Glaskugel 2012: St. Louis Rams

Die Rams stehen mal wieder auf Los. Mal wieder ein Neuanfang. Nach der großen „Greatest-Show-on-Turf“-Zeit unter Dick Vermeil und Mike Martz sind die Rams nur noch zwischen Mittelmaß und Bodensatz herumgedümpelt. Die letzte Saison mit mehr als acht Siegen war 2004. Den letzten Auftrag zum Neuaufbau bekam Steve Spagnulo. Er fand 2009 eine fürchterliche Mannschaft vor und gewann nur ein Spiel. 2010 ging es steil aufwärts und die Rams kämpften noch in Woche 17 um einen Platz in den Playoffs. Letztes Jahr allerdings verletzten sich vom Quarterback bis zum Zeugwart so ungefähr alle wichtigten Männer und 14 Spiele endeten in Niederlagen.

Für den neuesten Neuanfang nun wurde Jeff Fisher als Chef verpflichtet, der vor seinem Sabbatical 2011 17 Jahre lang die Tennessee Titans geführt hat. Zum Glück aller Beteiligten findet er keine chancenlose Gurkentruppe vor, sondern einen durchaus talentierten Kern, mit dem sich arbeiten läßt.

Rams Defense

Das Herz einer jeden von Fisher trainierten Mannschaft ist die Defensive Line. Angeführt wird sie von Chris Long, einem ehemaligen Nr.2 overall pick, der sich nach mäßigem Start in die NFL über vier Jahre zu einem der besten Defensive Ends der Liga entwickelt hat. Gegenüber macht der letztjährige 1st-rd pick Robert Quinn Jagd auf gegnerische Quarterbacks. Als Backup hat Fisher sich William Hayes aus Tennessee mitgebracht.

In der Mitte startet der diesjährige 1st-rd pick Michael Brockers, ein Riese mit fast grenzenlosem Talent, der allerdings auch erst 21 Jahre alt ist. Neben ihm spielt Neuzugang Kendall Langford, ein hervorragender interior lineman, der während seiner Zeit in Miami komischerweise immer under the radar geblieben ist. Vollgepackt mit jungen Talenten fehlt dieser Linie nur etwas Tiefe.

Für die Secondary hat sich Fisher sein Lieblings-Problemkind aus Tenneessee geholt: CB Cortland Finnegan. Finnegan ist ein extrem physischer Cornerback, der St. Louis endlich den dringend benötigten Leader im Defensive Backfield geben soll. Für die andere Seitenlinie wurde Janoris Jenkins in Runde Zwei gedraftet. Jenkins ist ein noch viel größeres Problemkind als Finnegan und mußte seine Collegekarriere bei North Alabama beenden, nachdem er bei den Florida Gators hochkant vom Campus geflogen ist. Sein Talent soll nach oben hin offen sein und mit dieser Kombination ähnelt er haargenau Pacman Jones, den Fisher bei den Titans haßgeliebt hat.

Safeties sind die beiden erfahrenen Veteranen Quintin Mikell und Craig Dahl. Beide nicht die ganz großen Nummern, aber immerhin ganz sichere Nummern. Daneben aber ist auch in der Secondary Tiefe ein Problem. Nach Finnegan und Jenkins ist mit Bradley Fletcher nur noch ein CB mit NFL-Erfahrung im Kader.

Angeführt wird die ganze Truppe vom immer noch jungen Mikebacker James Laurinaitis. Der ist einer der besseren Abräumer hinter der Linie. Aber neben ihm gibt es nur einen Haufen JAGs im Linebacking-Corps: Jo-Lunn Dunbar, Rocky McIntosh und Mario Haggan.

Im Großen und Ganzen ein guter Kern mit Top-Leuten in allen Levels (Long, Langford, Laurinaitis, Finnegan) und vielen hochtalentierten Jungspunden (Quinn, Brockers, Jenkins). Darauf läßt sich aufbauen und bei so viel individueller Klasse im Kader – trotz mangelnder Tiefe – sollte die Unit auch ohne etatmäßgen Defensive Coordinator ganz gut aussehen. Angeblich soll der erst 27 Jahre alte Sohn Blake des gesperrten Gregg Williams eine große Rolle spielen; wahrscheinlich ist das aber nur eine witzige Offseason-Story gewesen und in Wirklichkeit macht Chuck Cecil den größten Teil der Arbeit, der auch schon zehn Jahre lang mit Fisher zusammengearbeitet hat.

Rams Offense

In der Offense sieht das ein wenig anders aus. Die zwei wichtigsten Männer sind zwei ehemalige Wunderkinder, deren Leistungen aber immer wieder zu Wünschen übrig ließen und ihr Kritikerkreis sich darob rasend vergrößerte: Quarterback Sam Bradford und Offensive Coordinator Brian Schottenheimer.

Schedule

Wk1 @ DET
Wk2 v WAS
Wk3 @ CHI
Wk4 v SEA
Wk5 v ARI (TNF)
Wk6 @ MIA
Wk7 v GB
Wk8 v NE
Wk9 BYE
Wk10 @ SF
Wk11 v NYJ
Wk12 @ ARI
Wk13 v SF
Wk14 @ BUF
Wk15 v MIN
Wk16 @ TB
Wk17 @ SEA

Schottenheimer hat sich in den letzten Jahren immer mehr zu einem Cam Cameron für Arme entwickelt. Oftmals alberne bis abenteuerliche Playcalls und Gameplans, die wirkten, als wollte er krampfhaft beweisen, ein unglaublich talentiertes und innovatives Offensivgenie zu sein und nicht nur Papis (Martys) Sohn. Nach dem Zusammenbruch seiner Jets-Offense hat Schottenheimer, immer noch erst 38 Jahre alt, sofort wieder eine Stelle als OC bekommen. Zum Glück hat er dieses Mal einen Quarterback, der tatsächlich das Talent eines 1st-rd picks hat.

Für Bradford wird Schottenheimer der dritte OC in drei Jahren. Das ist immer blöd für einen jungen QB. Bradford hat unter Verletzungen gelitten, schlechten WRs und einer fürchterlichen Offensive Line. Man muß aber auch sagen, daß andere Quarterbacks unter solchen Bedingungen auch schon mal besser ausgesehen haben. Zusammen mit Schottenheimer sollten beide jetzt endlich mal zeigen, daß sie das ihnen vielerorts zugeschriebene Talent tatsächlich haben und das auch in Leistungen auf dem Platz umwandeln.

Ganz einfach wird das nicht. Die Offensive Line ist schlecht. Roger Saffold, junger 2nd-rd pick 2010, hat immer mal wieder gezeigt, daß er in der NFL mithalten kann, viel mehr aber auch nicht. Neuzugang Barry Richardson war für seinen vorherigen Arbeitgeber, die Chiefs, die große Schwachstelle. Center Scott Wells und Guard Harvey Dahl immerhin sind sehr erfahrene und solide Männer in den Schützengräben. Wie schlecht es um die Linie bestellt ist, zeigt der Trade für Wayne Hunter. Ja, die Rams haben irgendwas abgegeben um Wayne Hunter zu bekommen. Go figure.

Das Receiving Corps ist jung. Das ist kurzfristig nicht unbedingt die beste Nachricht. Der einzige, der konsequent gute Leistungen bringt ist Slot Man Danny Amendola. Der Doppelgänger Wes Welkers hat wie dieser auch schon bei Texas Tech im Slot gespielt und ist auch nun fast immer drei Yards hiner der LOS offen, damit sein QB nicht völlig verzweifelt. Daneben gibt es noch drei junge, recht kräftige Burschen (keiner unter 200lbs.): Brandon Gibson, Austin Pettis und Rookie Brian Quick. Gibson und Pettis haben immer mal wieder gute Tage gehabt, aber viel öfter einen Haufen Drops und Verletzungen. Ein wenig Konstanz könnte vielleicht Ex-Giant Steve Smith bringen, der nach schwerer Verletzung letztes Jahr bei den Eagles keinen Stich gesehen hat, nun in der Preseason aber einen ganz patenten Eindruck gemacht hat.

Mit Lance Kendricks, Mike McNeill und Michael Hoomanawanui stehen für Bradford drei Tight Ends größer als 1,90m bereit. Kendricks und McNeill sollen dabei eher die Bälle fangen, während Hoomanawanui mehr Löcher für das Laufspiel reißen soll.

Das Laufspiel ruht immer auf den alten Schultern von Steven Jackson. Der Dauerbrenner hält mittlerweile eine Serie von sieben aufeinanderfolgenden 1000-Yard-Seasons am Laufen. Weil er aber schon 30 wird, soll Rookie Isaiah Pead eine große Rolle spielen. Insgesamt sieht es auf der offensive Seite des Balles nicht so gut aus wie auf der anderen.

Rams Ausblick

Einen klassischen Aufbaujob hat Jeff Fisher da vor sich. Er muß zumindest nicht ganz bei Null anfangen, aber der Löcher sind viele. In der Preseason war er von den Leistungen seiner Mannschaft dermaßen angesäuert, daß im vierten Preseasonspiel die erste Garde fast die gesamte erste Halbzeit gegen die Backups der Ravens spielen mußte.

Es gibt ein ganz klein wenig Sensationspotential durch die personell starke Defense und einen fähigen QB mit aufstrebenden WRs. Sollte Bradford sein großes Coming Out haben, könnten die Rams auch im Dezember noch wichtige Spiele spielen. Wahrscheinlicher ist aber ein einigermaßen großer Abstand zu den 49ers und den Seahawks in der NFC West.

6 Kommentare zu “Glaskugel 2012: St. Louis Rams

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