SEC East 2012/13 Preview

Zum Abschluss der langen, erschöpfenden Preview auf die College-Football-Saison 2012/13 kommt noch die Queen unter den Conferences dran, die Southeastern Conference aus dem erzkonservativen Bible Belt im Süden und Südosten der Vereinigten Staaten – seit der jüngsten Erweiterung um Missouri und Texas A&M nun mit 14 Mannschaften die größte Conference und ausgedehnt im Westen bis nach Texas, im Norden bis nach Kentucky und im Süden und Osten bis nach Florida.

Die SEC wird auf diesem Blog gewiss den kompletten Herbst ein Thema bleiben, CBS und ESPN/ESPN America sei Dank, und wird werden zirka jedes Wochenende minimum ein oder zwei SEC-Teams in Action erleben, oft mehr. SEC im TV, das bedeutet im Normalfall auch: Verne Lundqvist und Gary Danielson werden die Hauptpartien bei CBS kommentieren – zwei Kommentatoren, die alles und jedes Detail selbst über die Ex-Freundinnen des drittbesten Offensive Tackles wissen, aber die mir in letzter Zeit mit ihrem unhinterfragten Hype um „ihre“ S! E! C! zunehmend auf die Nüsse gegangen sind. We will see, wie sich datt entwickelt.

Im ersten Teil der Southeastern Conference auf alle Fälle die Eastern Division.

Georgia Bulldogs

Es gibt Head Coaches, die sind nicht zu beneiden. Georgias Mark Richt ist einer von denen. Seit jetzt 12 Jahren ist der Mann da und zaubert für einen historischen underachiever eine der besten Spannen in der über 100jährigen Historie hin, und trotzdem ständig mit dem Fadenkreuz auf der Stirn. Grund: Georgia erreicht nie das BCS-Endspiel. Man muss wissen, dass Georgia in einem großartigen Recruiting-Gebiet liegt und trotz der vielen Avancen der umliegenden SEC-Universitäten jährlich Top-10 Recruiting-Klassen einfährt, aber sportlich hat in den letzten sieben, acht Jahrzehnten nur ein einziger National Title (1980) herausgeschaut. Unter Richt ist man meistens bei zehn oder elf Saisonsiegen, aber eben auch nie mehr. Immer fehlt ein kleines Detail, sei es ein beschissener Schedule, ein fehlgefeuerter Pass eines ansonsten tadellosen QB Matt Stafford, mal ist es Richt selber, der im falschen Moment nicht über seine vollen Hosen springen kann.

Georgia, die Heimatstadt Athens, und das riesige Sanford Stadium (92.000 Plätze) mit seinen Hecken entlang des Spielfeldes wollen also die BCS-Kristallkugel. In diesem Jahr ist man mal wieder gut dafür aufgestellt, und das, obwohl dem massiv gehypte RB Isaiah Crowell gekündigt wurde (Crowell hatte falsches Zeug geraucht, aber sportlich als Freshman nun auch nicht sooooo überzeugt).

Denn in QB Aaron Murray besitzt man einen durchaus feurigen Spielmacher mit NFL-kalibrigem Arm, dem Richt heuer trotz seiner zu hohen Sack-Rate mehr zutrauen dürfte als letztes Jahr, als er versucht, das schlimme Laufspiel durchzudrücken (u.a. auch gegen Boise, als man komplett niedergemacht wurde).

Die wahre Stärke ist aber trotz Murray die Defense, wo man mit DefCoord Tod Grantham und seiner 3-4 Defense voll ins Schwarze getroffen zu haben scheint. Es drohen zwar noch ein paar Suspensionen von Schlüsselspielern zu Saisonbeginn (u.a. gegen den starken LB Ogletree), aber diese Front-7 ist ein Augenschmaus. Die Arbeit der 3-4 Line ist von jener einer NFL-Franchise nicht zu unterscheiden und im Hintergrund walzt der grandiose OLB Jarvis Jones alles nieder, was sich ihm in den Weg stellt. Für Hobbyscouts gilt es, sich diesen Jones vorzumerken, denn der Mann wird in den Top-5 im NFL-Draft 2013 vom Board gehen.

Schedule ist auch ziemlich günstig, also erwartet man von Georgia (Preseason-Ranking im Coaches-Poll #6) wenigstens den Einzug in das SEC-Endspiel. Eine 10-2 Saison würde bestimmt als Enttäuschung gewertet werden.

South Carolina Gamecocks

Größter Konkurrent dürfte South Carolina mit seinem unkonventionellen Head Coach Steve Spurrier (bekannt von seiner Zeit in Florida und bei den Redskins) sein. South Carolina hatte ich bereits im Frühling auseindergenommen, daher nur noch die geraffte Form. Jo, 2011 war das einen undurchschaubare Mannschaft: Mit unsicherer QB-Situation und verletztem Running Back, aber einer Super-Defense zu 11-2 marschiert, aber von keiner Sau wahr genommen.

In der Offense kehrt RB Marcus Lattimore wohl erst nach vollständiger Genesung zurück, aber die Effizienzmessungen zeigen überraschenderweise: Ohne Lattimore war man nicht schwächer als mit Lattimore. So können die Augen täuschen. QB ist Connor Shaw, der sich bei mir einen Ruf gemacht hat als Mann mit zu vielen Sacks.

In der Defense ist das Auge vor allem auf die sensationellen Defensive Ends Jadeveon Clowney und Devin Taylor zu werfen. Ein Problem „Regression zur Mitte“ könnte für die Gamecocks das extreme Turnover-Glück von 2011 sowie der 4-1 Record in engen Spielen werden.

Georgia muss nach Columbia kommen. Wird spannend, wie sich das Duell zwischen den beiden entwickelt, aber South Carolina hat auch danach noch einen brutalen SEC-Schedule: Mizzou, Arkansas, @LSU, @Florida.

Florida Gators

Nur haarscharf die erste losing season seit Menschengedenken (1979) abgewendet hat die University of Florida mit ihrem 7-6 letztes Jahr im ersten Jahr unter Head Coach Will Muschamp. Trotzdem ist man nicht unzufrieden in Gainesville, weil sich die Defense prächtig entwickelt und als Draufgabe noch den rekonvaleszenten DE Ronald Powell (Verletzung aus dem April ist ausgeheilt) willkommen heißen darf.

Die Knackpunkte sind in der Offense zu finden, wo letztes Jahr unter Charlie Weis überhaupt kein Laufspiel implementiert werden konnte. Konsequenz: Als Weis-Nachfolger wurde der junge OffCoord Brent Pease aus Boise geholt. Boise in Florida? Riecht verdächtig danach, dass hier demnächst mit PlayAction operiert wird, um insbesondere die eklatanten Schwächen beim 3rd down rauszubekommen.

Die Personalsituation könnte besser sein: Die Running Backs Rainey und Demps (unser Olympia-Sprinter) sind gegangen, und dahinter wird man sehen müssen, wie sich die unerfahrenen Backs hinter einer schlechten Line entwickeln können. Unklar ist auch die QB-Situation: Brissett oder Driskel? Beide haben bei ihren Kurzeinsätzen nicht überzeugen können, und Driskel schleppt zu allem Überfluss noch eine Verletzung aus dem Trainingslager mit sich. Als jüngste Informationen sickerte gestern Nacht durch, dass Muschamp/Pease beide im Season Opener einsetzen werden – ein Ende der Fahnenstange scheint also über Wochen nicht in Sicht zu sein.

Der große Hoffnungsträger ist einer der geilsten Spieler im kompletten College Football, WR/TE/FB/Backup-QB/RB Trey Burton, der als X-Faktor absolut nicht zu ersetzen ist und eine der schönsten Schachfiguren für einen Coach ist. Pease wird seine helle Freude mit dem Mann haben.

Mizzou Tigers

Oder besser: MizSEC Tigers. Ich kann eigentlich nicht fassen, dass die SEC so scharf auf die University of Missouri war. Das Programm ist nicht schlecht, aber auch nie wirklich grandios. Es ist fehlt irgendwo der Pfeffer. Es ist… ein bissl langweilig. Die Tiger-Fans werden sich vorkommen wie im siebzehnten Himmel. Endlich da. Endlich SEC.

Head Coach Gary Pinkel kann man aber keinen Vorwurf machen, er hat ein grundsolides Programm zusammengestellt, das in den letzten Jahren immer wieder Pech mit schweren Schedules hatte (2011 zum Beispiel #5, heuer #8). Was sich für Pinkel positiv auswirken könnte: Seine Defense ist bekannt dafür, gegen physische Teams besonders aufzugeigen, allen voran der höchst talentierte DT Sheldon Richardson. „Physisch“? SEC? SEC! Physisch!

Im Angriff sieht das ganz auch eigentlich recht gut aus (abgesehen von der Frisur von OffCoord David Yost): QB James Franklin ist ein guter Werfer (63% completion rate, 2865yds, 21 TD, 11 INT) und ein noch besserer Schrambler (1089yds, 15 TD) und gebaut wie ein Running Back. Er sollte in seinem zweiten Jahr noch besser werden. Und dann ist da noch der nach allen Auguren beste Highschool-Football dieses Jahres, WR Dorial Green-Beckham.

Dürfte ich tippen, würde ich aber nicht allzu euphorisch sein: Obwohl man physisch in die SEC reinzupassen scheint, haben Mannschaften nach Conference-Wechseln oftmals Probleme mit der Umstellung. Und von Oklahoma State zu LSU ist philosophisch ein weiter Weg.

Vanderbilt Commodores

Vanderbilt ist mit Stanford zu vergleichen: Bildungsanstalt, wo man noch hohen Wert auf gute Noten legt und deswegen Probleme hat, starke Highschooler mit überschaubarem IQ zu bekommen. Enter James Franklin (nicht der von Mizzou).

Franklin, der aussieht wie Triple-X, hielt letztes Jahr Einzug an der Universität nahe Nashville/TN, implementierte eine physische, beinharte, opportunistische Mannschaft und fuhr gleichmal eine der besten Recruiting-Klassen ever für Vanderbilt ein. Und nach der ersten Saison inklusive überraschender Qualifikation für die Bowl Season ist Vandy und sein Studentenkorpus erstmal erwartungsfreudig.

Die Offense dürfte trotz des grundsoliden QB Jordan „hello, my brother is NFL-MVP“ Rodgers erstmal aus 97% Laufspiel bestehen, damit ja möglichst kein Turnover produziert wird, und dann wird man versuchen, sich trotz mancher wichtiger Abgänge in der Defense mit ein paar gut getimten INTs wieder ausreichend Siege für ein 6-6 zu ergaunern.

Alles schon ein Fortschritt bei Vernderbilt.

Tennessee Volunteers

Ein paar Meilen weiter östlich, in Knoxville/TN, kommen die Tennessee Volunteers einfach nicht aus ihrem Loch heraus. Vor 15 Jahren war man noch National Champion, jetzt hat man erhebliche Probleme, überhaupt noch in die Bowl Season reinzuflutschen (2011 scheiterte man). Head Coach „Betonfrisur“ Derek Dooley ist aber auch verwandt mit der Pechmarie, seien es ausgefallene Starting-Quarterbacks, extrem unglückliche Turnovers oder schlichtweg bizarre Spielausgänge wie vor zwei Jahren bei LSU (ich kann diese letzten 32 Sekunden auch nach dem zwanzigsten Mal anschauen noch immer nicht fassen).

Dooley ist angezählt. 2011 hatte man nicht unmöglich viel erwartet gehabt, aber dann, im letzten Saisonspiel bei 5-6 Siegen, zum ersten Mal seit ein paar Äonen gegen Erzfeind Kentucky zu verlieren, das grenzte an einen kleinen Skandal.

Spielermaterial ist nur in der Spitze. Der QB Tyler Bray spielt wie ein prototypischer NFL-Quarterback spielen sollte und ist ein eigenartig cooler Charakter mit Starpotenzial. Ist Bray fit und auf der Höhe, hat Tennessee einen richtig explosiven Angriff. Fehlt Bray wie ein paar Wochen letztes Jahr, krepiert die Offense komplett. Positiv zu werten ist allerdings, dass Dooley kompromisslos zu werfen versucht, nie eine schlechte Idee bei einem Mann mit Brays Qualitäten (mein dark horse auf einen hohen NFL-Pick 2013).

Mal schauen. Knoxville mit seinem furiosen sechsstelligen Publikum („Rocky Top“) erwartet eigentlich mehr von den Vols – ich würde bei einem erneuten Verpassen der Bowl Season keinen Pfifferling mehr auf einen Verbleib Dooleys wetten.

Kentucky Wildcats

Schließlich Kentucky, die zu den besten Universitäten im College-Basketball gehören, aber zu den schlechtesten im Football – und trotzdem ist hier der Coach unangetastet, eine Kultfigur, ein Sympathieträger: Joker Phillips gilt als ultrapatriotischer „Kentucky Man“, der genügend aus der Mannschaft rausholt, dass man jedes Jahr in Nähe von 6-6 spielt, womit man zufrieden ist.

Seit dem eben angesprochenen legendären Sieg über Tennessee im Saisonfinale 2011 hat Phillips eh Narrenfreiheit, obwohl Augenzeugen dieses Spiels ob der gebotenen Qualität immer noch Schadenersatzklagen gegen beide Unis erheben. Hauptproblem bei Kentucky ist das fehlende Passspiel in der Offense (4.6yds/Play ist einer der unterirdischsten Werte überhaupt) – damit dürfte es dieses Jahr nichts werden mit Bowlspielen.

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