Glaskugel 2012: San Francisco 49ers

Spread Formations, zone blitzes, it´s a passing league – pfff, nur Amateure brauchen sowas! Die San Francisco 49ers, die lange Jahre für Innovationen und modernen Football standen, spielen lieber Football wie in den 80er Jahren – und sind damit erfolgreich. Letztes Jahr hat es für 13 Siege in der regulären Saison und einen Besuch im NFC Championship Game gereicht.

Dafür brauchten die `Niners nicht mehr als eine bärenstarke Defense und hervorragende Special Teams. Die Angriffsspieler waren nur im Kader um das Roster vollzumachen. Was der neue Staff um Ex-Stanford Head Coach Jim Harbaugh mit seinem Staff um Offensive Coordinator Greg Roman und Defensive Coordinator Vic Fangio (beide hat Harbaugh von den Cardinal mitgebracht) innerhalb so kurzer Zeit auf die Beine gestellt hat, war atemberaubend.

Dabei war das Konzept so unglaublich simpel und offensichtlich, daß die anderen Entscheidungsträger der NFL das wohl für unter ihrer ach-so-fortschrittlichen-Würde befinden und es darum nicht selber auf diesem Wege versuchen. Im Angriff wird gelaufen, gelaufen, gelaufen, ab und zu mal ein Trickspielzeug eingestreut (Trickspielzüge sind in der angeblich furchtbar modernen NFL auch immer seltener geworden) und gepaßt wird nur bei 3rd&longs. In der Defense macht San Francisco auch nichts besonderes, sondern sagt einfach: „meine Jungs sind stärker als deine Jungs!“

49ers Special Teams

Dazu kommt noch, daß wohl keine Mannschaft der NFL die Special Teams so wichtig nimmt wie SF. Sie haben das verstanden, was korsakoff hier immer wieder predigt: field position ist einer der wichtigsten Aspekte beim Football. Der Angriff der `Niners hat bedingt durch die starken Special Teams und die Defense ihre Drives durchschnittlich an der 34-Yard-Linie begonnen.

Das bedeutet, daß sie nur drei gute First Downs benötigen, um in field goal range zu kommen, wenn man einen so starken Kicker wie David Akers hat. Eine Mannschaft wie Carolina, die eine viel explosivere Offense hat, beginnt ihre Drives durchschnittlich an der 28-Yard-Linie und weil sie einen schwächeren Kicker habt benötigt sie mehr als vier First Downs um ein einigermaßen sicheres Field Goal versuchen zu können. Das ist ein riesiger Unterschied.

Punter Andy Lee hat eines der stärkste Beine im Business und die coverage units bei Punts wie Kickoffs sind auch allererste Güte. Auch geblockt wird für Kick- und Puntreturner Ted Ginn, Jr. ganz hervorragend. Mehr als 27 bzw. 12 Yards pro Return sprechen für sich. Special Teams tendieren dazu, in manchen Jahren Ausreißer nach oben wie nach unten zu haben. Aber selbst wenn es für San Franciscos ST nach der grandiosen Saison 2011 wieder etwas nach unten gehen sollte, werden sie immer noch zu den besten gehören, schließlich haben sie so gut wie keinen wichtigen Spieler verloren.

49ers Defense

Neben den Special Teams sorgt die Verteidigung regelmäßig für gute field position, weil sie gegnerische Drives so oft schon im Keim erstickt. Das besondere an Fangios Defense ist, daß sie gar nichts besonderes macht. Den Luxus kann sich der DC erlauben, weil die front seven absurd viel individuelles Talent in sich vereinigt. DE Justin Smith und die beiden ILBs Patrick Willis und NaVorro Bowman sind drei der besten Verteidiger der ganzen Liga, nicht nur drei der besten Spieler auf ihren jeweiligen Positionen. Smith ist körperlich so stark wie zwei Bären und hat in mehr als 10 Jahren NFL so viel und gut gelernt, daß er unstoppable ist. Man kann einfach nichts gegen ihn machen.

Willis und Bowman spielen beide wie Ray Lewis in seinen besten Jahren. Sie können das Spiel unglaublich gut lesen, haben einen todsicheren Instinkt, der sie niemals im Stich läßt und sind so athletisch wie Safeties. Außen spielen der mehr als solide Ahmad Brooks und Aldon Smith, der letztes Jahr als Rookie fast ausschließlich in der Nickel-D gespielt hat und trotzdem 14 Sacks sammeln konnte. In dieser Saison soll er immer spielen und muß erst beweisen, wie gut er gegen den Lauf und in Coverage ist.

Vorne, neben Smith, spielen mit DE Ray McDonald und NT Isaac Sopoaga zwei starke Typen, die in den meisten anderen Teams Leistungsträger wären. Hier haben sie den Luxus, nur dier vierte, fünfte oder gar sechste Geige spielen zu müssen und bekommen darum viel weniger Aufmerksamkeit von der Offense.

Ein wenig dünner wird es in der Secondary. Die Cornerbacks Carlos Rogers und Tarell Brown sind solide. Mehr aber auch nicht. Sie sehen vor allem gut aus, weil bei ihnen hinten oftmals nur weggeworfene Verzweiflungspässe ankommen. Auch die beiden Safeties Dashan Goldson und Donte Whitner sind durchaus gute Leute, sehen aber durch die starke front seven (noch) besser aus, als sie tatsächlich sind. Glücklicherweise für alle Beteiligten gibt es keinen Grund, daß diese in der kommenden Saison schlechter sein sollte als letztes Jahr.

Es gibt nur ein Manko in Fangios Truppe: mangelnde Kadertiefe. Auf kaum einer Position gibt es gute Backups. 2011 ist das nicht weiter aufgefallen, weil San Francisco unglaubliches Verletzungsglück hatte. Es ist äußerst unwahrscheinlich, daß man auch 2012 fast völlig verletzungsfrei die Saison übersteht.

Offense 49ers

Kadertiefe ist dagegen kein Problem auf den skill positions in der Offense. Nachdem die beiden besten Wide Receivers letztes Jahr Michael Crabtree und ein Kegel aus dem Materialraum waren, hat GM Trent Baalke kräftig eingekauft. In der Draft hat man in der ersten Runde den schnellen A.J. Jenkins gedraftet, auf dem Free-Agent-Market Mario Manningham von den Giants verpflichtet und vom Arbeitslosenmarkt den Typen geholt, der früher mal Randy Moss war. Das sind jetzt alles keine großen Nummern, aber wenigstens kann der Kegel wieder zurück zur Mat-Gruppe. Da OC Roman am liebsten eh mit höchstens zwei WRs gleichzeitig spielen läßt, ist SF also gegen Verletzungen einigermaßen gefeit.

Schedule

Wk1 @ GB
Wk2 v DET (SNF)
Wk3 @ MIN
Wk4 @ NYJ
Wk5 v BUF
Wk6 v NYG
Wk7 v SEA (TNF)
Wk8 @ ARI (MNF)
Wk9 BYE
Wk10 v StL
Wk11 v CHI (MNF)
Wk12 @ NO
Wk13 @ StL
Wk14 v MIA
Wk15 @ NE (SNF)
Wk16 @ SEA
Wk17 @ ARI

Auch Running Backs haben die 49ers mehrere und die sind sogar besser als die Receivers. 2nd-year man Kendall Hunter wird sich wohl mit dem immer noch ganz guten Frank Gore die Aufgaben als Nr. 1 teilen. Im April wurde der explosive space player LaMichael James von der explosivsten aller Offenses – Oregon Ducks- verpflichtet. Für short yardage situations wurde DT RB Brandon Jacobs ins Boot geholt. Damit hat man jeden Spielertypen, den man laut Lehrbuch für ein gutes running game braucht.

Die werden auch alle bitter benötigt, denn von der Offensive Line kann nicht viel Unterstützung erwartet werden. Keiner der fünf – Joe Staley, Mike Iupati, Jonathan Goodwin, Alex Boone und Anthony Davis – ist irgendetwas besonderes. Weder reißen sie große Löcher im Laufspiel noch können sie Quarterback Alex Smith schützen.

Und Smith müßte ganz besonders geschützt werden. Der ehemalige Nr. 1 overall pick ist einfach kein guter NFL-Quarterback und wird es wohl auch nicht mehr werden. Sein decision making ist auf Tebow-Niveau, das Spiel ist zu schnell für seinen Kopf und einen starken Arm hat er auch nicht. Aber hey, was macht das schon in der angeblichen „Passing League NFL„? Sowohl Tebow als auch Smith haben letztes Jahr Playoffspiele gewonnen.

Was diesm Angriff explosive Momente gibt sind 1) TE Vernon Davis und 2) seltene (Trick-)Spielzüge. Er macht es nicht konstant und auch nicht gegen sehr disziplinierte Defenses, aber immer mal wieder kann Davis ein Big Play hinlegen, wenn er einen Linebacker oder Safety vernascht. Meistens muß er aber die Notfalloption underneath für den hilfesuchende Smith geben.

San Francisco versucht daher öfter als alle anderen Mannschaften mit end arounds, wilden Blockformationen im Laufspiel und mutigen Laufspielzügen für den QB (!) bei dritten Versuchen (hallo Saints!) wenigstens mal ein wenig Feuer aus dem lahmen Haufen herauszuholen. In der Offseason sollen sie jetzt auch noch read options mit QB Colin Capernick in ihr Repertoir mit aufgenommen haben.

Ausblick 49ers

Die San Francisco 49ers sind sehr solide aufgestellt. Sie werden zwar höchstwahrscheinlich nicht mehr so viel Turnover-Glück wie letztes Jahr haben, als ihnen scheinbar jeder Fumble in die Hände gesprungen ist, aber die Special Teams und die Defense sind for real. Das war kein Zufall. Mit der nicht überragenden Secondary dürfte es schwierig werden, so stark wie 2011 zu sein, aber eine Top-5-Unit ist das allemal – solange sich nicht mehrere Leistungsträger gleichzeitig verletzen.

Die Offense wird so mit durchgeschleppt. Gefährlich könnte es hier nur werden, wenn man Smith zuviel zutraut. Die Gleichung ist einfach: mehr mutige Entscheidungen + mehr tiefe Pässe für die neuen Spielzeuge = viel mehr Interceptions. Umschifft man diese gefährlichen Klippen, sollten die `Niners auf die Krone der NFC West sein, aber nur mit ganz viel Glück in Sachen Turnovers, Verletzungen und auf Trickspielzüge hereinfallende Verteidigungsreihen in den Playoffs wird es nicht für den ganz großen Schocker langen.

3 Kommentare zu “Glaskugel 2012: San Francisco 49ers

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