Glaskugel 2012: Washington Redskins

Der Messias ist da! Wenn eine Franchise drei 1st- und einen 2nd-rd pick abgibt, um einen kleinen QB zu draften, der nur eine gute Saison am College gespielt hat, weiß man, wie es um sie bestellt ist. Zumal dieser QB, Robert Griffin von Baylor, eigentlich viel besser laufen als werfen kann und seine WRs oft einfach Ziele waren, weil alle Verteidiger vor lauter Angst um seine Scrambles ins Backfield geguckt haben.

Der Shanaclan hat 2010 eine mittelmäßige Mannschaft vorgefunden, bei der das größte Problem war, daß Owner Dan „Chainsaw“ Snyder und einige Spieler auf Head Coach Jim Zorn gepfiffen haben und handelten, wie es ihn gerade beliebte. In den letzten zwei Jahren hat der Staff um Mika Shanahan diese mittelmäßige Mannschaft mit großem Erfolg in blanker Mittelmäßigkeit gehalten. 11 Siege in zwei Spielzeiten und einen riesigen Graben zu den drei Großen in der NFC East – Giants, Cowboys, Eagles – später, soll nun der massivst gehypte RGIII die Mannschaft ganz alleine tragen, hat man den Eindruck.

Redskins Offense

Die Überlegung dahinter ist nicht die dümmste. Wenn man eine nur mäßige Mannschaft hat, kann man in jahrelanger Kleinarbeit über die Draft aufbauen und detailverliebt ein System basteln, das aus allen Spielern das Bestmögliche herausholt, um wieder ganz nach vorne zu kommen. Oder man draftet einfach einen Quarterback und lädt allen Druck auf ihm ab. In einer Liga, in der nur Ws zählen und mit einem Knalli wie Synder als Besitzer, entscheidet man sich für Variante zwei, wenn einem seine Reputation lieb ist.

Das Shanaclan´sche System, das Papa Mike Sohn Kyle schon mit der Muttermilch aufsaugen ließ, soll dem überaus athletischen Griffin angeblich sehr zu gute kommen. Es gibt viele rollouts, moving pockets und jede Menge play action. Gerade auf den play-action-Pässe ruhen große Hoffnungen, soll doch das Laufspiel sehr stark sein. Hofft man. Aber obwohl sich Unschlagbarkeits-Legenden um das zone blocking scheme ranken, waren die ´Skins letztes Jahr doch nur im unteren Drittel zu finden, sieht man sich Yards insgesamt und Yards per Carry an. Da sich nicht viel geändert hat, erschließt sich nur schwer, woher plötzlich dieser Optimismus kommt.

In der Offensive Line spielt mit dem ehemaligen Nr. 4 overall pick Trent Williams ein Riesentalent, das aber immer wieder mit Verletzugen zu kämpfen hat. Daneben spielen nur Leute, deren Namen man sich nicht merken muß. Das ist eine der schwächeren Units der NFL. Besonders doof, da Washington allein sechs Spiele gegen die D-Line Monster aus New York, Philadelphia und Dallas hat. Die Running Backs sind in guter alter Zone-Blocking-Tradition nahezu austauschbar: Ob da jetzt Roy Helu, Tim Hightower, Evan Royster oder der hochgelobte Rookie Alfred Morris spielen ist gleich. Immerhin ist man tief aufgestellt im Backfield.

Nicht so gut aufgestellt ist dagegen das Receiving Corps. Der ewige Santana Moss geht in seine zwölfte Saison und nachdem er letztes Jahr gerade so die 500-Yard-Marke gerissen hat, sollte man auch nicht mehr viel erwarten. Die neue Nr. 1 ist Pierre Garcon. Wenn der aus Indianapolis für mehr als 20 garantierte Millionen Dollar gekommene Garcon nicht Hände aus Stein hätte, wäre er das viele Geld fast wert. Er ist ein körperlich sehr starker und sehr hart an sich arbeitender Mann, der es immerhin von irgendeiner obskuren Minischule zu einem heißbegehrten Free Agent gebracht hat. Neben Garcon und Moss ist aber essig. Neuzugang Josh Morgan war angeblich mal sehr talentiert, hat aber meistens schlecht gespielt oder sich verletzt (letzte Saison war es ein gebrochenes Bein). Der letztjährige Rookie Leonard Hankerson hat 2011 nur vier Spiele gemacht.

Robert Griffin hat also die fast einmalige Gelegenheit, zu beweisen, daß er drei 1st-rd picks wert ist. Nach seinen Leistungen in der Preseason könnte man aber schon daran zweifeln, daß er überhaupt einen 1st-rd pick wert gewesen ist. Gerade gegen die Bears schien er heillos mit pressure überfordert zu sein, floh ständig aus der pocket und wollte es einfach so machen, wie im College. Aber im College hat er nicht gegen Julius Peppers gespielt. Der fand das ganz witzig, was Griffin immer wieder versucht hat; hat ihn aber dann ganz humorlos mit vielen blauen Flecken in der NFL willkommengeheißen.

Ich habe keine Ahnung wie gut RGIII wirklich sein kann. Aber hinter dieser Offensive Line, mit diesen WRs und mit der riesigen Umstellung vom College auf die NFL sollte man da nicht viel erwarten. Zumal er mit TE Fred Davis auch nur eine einigermaßen fähige Notfalloption hat.

Redskins Defense

Die Defense ist im Grunde nicht viel besser. Hier ist alles um die beiden starken Pass Rusher Brain Orakpo und Ryan Kerrigan designt. Dazwischen spielt der immer noch sehr fähige London Fletcher und der überraschend fähige Perry Riley.

Auch die Frontlinie ist ganz gut aufgestellt. NT Barry Cofield steht meistens wie ein Fels. Und als 34-DEs sind Stephen Bowen und Adam Carriker auch überdurchschnittlich. Mit dem letztjährigen 2nd-rd pick Jarvis Jenkins, Kentwan Balmer und Kedric Gholston ist sogar depthim Kader.

Nur leider ist das alles total für die Katz´, da es keine Secondary gibt und der Defensive Coordinator Jim Haslett gerne mal die Nerven verliert. Haslett hat es zu seinem Markenzeichen gemacht, bei 3rd&longs mit acht Mann zu blitzen, worauf sich QBs wie Eli Manning oder Tony Romo so sehr den Bauch halten müssen vor lachen, daß sie manchmal tatsächlich kein 1st Down erreichen. Mit dieser Harakiri-Taktik hat Haslett letztes Jahr mehrere Spiel verloren.

Harakiri ist das vor allem, weil die Defensive Backs nicht viel von Disziplin halten und am liebsten wilde Sau spielen. DeAngelo Hall spielt immer mit unglaublichem Risiko. So kommt er zwar immer wieder zu einigen Interceptions, aber auch zu noch mehr abgegebenen Big Plays. Die anderen CBs sind Cedric Griffin, der zu schlecht für Minnesota Secondary war, Josh Wilson, der immerhin durchschnittlich ist und ansonsten noch ein paar Rookies, die in der siebten Runde oder gleich gar nicht gedraftet wurden.

Passenderweise spielt Brandon Meriweather Safety, der bei den Patriots und Bears gezeigt hat, das allergisch auf taktische Disziplin ist. Neben ihm sollte Tanard Jackson spielen, der wurde aber wegen zu vieler Drogen auf unbestimmte Zeit gesperrt. Nun zieht dort der harte Reed Doughty seine Kreise. Backup ist Ex-Viking Madieu Williams. Den Redskins scheint Minnesotas Secondary ziemlich gut gefallen zu haben.

Ausblick Redskins

Die Offense ist mäßig und spielt mit einem Rookie-QB. Die Defense könnte ganz gut sein, wenn nicht die Secondary ein einziges Minenfeld wäre.

So können die Washington Redskins für die nächste Draft sicher einen Top-10 pick einplanen und sich einen richtig guten Mann für die Secondary draften. Ach nee, können sie ja gar nicht. Tja, dann holt Dan Snyder nächstes Jahr eben Jon Gruden oder Bill Cowher für einen neuen Neuanfang.

5 Kommentare zu “Glaskugel 2012: Washington Redskins

  1. Ja leider viel Wahrheit dran… Aber ich hoffe doch, dass nicht alles so schrecklich wird. Aber der Druck der auf RG3 aufgebaut wird ist schon krank.
    Hightower ist übrigens dem cut zum Opfer gefallen…

    Go Skins!

  2. kleine Anmerkung:

    Cedric Griffin war selbst bei unsrer Secondary in Minnesota nur Nickel Corner (und wurde erst durch die Verletzungen von Winfield und Cook zum starter)! Durschnittlicher tackler, in der coverage hochgradig unbrauchbar! Viel Spaß in Washington 🙂

  3. Pingback: Glaskugel 2012: San Francisco 49ers | Sideline Reporter

  4. Danke PuNISHa!

    Aber gabs in Minnys Secondary überhaupt noch die Unterscheidung „Typ mit Starterqualitäten“ und „Typ ohne Starterqualitäten“? 😉

  5. Pingback: Glaskugel 2012: Denver Broncos | Sideline Reporter

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