NFL-Woche 1/2012: Cleveland Browns – Philadelphia Eagles im Rückspiegel

Nochmal eine Spoilerwarnung für die, die das Ergebnis immer noch nicht kennen und ganz gerne ein Spiel unwissend ob des Ausgangs anschauen. Für die anderen: Bitte. Nach dem Sprung.

Spiel mit neun Turnovers und weniger als 50% Completions Rate – und trotzdem war es unterhaltsam? Ich sage leise „ja“, denn es war eine Partie, aus der man einiges ziehen kann. Vorneweg: Philadelphia, einer meiner ganz großen Favoriten, tat sich schwer, gewann knapp 17-16 gegen den großen Außenseiter Cleveland. Rühmen braucht man sich dafür nicht.

Philadelphia Eagles

Es wird vor allem der Umstand von Michael Vicks 56 (!) Passversuchen trotz Rippenprellungen und allen möglichen Wehwehchen diskutiert. Klar ist: Vick wirkte nicht fit, nicht bei den Scrambles, und die Pässe funktionierten auch nur, solange Vick links rausrollen konnte. Klar ist auch: Die Eagle-Offense ist brutal unbeständig. Fünf Incompletions in Folge und dann folgt ein TD-„Drive“ von zwei Plays über 80yds zum Touchdown.

Das liest sich dann so: Top-WR #18 Maclin mit nur sieben Catches in 16 Anspielen, Top-WR #10 Jackson nur vier Catches in elf Anspielen. Aber wenn gefangen, dann in insgesamt elf Catches zusammen 173yds gemacht.

Bei den Sofa-QBs wurde diskutiert, warum die Eagles trotz 5.5yds/Laufversuch für RB #25 LeSean McCoy selbigen nur 20x Ball tragen ließen. Ich habe einen Ansatz: McCoy ist bei aller Explosivität und Fangstärke ein one trick pony, wenn es ums Laufen geht. Über die Mitte funzt nix, sogar trotz der Umstände, dass der Browns-DT #71 Rubin an der Line of Scrimmage schwerfälliger aufsteht als ich an manchem Samstagmorgen (really, man schaue sich Rubin mal an!).

McCoy muss über außen kommen, dann sind Big Plays vorprogrammiert. Oder Big Losses (zwei oder dreimal für -5yds getackelt). Zweites ganz großes Problem der Eagle-Laufoffense: Drei oder vier lange Läufe McCoys wurden wegen Holding zurückgepfiffen. Spricht dafür, dass Philadelphia Probleme hatte, die Löcher zu öffnen.

Die Line war auch in der Pass-Protection wenig überzeugend. Schlecht, weil Clevelands Passrush für gewöhnlich nicht zu den gefährlicheren gehört. Schlecht auch, weil Vick unter Druck immer noch – und immer wieder! – zu hirnlosen Bällen in die Secondary hinein neigt. Vick mit 29 Completions in 56 Versuchen, nicht gut, aber auch nicht unterirdisch. Vick mit vier Interceptions. Die zweite und dritte dabei waren zumindest nicht Vicks alleinige Schuld, weil beide Mal von den Receivern abgelenkt. Bitterböse war die vierte, die von LB #52 Jackson lockerst zum Touchdown returniert werden konnte.

Fazit: Die Eagles wirkten phasenweise noch wie in der Preseason. Aber ich möchte trotz der Unkonstanz und der nicht überzeugenden Offensive Line nicht gegen die Offense spielen, wenn sie mal ins Rollen gekommen ist.

Die Defense war gut, aber nicht super. Der Passrush war vorhanden, die Lauf-Defense klappte vorzüglich, wenn mindestens sieben Mann in der Box standen und im Backfield konnten #23 Rodgers-Cromartie und #42 Coleman je einmal abgefälschte Bälle abstauben und je einmal einen „Rookie-Pass“ Weedens zu insgesamt vier Interceptions abfangen.

Cleveland Browns

Können wir den positivsten Playmaker gleich abarbeiten? KR/PR #16 Josh Cribbs. 13yds pro Puntreturn, 30yds/Kickreturn. Cribbs machte immer wieder große Returns, aber es sei auch angemerkt, dass der Eagle-Punter zwar extrem weit puntete, dafür aber nicht die längste Hang-Time hatte und Cribbs immer wieder große Räume vorfand. Und weiter.

Sofort ins Auge fallen die Statistiken von Rookie-QB #3 Brandon Weeden: 12 von 35 für 118yds, 4 INT – really? Ich bin mir nicht sicher, was von Weedens Debütpartie zu halten ist. Die Probleme waren augenscheinlich: Der Druck machte Weeden nervös (nie das beste Zeichen), die wenigen versuchten tiefen Bälle waren allesamt sehr unpräzise und flogen teilweise meterweit selbst an ungedeckten Wide Receivers vorbei, und dann die vier INTs… zwei waren abgefälscht und IMHO nicht Weedens Schuld. Eine weitere war ein übermütiger Wurf rechts das Spielfeld runter in eine Zone, in der drei Eagle-Defensive Backs gegen zwei Browns-WRs standen. Die schlimmste war die vierte, jene im allerletzten Drive: Erstes Play nach Rückstand 1:06 vor Toreschluss, Weeden überwirft den WR #11 Massaqoui um zirka drei Meter, direkt in die Arme des dahinter wartenden Safetys Kurt Coleman.

Weeden war nicht gut und die Gabbert-Vergleiche dürften in den nächsten Wochen aus dem Boden sprießen, wenn das so weitergeht. Aber Weeden hatte halt auch keinerlei Unterstützung von seinen Anspielstationen.

Der zweite Top-Rookie im Angriff, RB #33 Trent Richardson, erlebte auch so einen Tag zum Vergessen: 19 Läufe für 39yds beim Debüt, plus eine kurze Reception. Richardson war nicht fit, und Richardson zeigte Kampfgeist (u.a. einem Eagle vor lauter Wucht den Helm runtergerissen). Aber hinter einer zumeist schnell übermannten Line konnte Richardson null Impulse setzen.

Viel, viel, viiiiiiel überzeugender war die Defense, die auch Clevelands einzigen Touchdown scorte (ein einfacher TD für einen erfahrenen Linebacker wie #52 Jackson, der einen schlechten Pass Vicks in die Zonendeckung hinein locker abfangen und returnieren konnte). Clevelands Defense gefällt mir vor allem in der Secondary außerordentlich gut, und sie machte Philadelphias Passspiel immer und immer wieder mit extrem vielen zu Boden geschlagenen Bällen kaputt. Besonders hervorzuheben ist CB #23 Joe Haden, der mir immer besser gefällt. Bitter für Cleveland, dass Haden nun vier Partien wegen Dopingsperre verpasst (@CIN, BUF, @BAL, @NYG).

Man muss sich das vorstellen: Die Browns-Defense war 90 (mit Strafen sogar 96) Spielzüge auf dem Feld. Bei dieser Unmasse haben Verteidigungen schon mehr als die 456yds von Sonntag aufgegeben.

Schließlich und endlich wird über Browns-Head Coach Pat Shurmur zu reden sein, der keine Eier zeigte. Shurmur nahm beim Stande von 10-6 eingangs des Schlussviertels von der gegnerischen (!) 4yds-Line das Field Goal, um den Rückstand zu verkürzen, anstatt auf die Führung zu gehen. Sicher, die Offense war schlecht drauf, aber der richtige Call ist in diesem Moment die Aggression.

Paar Sekunden später fing Jackson die INT ab, Cleveland führte nach dem Return 15-10. Shurmur nahm den P.A.T. anstelle der fälligen 2pts-Conversion. Dieser eine fehlende Punkt ging am Ende ab, um wenigstens in die Overtime zu kommen. Nüscht gut, selbst wenn wir hier von Momenten reden, wo noch 14 Minuten zu spielen waren.

Fazit: Eines der unterhaltsameren dieser Katastrophenspiele, die ich in meiner Vita gesehen habe. Beide würde ich noch nicht in Grund und Boden schreiben, aber vor allem die Eagles würde ich auf Basis des Gesehenen niemals abschreiben.

NFL-Woche 1/2012: Denver Broncos – Pittsburgh Steelers im Rückspiegel

Wie schon gestern Abend: Aus Spoilergründen gibt es den Kommentar zum Spiel erst nach dem Sprung.

Das Endergebnis sieht klar aus, aber das Spiel war enger als man annehmen würde. Denver gewann verdient 31-19, aber es war lange Zeit ein offenes Spiel gewesen. Zwei Storylines: Peyton Manning. Und Peyton Manning. (Okay, eine dritte war die fürchterlich übermannte Offensive Line der Steelers)

Manning legte bei seinem Comeback in die NFL ein insgesamt erstklassiges Spiel hin, wirkte aber für meine Begriffe noch nicht 100%ig wie der Alte – die Würfe waren hin und wieder unpräziser als zur Blütezeit. Trotzdem ein insgesamt sauberes Spiel von Manning (9.2yds/Passversuch), ohne größeren Fehler. Mehrere schnelle, kurze Pässe für Slot-WR #14 Brandon Stokley, WR Eric Decker und TE Tamme, und dann der ganz lange Touchdown für WR #88 Demariyus Thomas, der der Steeler-Secondary wie schon im Jänner auf und davon rannte.

Okay. Der Pass war ein kurzer, aber Manning erkannte richtigerweise das Fehlen des Safetys in diesem Spielzug, sodass es für Thomas ein relativ leichtes war, durchzulaufen.

Auf der anderen Seite bezog QB Roethlisberger mächtig Prügel hinter einer auf den Außenpositionen völlig überrumpelten Offensive Line (glaube sogar, dass auch noch OT Gilbert verletzt rausmusste). Was die Defensive Ends und Outside Linebackers um #92 Dumervil und #58 Von Miller da veranstalteten, war allererste Sahne und zwang Roethlisberger immer wieder zur Improvisation.

Roethlisbergers größte Waffe war im Prinzip TE #83 Heath Miller, der vor allem in der zweiten Halbzeit mehr als einmal den Notnagel geben musste und mehrere 3rd downs verwertete.

Laufspiel? Laufspiel? Fehlanzeige. Roethlisberger musste die Steelers komplett alleine tragen, was irgendwann schief gehen musste. CB #22 Tracy Porter sprang bei 25-19 (also durchaus noch offene Partie) in den Schlussminuten wie weiland in der Superbowl in einen Pass und returnierte zur Entscheidung. In den letzten Spielzügen kam Denver mehrmals en suite mit All-Out Blitz und brachte Roethlisberger jedes Mal per Sack zum Fall.

Fazit: Für die Steelers liegt der Schlüssel in der Zukunft in besserer Protection (harhar), Denver kann erstmal aufatmen. Mannings Fitness ist konkurrenzfähig, und auch wenn es insgesamt in der Offense noch durchaus Verbesserungspotenzial gibt, war das erstmal ein sehr geglückter Saisonstart.

Sofa-Quarterbacks am ersten Spieltag 2012/13

Die Sofa-Quarterbacks von Sportradio360 haben heute Nacht ihre Rückschau auf den ersten Spieltag abgehalten, und zwar in vier Teilen: Analyse Spiele, Analyse NFC East, Analyse der Rookies, Ausblick. Mit dabei waren diesmal: Moderator Nicolas Martin, Kai Pahl/Allesaussersport, Andreas Renner/Sky, Olaf Nordwich und Manfred Groitl/Fantasy Football. Zur Sendung (62min) geht es hier entlang.