Reaktion darauf, und weil man es sich leisten kann, wurden im Sommer ein paar Wide Receivers zu Defensive Backs umgeschult und mit CB Simon und FS Eric Reid sind da immer noch zwei Eckpfeiler da. Schwerer wiegen dürfte Mathieus Fehlen als Punt Returner – der Mann hatte ein paar außerordentlich spektakuläre Plays geliefert.

Ausblick: LSU dürfte sich wieder mit Alabama um die Divisionskrone matchen. Möglicher Vorteil LSU dabei: Sie haben weniger Exodus zu beklagen und dürfen Alabama daheim empfangen.

Arkansas Razorbacks

Manche trauen auch den Arkansas Razorbacks aus Fayettville durchaus eine Außenseiterchance zu – und das trotz einer bizarren Offseason. Was im April harmlos mit einem Motorradunfall ohne Opfer begann, endete ein paar Wochen später in der Entlassung von Head Coach Bobby Petrino – eben weil es kein Opfer gegeben hatte. Beziehungsweise, weil Petrino das „Opfer“, seine Begleitung, verfrachtet hatte. Die Begleitung war eine blutjunge Kellnerin, eine von Petrinos heimlichen Geliebten. Der University of Arkansas war das zu viel Imageschaden, und sie schmiss Petrino, der seit seinem Abgang bei den Atlanta Falcons ein wandelnder Imageschaden war, kurzerhand raus.

Mit John L. Smith coacht nun eine komplette Unbekannte, frisch aus der FCS (Weber State) nach Fayettville zurückgeholt, aber ein Petrino ist immerhin noch da: Paul, Bobbys Bruder, der die Offense unter seinen Fittichen hat. Diese Offense wäre eigentlich ganz passabel: QB Tyler Wilson ist ein fantastischer Quarterback, oder spielte zumindest letztes Jahr so, aber niemand will mit Gewissheit sagen, dass es nicht bloß das Produkt der Petrino-Offense war – denn Bobby Petrino war bei allem Kotzbrockendasein ein anerkannt großartiger Offense-Stratege.

Neben Wilson dürfte der wieder genesene RB Knile Davis die wichtigste Offensivwaffe sein, nachdem die beste Wide Receivers nun in der NFL spielen – allein, Davis plagen immer wieder kleine Zipperlein.

Nie unspanned ist bei den Hogs auch die Abwehr, die gerne unzuverlässig auftritt, aber nun mit dem CB Tevin Mitchell einen potenziellen NFL-Kandidaten in spe aufbietet. Möglicher X-Faktor: Man empfängt beide, Alabama und LSU, zuhause.

Auburn Tigers

Unruhig war es auch bei Auburn, dem BCS-Champ von 2010: OffCoord Gus Malzahn floh nach Arkansas State, der Super-RB Michael Dyer gleich mit (und anschließend auch dort), und nun muss sich plötzlich der Meistertrainer Gene Chizik wieder beweisen, ein herrischer Head Coach. 2011 war Auburn ein bestenfalls durchschnittliches Team (8-5, aber 3-0 in engen Spielen, und diese so unglaublich knappe Auftaktpartie gegen Utah State, die ich nicht vergessen kann). Jetzt sind zwar haufenweise Top-Recruits da, aber irgendwo auch reihenweise Fragezeichen.

Bei den Quarterbacks haben weder Moseley (King of kassierte Sacks), noch Frazier überzeugt, und in der Defense muss man sich mit Brian Van Gorder auf einen neuen DefCoord einstellen und kann keine adäquate Defensive Line aufbieten. Es riecht da irgendwie nach einer weiteren Wundertüten-Saison für die Tigers, die schon des Öfteren aus dem Nichts plötzlich eine Top-Saison gezaubert haben.

Texas A&M Aggies

The Neuling. Texas A&M ist e-n-d-l-i-c-h in der SEC, e-n-d-l-i-c-h weg von Texas, und wird mit seinem fantastischen Kyle Field in College Station ein angemessenes Stadion mit angemessener Fankultur mit in die SEC bringen.

The dark horse. Und die Aggies haben eine interessante Mannschaft. 2011 mit 7-6 völlig abgeschmiert, aber das waren bis auf eine einzige Niederlage richtig krasse Dinger, Kollapse, verschossene Field Goals, alles war dabei, und eine 1-5 Bilanz in engen Spielen (und vier davon mit maximal vier Punkten). Excel rankte Texas A&M bei mir auf den 14ten Platz.

Reaktion: Head Coach Mike Sherman wurde in die NFL entlassen und durch den aufstrebenden Kevin Sumlin aus Houston ersetzt. Für Sumlin ist das ein Traumszenario: Kann auf einem potenziell gigantischen Sleeper aufbauen und die Hardware (Siege) einsacken, die der Vorgänger aufgebaut hatte.

Sumlin ist auf alle Fälle mutig, installierte mit Kliff Kingsbury (der Mann war ein rekordträchtiger College-QB und dann kurz bei den Pats in der NFL) einen Bruder im Geiste und relativen Trainer-Novizen als OffCoord, und Sumlin ist auch selbst ein Offensiv-Guru, hatte auf allen seinen Stationen großen Erfolg.

Die Offense wird von RB Christine Michael (ist kein Mädel) getragen, wobei in der Hinterhand der RB Trey Williams ein sensationelles Talent sein soll und die Offensive Line zu den besten gehören sollte. Nachfolger vom hohen NFL-Pick, QB Tannehill, wird mit Johnny Manziel ein Freshman, der in der Offseason bereits adäquaten Gesprächsstoff bot, als er nachts prügelnd und mit gefälschtem Führerschein in den Knast geschickt wurde.

Auf alle Fälle eine interessante Ausgangssituation: Neuer Trainerstab (auch der DefCoord ist übrigens nach DeRuyters Abgang neu), neuer Quarterback, neue Conference, Team, das zuletzt von unglaublichem Pech verfolgt war. Dark horse par excellence, aber wenn du gegen LSU, Alabama und Arkansas spielen musst, ohne dein Team dafür drei Jahre aufgebaut zu haben, könnte es trotzdem ein happige SEC-Debütjahr werden.

Mississippi State Bulldogs

Mehr Kontinuität ist bei Mississippi State gegeben, wo der Head Coach Dan Mullen aus wenig Ressource relativ viel macht und in wenigen Jahren ein grundsolides Programm auf die Füße gestellt hat, das nun möglicherweise auch noch sein Stadion auf 65.000 Plätze ausbauen wird. Die Bulldogs spielen im Vergleich zu Texas A&M eher komplementären Football: Markanten, aggressiven Black’n’blue-Football, ohne Versuch eines Passspiels, und können diesmal mit einer sehr breit aufgestellten Defense (nur DT Cox wanderte in die NFL) aufwarten. Möglicherweise ist Mullen nur deshalb noch so unbekannt, weil er drei bis vier Spiele pro Jahr einfach nur wegen der völlig übermächtigen Konkurrenz verliert, und natürlich, weil er in der Pampa coachen muss, wohin sich nur selten ein renommierterer Journalist verirrt.

Ole Miss Rebels

Pampa, das ist ein gutes Stichwort für die Heimatstadt der Ole Miss Rebels, traditionell das letzte Team, mit dem ich die Vorschau auf die College Football-Saison abschließe: Oxford in Mississippi. Ich liebe das ja, eine Universität irgendwo in den Sümpfen, in einem 16.000-Seelen-Dörfchen fernab jeder Zivilisation… und jedes Heimspiel ist mit 60.000 ausverkauft.

Dass das Team zuletzt unterirdisch war und im letzten Jahr sogar mit lebloser Offense und 2-10 das Schlachtopfer abgab, interessiert nur wenige. Ole Miss hat Kultstatus. Und Ole Miss hat einen neuen Head Coach: Hugh Freeze, der zuletzt ein einziges Jahr bei Arkansas State Cheftrainer war und dabei ein gutes Bild abgab. Über Freeze und seine Arbeitsmoral hört man nur Gutes, und das wird sich so schnell nicht ändern, denn niemand erwartet, dass der Mann auf die Schnelle aus diesem Kader etwas machen wird.

Wenn doch, wird der Schedule dafür sorgen, dass die Rebels nicht weit wandern werden: @Alabama, @Arkansas, @Georgia, @LSU. Viel Glück.


Viel Glück auch allen Lesern, die bis zum letzten von vier Independents, elf Conferences und 124 Teams durchgehalten haben, und einige erholsame Samstagnächte mit College Football übern Herbst. Hier noch einmal der Verweis auf die gesammelten Previews – aufgeteilt auf 20 Stück. Morgen wird es weitergehen mit der ersten TV-Vorschau. Denn morgen fliegen die ersten Eier auf den Universitätsgeländen quer durch die Vereinigten Staaten.

SEC East 2012/13 Preview

Zum Abschluss der langen, erschöpfenden Preview auf die College-Football-Saison 2012/13 kommt noch die Queen unter den Conferences dran, die Southeastern Conference aus dem erzkonservativen Bible Belt im Süden und Südosten der Vereinigten Staaten – seit der jüngsten Erweiterung um Missouri und Texas A&M nun mit 14 Mannschaften die größte Conference und ausgedehnt im Westen bis nach Texas, im Norden bis nach Kentucky und im Süden und Osten bis nach Florida.

Die SEC wird auf diesem Blog gewiss den kompletten Herbst ein Thema bleiben, CBS und ESPN/ESPN America sei Dank, und wird werden zirka jedes Wochenende minimum ein oder zwei SEC-Teams in Action erleben, oft mehr. SEC im TV, das bedeutet im Normalfall auch: Verne Lundqvist und Gary Danielson werden die Hauptpartien bei CBS kommentieren – zwei Kommentatoren, die alles und jedes Detail selbst über die Ex-Freundinnen des drittbesten Offensive Tackles wissen, aber die mir in letzter Zeit mit ihrem unhinterfragten Hype um „ihre“ S! E! C! zunehmend auf die Nüsse gegangen sind. We will see, wie sich datt entwickelt.

Im ersten Teil der Southeastern Conference auf alle Fälle die Eastern Division.

Georgia Bulldogs

Es gibt Head Coaches, die sind nicht zu beneiden. Georgias Mark Richt ist einer von denen. Seit jetzt 12 Jahren ist der Mann da und zaubert für einen historischen underachiever eine der besten Spannen in der über 100jährigen Historie hin, und trotzdem ständig mit dem Fadenkreuz auf der Stirn. Grund: Georgia erreicht nie das BCS-Endspiel. Man muss wissen, dass Georgia in einem großartigen Recruiting-Gebiet liegt und trotz der vielen Avancen der umliegenden SEC-Universitäten jährlich Top-10 Recruiting-Klassen einfährt, aber sportlich hat in den letzten sieben, acht Jahrzehnten nur ein einziger National Title (1980) herausgeschaut. Unter Richt ist man meistens bei zehn oder elf Saisonsiegen, aber eben auch nie mehr. Immer fehlt ein kleines Detail, sei es ein beschissener Schedule, ein fehlgefeuerter Pass eines ansonsten tadellosen QB Matt Stafford, mal ist es Richt selber, der im falschen Moment nicht über seine vollen Hosen springen kann.

Georgia, die Heimatstadt Athens, und das riesige Sanford Stadium (92.000 Plätze) mit seinen Hecken entlang des Spielfeldes wollen also die BCS-Kristallkugel. In diesem Jahr ist man mal wieder gut dafür aufgestellt, und das, obwohl dem massiv gehypte RB Isaiah Crowell gekündigt wurde (Crowell hatte falsches Zeug geraucht, aber sportlich als Freshman nun auch nicht sooooo überzeugt).

Denn in QB Aaron Murray besitzt man einen durchaus feurigen Spielmacher mit NFL-kalibrigem Arm, dem Richt heuer trotz seiner zu hohen Sack-Rate mehr zutrauen dürfte als letztes Jahr, als er versucht, das schlimme Laufspiel durchzudrücken (u.a. auch gegen Boise, als man komplett niedergemacht wurde).

Die wahre Stärke ist aber trotz Murray die Defense, wo man mit DefCoord Tod Grantham und seiner 3-4 Defense voll ins Schwarze getroffen zu haben scheint. Es drohen zwar noch ein paar Suspensionen von Schlüsselspielern zu Saisonbeginn (u.a. gegen den starken LB Ogletree), aber diese Front-7 ist ein Augenschmaus. Die Arbeit der 3-4 Line ist von jener einer NFL-Franchise nicht zu unterscheiden und im Hintergrund walzt der grandiose OLB Jarvis Jones alles nieder, was sich ihm in den Weg stellt. Für Hobbyscouts gilt es, sich diesen Jones vorzumerken, denn der Mann wird in den Top-5 im NFL-Draft 2013 vom Board gehen.

Schedule ist auch ziemlich günstig, also erwartet man von Georgia (Preseason-Ranking im Coaches-Poll #6) wenigstens den Einzug in das SEC-Endspiel. Eine 10-2 Saison würde bestimmt als Enttäuschung gewertet werden.

South Carolina Gamecocks

Größter Konkurrent dürfte South Carolina mit seinem unkonventionellen Head Coach Steve Spurrier (bekannt von seiner Zeit in Florida und bei den Redskins) sein. South Carolina hatte ich bereits im Frühling auseindergenommen, daher nur noch die geraffte Form. Jo, 2011 war das einen undurchschaubare Mannschaft: Mit unsicherer QB-Situation und verletztem Running Back, aber einer Super-Defense zu 11-2 marschiert, aber von keiner Sau wahr genommen.

In der Offense kehrt RB Marcus Lattimore wohl erst nach vollständiger Genesung zurück, aber die Effizienzmessungen zeigen überraschenderweise: Ohne Lattimore war man nicht schwächer als mit Lattimore. So können die Augen täuschen. QB ist Connor Shaw, der sich bei mir einen Ruf gemacht hat als Mann mit zu vielen Sacks.

In der Defense ist das Auge vor allem auf die sensationellen Defensive Ends Jadeveon Clowney und Devin Taylor zu werfen. Ein Problem „Regression zur Mitte“ könnte für die Gamecocks das extreme Turnover-Glück von 2011 sowie der 4-1 Record in engen Spielen werden.

Georgia muss nach Columbia kommen. Wird spannend, wie sich das Duell zwischen den beiden entwickelt, aber South Carolina hat auch danach noch einen brutalen SEC-Schedule: Mizzou, Arkansas, @LSU, @Florida.

Florida Gators

Nur haarscharf die erste losing season seit Menschengedenken (1979) abgewendet hat die University of Florida mit ihrem 7-6 letztes Jahr im ersten Jahr unter Head Coach Will Muschamp. Trotzdem ist man nicht unzufrieden in Gainesville, weil sich die Defense prächtig entwickelt und als Draufgabe noch den rekonvaleszenten DE Ronald Powell (Verletzung aus dem April ist ausgeheilt) willkommen heißen darf.

Die Knackpunkte sind in der Offense zu finden, wo letztes Jahr unter Charlie Weis überhaupt kein Laufspiel implementiert werden konnte. Konsequenz: Als Weis-Nachfolger wurde der junge OffCoord Brent Pease aus Boise geholt. Boise in Florida? Riecht verdächtig danach, dass hier demnächst mit PlayAction operiert wird, um insbesondere die eklatanten Schwächen beim 3rd down rauszubekommen.

Die Personalsituation könnte besser sein: Die Running Backs Rainey und Demps (unser Olympia-Sprinter) sind gegangen, und dahinter wird man sehen müssen, wie sich die unerfahrenen Backs hinter einer schlechten Line entwickeln können. Unklar ist auch die QB-Situation: Brissett oder Driskel? Beide haben bei ihren Kurzeinsätzen nicht überzeugen können, und Driskel schleppt zu allem Überfluss noch eine Verletzung aus dem Trainingslager mit sich. Als jüngste Informationen sickerte gestern Nacht durch, dass Muschamp/Pease beide im Season Opener einsetzen werden – ein Ende der Fahnenstange scheint also über Wochen nicht in Sicht zu sein.

Der große Hoffnungsträger ist einer der geilsten Spieler im kompletten College Football, WR/TE/FB/Backup-QB/RB Trey Burton, der als X-Faktor absolut nicht zu ersetzen ist und eine der schönsten Schachfiguren für einen Coach ist. Pease wird seine helle Freude mit dem Mann haben.

Mizzou Tigers

Oder besser: MizSEC Tigers. Ich kann eigentlich nicht fassen, dass die SEC so scharf auf die University of Missouri war. Das Programm ist nicht schlecht, aber auch nie wirklich grandios. Es ist fehlt irgendwo der Pfeffer. Es ist… ein bissl langweilig. Die Tiger-Fans werden sich vorkommen wie im siebzehnten Himmel. Endlich da. Endlich SEC.

Head Coach Gary Pinkel kann man aber keinen Vorwurf machen, er hat ein grundsolides Programm zusammengestellt, das in den letzten Jahren immer wieder Pech mit schweren Schedules hatte (2011 zum Beispiel #5, heuer #8). Was sich für Pinkel positiv auswirken könnte: Seine Defense ist bekannt dafür, gegen physische Teams besonders aufzugeigen, allen voran der höchst talentierte DT Sheldon Richardson. „Physisch“? SEC? SEC! Physisch!

Im Angriff sieht das ganz auch eigentlich recht gut aus (abgesehen von der Frisur von OffCoord David Yost): QB James Franklin ist ein guter Werfer (63% completion rate, 2865yds, 21 TD, 11 INT) und ein noch besserer Schrambler (1089yds, 15 TD) und gebaut wie ein Running Back. Er sollte in seinem zweiten Jahr noch besser werden. Und dann ist da noch der nach allen Auguren beste Highschool-Football dieses Jahres, WR Dorial Green-Beckham.

Dürfte ich tippen, würde ich aber nicht allzu euphorisch sein: Obwohl man physisch in die SEC reinzupassen scheint, haben Mannschaften nach Conference-Wechseln oftmals Probleme mit der Umstellung. Und von Oklahoma State zu LSU ist philosophisch ein weiter Weg.

Vanderbilt Commodores

Vanderbilt ist mit Stanford zu vergleichen: Bildungsanstalt, wo man noch hohen Wert auf gute Noten legt und deswegen Probleme hat, starke Highschooler mit überschaubarem IQ zu bekommen. Enter James Franklin (nicht der von Mizzou).

Franklin, der aussieht wie Triple-X, hielt letztes Jahr Einzug an der Universität nahe Nashville/TN, implementierte eine physische, beinharte, opportunistische Mannschaft und fuhr gleichmal eine der besten Recruiting-Klassen ever für Vanderbilt ein. Und nach der ersten Saison inklusive überraschender Qualifikation für die Bowl Season ist Vandy und sein Studentenkorpus erstmal erwartungsfreudig.

Die Offense dürfte trotz des grundsoliden QB Jordan „hello, my brother is NFL-MVP“ Rodgers erstmal aus 97% Laufspiel bestehen, damit ja möglichst kein Turnover produziert wird, und dann wird man versuchen, sich trotz mancher wichtiger Abgänge in der Defense mit ein paar gut getimten INTs wieder ausreichend Siege für ein 6-6 zu ergaunern.

Alles schon ein Fortschritt bei Vernderbilt.

Tennessee Volunteers

Ein paar Meilen weiter östlich, in Knoxville/TN, kommen die Tennessee Volunteers einfach nicht aus ihrem Loch heraus. Vor 15 Jahren war man noch National Champion, jetzt hat man erhebliche Probleme, überhaupt noch in die Bowl Season reinzuflutschen (2011 scheiterte man). Head Coach „Betonfrisur“ Derek Dooley ist aber auch verwandt mit der Pechmarie, seien es ausgefallene Starting-Quarterbacks, extrem unglückliche Turnovers oder schlichtweg bizarre Spielausgänge wie vor zwei Jahren bei LSU (ich kann diese letzten 32 Sekunden auch nach dem zwanzigsten Mal anschauen noch immer nicht fassen).

Dooley ist angezählt. 2011 hatte man nicht unmöglich viel erwartet gehabt, aber dann, im letzten Saisonspiel bei 5-6 Siegen, zum ersten Mal seit ein paar Äonen gegen Erzfeind Kentucky zu verlieren, das grenzte an einen kleinen Skandal.

Spielermaterial ist nur in der Spitze. Der QB Tyler Bray spielt wie ein prototypischer NFL-Quarterback spielen sollte und ist ein eigenartig cooler Charakter mit Starpotenzial. Ist Bray fit und auf der Höhe, hat Tennessee einen richtig explosiven Angriff. Fehlt Bray wie ein paar Wochen letztes Jahr, krepiert die Offense komplett. Positiv zu werten ist allerdings, dass Dooley kompromisslos zu werfen versucht, nie eine schlechte Idee bei einem Mann mit Brays Qualitäten (mein dark horse auf einen hohen NFL-Pick 2013).

Mal schauen. Knoxville mit seinem furiosen sechsstelligen Publikum („Rocky Top“) erwartet eigentlich mehr von den Vols – ich würde bei einem erneuten Verpassen der Bowl Season keinen Pfifferling mehr auf einen Verbleib Dooleys wetten.

Kentucky Wildcats

Schließlich Kentucky, die zu den besten Universitäten im College-Basketball gehören, aber zu den schlechtesten im Football – und trotzdem ist hier der Coach unangetastet, eine Kultfigur, ein Sympathieträger: Joker Phillips gilt als ultrapatriotischer „Kentucky Man“, der genügend aus der Mannschaft rausholt, dass man jedes Jahr in Nähe von 6-6 spielt, womit man zufrieden ist.

Seit dem eben angesprochenen legendären Sieg über Tennessee im Saisonfinale 2011 hat Phillips eh Narrenfreiheit, obwohl Augenzeugen dieses Spiels ob der gebotenen Qualität immer noch Schadenersatzklagen gegen beide Unis erheben. Hauptproblem bei Kentucky ist das fehlende Passspiel in der Offense (4.6yds/Play ist einer der unterirdischsten Werte überhaupt) – damit dürfte es dieses Jahr nichts werden mit Bowlspielen.